Kirchenvisitation und Kommunikation: Die Akten zu den Visitationen in der Kuroberpfalz unter Ludwig VI. (1576-1583)

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C.H. Beck Verlag / Kommission für bayerische Landesgeschichte (KBL), 01.01.2006 - 444 Seiten

In ihrer Dissertation stellt Katharina Frieb die oberpfälzischen Visitationsprotokolle des späten 16. Jahrhunderts in den Mittelpunkt einer ausführlichen historischen und medienwissenschaftlichen Betrachtung.

Kaum an die Macht gekommen, hatte Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz (1576-1583) die Weichen für die umfassende Kontrolle des lutherischen Kirchenwesens in der Oberpfalz gestellt. Nach einem calvinistischen Zwischenspiel unter seinem Vorgänger Friedrich III. (1559-1576) führte Ludwig VI. das Luthertum wieder ein und veranlaßte sofort umfangreiche personelle Umbesetzungen. Schon im folgenden Jahr, 1577, rief er einen lutherischen Kirchenrat ins Leben, der sich in der Folge als weitgehend selbständige Behörde etablieren konnte, und erließ eine neue Kirchenordnung. 1579 folgte mit einer Visitationsordnung eine konkrete Instruktion, nach deren Richtlinien die tatsächlichen Zustände in den Gemeinden der Kuroberpfalz ermittelt werden sollten. Noch im selben Jahr entfaltete sich eine rege Visitationstätigkeit, die das gesamte Territorium umfaßte und bis 1583, dem Todesjahr Ludwigs VI., andauern sollte. Die Ergebnisse dieser weitgehend flächendeckenden Visitationsreisen - die Kuroberpfalz war mittlerweile in sieben Superintendenturen, nämlich Auerbach, Cham, Kemnath, Nabburg, Oberviechtach, Tirschenreuth und die Ämter vorm Wald, eingeteilt worden - bieten nicht nur eine aussagekräftige Momentaufnahme zu vielerlei Aspekten des täglichen Lebens, sondern stellen hervorragende Quellen zum Kirchenwesen jener Zeit dar. Man erfährt von örtlichen Konflikten, vom Zustand öffentlicher Gebäude ebenso wie von der Kirchenausstattung; der Lebenswandel der Pastoren und ihrer Familien wird beschrieben, die gottesdienstliche und seelsorgerische Arbeit, insbesondere Katechese und Predigt, aber auch Volksfrömmigkeit und Brauchtum finden Eingang in diese Protokolle. Sie bieten somit nicht nur einen hervorragenden Einblick in das Leben der Oberpfälzer Bevölkerung in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, sondern sie geben auch Einblicke in die fortgeschrittene Verwaltung und Bürokratie dieses Visitationswerks.

Zum anderen werden die Visitationsakten im Sinne einer modernen Fragestellung als Medien und Wissensspeicher betrachtet: In einer neuartigen Perspektive werden die vielfältigen kommunikativen Strukturen dargelegt, die im Umfeld der Visitation bestanden, es wird erörtert, ob und wie dieses komplexe Beziehungsgeflecht in den schriftlichen Aufzeichnungen seinen Niederschlag gefunden und Auswirkungen auf den Informationswert der behandelten Quellengruppen hat.

 

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