Das Lieblingsbild der Venezianer: "Christus und die Ehebrecherin" in Kirche, Kunst und Staat des 16. Jahrhunderts

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Akademie Verlag, 22.08.2012 - 359 Seiten
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Bereits Jacob Burckhardt bezeichnete Christus und die Ehebrecherin als das ,,venezianische Lieblingssujet". Er blieb uns jedoch eine Antwort auf die Frage schuldig, woher im 16. Jahrhundert die Neigung der Venezianer f r das Thema stammte. Heute sind rund sechzig Gem lde der Adultera aus der Seerepublik erhalten, die auf die gro e F lle der dortigen Bildproduktion hinweisen, w hrend zur selben Zeit im brigen Italien das Motiv so gut wie nicht begegnet. Die vorliegende Untersuchung widmet sich diesem Kuriosum und legt unterschiedlichste Gr nde dar, weshalb das Sujet in der Serenissima so deutlich favorisiert wurde. Eine Voraussetzung war, dass das Bildthema durch die monumentale Ehebrecherin in der Staatskirche San Marco niemals in Vergessenheit geriet. Denn sie ist keine Neusch pfung des Seicento, wie bislang angenommen wurde, sondern beruht auf einem mittelalterlichen Vorg ngermosaik. Wesentlich f r das hohe Aufkommen des Motivs d rfte jedoch seine gro e Vielseitigkeit gewesen sein, die zahllosen Einsatz- und Interpretationsm glichkeiten. So konnte Rocco Marconis Ehebrecherin als einzige Dekoration im Kapitelsaal der M nche von San Giorgio Maggiore eine wichtige Funktion innerhalb des t glich abgehaltenen monastischen Zeremoniells einnehmen. Jacopo Tintoretto formulierte in der Adultera Chigi eine Gnadenauffassung, die kurz darauf von der katholischen Kirche verdammt wurde. Hingegen zeigt Tizians Glasgower Ehebrecherin Aspekte des zeitgen ssischen Liebesdiskurses, Nicol de Barbari wiederum stellte in der aus dem Hause Mocenigo stammenden Tafel Disziplinierungsversuche gegen ber einer Neuverm hlten dar. Nicht zuletzt erhielt das Bildthema seine Bedeutung, weil es ebenso Eingang in die Staatsrepr sentation der Serenissima fand. Durch das mildt tige Handeln Jesu an der S nderin konnte die Adultera auch als szenische Darstellung der clementia, der g ttlichen Tugend, gelesen werden. Die urspr nglich in Gerichtss len platzierten Ehebrecherinnen Jacopo Bassanos und Bonifacio de' Pitatis eigneten sich ausgezeichnet, den Mythos Venedigs vom buon governo, der besten aller Regierungen, zu befestigen.

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Über den Autor (2012)

Sabine Engel ist Dozentin an der Akademie der Staatlichen Museen zu Berlin. Forschungsschwerpunkt: Venezianische Kunst.

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