Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

Daß das Stück bestimmt war, von Schülern aufgeführt zu werden, beweist folgende Stelle:

Jn fonderheit ab« gefchichts euch zu gut.

Das dis spiel angericht ist itzt

Von unfern Preceptoribus on furwitz

Uns zu nutz und euch zu ehrn ....

Auf das wir wurden keck und trotz

Zu reden, wenn nu mit der zeit

Uns Gott fein göttlich gnade geit ^giebt), ^

Zu reden und schreiben für jberman,

Darnach« ein jeder fach wil han.

Jn dem ebenfalls von Greff verfaßten Epilog, der in einem Akroftichon den Namen de« Verfassers des Stückes giebt (Klaßi»ter Ueiuneu» Ham), fordert der Narr noch einmal zur Beherzigung der vorgetragenen Lehren auf:

Oon»iäeiÄto heißt: beherzigt das,
Und habts für augen on unterlas.

Hams Andria erlebte noch 1602 eine neue Auflage.

Jn demselben Jahre 1535 gelangte unter Leitung des Dr. Johann Mußler, Rektors der Nikolaischule und Prosessors an der Universität zu Leipzig, die 'Ekyra in teutsche renmen gebracht' zur öffentlichen Aufführung auf dem Rathause zu Leipzig.

Der ganze Terenz wurde 1539 von dem Tübinger Diakonus Valentin Boltz aus Russach im Oberelfaß 'für die armen Schülerlein, fo nit allwegen mögen iuterprete» haben', verdeutscht; obgleich Geistlicher, trat Boltz gegen die ungelehrten und verwöhnten Theologen auf, die ihm vorwarsen, daß er als Lehrer der Kirche 'sich solcher weltsreydiger, schimpfsiger Heiterer, lustiger) matery unternommen' habe. Jn echt humanistisch-reformatorischer Weise erklärte er, daß er aus Vergil, Terenz, Plautus und anderen Heiden das lateinische Evangelium (gaera ex prot»M8) habe verstehen lernen und doch nicht ihren Glauben und ihre Leichtsertigkeit angenommen habe. Gott habe uns diese schöne Kunst, deutsch zu reden, durch die gelehrten Heiden gegeben, und wer die verachte, der verachte Gott selbst. Dabei lernen wir Boltz als einen begeisterten Freund der deutschen Sprache kennen, denn er sagt: 'Das ist das alte Gift und peftilenzisch Uebel, daß wir Deutschen nicht viel Acht auf unser Muttersprach gehabt haben, die ja gleich der lateinischen l»enuäiam und Zier ebensowohl hat als andere Sprachen'.

Auch Hans Sachs wagte sich an den Terenz. Er bearbeitete den Eunuchus (1564) nach der profaischen Uebersetzung Nytharts von Mm. Es war die letzte dramatische Arbeit des Dichters. Eunuchus und Andria übersetzte auch Clemens Stephani aus Buchau (1554) und widmete seine handschristlich noch vorhandene Arbeit dem Pfalzgrasen Otto Heinrich. Ebenso verfaßten Johann Bischoff (Lpi8oopiu») aus Würzburg 1566 und Michael Bapst aus Rochlitz, Pfarrer zu Mohorn in Sachsen, 1590 eine Ueber» setzung der sechs Komödien des Terenz, der letztere für die Fürstenschule in Meißen.

Der erste, der mit der gereimten Uebersetzung eines Stückes des Plautus hervortrat, war Joachim Greff. Es war die 'schöne lustige Comedia Aulularia, fast lustig und kurzweilig zu lesen', die er 1535 mit Hams Andria zu Magdeburg erscheinen ließ. Das Titelblatt trägt die Verse:

Hui8qui» e», « tave»» uo8tn^ue laboriku» »ä8i», Ui8 qnoque äe« veuiaiu.') Sie ist dem Mag. Stephan Roth, dem obersten Stadtschreiber von Zwickau, gewidmet, der ihm bei seinen Universitätsstudien gewiß förderlich gewesen ist. Denn Greff stammte aus Zwickau; ein Sohn des Kantors an St. Marien und Quarrus an der Ratsschule Paul Greff, dessen wertvolle handschriftliche Sammlungen zur sächsischen Geschichte von dem bekannten sächsischen Geschichtschreiber Petrus Albinus benutzt wurden, hatte er die wissenschastliche Vorbildung zu den akademischen Studien in Zwickau genofsen. Er wandte sich 1527 an Kaspar Güttel in Eisleben, der ihm aber dort keinen Unterhalt zu schaffen wußte, ihn vielmehr nach Wittenberg wies. Hier wurde er am 23. Juni 1529 inskribiert') und widmete sich den humanistischen Studien. 1533 trat er ein Schulamt in Halle an und wurde hier im Hause des Dr. Erhard Milde mit Georg Sabinus bekannt, der ihn vor vielen anderen zur Dramendichtung anregte und dem er

') Greff war zweifellos durch Melanchthons Empfehlung gewonnen worden: '8i noniut l'ereutmm, pote»t proponi ^ulu!»ri» ?1emti' (Ourp. «ef. 10, 10l).

') älbum 135.

1537 sein Spiel zluuäu» widmete. Von Halle zog ihn Georg Major an das altstädtische Gymnasium zu Magdeburg; hier entstand ein biblisches Drama, das erste hochdeutsche Drama Norddeutschlands, das Spiel von Jakob und seinen zwölf Söhnen, das Greff in Gemeinschast mit Georg Major verfaßte. Mit Georg Major, der 1536 sein Magdeburger Schulamt aufgab, begab sich Greff nach Wittenberg und widmete sich dramatischen Studien. Die Widmung seiner Judith ist aus Wittenberg vom 28. September 1536 datiert. Er erhielt dann ein Lehramt in Dessau; 1537 unterzeichnet er einen Brief an Justus Jonas 'Ve»»»viae form»tor pueririg.o'.')

Jn der Widmung der Aulularia bemerkt Greff, daß er mit seinen Rhythmen nicht großen Ruhm und Ehre oder einen großen Namen zu erjagen trachte, sondern, weil er zu seinem Bedauern sehe, daß jetzt gute Künste, alle Ehrbarkeit und Redlichkeit, alle gute Sitte und Zucht bei alt und jung, arm und reich so gar verachtet, geschändet und nachgelassen werde, sei er bewegt und verursacht worden durch der lieben Vorfahren vielfältige und löbliche Exemvel, sich dieser Mühe zu unterstehen, auch willens worden, diese Komödie und andere nachmals mehr in deutschen Reimen zu verfassen. Die Schauspiele sollten dem gemeinen Mann zu Nutz, ja zu einem Spiegel des täglichen Lebens vorgehalten und gespielt werden; es sei kein Narrenwerk; das vorliegende Spiel des Plautus sei gegen den Geiz gerichtet. Jedes Spiel könne zu unserer Besserung dienen. Mit den Passionsspielen haben unsere Vorfahren uns zur Andacht und Frömmigkeit reizen wollen und mit dem St. Dorotheenspiel haben sie uns angezeigt, wie wir uns durch keinerlei Weise von Gott oder von seinem Worte und seiner Liebe weder durch Verfolgung noch durch Trübsal sollten abwenden lassen, gleich wie die heilige Dorothea gethan, die ihren Leib und Leben lieber um Christi und seines Wortes willen hat verlieren wollen, als der Abgötterei dienen und von Gott absallen. 'Solches Spiel ist auch von des heiligen Johannes Enthauptung und viel andere mehr gewesen, wie jedermann bas ftesser) weiß, denn ich fagen kan'. Weiter wünscht er, daß man denen, die solche Spiele anrichten, ihre Mühe ein wenig stattlicher als bisher lohne, und wenn sich diejenigen, denen es gebühre, mit größerer Dankbarkeit gegen solche Histriones sinden ließen, auch die rechte Meinung, warum solches alles zugerichtet werde, besser zu Herzen faßten und sich demgemäß hielten, so würde der grobe Laie, der gemeine Mann auch wohl besser sich in die Sache schicken, sich bessern, auch noch höher und größer solche Spektakel achten und halten, denn bisher. Bei uns gehe es nach dem alten Sprichwort: 'Was nichts> kostet, das gilt nichts'. Als Hauptmotiv führt er den Nutzen an, den die Schulen von den Dramen haben. Bei der gänzlichen Verachtung, die den schönen Künsten zu teil werde, liege doch noch ein kleines Fünklein davon in der Schule glimmend unter der Asche mit großer Mühe und Arbeit verscharrt und werde behalten. Möchten doch die Eltern mit ihren Kindern, die sie zuweilen in solchen Komödien recitieren sehen und hören, zu Gunst und Liebe der schönen Künste, zur Redlichkeit angeregt werden und ein Wohlgefallen darin sinden. Auch könne durch solche Uebung größere Beredsamkeit erzielt und die Jugend zu Tapferkeit und Geschicklichkeit angeleitet werden, sodaß dies einer Stadt, ja einem ganzen Lande nützlich, thätlich und förderlich sein möchte. Jnsonderheit sollten solche Spiele, die rechtschaffen, züchtig, ehrlich und christlich sind, öster als es geschieht, aufgeführt werden, dann würde manche Gotteslästerung, mancher Totschlag, Sausen, Fressen und viel Uebles unterbleiben.

') Kawerau, Briefwechsel des Justus Jonas 1, 251.

H,Ifteln, I'e R«f«m»ti»n. 1

So kommen, wie Lessing richtig bemerkt, in Greffs Vorrede viel nützliche Sachen vor, woraus man sieht, daß der Uebersetzer allerdings ein vernüuftiger Mann gewesen sein muß, der einen sehr guten Begriff von den Komödien und ihrem Nutzen gehabt hat.')

Jm Prolog spricht der Narr es wieder aus:
Denn Komödia ist, versteht mich das,
Gleichwie ein helles spiegelglas,
Darin man sicht und lernen kan,
Was übel gehandelt oder wolgethan.

') Lefsing, Beiträge zur Historie und Aufnahme des Theaters. Stuttgart l 750. S. 45 (Werke, 1 l, 1, 30).

Man sicht. wies treibn aller menschen kind.

Was sie beginnen, wie sie gesinnt,

Sie sind gleich jung, oder seien all.

Sind bestich ober wolgestalt,

Sie sind gleich arm, dazu auch reich,

Sind wie sie sind, gilt eben gleich.

Jr aller sitten sichstu fein

Gleichwie in einem spiegel rein.

Jm ganzen hat sich Greft an das lateinische Original angeschlofsen; nur wo der römische Typus eine Abweichung zuließ, ist an Stelle desselben der deutsche getreten: so bei der Schilderung der reichen Frau, deren übertriebene Putzsucht verspottet wird.

Ob sie wol hat zehn röck im haus
Vom besten gewandt, das macht nichts aus;
Erst wil sie haben von Damast ein rock.
Dazu ein gebrehm von gülden stück.
Noch ist es nichts; dann wil sie han
Noch zweimal mehr von irem man,
Von Udlas gut und auch Karteg
Bringt sie noch viel mehr röck zu weg.

Greff kann mit dem Lobe Lessinas wohl zufrieden sein: 'Die Uebersetzung ist vor die damaligen Zeiten noch sehr gut'.

Vollständig ist Plautus nicht übersetzt worden; er fand nicht den Beisall, der dem Terenz zuteil wurde. Wir erwähnen noch die Uebersetzung der Menächmen von Hans Sachs (1548), eine Umdichtung der Profaverdeutschung von Albrecht von Eyb, über welche Jonas Bitner, Lehrer am akademischen Gymnasium zu Straßburg, so erbittert war, daß er 1570 eine neue gereimte Uebersetzung ausgehen und von der Bürgerschast in Straßburg aufführen ließ, 'damit man spüren möge, daß Plauti Komödien viel ein ander Werk seien, als die Komödie von Hans Sachsen'; serner die Uebersetzung der Oaptivi des Rektors Martin Hayneccius in Grimma (1582) und die des ^mpbitruo durch Mag. Wolfhart Spangenberg in Straßburg (1608). Diese beiden Uebersetzungen wurden zum Zweck der dramatischen Aufführungen der Fürstenschüler in Grimma und der Schüler des akademischen Gymnasiums in Straßburg verfaßt.

Aber man übte die Schüler nicht bloß in der Aufführung der lateinischen Dramen, sondern auch in der der griechischen.

« ZurückWeiter »