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Kaliber und Mörser, nur aus 75 Geschützen, während die Ilaliener über 100 Rohre, darunter viele 40Pfünder, verfügten. Die Italiener sendeten in zwei Tagen nicht weniger als 40.000 Geschosse, worunter solche von 48 und 54pfündigen Kaliber, gegen die drei kleinen Werke, ohne dass Bruslwehre, Grabenmauer und Grabenkoffer nennenswerthe Schäden erlitten hätten, nur das Reduil war stark beschädigt, doch hätte man die Werke noch lange vertheidigen können, wenn es überhaupt nach dem Abzuge der Armee noch zweckmässig gewesen wäre, den offensiven Brückenkopf festzuhalten.

Solche Beispiele sind eben schlecht gewählt und nur oberflächlich sludirt.

ad III.

Was endlich die Billigkeit der provisorischen Befestigungen anbelangt, so hat sich Hauptmann Hertzberg bereits in dem Sinne geäussert, dass diese eben nicht so bedeutend ist, als man zu glauben geneigt ist.

Im Kriegsfalle steigt der Taglohn und der Material-Preis, insbesondere wenn die Zeit drängt, um das Doppelte und Dreifache. Eingezogenen Erkundigungen zufolge würde eine hiesige Baugesellschaft die Arbeiter für einen Punkt in Galizien nur gegen ein Taggeld von 2 fl. (hiesiger Taglohn 70 kr., in Galizien 60 kr.) beistellen können.

Auch in Olmütz musste 1866, damit die Leute überhaupt blieben, der doppelte Taglohn ausgezahlt werden.

Das Bauholz muss zu enormen Preisen rasch bezogen, grosse Verführungs-Distanzen dürfen nicht gescheut werden; es wird feuchtes Holz verarbeilet, welches rapid zu Grunde geht. Der Kriegsbau kostet gewiss das Doppelte eines Friedensbaues, und die Preise des provisorischen Kriegsbaues nähern sich daher sehr dem permanenten Friedensbau. Erfolgt aber nach dem Friedensschlusse ein Umbau des provisorischen Werkes im permanenten Styl, oder seinerzeit eine zweite Verlheidigungs-Instandsetzung, so wird der provisorische Bau schon theurer. Der im Jahre 1851 bei Leitmeritz erbaute Brückenkopf wurde 1866 reconstruirt. Die aus den Jahren 1854–55 herrührenden Erdwerke bei Olmütz und Krakau wurden 1866 umgebaut. Die aus derselben Zeit herrührenden Erdwerke bei Przemysl werden nun in permanente umgewandelt. Die im provisorischen Style 1848 erbaulen Werke von Verona wurden nach dem Friedensschlusse umgebaut.

Dass aber ein solches reconstruirtes Fort, trotzdem es nicht viel billiger kommt als ein neues, an vielen Mängeln kränkelt, ist klar. Rücksichten der Wohlfeilheit können daher nie den Ersalz einer Festung durch provisorische Befestigungen rechtfertigen. Der provisorische Bau ist schlechter und verhältnissmässig auch theu er.

Schlussbemerkung.

! Es scheint schliesslich nicht überflüssig, dem Leser die verschiedenen Befestigungs-Profile vom flüchtigen bis zum permanenten vor Augen zu führen, um zu zeigen, dass man es wohl in der Hand hat, die Befestigungen mit Rücksicht auf Geld, Zeit und sonstige Verhältnisse entsprechend anzuordnen, dass aber die Stärke und Bequemlichkeit sich diesen Umständen sehr unterordnen muss. Der Stratege kann dann je nach dem Werth, den er dem einen oder dem andern Platz beimisst, und mit Rücksicht auf die Zeit wählen.

Profil Fig. 1, Tafel 22 ist jenes der flüchtigen Befestigung für Schlachtfelder, in 5—10 Stunden erbaut.

Fig. 2 ist ein Feldprofil stärkerer Gattung für Brückenköpfe, places du moment und verschanzte Lager, für letzte jedoch nur in jenen Fällen verwendbar, wenn ein grosser Armee-Körper zu ihrer Vertheidigung bereit steht. Zieht dieser ab, so muss auch die Befestigung bei ernstlicher Bedrohung ausgegeben werden. Die Bauzeit der einzelnen Schanzen beträgt im besten Falle 3 Tage, jene eines grösseren Brückenkopfes gewiss 2 Wochen.

Die Stärke der flüchtigen und Feld-Befestigungen hängt mit jener der Armee innig zusammen.

Die Profile 3 l) und 4 (Cà vecchia bei Verona) und 59) zeigen Profile von provisorischen Befestigungen, welche den Feind zum belagerungsmässigen Angriff zwingen sollen. Hierbei muss eine slarke und tüchtige Besatzung und vorzügliche Armirung vorausgeselzt werden.

Eine äussere Reserve für die einzelnen Vorwerke ist unerlässlich. Die factische Bauzeit Eines Werkes schwankt zwischen 4-10 Wochen, jene eines grösseren Platzes zwischen 12–18 Wochen,

Fig. 6 zeigt das Minimal-Profil einer permanenten Befestigung, welches man mit Rücksicht auf die Billigkeit und Beigabe anderer Verstärkungsmittel im Kriegsfalle, für einfache Manövrir - Plätze (Brückenköpfe) und einfache Lagerplälze oder für Depôtplätze, dann auf weniger wichtigen Punkten der Armee-Festungen anwenden könnte.

Fig. 7 endlich zeigt das stärkste Profil für Armee-Festungen oder besonders wichtige Punkte *).

Die Figuren 1 a bis 7 a zeigen die Anordnung der Unterkunfls-Räume für die inneren Reserven in den verschiedenen Fällen.

Die finanziellen Kalamiläten unseres Staates zwingen den Genie-Officier, die Befestigungs-Projecte stels mit Rücksicht auf die äusserste Billigkeit zu entwerfen, und es kann nicht dringend genug empfohlen werden, die genauesten Studien anzustellen, über jene Minimal-Profile, Minimal-BrustwehrHöhen und Bruslwehr-Dicken, Grabentiefen etc., welche eben noch zulässig sind. Jeder Fuss darüber ist Sünde. Es müssen aus dem Projecte alles nicht unbedingt wichtige, — alles, über dessen Werth Zweifel erhoben werden könnten, ebenso wie alle Rücksichter auf Bequemlichkeit fallen. Der Vorliebe für das Kolossale, Grossarlige, Schöne muss beim Befestigungsbau ein gehöriger Damm vorgeschoben werden. Was man da erspart, kann man dort doppelt nützlich verwerthen. Denn erst mit der Billigkeit ersteht auch die Möglichkeit der Anlage von Festungen.

1) und ). Siehe den Aufsatz des Verfassers „Einiges über das technische Detail provisorischer Befestigungen“, Jahrgang 1869. 2. Band dieser Zeitschrift.

3) Nach Oberst Ritter von Tunkler.

konummen

Notiz
betreffend das Gefecht von Nogaredo-Versa am 26. Juli 1866.

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Die geehrten Leser dieser Zeitschrift werden sich eines im October-Hefte v. J. erschienenen, aus italienischer Quelle stammenden Artikels über das Gefecht bei Nogaredo-Versa erinnern, welcher die österreichischen Darstellungen jenes Gefechtes bedentender Unrichtigkeiten und Entstellungen beschuldigt.

Auf diesen Artikel sind uns von Österreichischer Seite zwei Beantwortungen eingesendet worden, die mit Erfolg für die Richtigkeit der beiden österreichischen Beschreibungen jenes Gefechtes eintreten und die Grundlosigkeit der italienischen Behauptungen darlegen.

Das geringe Interesse, welche jene unbedeutende Affaire nach den neuesten grossartigen Kriegsereignissen heute noch beanspruchen kann, verhindert uns an der Publicirung der betreffenden Beantwortungen, und diese kurze Bemerkung möge dazu dienen, die durch jenen Angriff etwa geschädigte Glaubwürdigkeit des Österreichischen Geschichtswerkes, welches das Gefecht bei Versa ganz richtig und wahrheitsgetreu schildert, wieder herzustellen.

Die Redaction.

Reglements - Studie VI. Der zweite Abdruck des „Feld-Dienst für das k. k. Heer '). I. Theil.

In Wahrheit haben wir es mit einer ganz neuen Auflage zu thun, welche, wie wir mit Vergnügen wahrnehmen, sehr wesentliche Kürzungen und Verbesserungen ausweist.

So wurde z. B. das ganze Capitel „Entwicklung und Verlauf des Krieges“ gestrichen, und ist, um einer Verbesserung zu erwähnen, der Verbindungsdienst während des Marsches (früher Punkt 55) nunmehr (Punkt 325), wenn auch nach unserer Ansicht noch nicht vollkommen, so doch in einer Weise formulirt, welche die Anwendung möglicher Mittel zulässig macht. „Nur wo es geboten scheint, können (müssen ?) kleine Patrullen, welche sich „paarweise gliedern“, eingeschoben werden.“ Dann folgt eine Abhandlung über unmittelbare und mittelbare Verbindung. Die erstere soll dadurch hergestellt werden, „dass der zwischenliegende Raum durch das Gewehrfeuer vollständig beherrscht wird, oder dass man sich gegenseitig sehe oder höre“; in dem Allen liegt aber eine Differenz von nahe 2000 Schritten. Endlich wird die mittelbare Verbindung der unmittelbaren vorgezogen, worüber wir der entgegengesetzten Ansicht sind.

Im Capitel von der Lagerung finden wir erfreuliche Veränderungen und endlich auch graphische Skizzen.

Der Vorposten-Dienst ist so ziemlich geblieben, wie er war.

Punkt 422 lässt darüber im Unklaren, ob man bei Nacht und Nebel die Vorposlenlinien nur durch Einschiebungen oder auch durch Zurückziehen gegen die Haupttruppe verdichten soll; denn die Distanzen zwischen den einzelnen Posten werden verringert; dies geschieht gewöhnlich durch eine Vermehrung der Posten“,

- könnte also auch durch ein Zurückziehen der ganzen Linie geschehen, was wir für sehr gefährlich halten.

In Punkt 444 wird an den einfachen Vedetten festgehalten; wir constaliren noch einmal, dass wir die einzige Armee Europa's sind, welche vor dem Feinde einzelne Männer auf Schildwache stellt, ebenso wie wir die Einzigen und Erslen sind (und wohl auch bleiben werden), welche sich mit blos einem Erkennungszeichen (Punkt 434) begnügen.

1) Siehe Juni-Heft 1869 „Betrachtungen über den neuen Feld-Dienst für das k. k. Heer.“ Ferner: „Reglements-Studie V“, im IV. Band, Jahrgang 1870.

3) In der vom Marschall Soult als Kriegsminister im Jahre 1832 herausgegebenen ,Ordonnance sur le service des armées en campagne“ heisst es: „Lorsque les troupes n'ont pas l'h a bitude de la guerre ou que la quantité et l'espèce des troupes légères de l'ennemi l'exigent, les sentinelles (Vedetten) peuvent être reunies par deux.“

Das preussische Reglement enthält die absolute Bestimmung: „Alle Posten gegen den Feind sind Doppelpusten.“

Die Durchführung der Abfertigung nach den Weisungen der Punkte 458 und 459 ist entweder nutzlose, zeitraubende Ceremonie, oder der neugierige Feldwach-Commandant muss sie hart büssen.

In Punkt 415 finden wir die Normal-Distanzen zwischen den verschiedenen Vorposten-, Linien“ (ein allerdings verpönter Ausdruck); allein es fehlt die Andeutung, wie man sich helfen soll, wenn jene Normal-Distanzen vergrössert werden müssen, für welchen Fall die Reglements anderer Armeen die Einschiebung von Verbindungs-Pikets gestatten.

Angenommen, ein Armee-Corps hätte die Schwechal-Linie, Front gegen Osten, beselzt, so ist es selbstverständlich, dass die Fischa-Linie durch die Vorposten im Auge behalten, und selbst über Nacht beobachtet bleiben, man die Vedetten-Linie also, wenn schon nicht ganz an die Fischa, so doch auf die östliche Abdachung des, zwischen der Schwechat und der Fischa liegenden Plateau's vorschieben müsste, was gegen das in Punkt 415 angegebene Maximum von 4000 Schritten noch immer eine Entfernung von etwa 12.000 Schritten von der Schwechat ergäbe. Dem wäre nun durch Aufstellung einer Vorposten-Reserve (nach Punkt 412) allerdings abgebolfen, aber in dem ganzen (obendrein wasserarmen) Raume findet sich zur Placirung ainer solchen kein taktisch geeigneter Punkt, es wäre denn die Höhe von Rauchen warth, die aber noch eine Meile von der Schwechat - Linie, also iuch zu exponirt liegt.

Wenngleich man sich bei Tage in jenem Terrain fast durchweg mit Cavallerie begnügen kann, so würde bei Nacht doch die Verwendung von infanterie unentbehrlich, und das Einschieben von intermediären Zwischenlosten zur leichteren Einhaltung der Verbindung zwischen den Hauptposten und Haupttruppen wäre hier, wie in vielen anderen derlei Fällen wohl das inzige Abhilfsmittel.

Sehr auffallend ist der Inhalt von Punkt 50: „Leute, welche fusskrank werden, sind zur Verantwortung zu ziehen, weil sie durch Unreinlichkeit oder schlechte Conservirung der Füsse oder nachlässiges Anziehen der Schuhe selbst die Schuld tragen.“

Wir haben in dieser Zeitschrift ) über die Beschuhungs-Frage schon somal statistisches Material gebracht und die Beschwerden competenter känner angeführt.

So z. B. aus dem chefärztlichen Rapporte vom Juni 1866 der Brigade M. Baron Hahn: „Die bedeutende Anzahl von Fussgeschwüren mit oder ohne nachherige phlegmonöse Erscheinungen verdankt ihren Ursprung einer minder zweckmässiger, aus starrem Leder erzeugten Fussbekleidung.“

Schon im Mai-Rapporte des dirigirenden Stabs-Arztes der Nord-Armee est man von , Excoriationen und Geschwüren an den Füssen, durch unweckmässige Beschuhung hervorgebracht“, und im Rapporte om Monate Juni werden die sich häufenden Fälle belont ,von Geschwüren nd Excoriationen der Füsse, als Ursache welcher Erkrankung die häufigen oppelmārsche und die unzweckmässige Beschubung des Tannes ....., etc.“

9) Jahrgang 1868, IL Band, Seite 328.

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