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Rechtskundigen von der Straßen im Auftrage Joachims verfaßte Beweisschrift wurde nur unter der Bedingung von dem Lebuser Bifchof unterzeichnet, daß ihm volle Jurisdiktion zugesagt wurde. Soviel auch in der Kirchenordnung von der Erhaltung römischer Zeremonien gesprochen wird, nichts verrät den Gedanken an eine Episkopalkirche, in den Briefen Melanchthons und Luthers findet sich kein Hinweis auf eine solche Jdee. Dagegen wird der evangelische Bischof von Brandenburg auffällig vernachlässigt; er muß erst darum bitten, bei der Visitation herangezogen zu werden. Bald nach dem Übertritt des Kurfürsten wird er kaum noch genannt, unter den Mitgliedern des Konsistoriums findet er sich nicht, auf dem ihm von Joachim verschriebenen Gut Wachow beschließt er still seine Tage. Gegen ihn klagen die Prediger, sobald er Steuern erheben will.^") Es erscheint nicht glaubhaft, daß Joachim mit dem Gedanken an eine Episkopalkirche den einzigen evangelischen Bischof des Landes übergangen hätte.

Obgleich das Domkapitel zu Brandenburg größtenteils aus Anhängern der neuen Lehre bestand, hinderte manchen derselben die Furcht vor Einbuße am Anschluß an die Ordnung, als im Sommer 1541 die Visitatoren in Brandenburg eintrafen. Der Propst Johann von Meiendorf verweigerte offen die Annahme der Kirchenordnung. Er gab vor, vom Kurfürsten Dispens erhalten zu haben und reiste während der Verhandlungen ab, nachdem er mit des Erzbischofs Eingreifen gedroht hattet °) Jahre hindurch währte der Streit, das Kapitel wurde vollständig wieder abtrünnig, bis 1544 endlich Zwang angewendet wurde.

Jn Havelberg waren die Domherren L. Keller, Martin Bolde und Sarnow evangelisch. Diesen aber stand eine strengkatholische Mehrheit gegenüber, vor allem Bischof Busso, der zugleich Pfarrer von Wilsnack war, sodann der wegen feines sittenlofen Lebens übel beleumdete Generaloffizial Peter Konradi und der ehemalige Propst des Klosters Leitzkau, Joachim Bars. Die von den Visitatoren eingeleiteten Verhandlungen wurden von Konradi bald schroff abgebrochen. Aus diesem Grunde wurden Städte und Dörfer der Priegnitz, in denen das Kapitel Patronatsrechte ausübte — und deren waren nicht wenige — bei der Visitation über« gangen. Auch die Stadt Havelberg wurde von den Visitatoren nicht besucht, obschon das Domkapitel über die St. Laurentiuskirche keine Rechte, sondern in derselben nur einige Altäre und Lehen besaß. Trotzdem behauptete sich die Reformation in einigen Punkten des Havelberger Sprengels. Der Domherr Martin Bolde war zugleich Pfarrer von Kyritz; hier hatte er schon 1539 das Evangelium gepredigt und 1541 wurde die Visitation abgehalten. Leider erhielt 1548 die Stadt durch Einfluß des Domkapitels als Nachfolger Boldes einen Bösewicht, der sein Leben auf dem Rade endete."«) Jn Perleberg setzte der energische Bürgermeister Johann Konow, von dem erbitterten Volke unterstützt, die Entfernung des katholischen Pfarrers mit Gewalt durch (10. Nov. 1539). Die Stadt Havelberg erreichte zwar die Einführung der Reformation nicht so schnell, aber der Rat entzog mit Einwilligung der Gilden den Pfaffen die Einkünfte aus den Lehen."') Durch ^eine Weigerung, die Ordnung anzuerkennen, verlor der Bifchof das Recht, Prediger zu ordinieren und zu beaufsichtigen, des Abbruchs an Gütern ungeachtet. Der Kurfürst verzichtete nicht auf das Recht des Ablagers zu Havelberg, wie er es an anderen Orten gethan hatte; die bischöfliche Gerichtsbarkeit ging auf das Konsistorium über. Bereits 1522 hatte das Kapitel das Recht der Bischofswahl aufgegeben.

Der Regierung mußte daran liegen, evangelisch denkende Männer in einflußreiche Stellen zu befördern. Bei der Neu» besetzung der Kyritzer Pfarre, für welche das Kapitel den katholischen Domherrn Bars vorgeschlagen hatte, machte der Statthalter Johann Georg die Bestätigung von der Annahme der Kirchenordnung abhängig. 1544 wurde von dem Kurfürsten für das erledigte Dechantenamt der als lutherisch bekannte Salzwedeler Propst Wolfgang von Arnim bestimmt. Eine Zeit der Reaktion brach nochmals 1547 mit der Wahl Peter Konradis zum Dechanten an; unter solchen Umständen brachte der Tod Bussos von Alvensleben (4. Mai 1548) keine Besserung.^) Joachim konnte das Bistum, wie er geplant, nicht einziehen, da kurz zuvor der Sieg des Katholizismus bei Mühlberg erfochten war und das rückfichtslofe Vorgehen des Dechanten mit Recht gefürchtet werden mußte. Erst nach dem Tode Konradis im Jahre 1561 führte man die Kirchenordnung ein.

Schon gegen den Markgrafen Johann hatte der Bischof vvn Rebus Widerstand gezeigt, als jener 1539 eine Visitation im Lande Sternberg vornehmen ließ."») Er berief sich auf den ihm vom Kurfürsten zugesagten Schutz und schrieb dem Markgrafen, daß dieser sich in Religionssachen keinerlei Rechte anzumaßen habe. Unwirsch sah er der Reform der Frankfurter Universität zu, fein zur Visitation nach Müncheberg geladener Domherr erschien nicht. Man mußte daher mit seinem Widerstand gegen die Reformation rechnen, obfchon fast die ganze Bevölkerung seines Sprengels evangelisch gesinnt war. Der später als Superintendent von Gotha bekannt gewordene Simon Musäus hatte, da er Pfarrer zu Fürstenwalde war, mit den evangelischen Ratsleuten dieser Stadt manche Bedrückungen zu erleiden. Ähnlich wie Konradi in Havelberg wirkte nach dem Tode Georgs von Blumenthal (1550) in Lebus Redorffer.'2») Dieser wurde sogar zum Bischof gewählt, Don Joachim aber 1551 zur Abdankung gezwungen. Neben dem IDomherrn Johann Finsterwald erging er sich aus Anlaß des Augsburger Religionsfriedens in Schmähungen gegen die Ketzer im allgemeinen, wider den Kurfürsten im besonderen und beschwor damit einen Tumult in Fürstenwalde herauf. Erst mit feinem 1559 erfolgten Tode kam der Friede für das östliche Bistum der Mark und mit vollem Recht konnte Joachim II. 1562 sein Reformationsfest feiern, das nicht dem Sieg der evangelischen Lehre allein, sondern auch der Begründung evangelischer Ordnung galt.

Die Neigung der Johanniter zur neuen Lehre gehört streng genommen nicht in eine Reformationsgeschichte der Kurmark, da die Güter der Ritterschaft zumeist in der Neumark lagen und deshalb die Beziehungen zu dem Hofe in Küstrin naturgemäß enger waren. Doch sei ihrer hier in kurzen Worten Erwähnung gethan.'2l) Markgraf Hans hatte von feinem Regierungsantritt an in den reichen Gütern des Ordens eine Einnahmequelle entdeckt, welche er sich dienstbar machen müsse. Als 1540 wegen des Bischofszehnten zwischen Georg von Lebus und dem Komtur von Quartschen ein Streit ausbrach, setzte es der Markgraf durch, daß er als Schiedsrichter von den Parteien anerkannt wurde und die Folge langer Verhandlungen war, daß ihm Quartschen abgetreten wurde. Allmählich brachte er die Schuldenverwaltung des

Tteinmüller, Reformation in Brandenburg, 7

Ordens und die einzelnen Rechte des Herrenmeisters an sich. Da er auf diese Weise eine Auflösung des Ordens in seinem Gebiete anstrebte, wird er auf einen Bekenntniswechsel der Ritter nicht gedrängt haben. Die evangelische Lehre hatte unter den Ordensangehörigen bereits manchen Anhänger gefunden. Der von 152? bis 1544 residierende Herrenmeister Veit von Thümen war dem Luthertum nicht günstig gesinnt. Er verklagte die Komture Melchior von Barfuß und Andreas von Schliehen bei dem Generalkapitel zu Speyer, weil sie sich verehelicht hatten. Doch wird der 1544 gewählte Meister Joachim von Arnim evangelisch gewesen sein, da sein Eid mit den Worten „So wahr mir Gott helfe und sein heiliges Evangelium" schloß und die übliche Anrufung der Heiligen fortfiel. —

Wohl hatten die Visitatoren dem Lande die neue Ordnung gebracht, doch bedurfte es einer in der beschrittenen Bahn vorwärts treibenden Zentralgewalt. Diese schuf der Kurfürst 1543, da die Visitation im allgemeinen als beendet angesehen werden durfte, mit der Bildung eines Konsistoriums. Der aus Theologen und Juristen sich zusammensetzenden Behörde gehörten zunächst Buchholzer, Agrikola, Elgersma, Konrad Pawel und Johann Heiler an. '22) Buchholzer war von Joachim II. nach Wittenberg entsandt worden, um die sächsische Konsistorialordnung zu studieren. '23)

„Nachdem der Durchl. und Hochgeb. Fürst und Herr, Herr Joachim, Markgraf zu Brandenburg, in J. K. G. Kirchen und Landen noch ein Konsistorium wollen aufrichten, damit die reine Lehre und gute Disziplin im Kurfürstentum der Mark zu Branden» bürg auch erhalten würde, ward ich von J. K. G. gegen Wittenberg zu Dr. Martinus Luther geschickt, die Konstitution und Artikel des sächsischen geistlichen Konsistoriums zu holen."

Das Konsistorium übte nun die Gewalt der Bischöfe aus, die Lehre der Geistlichen war seiner Aufsicht unterstellt, es hatte Kirchenzucht in den Gemeinden, Gerichtsbarkeit in kirchlichen Streitigkeiten auszuüben, für die Ordnung in Kirchen und Schulen Sorge zu tragen. Die Altmark und die Priegnitz einerseits und der übrige Teil der Kurmark andererseits erhielten je einen General» fuperintendenten, welchem Prüfung und Ordination der anzustellenden Geistlichen oblag. Durch die Konsistorialordnung (1551> wurde der märkischen Kirchenverfassung eine feste Norm verliehen.'")

Die Einführung der Reformation mußte auf die Neugestaltung der Universität zu Frankfurt einen entscheidenden Einfluß üben. Trotzdem der Kanzler zu den entschiedensten Gegnern der lutherischen Lehre zählte, war die Mehrzahl der Dozenten dem Evangelium zugeneigt. Eine Reform in jeder Hinsicht that der Universität dringend not. Für die juristische uud theologische Fakultät waren kaum einige Dozenten vorhanden, sämtliche Stellen waren ungenügend dotiert. Ende Februar 1540 trafen die Visitatoren Weinleben, Heiler und der Bischof von Lebus in Frankfurt ein und nahmen am Montag nach Oculi (den 21. März) ihre Arbeiten auf. ^) Die Evangelisierung der Universität ward hierbei keineswegs in Angriff genommen, dafür zeugte schon allein die Gegenwart Georgs von Blumenthal. Man begnügte sich mit dem allgemein gehaltenen Ausspruch, „daß die rechte, wahre, christliche Religion nicht allein gelesen und geachtet, sondern auch bei rechtem Verständnis erhalten würde". Dagegen wurden die Lektionen bestimmt, welche von jetzt ab besonders berücksichtigt werden sollten. Jn der Mathematik und den Künsten wurden öffentliche Vorlesungen verordnet, auch das Hebräische sollte gelehrt werden. Da einige Magister ihre Privatschüler nicht die öffentlichen Vorlesungen in den Künsten besuchen ließen, so ward ihnen befohlen, die Schüler in „die so hoch nützlichen Lektionen" zu senden. Auch die Anordnung der Stunden wurde geregelt, sodaß die „nötigsten und vornehmsten nicht mit den notdürftigsten" zusammenfielen. Die öffentlichen Vorlesungen wurden daher für Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag angesetzt, den Privatlehrern wurde Mittwoch und Sonnabend überlassen. Einmal des Monats wurde öffentlich deklamiert, nachdem die Vorträge auf ihren Wert hin von den Professoren geprüft waren. Die Verhandlungen der Vifitatoren mit der Universität wurden von Joachim gebilligt, sie waren nur die Vorbereitungen zu der eigentlichen im August desselben Jahres vor sich gehenden Reformierung der Hochschule, an welcher sich Georg von Blumenthal nicht beteiligte. Da die Einkünfte der Universität 1500 Gulden,

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