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diesem Vertrage in irgend einem Puncte zuwider handelten, sich auch in diesem Fall alle ihre Ansprüche auf Schadenver: gütung vorbehalten wollten ; so glaubten der Rath und die Bürgerschaft, daß dies zuviel verlangt sey, und wollten sich dazu nicht verstehen. Dieser Punct ward also der Entscheis dung des Kaisers und Reichs überlassen.

Ein anderer streitiger Punct blieb ebenfalls unentschies den: ob namlich nach dem Izten Artikel des Berliner. Vers gleichs unter den Unterthanen und Verwandten des Erzstifts . auch der Adel und die Ritterschaft desselben mit begriffen was ren, folglich auch diese an den zur Schadenvergütung aus. geseßten 50000 Gulden Antheil nehmen, und nichts weiter zu fordern haben sollten? - welches die Stadt behauptete, wogegen aber die Clerisey protestirte. Dieser Punct sollte nun entweder von dem Churfürsten von Brandenburg gåt: tich beygelegt, oder gleichfalls vom Kaiser und Reich oder vom Reichstagé entschieden werden. *)

Nachdem dieser Vergleich abgeschlossen und ratificirt war; so kam endlich das Domkapitel wieder in die Stadt, und hielt am 10. März 1558 zum erstenmal wieder Kapitel. Meil aber die mehresten Domherren noch katholisch waren, und man beswegen die Wiedereinführung des fatholischen Gottesdienstes in den Dom befürchtete; so erregte die Wies dereinsebung des Domkapitels bey der eifrig Lutherischen Bürgerschaft in Magdeburg und ihren Predigern nicht wes nig Unzufriedenheit, Beforgnisse und Beschwerden, und man befürchtete nicht ohne Grund neue Unruben und Streitigs keiten. **)

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) Magd. Urkundenbuch fol. 177 - 185.
** Elias Pomar. Belag. Magdeb. S. 453. Cellar. 6. Mago.

Stapetr. S. 55. Forts. d. Schoppen - Chronik 6.709.

Ueberdem waren auch in diesem Vergleich manche wich: tige Puncte noch streitig geblieben und nicht entschieden wors den. Deswegen ließ der Erzbischof im 3. 1562 von einis gen seiner Råthe und Domherren darüber von neuem mit dem Magistrat unterhandeln, und es kam endlich auch hiers über am 26. März 1562 zum Vergleich durch welchen, ausser den bisher schon verglichenen Puncten, noch Folgendes vestgesektoward :

„I U. 2) Die zur Entschädigung bestimmten, und noch „nicht alle abgetretenen Säuser bey der Sebastianss und , Paulskirche sollen dem Domkapitel binnen vier Wochen ,,eingeräumt, und die dústere Pforte roll bis zum 24. Aug. „d. I. hergestellt seyn; eröffnet und gebraucht werden.

13) Der streitige Punct wegen Ansprüche der erzstifa ,,tischen Unterthanen an Schadenvergütung, auffer den das usu bewilligten 50000 Gulden, ward abermals zur Entscheis ,dung des Kaisers und Reichs oder des Reichstags ausgesekta Jedoch versprachen der Erzbischof und das Domkapitel, daß sie den Rath und die Bürgerschaft zu Magdeburg, besons ders gegen das Kloster Bergen, und dessen Abo und Cons : vent, als Theilnehmer an dem Wolmirstedtschen Vergleich vertreten, und sowohl des Klosters, als anderweitigen Uns sprůchen zuvorkommen und sie abwenden wollten. Denn das Kloster Bergen hatte bisher vorzüglich gelitten, dessen Gebåude waren fast alle der Erde gleich gemacht, dessen. Vieh war weggenommen, dessen Güter und Vorwerke zu Prester und Pechan waren rein ausgeplündert und abge: brannt, dessen Einfünfte waren von der Stadt eingezogen, und es berechnete seinen erfitténen Schaden nur måsfig auf 19559 Gylden. s. Es hatte sich auch schon am Kaiserlichen Kofe ein Protectorium und Conservatorium vom 31. Oct.

1558 nebst Anschreiben an den Erzbischof, dein Kloster Sdja: denersaß zu verschaffen, ausgewirkt; erhielt aber nun nichos Weiter.

014) Die bisher streitigen Grenzen der Gerichtsbarkeit der Altstadt und des Neuenmarkts oder der Stiftsfreiheit, ,, wurden aufs genaueste bestimmt, und großtentheils so veft: ngefekt, wie sie noch jeßt bestehen. Vom Diebshorn an, nicht weit von der Elbe, sollte der damalige Steinweg an in der Gartenmauer des Klosters U. L. Frauen, hinter der jes bigen Klosterstraße bis an das zur Altstadter Jurisdiction ongehörige Gasthaus zum golonen Schlagbaum, die Grenze machen, von da sollte die Grenze weiter zwisden den Håus ,,sern nach dem breiten Wege zu an den sogenannten dreyen ,,Thürmgen hin, dann über den breiten Weg die Lederstraße (Leiterstraße) hindurch bis an die Stadtmauer gehen.“

0,5) Jedoch sollte die von Alters her eingeführte Ges wrichtsbarkeit des Magistrats auf der Heermesse unveráns wdert bleiben.“

6. 7) Ward vestgefeßt, wie es mit der gegenseitigen „Gerichtspflege, besonders mit Arcetirung, Durchführung vund Auslieferung der Missethäter aus beyden Jurisdictios ,,nen, gegenseitig gehalten werden soll. TX

7,8) Der Magiftrat sollte von nun an ohne Vorwissen wides Erzbischofe und Domkapitelt feiite neuen 3de und Auffagen machen. Die bisher gemachten aber wollte der „Erzbischof gültig seyn lassen."

0,9) Die Geistlichen sowohl als die Meustádter und ,,Sudenburger konnten ihr eignes Brau i und Brennholz zu jihrem Gebrauch ungehindert auf dem Meustábter und Sus denburger Marsch anschiffen, dürften aber bey Strafe um Den dritten Theil des Werths nicht damit bandeln. Sør

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„selbftgewonnenes Rorn sollten sie auch zu verfahren berech ,,tigt feyn."

1,10) Der Werder in der alten Elbe unter der Brüde sollte dem Magistrat zur Erhaltung der langen Brüde ges „hören.

J11 12) Die Schiffer und Flösser fdnnten zwar übers mal in der Altstadt auslegen, müften aber ohne Verzug ,, die Ladung in der Millenvoigtey angeben und die Abgaben dafür entrichten. Die darauf ertheilten Geleitsbriefe oder ..Bolscheine sollte aber nur der Möllenvoigt und nid)t der ,, Magistrat ausfertigen."

1,13) Gehörig angegebene, und richtig als solche nachges ,,wiesene, Bürgergüter sollten von diesen Abgaben oder von u diesem Zoll wie bisher frey seyn."

,,14) Die erst seit einigen Jahren zurückbehaltene, aber sonst von den Brauern und Bådern dem Erzbischof jahrs ,,lich gelieferte, Kufe Zerbster Bier, und etliche von den Kras ,,mern sonst gelieferte Pfunde Pfeffer, sollten von nun ar ,, wieder richtig abgegeben werden."

1,15) Die gegenseitige Justißpflege zooischen der Stadt „und den Vorstådten sollte den bisherigen Vertrågen gemäß ., eingerichtet werden."

,,16 17) Eine Niederlage von Korn, Fischwaaren und ,,andern Gütern in der Neustadt, Sudenburg, und in den um: mliegenden Hemtern und Dörfern soll zum Nachtheit und, „Abbruch der Nahrung Magdeburgs nicht gestattet werden, und eben so wenig die Anlegung neuer unberechtigter Braus ,,håuser.“

,,18) Die in den geistlichen Häusern auf der Stift$: ifreiheit und am Neuenmarkt wohnenden weltlichen Persos „nen sollten, wenn sie vom Ubel, vier Thaler, und andes

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rre Zwey Thaler, an den Magistrat jährlich entrichten, und ,,eine vorgeschriebene Caution oder Revers ausstelen: das fie nichts gegen den offentlichen Frieden und der Stadt Bes myftes vornehmen, sondern dasselbe möglichst befördern hel: „fen wollten. Jedoch sollten die armen Leute in den Haus fern bey der lieben Frauenfirche nichts geben. Auch sollten sechs erzbischöfliche Råthe für ihre Person auf der Stifte: ,,freiheit wohnen, oder sich da überall, nur nicht auf dem Neuenmarkt, und im Garten oder Weinberg des Klo: „sters U. £. Frauen, - anbauen können, ohne zu einer ,,Ubgabe verpflichtet zu seyn. · Uebrigens sollten, ausser den fchon auf der Stiftsfreiheit wohnenden weltlichen Personen, ,, feine andern daselbst eingenommen werden, auch keine sich ,,Daselbst etwa auf ledigen Kirchen: und Klosterpláßen an: Bauen. Blos wảhrend der Messe soll der Magistrat das ,, Recht haben, auf der Stiftsfreiheit und in den geistli: pichen Fäusern jemanden arretiren zu lassen, jedoch auch

dann nicht anders, als mit Vorwissen und Willen des Doms ,, kapitels."

1,19) In den erzstiftischen Zillen sollte kein Wein oder anderes Getränk verkauft, und keine Tonnen oder Gefas „ße geöffnet, sondern nur der gewdhnliche 300 im Gelde ,,bezahlt werden.''

1,20) Die Fidsser sollten zu Schönebeck nicht länger als meinen Tag stille liegen, und daselbst das Korn, Holz und Andere Güter Magdeburgischer Bürger, golfrey seyn."

121) Der Domherren: Keller darf nicht im Ganzen ,,oder Großen Wein und Bier kaufen oder verkaufen, und „, feine bürgerliche Nahrung treiben. Nach geschehener Deff: inung der düstern Pforte soll er auch nichts als Wein und

Elmbeđer Bier, wie von Alters her, schenken."

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