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Berfte. Nun widerfekte man sich zu Magdeburg dieser ftrent: gen Kirchenordnung nicht weiter, und sie ward mit Senehs migung des Magistrats gedruckt und publicirt, auch 1605 auf ausdrückliches Verlangen des Magistrats von neuem herausgegeben. *)

Die im Schmalkaldischen Kriege, besonders über das Interim, unter den Protestanten entstandenen heftigen thes ologischen Streitigkeiten, woran man gleich, bey ihrem ers sten Ursprunge zu Magdeburg den lebhaftesten Antheil ges nommen hatte, fanden auch nach der Belagerung noch mehs rere eifrige und heftige Theilnehmer unter den Predigern das selbst. Der Erzgånker unter den Theologen damaliger Zeit, Matthias Flacius, hatte zu Magdeburg mehrere Jahre hins durch in und nach dem Schmalkaldischen Kriege Schuß und Sicherheit gefunden, und verschiedene Magdeburgisdhe Pres diger waren seine Freunde und Anhänger. Seit 1557 war er Professor der Theologie auf der neuen Universitåt Jena, wos zu die Söhne des unglücklichen Churfürften Johann Fries drich schon am 19. März 8. J. 1548, nach der Abtretung Wittenbergs, den Grund gelegt, und welche sie im J. 1555 noch mehr dotirt hatten, welche auch unter dem 15. Jug. 1557 vom Kaiser Ferdinand confirmirt, und dann am 2. febr. 1558 feierlich eingeweihet ward. Hier bemühta sich Flacius und sein Anhang, nach dem geheimen Wunsch und unter dem Schuß gedachter Söhne des Churfürften Jos hann Friedrichs, welche den Verlust der Churwürde, des Churkreises und der darin gelegenen Universitåt Wittenberg, fo wie des Directoriums unter den Protestanten, nicht vers

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) Stettners Magd. Clerus S. 507 *** 529. 674 681. 814

819. El. Pomar. Belag. Magd. Porrede fol. 4 verf.

[djmerzen konnten, - die Wittenberger Theologen, besons ders den guten, gelehrten, im größten Unsehen stehenden Melanchthon, in den Ruf der Keßerey zu leben, und das durch die Universitåt Wittenberg berunter zu bringen, hins gegen die Universitås Jena desto mehr zu heben. Melanchs thon hatte den Flacius überdem bey seinem Magister : Eras men prostituirt, und ward dafür von ihm mit unversöhnlis cher Feindschaft und unablåsfiger Rachsucht verfolgt bis zu seinem den 19. April 1560 erfolgten Tode.

Vergebens wünschten und bernähten sich die mehrsten wohldenkenden protestantischen Fürsten, unter ihren Theos logen Frieden und Einigkeit wiederherzustellen. Sie hielten deswegen im Jun. 1557 34 Frankfurt einen Convent, wo: zu man aber die Stadt Magdeburg, aus Furcht vor dem ors thodoren Eifer und der Streitsucht ihrer Prediger, einzulas den sich nicht getraute. Der Magdeburgisde Magistrat wandte sich daher, schriftlich mit der Bitte an den Convent, ihre Prediger nicht ungehört zu verdanımen, welches derselbe auch nicht beabsichtigt zu haben versicherte, und die unterlasses ne Einladung entschuldigte. 216 bey dem merkwürdigen, jedoch ebenfalls fruchtlos gebliebenen, Religionsgespräch oder Colloquium zu Worms mit den Katholiken im I. 1557, die i Uneinigkeit der protestantischen, besonders der Chursächsis Ichen und Herzoglichfachfischen Theologen, zum großen Schas den der Protestanten völlig ausgebrochen und laut geworden war; so suchten die mehresten auf deni Krónungs : Reichs tage zu Frankfurt im F. 1558 anwesenden protestantischen Fürsten, durch einen daselbst am 18. März d. J. errichteten Receß oder Abschied, die theologischen Zånfereyen zu unters. drůcken, und die besonders gegen die Katholiken so ndthige Eintracht unter sich zu befördern. Der Magistrat zu Mags

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deburg verlangte über diesen, ihm zur Annahme mitgetheilten, Receß ein Gutachten von seinen Predigern, welches der eis frig orthodore Pastor Wigand an der Ulrichskirche aufseks te, und worin sehr viel gegen den Receß erinnert, belon: der's das oarin befindliche ernste Verbot des heftigen Eiferns und Scheltens gegen Andersdenfende, sehr getabelt ward. Die Theologen zu Lübeck, Hamburg und Lüneburg erk!årten fich darüber, wie die Magdeburger. Die Herzoglichsächsis Ichen Theologen, besonders zu Jena, fanden nach dem Wunsch ihrer Fürsten noch mehr dagegen einzuwenden, und brachten ihren Herrn, den regierenden Kerzog, Johann Friedrich den Mittlern, dahin, daß er der strengorthos doren Parthey eine Synode auf den 16. May 1558 zu Mag; deburg forschlug, um daselbst die Andersdenkenden förmlich zu verdammen. Der Magistrat zu Magdeburg hatte aber nicht Luft zu einem neuen Kriege, und besorgte nicht ohne Grund: daß er sich durch die Gestattung dieser Synode in den Ringmauern der Stadt, die an den Frankfurter Receß Theil habenden Fürsten zu Feinden machen würde. Er schütz: te also die schweren Zeiten vor, und bat, die Synode in einer andern Stadt zu halten. Nun kam fie gar nicht zu Stan: de. Defto heftiger bestritt und verbainmte man aber in Schriften und auf den Kanzeln die Andersdenkenden oder vermeinten Reßer. Diese benannte man: theils fnteri: miften, welche das Interim in einigen Puncten gebilligt und angenommen hatten; - theils 20 i aphoriften, wel: che gottesdienstliche Ceremonien, und einige strengorthodore Lehrsåke, für unbedeutend oder gleichgültig erklärten, und behaupteten, daß man darin um des Kirchenfrietens willen wohl etwas nachgeben könne; theils Majoriften, welche mit dem ehemaligen Rector zu Magdeburg, damalis

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gen Professor zu Wittenberg, Georg Major, auch gute Werke, und nicht den Glauben allein, zur Seeligkeit no: thig hielten; theils Synergisten, welche behaupte: ten: daß die Seelenfråfte, besonders der freye Wille des Menschen, bey der Bekehrung mitwirken müßten; - theils Osiandriften, oder Anhänger des Osiander in Preussen, und gesellte dann zu ihnen gew:hnlich auch die 3 winglianer und Kalvinisten, oder die sogenannten Sacramenti: rer. *)

So wenig auch der gemeine Mann in Magdeburg von diesen Streitigkeiten oder vermeinten Kekereyen verstand; To sehr nahm er, durch die Heftigkeit seiner Prediger gereißt, ans theil daran, und glaubre der sogenannten reinen Lehre an: hången, und jene Keßer verabscheuen zu müssen, deren Nas men oft genug von den Kanzeln ertönten.' Die stärksten Ei: ferer zu Magdeburg waren der schon genannte Pastor Wi: gand an der Ulridiskirche, und sein College und Diaconus, Matthåus Suder. Wigand hatte sdon dawider geeifert, und den Magistrat deswegen laut und bitter getadelt, daß er im I. 1558, in dem Wollmirstedtsden Vergleich mit dem das mals noch katholischen Erzbischof und dem Domkapitel, diesen die ungehinderte freye Uebung ihrer Religion, unter den Namen der altfatholischen, im Dom zugestanden hatte. Dieser Wigand hatte auch seit d. I. 1553 da$ Amt eines Superintendenten zu Magdeburg versehen, welches der das malige Senior, und seit Mirigens Tode im J. 1527, Pastor an der Johanniskirche, Lucas Rosenthal, Uiters und

•) Chytræi Saxon. lib. 19. P. 553. 557. Håberlins neueste Deuts sche Reichsgesch. B. 3. S.

214 217. 267. 268. 461 468, 471 487

Odwächlichkeit halber nicht verwalten konnte. Nach Ros fenthals Tode im J. 1559 empfahl Wigand den damaligen berühmten Theologen und Mansfeldschen Superintendenten Sarcerius, zum Pastor an der Johanniskirche. Nach seiner Wahl übertrug der Magiftrat, ihm, als ehemaligem Vorges feßten Wigands und ålterm Prediger auch die Superinten: dentur. Wigand, voll Verdruß darüber, nahm nun nebst seis nem Collegen Juder die ihnen, als bekannten orthodoxen Eiferern, angetragenen Professorstellen zu Fena an. Beys de trieben aber ihr heftiges orthodores Zanken und Eifern selbst zu Jena gegen andere Theologen daselbft, besonders gegen den gelehrten und verdienten Victorin Striegel, zu weit, erhielten bald wieder den Abschied, und gingen im J. 1561 nach Magdeburg zurück.

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Hier war unterdessen der neue Superintendent Sarces rius, nach kurzer Umtsführung, am 29. Nov. 1559 schon wie: der gestorben, und an seine Stelle ward am 25. Jul. 1560 ein anderer heftiger orthodorer Eiferer berufen, Namens Tilemann Heshusius, welcher schon, ju. Goslar, Rostock, und Heidelberg, feines unruhigen Verhaltens und heftigen Eiferns wegen, den Abschied erhalten hatte. Dieser schalt nun fast in allen seinen Predigten auf die adiaphoristen, Synergisten und andere vermeinte Keßer, schonte endlich auch seiner Collegen und des Magistrats nicht, und verfuhr überall heftig und gebieterisd). 218 viele protestantische Fürsten auf dem Convent zu Naumburg im J. 1561 die Augsburgische Confeffion hatten revidiren, von neuem unter: schreiben, und mit einer merkwürdigen Vorrede versehen las: sen, um dadurch die Einigkeit ihrer Theologen wiederherzustel: len; so widersprachen den Naumburgischen Beschlüssen nicht nur

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