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zu denen im nächsten Semester der dritte Bruder Joachim hinzukam, so ist anzunehmen, daß sie der angesehenen Familie des Ratsherrn Hermann Rodenborch angehörten, aus welcher der Oberalte Klaus Rodenborch und dessen Bruder Johann stammten, der nun in den Rat gewählt wurde."») 1536 Bürgermeister geworden, wurde er im folgenden Jahre nach Brüssel gesandt, wo er den Waffenstillstand zwischen Christiern II. und den Niederlanden zu stande brachte. Jn demselben Jahre ging er zur Krönung Christians IH. nach Kopenhagen, und 1538 nahm er an dem Bundestage der Schmalkaldener in Braunschweig teil. Auch der dritte neugewählte Ratsherr, Hinrich Hefterberg, wurde mit wichtigen Sendungen betraut: als der erste Hamburger Superintendent auf Wunsch Heinrichs VIII. 1534 nach England gesandt wurde, um bei der Reformation behülflich zu sein, begleiteten ihn der Bürgermeister Albert Westede und der Ratsherr Hesterberg. Als vierter wurde Ditmer Kohl gewählt, welcher als Besehlshaber von vier Schiften sich um die Gefangennahme des Kapers Klaus Kniphof und seiner Gesellen verdient gemacht hatte. Jm Jahre 1540 war Ditmer Kohl Amtmann in Bergedorf und führte dort und in den Vierlanden die von Aepin verfaßte evangelische Kirchenordnung ein. Auch diese Wahlen bezeugen, daß Janssen nicht Ursache hat, zu behaupten, daß damals der Rat unter der Herrschaft des gemeinen Mannes gestanden habe.

Freilich hatte die katholische Partei im Rate noch neben Gerdt vom Holte eine Stütze, und zwar die bedeutendste, an dem Bürgermeister Doktor Juris Hinrich Salsborch. Dieser hatte sich an fürstlichen Hösen aufgehalten, ehe er zu Rate erwählt war. Seine Gemahlin Anna Bockholt war die Nichte des aus Hamburg gebürtigen Doktor Hinrich Bockholt, welcher in den entscheidenden Jahren 1523—1535 Bischof von Lübeck war und römisch-katholisch verblieb bis an sein Lebensende. Jn seinen jüngern Jahren war Salsborch in Geldern, wo Anna Bockholt gestorben ist; dort hatte er sich mit seiner zweiten Frau vermählt; der Herzog von Geldern hatte ihn zu seinem Rat ernannt, der König von Frankreich zum Ritter geschlagen. Nach Hamburg zurückgekehrt, wurde er 1522 in den Rat gewählt und schon im folgenden Jahre Bürgermeister. Nach Christierns II. Sturz schickte Hamburg ihn zur Krönung Friedrichs I. nach Kopenhagen. Die dort angeknüpften Verbindungen benutzte er nun, um mit dem Gelde seiner dritten Gemahlin das königliche Lehnsgut Wandsbek zu kausen. Dahin hat er sich auch vermutlich zurückgezogen, als er 1529 wegen seines Widerstandes gegen die evangelischen Neuerungen sich des Ratsstuhles enthalten und 1531 gänzlich resignieren mußte."«)

Auf ihn setzte, wie wir sehen werden, die katholische Partei ihre Hoffnung; denn noch war ihre Kraft keineswegs gebrochen. Das Dominikanerklofter war der Mittelpunkt des Widerstandes. Freilich hatten die Bürger schon 1526 am 11. Januar die Ausweisung der schwarzen Mönche gefordert, und zwar war dies eine Wiederholung früheren Begehrens: „sie wollen E. E. Rat abermals gebeten haben, die schwarzen Mönche Euern Bürgern zuwider nicht länger zu halten"."') Allein ohne Erfolg. Es ist aber nicht zu verwundern, daß gerade die Dominikaner den Haß der Bürgerschast erregt hatten. Fast überall waren sie die fanatischsten Widersacher des Evangeliums. Auch hier in Hamburg waren sie die Gegner Widenbrügges, des ersten evangelischen Mönches, gewesen; Doktor Hinrich Went, auch ein Dominikaner, hatte mit in die Disputation eingegrissen, in welcher Bustorp unterlegen war; Augustin von Getelen gehörte ihrem Orden an. Und welchen traurigen Anteil hatten gerade Hamburger Dominikaner an der scheußlichen Ermordung des evangelischen Predigers Heinrich von Zütphen in Ditmarschen! Als es im Dezember 1524 im Werke war, diesen in Heide als evangelischen Prediger anzustellen, machte sich der FranziskanerPrior aus Meldorf auf, um dies zu hintertreiben. Als er dort nichts ausrichten konnte, begab er sich zu den Barfüßern nach Lunden. Jhn begleitete der Prior der Hamburger Dominikaner, Doktor Wilhelm Soltzenhusen, der, wie die alte Chronik fagt, nach Ditmarschen geschickt war, um die rechte Lehre zu dämpsen. „Diese beiden trieben das Spiel und zogen zusammen nach Lunden, um dort Rat und Hülse bei den Fransziskanern zu suchen". Sie ließen nun die Vorsteher ins Kloster kommen und stellten ihnen vor, wenn sie nicht dazu helsen würden, den Ketzer umzubringen, so würde Mariens Lob fallen, dazu würden die beiden heiligen Stätten im Lande, nämkich die beiden Klöster, ganz verwüstet werden. Nur zu bekannt ist, wie der entsetzliche Anschlag gelang. Und waren es auch nicht gerade Hamburger Dominikaner, so waren doch Helsershelser des Hamburgischen Klerus bei der Gefangennahme des Heinrich von Zütphen beteiligt. Als solche werden genannt Mag. Joh. Sniken, des Ofsizials zu Hamburg Kommissarius, „des Teusels Stockmeister", zu dem der Meldorser Dominikaner Augustin Torneborch lief, um mit ihm zu beratschlagen, was zu thun wäre, daß ihr Reich nicht unterginge. Und Reimer Hoezeken, in dessen Hause Bruder Heinrich von Zütphen untergebracht und vor seinem Tode aufs schändlichste mißhandelt wurde, wird als ein „thojeger des prawestes und cappittels van Hamborch" bezeichnet. "2)

Während der Prior des Johannisklosters so ohne jeglichen amtlichen Beruf in Ditmarschen das Feuer schürte, führte Joh. Ratkens in Hamburg das Primat und Hinrich Rendsborch das Sub< priorat. Als einer der hervorragendsten erscheint Hinrich Went, und da er Doktor und Theologus genannt wird, so wird er wahrscheinlich der Lesemeister des Klofters gewesen sein, also Nachsolger von Joh. Ratkens, der es 1510 gewesen. Neben diesen Bedeutendsten ihres Klofters wird noch Fabian von Lübeck erwähnt.

Auch die Domprediger traten trotz Bnstorps Niederlage im Winter von 1527 auf 1528 össentlich in Predigten gegen die Evangelischen auf. So Doktor Barthold Moller, welcher die römische Abendmahlslehre aufs entschiedenste predigte und nach seinem eignen Geftändnis von der Kanzel geäußert hatte: „Lieben Freunde, diese Dinge sehen weiter aus, als vor Augen ist. Drum, ihr von Hamburg, seid keine Züchtiger, damit ihr nicht die Rute werdet". Dagegen wersen ihm die Evangelischen vor, er habe, was auch verständlicher ist, gepredigt: „Die Rute ist schon gebunden, sie soll schnell gesegt werden; denn daran wird schon gedacht von nicht geringen Leuten. Darum sehet wohl zu". Der Subprior Rendsborch hatte unter anderem auch gepredigt, „daß die neuen Prediger das Blut der Laien gegen die Geistlichen hetzten","') allerdings ein Vorwurf gegen die Evangelischen, den ein Koufrater des Prior Soltzenhusen wohl am wenigsten hätte laut werden lassen dürsen. Das Schelten auf den Kanzeln nahm kein Ende. Und weil der Rat anderweitig viel in anspruch genommen war, wie Kempe berichtet, so klagten die Evangelischen nicht beim Rate über ihre Widersacher, ließen aber die gegen sie vorgebrachten Artikel ausschreiben, um sie zu gelegener Zeit vor den Rat zu bringen. Am Gründonnerstage 1528 aber predigte Rendsborch, daß es gefährlich und verdammlich wäre, das Abendmahl unter beiderlei Gestalt zu empfangen, und wollte aus der Erzählung Luk. 24,30, wie der Herr zu Emmaus den Jüngern das Brot gab, beweisen, daß den Laien der Kelch nicht gebüre. Hiemit gab Rendsborch den Abendmahlsgenossen merkliches Aergernis, und deshalb widerlegte ihn Kempe am Karfreitag. Am Ruhesonnabend, 11. April, predigte Rendsborch heftig wider Kempe und bemerkte dabei, daß er mit Kempe über diese Lehre nicht in Hamburg disputieren werde, wohl aber zu einer Disputation in Paris, Löwen oder Köln bereit sei, also auf Universitäten, wohin Kempe sich zu begeben gar keine Veranlassung hatte und wo nur von Dominikanern die Theologie vorgetragen wurde. Weil aber Rendsborch hinzufügte, daß er wohl schristlich mit Kempe verhandeln wolle, so veranlaßte dieser ein paar der vornehmsten Bürger zu Rendsborch ins Johanniskloster zu gehen. Sie nahmen noch zehn andere Bürger zu sich und überreichten ihm ein Verzeichnis der Artikel, die Kempe als anstößig ans des Dominikaners Predigten aufgezeichnet hatte; er leugnete nicht, so gepredigt zu haben, verweigerte aber nun im Widerspruch mit seiner öffentlichen Erklärung, sowohl die Schrist anzunehmen als auch mündlich zu verhandeln. Kempes Versuche, sich mit seinem Gegner auseinanderzusetzen, endigten hiemit; er predigte nun öffentlich gegen dessen Artikel, und der Rat verbot Rendsborch das Predigen, bis er den Jnhalt seiner Predigten bewährt hätte.

Darüber beklagte sich Rendsborch bei jedermann, und die Folge war, daß nun die katholischen Bürger sich enger zusammenschlossen und am 23. April, an einem Donnerstage, sich im Dominikanerkloster St. Johannis versammelten. Als derjenige unter den Geistlichen, welcher besonders „nicht eine geringe Arbeit zur Zusammenkuuft im Johanniskloster gethan hatte", wird Barthold Vathonver aus Göttingen genannt, „ein schlicht pape", der Mainzer Diözese angehörig. Vikar zu St. Katharinen und Kommendist an St. Nikolai. Fünsundfünfzig Bürger werden mit Namen angeführt, welche im Johanniskloster zufammenkamen und daher gemeiniglich in den Chroniken die Johannisleute genannt werden. Unter ihnen sind einige bekanntere Namen, vor allen Jürgen von Tzeven, der alten Ratsherrnfamilie angehörig, welcher auch noch später nächst dem Bürgermeister Hinrich Salsborch als das Haupt der ganzen Partei genannt wurde, serner Evert und Dirik von Bergen, Hans Stael, Hinrich Borgentrik, vielleicht derselbe, welcher schon 1496 Jurat an St. Petri war, Henning Holthusen u. a. mehr. Aus ihrer Mitte sandten sie eine Deputation von acht Bürgern an den Rat, ohne etwas auszurichten; denn am folgenden Sonntage, am 26. April, kamen sie in verstärkter Zahl wieder im Kloster zufammen. Jm Rate hatten sie an Hinrich Salsborch einen gewichtigen Fürsprecher. Wurde ihm doch nachgesagt, daß er gesprächsweise geäußert habe, man müßte das Unkraut ausroden, und wer mit dem Unkraut gemeint war, war den Bürgern verständlich genug; erzählte man sich doch von ihm, er habe gesagt, man müßte etlicher Bürger Köpse an den Mauern lausen lassen. Zu den evangelischen Prädikanten sollte er gesprochen haben: „Jhr Herren laßt euer Predigen nicht eher, als bis 400 oder 500 auf dem Rücken liegen". Wie groß die Aufregung war, die sich über die Versammlungen im Dominikanerkloster der Bürger bemächtigt hatte, geht aus den Gerüchten hervor, mit denen sich das Volk trug. Danach hätten die Johannisleute sich verschworen, die Prädikanten und die Bürger, die es mit ihnen hielten, in einer Nacht zu töten. Die Stadt sollte nämlich nachts in Brand gefteckt werden: wenn das Volk zusammenliese, sollten die reitenden Diener des Rats in voller Wehr dasselbe niederreiten, die vornehmsten Bürger sollten in ihren Häusern erwürgt werden. Damit aber die Sturmglocken nicht geläutet werden könnten, hätte Salsborch seinem Bruder Albert Besehl gegeben, die Glockenseile in St. Nikolai hinaufzuziehen. Aus den Marschlanden Billwärder und Ochsenwärder wären die Bauern aufgeboten worden, zur gegebenen Zeit Zuzug zu leisten. Dieser Plan sei aber von einem

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