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erwärmt und in ihrem evangelischen Bewußtsein gestärkt hat, in Jena durch die Gründung eines Luthersestspiel-Vereines eine sichere Heimal bereitet worden ist.

Jn aller Kürze seien noch zwei dramatische Erzeugnisse des siebzehnten Jahrhunderts erwähnt, die wir nur der Vollständigkeit halber nennen. Die Tragikomödie 'Nolbruder Curd' (161?) ist eine wüste Verhöhnung des ärgerlichen Mönchslebens. Curd, der zwar nicht viel ehrenwerte, gottesfürchtige, aber um die Klofterjungfrauen und Bauernweiber der benachbarten Dörser wohlverdiente Vimtawr veuereu8 des Klofters Hamersleben, wird bei einem Ehebruchsversuche ertappt und sindet bei einem Sprung über die Mauer seinen Tod. Den Schlußgefang bildet eine Parodie des Liedes: Nuu laßt uns deu Leib begraben. Der Verfasser dieses scheinbar auf Thatsachen beruhenden satirischen Stückes nennt sich Pamphilus Münnigsseind; es ist gedruckt zu Strickmauer, h-pi» e!an8tr»1ibu8, 8umptibu8 O'ouraüi von äer weiter, 8ub 8ißuo s'enäeuti» OuoulliFeri. Das Jahr der Entstehung erhellt aus dem Chronogramm: Oorll nat 8elu broDt Vnl) liier VerliVrt.

Mit seinem dritten Stück: Munewn>i8 soäitio8U8 oder Tragödie von Thomas Müntzern, d. i. der Müntzerische Bauernkrieg' (Leipz. 1625), das den Städten Mühlhausen, Langensalza und Eisleben gewidmet ist, wollte Martin Rinckart 'der jetzigen sichern Welt einen Lehr- und Warnungsspiegel beim instehenden Säkulnm vor Augen stellen'. Unter Benutzung von sechzehn Quellenwerken (darunter Luthers und Melanchthons Werke, Sleidan, Mathesius, Selneccer, Chemnitz' Lxamon Ouneilii ^riäeutini, Sebastian Franck, Chroniken von Mühlhausen und Mansseld) hat er einen getreuen historischen, sogar auf Monate, Wochen und Tage sich erstreckenden Bericht über den Verlauf des Bauernkrieges in Form einer Komödie gegeben, sodaß wir in der That 'ein richtiges und lustiges Oompenäium ni»toneum' erhalten. Dem Urteile eines bedeutenden Litterarhistorikers, es sei 'ein uusäglich roher Wnst von Scenen, in einem drolligen, auf komische Wirkung abzielenden ungeschickten Stile', vermag ich nicht beizustimmen. Es lag in der Natnr der Schauspiele jener Zeit, die schaulustige Menge mit einem Aufwand von komischeu Seenen zu unterhalten, und wenn auch Rinckarts dramatische-? Geschick in diesem Stücke weniger hervortritt als in seinen beiden andern, so muß doch anerkannt werden, daß der Verfasser das Beftreben gehabt hat, ein neues kräftiges Zeugnis für die Wahrheit und Echtheit der von ihm hochverehrten lutherischen Kirche zu geben; denn er begnügt sich nicht mit einer Darstellung des Bauernkrieges, sondern er berücksichtigt alle historischen Ereignisse, die mit der Reformation im Zusammenhang stehen, indem er dieses fünfte Stück seiner dramatischen Heptas als die Fortsetzung des vierten Stückes, das vom Reichstag zu Worms handeln sollte, betrachtet wissen wollte. So wird u. a. Karlstadts Unwesen geschildert; er selbst wird als ein äomiun« xelot)-pu5!, ein itominu» ^N(D bezeichnet,

Das ist soviel als ich versteh:
.Vufrührerische Lilderstürmerei,
<alvinische Duckmäuserei
Beweist Andreas tiobenstein
Carlstadt Doctor mäßig fein!

Tic päpstliche Jubeljahrsbulle von der Eröffnung der goldenen Pforte anf das Jahr 1525 glofsiert Luther mit folgenden Reimen:

Was zu Rom sein für heilige Stäiten,
Das zeigen ihre 3haten und Poeten,

Und giebt das Wort Il<»l^ die Summ,
Denn cs heißt üü<l!x Omnmm

)lilIsirmn .Vvnnti».

Und das bestätigt diefe UnII».

Man erinnere sich, daß hundert Jahre zuvor der wegeil seiner Predigten über die Unsittlichkcit der Geistlichkeit ans Freiburg vertriebene, als Liederdichter bekannte Ludwig Ocler ein satirisches Gedicht ans jenes Jubelsest verfaßt hatte.')

Rinckart schließt sein Drama mit einer Verherrlichung von Luthers Ehe. Zunächst halten Luther, Mclanchthon und Katharina ein Psingstgespräch vom Lobe des Ehestandes. Der Ehestand ist ein heiliger, freier, nötiger und seliger Stand.

'' Schade, Satiren nnd Pasquille l, 38—«.

Ter Edstand ist ein seiiger äiand,

Taraus G''tt mit scldsteigner Hand
öein Kirch und Himmei will erbaun,

Tadurch Ehleut, die l^ott vertraun.
Mit Kind und Gsind timnen selig werden.

Wenn sie sie ziehn ;u Gottes Ehren.

Dieser Sceue folgt das Hochzeitsgedicht des (iochläus n. a. cilif Luther uud Luthers Hochzeit.

Neuntes Kapitel.
Tas historisch - novellistische Traum.

Wir fassen in diesem Kapitel diejenigen Dramen zusammen, ivclche einerseits der allgemeinen Geschichte, andrerseits dem Sagciistoff nnd der Novelle entnommen sind. Die Verschmelzung dieser beiden au sich getrennten Gebiete erklärt sich daraus, daß die Verfasser der historischeu Dramen uicht genau dem geschichtlichen, durch den Stoff bedingten Verlauf folgen, sonderu die Dichtung über die historische Wahrheit stellen. Zunächst war es das große Gebiet des klassischen Altertums mit seinem reichen Sageiistoff, durch welches besonders Hans Sachs angezogen wurde Seine erste Tragödie behandelte die Geschichte der edlen Lucretia (1527), die auch der Schweizer Reformator Heinrich Vulliugcr (15,33) dramatisierte, dieser jedoch, indem er eine politische Tendenz damit verband. Jm allgemeinen steht Haus Sachs fast allem als Bearbeiter von Dramen, die dem klassischen Altertnn: entlehnt sind, nnd er giebt in dieser Beziehung einen glänzenden Beweis von der außerordentlichen Vielseitigkeit seiner Bildung und seines Studiums. Tic dem iionig Friedrich II. von Dänemark gewidmete Komödie -von Dionysii Syraeusani nnd Damonis nnd Pythiä Brüderschast' des Güslrower Rektors Fraueiscus Qnichius (Roftock 1578) behandelt den auch von Schiller in seiner 'Bürgschaft' benutzten Stoff. Der Verfasser wollte darin - den Unterschied wahrer treuer Freundschast nnd falscher Heuchelei sein artig fürbilden'. Tic Zerstörung Trojas dramatisierte der Bürger und Eiseukrämcr Georg Gotthart zu Solothurn (Frei borg 15W). Sein Trama war am 20. uud 21. September 15W von der ehrsamen Bürgerschast zu Solothurn gespielt worden. Ein Spiel von den sieben Weisen aus Griechenland, eine Paraphrase des I.uäu8 des Joachim Camerarius, verfaßte um 1550 der gekrönte Poet und Geschichtschreiber Kaspar Brusch und ein zweites Georg Reypchen aus Kronstadt, Pfarrer zu Sindelsingen in Württemberg, das am 20. Februar 1558 in seinem Wohnorte aufgeführt wurde und 1559 zu Pforzheim im Druck erschien. Einen Teil der 'zehn Alter' des Gengenbach hat Reypchen stillschweigend seinem Stücke einverleibt und überhaupt gottesfürchtig und dreist, wie es im Sprichwort heißt, aus anderen Dramen geschöpft. Er fagt selbst darüber:

Ein armer Bettler, bloß und nackt,

Will er voll haben seinen Sack,

So nimpt er einen guten Stab

Und sammlet die Gassen auf und ab;

Also hab ich auch viel Mühe vollbracht.

Bis ich dies Spiel hab zusammen gebracht.

Aus vielen Büchern gemacht also,

Hie genonnnen ein Spruch, den andern do.

Das schmeichelhaste Urteil des Diakonus und Schulmeisters Jakob Cappler zu Sindelsingen über das Stück seines Pfarrers lautet:

Jch habs gelefen gar oft und viel,

Mein lebenlang ichs loben will

Und haben allzeit in großer Ehr,

Auf Erden ich keins bessern beger.

Aus Gellius (liuete8 ^ttieae 1, 23) nahm Leonhard Culmann den Stoff zu seiner Komödie 'von dem Aufruhr der ehrbaren Weiber zu Rom wider ihre Männer' und den Bericht des Hesiod (Werke und Tage 48) legte er seinem Spiel 'von der schönen Pandora' (Nürnberg 1544) zu Grunde. Das erftere — er nennt es ein Fastnachtspiel — widmete er der Frau Hanna Bernpeck in Kitzingen: es soll den frommen, gottesfürchtigen und züchtigen Weibern zu einem Trost und zur Lehre dienen; weil sie durch den Glauben an Gott Töchter der Sarah geworden sind, sollen sie auch mit ihrem Wandel ihren Männern Gehorsam, Liebe und Treue erweisen; dann werden sie Ruhe haben, auch Lob, Ehre und Preis erlangen. Sodann solle sein Spiel den vorwitzigen. groben, haderischen Weibern zur Lehre und zur Warnung dienen, damit sie nicht durch unnötige Empörung, Hader oder Gezänk in Schande. Schmach und weltliche Strase kommen, wie die Papiria, die Frau des römischen Ratsherrn Papirius. Diese beredete nämlich ihren Sohn, ihr die Beschlüsse der letzten Ratssitzung mitzuteilen. Als dieser nun erdichtet:

Alan hat gehandelt, welches befser sei.

Auch nütz und gut der Gemein dabei.

Daß man eim Mann zwo Frauen erlaub.

Oder eine Frau zween Vtänner hab,

verkündet sie es ihren Freundinnen in einer Versammlung 'zum Küchleiushof'. Die Frauen stürmen auf deu Saal des Rathauses, erfahren aber, daß man über das genannte Thema gar nicht verhandelt habe. Zur Belohnung seiner Verschwiegenheit wird der junge Papirius hoch geehrt, die Frauen aber werden verlacht und Papiria mit einer viertägigen Hast bestraft. Jm Prolog spricht Cnlmann von der Sitte der jährlichen Aufführung eines deutschen Spieles zur Fastnachtszeit und schreibt Greffs Prolog zu seiner deutschen Aulularia aus, ohne seine Quelle zu nennen. Denselben Stoff behandelte der pommersche nnd mecklenburgische Schreib- und Rechenmeister Matthäus Forchem in seinem dem Syndikus von Stralsund (Lübeck, den 27. September 1551) gewidmeten, in plattdeutschen Versen abgefaßten Spiele, das er 'der jungen Jögendt tho eynem evenbilde der Dögeth' vorstellte.

Die -Pandora' widmete Culmann der ehrbaren und tngend hasten Frau Helene Vogler geb. Berupeck zu Windsheim (Mittwoch nach Lätare 1544) aus Dankbarkeit für die freundliche Aufnahme, die er bei der Hochzeit des Mag. Heinrich Schübel in ihrem Hause gesundeu hatte. Nach der aus Hesiod bekannten Erzählung besiehlt Zeus dem Hephästos zur Strase für deu durch Prometheus verübten Raub des Feuers eine schöne, mit allen Tugenden ausgestattete Jungfrau zu bilden,

Die Pallas ihr die Kunst eingeb.

Daß sie gar Garne spinne und web,

Venus freundlich Gestalt und Geber,

Dazu ihr geb Wort, Kunst und Lehr,

Wie sie mit schönen Worten viel

Die Leut auf Erd bereden will.

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