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die Magdeburger, fich von ihrem Erzbischof, durch fene Gottes Wort widersprechende Mandate, in ihrem standhaften Bekenntniß der reinen Lehre nicht irre machen zu lassen. Am folgenden Tage kam er zu einem der von ihm offentlich ans gegriffenen Diakonen an der Johanniskirche, Namens Kilis an Friedrich, zur Beichte. Dieser aber versagte ihm, -- jenes Offentlichen, auch noch im Beichtstuhl vertheidigten, Angriffs wegen, die absolution. Eben das that nachher der zweyte Diafon, Johann Meyer. Ungestüm verwies Kebhusen dies seinen Collegen, und absolvirte nun felbft den Eggerde nebst seiner Frau, welche obgebachtem Kilian Friedrich, nad Abweisung ihres Mannes, die bereits empfangene Absolution wieder aufgesagt hatte. Damit nod nicht zufrieden, predigte Heßhusen auch heftig gegen seine Collegen, und nannte sie von der Kanzel Seelenmdrder, Verråther, Meineidige, Tyrans ,

Mörder des Leibes und Bluts Christi. Um großerm Unheil zuvorzukommen, ließ der Magistrat dem Eggerde rathen, die Stadt zu verlassen; und als er sich in Gáte nicht dazu verstehen wollte, erhielt er am 28. Sept. ernst: lichen Befehl, in zwey Tagen die Stadt zu räumen. Da er sich auch hieran nicht fehrte, und drey Tage öffentlich vor dem Rachhause vorbey in die Kirche ging, foward er am 1. Oc: to6. auf dem Rathhause in Verwahrung genommen. Heßhu: sen schrieb schon am 29. Sept. heftig an den Magistrat: ,,er solle in dem Eggerde, als einem Prediger, Gottes Augapfel vnicht antasten''; er predigte auch, gleich nach dessen Arreti: rung am 1. Octob., heftig gegen den Magistrat, bat nach der Predigt für den Gefangenen, verlangte mit allen Predigern von seiner Parthey dringend dessen Loslassung, und drohte nebst ihnen dem Magistrat mit dem Kirchenbann. Unter: dessen hatte-der. Magistrat, um, wenns möglich wäre, noch

nen

durch gútliche Mittel Ruhe und Frieden wiederherzustellen, das ganze Ministerium am 30. Sept. auf& Rathhaus beschies den. Er verlangte, daß die Freunde und Anhänger Ref: husens im Ministerium, ohne ihn und den Wilhelm Ed, in die Rathsstube kommen, und init dem Rath und Ausschuß überlegen mögten, wie ben Beschwerden gegen Gebhusen und Ed am besten abgeholfen, und alles in Güte abgemacht wets den könne. Allein auf Heßhusens Anstiften, wollten die Pre: diger von seiner Parthey schlechterdings nicht ohne ihn und Eck in die Rathsstube fommen, und sich auf nidyt einlassen. Dabey blieben sie auch, ale fie den Tag nachher, am 1. Des tob, wieder aufs Rathhaus beschieden waren. Da nun Keße husen den Tag vorher, ungeachtet der dringenden Vorstels lungen des Magistrats, und mit Verachtung der Ungnade und der Drohungen des Erzbischofs, erklärt batte, daß er durchaus nicht aufhören wollte, wider das vorhin gedachte Lüneburgische und erzbischöfliche Mandat zu predigen; da der Magistrat also in keinem Stüc etwas durch gåtliche Mitter ausrichten konnte, und fürchten mußte, daß Seßhusen und sein Anhang am nächsten Sonntag den 4. Octob., mit dem gedroheten Bann oder Ercommunikation wirklich zufahren, daß aber die Gegenparthey dazu nicht schweigen, und daß gefährliche Umruhen daraus entstehen würden; so ließ der Magistrat am 2. Oct, die Jnnungen zusammenkommen, legs te ihnen das harte und drohende erzbischöfliche Schreiben, und die daher zu besorgende Gefahr vor, machte thnen das ganze bisherige Benehmen Keßhusens und seiner Anhänger bekannt, und beweg fie dadurch, den Magiftrat es ganz zu überlassen, was er nach Eid und Pflicht in dieser Sache zu thun får ndthig halte. Darauf ward 'noch denselben Nachs mittag dem Bebhusen durch sechs Rathsdeputirte die kans

fel verboten. Da er dagegen einwandte: daß nicht der Rath, sondern nur die Kirchvåter zu dergleichen Berbot berechtigt wåren; so ward es noch einmal, und auch von den Kirchs våtern, wiederholt. Am folgenden 3. Detob. ward ihm die Superintendentur abgenommen, und er mit Hausarrest belegt. Zugleich ward die Sache dem zusammen berufenen Ministerium vorgelegt, und demselben befohlen, nichts davon am nächsten Sonntag den 4. Oct. auf der Kanzel zu erweh. nen. Um 5. Oct. warð Heßhusen auch das Pfarramt aufs gekündigt, und ihm angedeutet, fid) nach einer andern Vers sorgung umzusehen. Er protestirte aber dawider, und er: klarte, daß er sich nicht anders, als mit Gewalt, aus seinem Pfarramte verdrången lassen werde.

Da nun Heßhusen die Kanzel nicht wieder besteigen, und die gedroheten Bannflüche nicht selbst aussprechen konns te; ro trat endlich, nach mehrern Zusammenfünften und Berathschlagungen seiner Anhänger in seinem Hause, der Diafonus an der Jacobskirche, Bartholom å us Streh: le, ein geborner Magdeburger, am 8. Octob. in der Dons nerstagspredigt auf, und that den Magistrat, und alle ihm in dieser Sache beystimmende Bürger, nebst fünf Predigern, nåmlich die drey Diafonen au der Johanniskirche, den Pas stor an der heil. Geistkirche, Johann Baumgarten oder Pos marius, und seinen eigenen Specialcollegen, den Pastor an der Jacobskirche, Otto Dhmes, förmlich, wie ein neuer Papst, in den Bann. In der von ihm selbst bekanntgemachten Bannformel sagt er von den namentlich aufgeführten Ver: bannten: ,,er schneide fie als faule stinkende Glieder ab von ,,der Gemeine Christi; er schliesse ihnen den Himmel zu, mund die Hölle weit auf, und übergebe sie dem leidigen Teus

,,fel, sie am Leibe zu martern, zu quälen und zu plagen auf ,,daß der Geist am Tage des Herrn Jesu Christi, wenn sie sich wiederum befehren, selig werde; er schlage ihnen ,, auch hiemit ab, daß sie sich des Sacraments des Altars bis „zur Besserung nicht gebrauchen; er gebiete auch Amtsme: ..gen, daß andere Christen sich solcher verbannten Menschen „gånzlich enthalten, mit ihnen nicht essen oder trinken, sie zur

ochzeit oder ehrlicher Gesellschaft nicht laden, zu Gevat: „tern sie nicht bitten, oder sie doch nicht stehen lassen, fie auf der Straße nicht grüßen, und in Summa für Heis den und Unchriften halten sollten, mit allen, ihrer Sún: den theilhaftigen Anhängern, bis sie ihre Sünden ertens „nen und bekennen, sich bekehren und Kirchenbusse thun." Mit Erstaunen und Schrecken hörte der in der Kirche anwesen: de Pastor Ohmes diese mit über ihn ergehenden Bannflüche. Bey der Aufzehlung der vermeinten Súnden der Verbann: ten, konnte er seinen heftigen Unwillen nicht mehr måssigen, trat vor die Kanzel, und rief den Banner zu: ,,Du leugft.. ,, als ein ehrloser Schelm, Dieb, Verråther und Bdsemicht; ,,Du sollst es auf dem Rathhause verantworten. Weil éc gerade ein Messer in der Hand hatte, um nach seiner Aus: sage in seiner Schreibtafel damit etwas zu verrichten; robes fchuldigte ihm die Gegenparthey', er habe damit seinen Col: legen zu erstechen gedrohet. Der hierbey in der Kirche ent: standene Lårmen, das Şin: und Verlaufen und Weggehen

drer, unterbrach mehrmalen den Banner. Er ließ fich aber dadurch nicht irre machen, blieb auf der Kanzel, stimmte das Lied an: „Erhalt uns Herr bey deinem Wort," und nach dessen Endigung vollendete er seine Bannsprüche. Es wåre aber darüber beynahe in der Kirche schon zu hefti: gen Thåtlichkeiten gekommen.

Nun sah der Magiftrat wohl, daß er zur Erhaltung der offentlichen Ruhe und Sicherheit zu ernften Mitteln greis fen müse, um dem Unwesen ein Ende zu machen. Zu dem Ende ließ er noch denselben Tag dem unberufenen Banner durch die Kirchváter seinen Dienst auffündigen, ihm die Kans zel verbieten, und gegen Abend Kausarrest ansagen. Dieser erwiderte aber: ,,daß er gehen müsse, wo er Amtshalber und sonst zu schaffen hatte. Der Magistrat Fey im Bann; er ,,fónne ihm nicht gehorchen.

Am folgenden Tag den 9. Octob. Morgens um 3 Uhr ließ der Magistrat den arretirten Peter Eggerde durch den Marktmeister und die Gerichtsdiener auf einem gewöhnlichen Rollwagen zum Brůckthor hinaus bis ans Clushaus, und dann über die Grenze bringen, mit dem Bedeuten, sich nicht wies der in der Stadt betreten zu lassen. Ein Gleiches wider: fuhr am folgenden Morgen dem wilden Eiferer und Banner Strehle, nachdem man ihn Abends vorher auf dem Rath: hause verhört und arretirt hatte. An eben diesem Tage den 10. Octob. erhielt der vorhin gedachte Diafon an der Ulrich firche, Wilhelm E&, vom Magistrat Befehl, die Stadt zu raumen, oder man würde ihn auch fortbringen. 218 er aber erklärte, daß ihn nur Gewalt dahin bringen könne, sein Amt und seine Kirche zu verlassen; so forderte man ihn am 13. Octob. zum Verhår aufs Rathhaus, arretirte ihn, und ließ ihn am 15. Octob. Morgens um drey Uhr ebenfalls zum Brůdthor hinaus bis zum: Clushause, und dafelbst über die Grenze bringen.

Kebhusen wandte sich bey seinem Hausarreft ans Kirs thens Collegium, und bat: sich seiner anzunehmen, und seine Sache untersuchen zu lassen. Da einige Mitglieder auf seis ne Abfeßung brangen, andere ihn aber erst gehört wiffen

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