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gien, Vertrågen und andern alten Gerechtigkeiten, so wie die dasige Bürgerschaft bey ihrer Haabe und ihren Gütern, geschüßt, jedoch dazu verpflichtet werden, die jährliche neue Rathswahl nun von den dreyen Herren, wie vormals von dem Erzbischof allein, beståtigen zu lassen.

Dem Erzbischof sollten übrigens die Beleihung des Magistrats und Schöppenstuh18 mit der Ober: Gerichtsbar: keit, und die Bestätigung des Schultheisen und der Schoppen beym Schoppenstuhl, allein zukommen; so wie ihm und dem Domkapitel gemeinschaftlich, die geistliche Gerichtsbar: keit über die Kirchen und Kloster in der Stadt, ůber den Neuenmarkt aber, oder über die Stiftsfreiheit, über Die Sudenburg und Neustadt, auch die weltliche Gerichts: barkeit - desgleichen die Oberlehnsherrschaft über die Lehus güter und Pachte der Magdeburger im Erzstifte, und die bisherigen Steuern derselben, ungehindert verbleiben sollten,

Neue Steuern aber sollten allen dreyen Herren zu Gute kommen, von ihnen sollte eine Regierung zu Magdeburg ans gestellt werden, auch die Appellationen vom Schoppenstuhl und von den Magistratsgerichten sollten ebenfalls an fie er: gehen, und durch ein von ihnen anzuseßendes Appellations: gericht entschieden werden.

Die fu vermuthenden Einwendungen und Beschwer: den der Stadt gegen die Kuldigung dieser 3 Herren ver: sprach der Churfürst von Sachsen anzunehmen, sie den ans dern beyden Herren mitzutheilen, und sie zu beseitigen oder ihnen abzuhelfen.

Die Stadt aber weigerte sich in der Folge mit ihrem Magistrat, Ausschuß und Innungen dennoch einstimmig und standhaft, diese auf den 10. Jan. 1556 angesekte Huldi: gung gedachten dreyen Herren zu leisten, und ihre Raths:

wahl von ihnen beståtigen zu lassen, konnte auch durch keine. Vorstellungen dazu gebracht, und dieser Vertrag also nicht ganz yollzogen werden. *)

Wegen der schweren Ausgaben, 'welche Magdeburg seit der Belagerung gehabt, und noch immerfort hatte, 'ward am 1. August 1555 die Bier; und Meht: Accise zum erstenmat auf 3 Jahre Bewilligt und eingeführt, und von jedem Schefs fel zum Brauen oder Backen 6 kleine Pfennige gegeben. Als sie nach 3 Jahren im I. 1558 von neuem bewilligt ward; verordnete man, saß keiner, welcher nicht zur Brauer: Ins nung gehöre, für seine Haushaltung selbst Bier brauen solle, welches bis dahin geschehen war. Eine im J. 1556 geschehene zu starke Kornausfuhr, und ein darauf im J. 1557 'einge tretener harter und langer Winter verursachten eine große Theurung, worin der Wispel Weißen 20 Gülden, der Rog gen 16, der Gerste 14, der Käfer 11 Gülden galt. Ein Súrden und ein Thaler waren damals wenig unterschieden.

In eben diesem Jahre 1557 ward aus der zum Andens fen des erschlagenen Erzbischofs Burchards erbauten mat. thåuskapelle die neue Rathsstube nach dem Johanniskirchhofe hin erbauet. **)

Um den vielen Klagen über Verzögerung und Unrid): tigkeit der Processe im Erzstifte abzuhelfen, und dieselben möglichst abzukürzen, ließ der Erzbischof Siegmund am 13. Febr. 1555 die erste Proceßordnung im Erzstifte publiciren, und dadurch nicht nur das Verfahren bey Processen genau bestimmen, sondern auch den Advocaten die Ansegung zu hoher Gebühren untersagen.

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*). Magd, Urkundenbuch fol. 153 - 166. 173. 177. Fortset.

der Schoppen - Chronik. S. 708. **) Fortsek. der Schöppen - Chronik S. 708.

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Bey dieser Verbesserung der Justizverwaltnng erhielt der Erzbischof sowohl für das Erzstift als für das Stift Hals berstadt am 17. Jun. 1558 das kaiserliche Privilegium, daß von seinen Gerichten Niemand an die Reichsgerichte appels tiren kdnnnte, wenn der Gegenstand der Klage bey unbes weglichen Gütern 600 Gulden und bey beweglichen unter 400 Gulden betrůge. Dies Privilegium de non appellando ertheilte ihm der damalige Kaiser Ferdinand der erste, welcher seinem Bruder Karl dem 5ten gefolgt war. **)

Karl hatte sowohl durch seine Krånklichkeit, als durch manche widrige, Frånkende, seine großen Plane vereiteinde, Zufälle und mislungene Unternehmungen wohin unter andern die Belagerung von Magdeburg, von Meß, und die "mislungene Zurückführung der Protestanten in den Schooß der katholischen Kirche, gehdren, — sich in den lebten Jahren seiner Regierung zu dem Entschluß bringen lassen, noch bey seinem Le: ben Krone und Scepter niederzulegen, seine großen und weiten Staaten und seine erhabnen Würden seinem Sohn und Bruder abzutreten, und seine lebten Lebensjahre in Ruhe zuzubringen. Schon am 25. Oct. 1555 übergab er mit großer Feierlichkeit den Besik und die Regierung der Niederlande seinem Sohne Philipp, am 16. Jan, 1556 trat er ihm auch Spanien mit allem Zubehör in der alten und neuen Welt ab, und bedung sich von allen seinen Einkünften jährlich nur noch 100000 Kronthaler aus. Nach wiederholten aber vergeblichen Versuchen, seinem Sohne Philipp noch die deutsche Kaiser krone zu verschaffen, begab exfich am 17. Sept. 1556 aus den Nieders landen als eine Privatperson nach Spanien, entsagte endlich auch der Kaiserwürde, und übertrug fie durch eine feierliche Ge: sandfchaft auf dem Reichstage zn Frankfurt im J. 1558 seinem

) Dreyh. Th. 1. 6. 279. 280. 284. 285.

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Bruder Ferdinand, welcher schon seit 1531 Römische + König war, als solcher den nåchsten Anspruch an die deutsche Kaisers würde hatte, und nun am 14. März 1558 zu Frankfurt zum Kaiser gekrönt ward. - Karl lebte nach seiner Abdankung nur noch 2 Jahre in dem Spanischen Kieronymiten: Kloster St. Just bey Placentia in Estremadura, in stiller Ruhe und völliger Abgeschiedenheit von der Welt und von allen politi: schen Geschäften. Blos mit einigen Gartenarbeiten und Wartung einiger Blumen und seitner Pflangen, mit mechanischen Künsten, und besonders mit Andachts: und Bußübungen, beschäftigte er sich in seinen leßten Lebensjahs ren, ließ unter andern, noch bey lebendigem Letbe im Sarge liegend, sich ein feierliches Leichenbegångniß halten, fiel das bey in ein heftiges Fieber, und starb daran den 21. Sept. 1558, nachdem er mit ungewohnlicher Slugheit, mit eigner Thåtigkeit, mit großem Ruhm und vielem Glúd fast 40 Jahre hindurch weitläufige Reiche und Staaten in der als ten und neuen Welt regiert, und 58 Jahre gelebt hatte. Er war nicht nur der måchtigste Monarch, den Europa feit meh: rern Jahrhunderten gehabt hat, sondern unstreitig auch ei: ner der größten und merkwürdigsten Regenten des Defter: reichischen Kaiserhauses, *)

Die Stadt Magdeburg hatte sich bisher, nach so man: chen abgeschloßnen schwierigen Entschädigungsvergleichen, lange vergeblich bemüht, auch mit dem Erzbischof, mit dem Domkapitel und den Landstånden einen Vergleich zu Stande zu bringen, indem davon die endliche fossprechung der Stadt

*) Chytræi Saxon. lib. 19. 19. p. 536. 557. 559. 572. 573.

De abdicat. Car. V. ap. Schard. Tom. II. p. 638-651, Camerar. ap. Freher. Tom. III. p. 484. 494. 496. Roberts rons Gesch. Stari des sten Th. 3. S.453.- 467: 535 549.

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von der Reichsacht abhing. Unter Vermittelung des Chur: fürsten Joachim von Brandenburg ward zwar schon am 22. August 1555 zu Berlin ein Vergleich der Stadt mit dem Erzbischof und der ganzen Geistlichkeit abgeschlossen. Allein beyde Theile, und besonders das Domkapitel, waren mit demselben nicht zufrieden, und wollten ihn nicht genehmigen. Da aber gleichwohl durch diesen Vertrag die mehresten streitigen Puncte verglichen waren, då er bey den folgendeni Vertrågen zum Grunde gelegt 'Ward, und da er für die gans ze folgende, größtentheils noch fortdautende, Verfassung der Stadt wichtig ist; so wird ein" genauer Auszug aus dem: selben hier wohl nicht am unrechten Orte stehen. Er ents hålt folgende Puncte:

11) Der Magistrat zu Magdeburg soll die Domkirche ound andere Stiftskirchen und Kidster, so wie die seit 1546

weggenommenen Häuser und Hðfe, ihren rechtmåßigen Be: .wfißern wieder einräumen, wie es vor 1546 gewesen."

,2) Alle von der Stadt' dem Erzbischof, der übrigen ,,Geistlichkeit, dem Adel, Bürgern und Bauern seit 1546 „weggengmmene oder eingezogne Güter, Zinsen und Gefåt: „, le sollen ihren vorigen Eigenthümern restituirt, jedoch die ,,Einkünfte und Zinsen davon erst vom J. 1553 an berech: ,,net und vergåtet, die vom 1546 — 1552 aber gegen ein: ,,ander compensirt oder niedergeschlagen werden."

3),, Der Magistrat soll gewissenhaft und an Eides Statt ,, die der gesammten Geistlidkeit, und besonders den Stif: vetern und Kidstern weggenonamene UrkundenRegister, ,,Kleinodien, Ornate, Kirchenbücher und andere Mobilien zu: . „růck geben. Jedoch sollen die den Stadtkirchen zugewands ,,ten Glocken, Leuchter, Kronen und Sestühle denselben vers „bleiben.

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