Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

In Olmütz benöthigte man nur den 5. Theil obiger Zahl, wovon übrigens die Hälfte durch Militär gedeckt wurde, und doch hatte man Anfangs mit dem empfindlichsten Arbeiter-Mangel zu kämpfen.

Man musste sich solche aus Böhmen und von der untern March verschreiben, endlich sogar requiriren.

Was es aber heisst, mit requirirten Leuten zu arbeiten, weiss nur der, welchen selbst dieses Schicksal traf. Ich bekam Hunderte von Fabriksarbeitern und Mädchen, welche kaum den Krampen halten konnten und am ersten Abend schon wunde Hände hatten. Am zweiten Morgen hatte sich bereits die Hälfte verlaufen; alle Drohungen und Bestrafungen nützten Nichts, um dem Ausreissen Einhalt zu thun. Die Gendarmerie reichte zum Verfolgen nicht aus.

Als der erste Schuss bei Tobilschau fiel, sland ich mit meinen Soldaten fast ganz allein.

Von 1500 Arbeitern des Vortags waren kaum 200 wiedergekommen. Natürlich, jeder wollte in Stunden der Gefahr bei seiner Familie, an seinem bedrohten Herde sein 4) ?). : Was in Mähren schwer ist, wird in Galizien, Ungarn und Siebenbürgen unmöglich. Freiwillig geht weder der Pole noch der Ungar oder Rumäne zur Arbeit, selbst um hohes Geld nicht. (Die Carl Ludwigsbahn musste aus dieser Ursache zum Theil durch Militär gebaut werden.) 1 Und woher sollten auch die Arbeiter kommen, wenn alle gesunden Männer zwischen 20 und 32 Jahren einrücken, ja selbst die 19jährigen sich für eine neue Recrutirung bereit halten müssen, speciell in den oberwähnten Ländern auch noch die älteren zum Landsturm eilen? Professionisten liefert Galizien oder Siebenbürgen äusserst wenig, diese müssten in Böhmen und Mähren angeworben werden ").

Gegenwärtig, also im tiefsten Frieden, leiden die Befestigungs-Bauten in Comoru fühlbaren Arbeiter-Mangel, weil die vielen Bahnbauten alle Arbeitskräfte absorbiren.

Bei der Wiener Wasserleitung müssen Genie-Soldaten arbeiten, da man keine geschickten Stollenarbeiter auftreiben kann, und auch beim Baue des WeltausstellungsGebäudes müssen die Genie-Truppen aushelfen.

Der Bau der Rudolfsbahn und der ungarischen Bahnen geht wegen ArbeiterMangel nur langsam vorwärts.

Die Bahnen werden fast durchgängig von Italienern gebaut. Im Falle eines Krieges gehen diese aber massenhaft freiwillig oder gezwungen nach Hause.

2) Folgendes Gespräch eines französischen Genie-Generals mit Arbeitern an den Befestigungen von Paris entnehme ich einem eben erschienenen Werke: – „Pourquoi ne travaillez-vous pas ?" leur demande le général; „est ce que je ne reste pas à la pluie, moi!' - ,,Dam ! répondent ils, „nous n'avons pas de quoi changer, nous.“ „Pendant ce temps, l'ennemi s'approche“, ajoute tristement le général.

3) Im Jahre 1861 musste man für die Arbeiten in Carlsburg Professionisten ans Prag kommen lassen.

1854-55 wurde ein grosser Theil der Schubkarren in Ober-Österreich erzeugt and per Wasser und Bahn nach Galizien befördert.

1866 war in Olmütz trotz der gediegensten Fürsorge stets Mangel an Schabkarr n.

Nach Erkundigungen, die ich bei einer hiesigen Baugesellschaft eingeholt habe, wäre dieselbe im tiefsten Frieden nicht im Stande, eine auch nur annähernd so grosse Zahl von Arbeitern aufzutreiben, geschweige im Kriege, wo ein grosser Theil ihres fixen Personals einrücken müsste. Selbst bei einem Taglohn von 2 fl. und Erstattung der Reisekosten würde man 14 Tage nach der Auftragstellung kaum eine für den Anfang genügende Arbeilerzahl beisammen haben. Alles in Allem hat die österreichische Baugesellschaft in Wien, inclusive Weiber und Kinder, in loco nur 2000 Arbeiter durchschnittlich in Verwendung.

1866 sollten bei Floridsdorf täglich 10.000 Arbeiter angestellt werden; man bekam aber trotz eingeleiteter Requisition deren nur 7000. 1854 arbeiteten bei Zaleszcyky durchschnittlich 6694 Infanterie- und nur 878 CivilArbeiter. Am 24. Juni 1854 wurde der Bau begonnen, es konnte aber nach einem Schreiben des Genie-Obersten Maly an Hess) wegen Mangels an Arbei. tern von den 38 projeclirten Werken nur Eines in Angriff genommen werden.

Als Vollendungs-Termin war Ende September, also eine Frist von 3 Monaten bestimmt. Wegen des continuirlichen Arbeiter-Mangels konnten die Erdarbeiten von den 14 wichtigsten Werken aber erst am 20. November vollendet werden.

Grosse Schwierigkeiten macht auch die Verpflegung und Unter kunft solch' plötzlich erscheinender Massen.

Sammt der Besatzung etc. wurde z. B. die Bevölkerung von Jaroslav mit einem Schlage, ohne dass man dies längere Zeit voraussehen konnte, von 8770 auf 100.000 Esser vermehrt!

Der Staat, das heisst die Armee-Leitung, müsste daher schon von Haus aus die Verpflegung übernehmen und für die Unterkunft sorgen, respective Hülten bauen, die viel Arbeitskräfte und Material verschlingen.

Dasselbe gilt bezüglich der Beschaffung der Werkzeuge. 60.000 Arbeiter brauchen 30.000 Schubkarren, eben so viele Krampen und Schaufeln, 5mal so viele kleinere Werkzeuge.

Die Schanzzeug-Depôts, welche bestehen, decken nur zum geringen Theil diesen Bedarf, können aber Schubkarren im Frieden nicht im Vorrath halten, weil diese dem Verderben unterliegen. Galizien wird sich an derlei Lieferungen nur in geringem Masse beiheiligen.

Die Anschaffung von 12.000 Krampen und 12.000 Schaufeln 1000 Wien nahm 1870 10 Wochen, der Transport einer solchen Quantität samni Zugehör von Wien nach einem Orte an der Grenze millels Eisenbahn bei 8 Tage in Anspruch.

Diese Sendungen müssten alle gleichzeitig mit dem Aufmarsche der Armee durchgeführt werden, und würden für erstere dadurch grosse Verzögerungen entstehen.

Zum Bauen braucht man auch Fuhrwerke, und zwar für den Bau eines verschanzten Lagers zum Mindesten täglich deren 500, — mehr als die Bezirke Jaroslau und Przemysl zusammen auftreiben können,

Die Fuhrwerke nimmt aber alle die Armee in Anspruch, sobald sie ihren Aufmarsch vollführt hat.

Schliesslich muss noch die Bauleitung in Betracht gezogen werden.

Für Jaroslau benöthigt man ausser etwa 30 Civil-Ingenieuren der BauUnternehmer, um die Arbeit möglich zu machen, mindestens 30 GenieOfficiere und 4 Genie-Compagnien.

Die Officiere müssen aber, wenn es überhaupt möglich wäre, eine solche Zahl zusammen zu bringen, erst aus allen Theilen der Monarchie herbei berufen werden; theilweise werden es Reserve-Officiere sein, deren Einrücken man erwarten muss; endlich inüssen sich auch die Genie-Compagnien completiren und anmarschiren.

Hiezu schon allein vergehen vom Momente der Befehlsgebung mindestens 12–14 Tage.

Ob das bei Ausschluss des Mauerwerkes in colossaler Masse nothwendige Bauholz beschafft werden kann, dürfle nicht fraglich sein: - es ist geradezu unmöglich.

Ein provisorisch verschanztes Lager würde für die Werke allein 400.000 Klafter Palissaden- und Bauholz von 9–12 Zoll im Gevierte und in die Tausende von Plosten und Brettern verschlingen. Hat man aber das Bauholz nicht zur rechten Zeit, so ist auch der Erdbau aufgehalten ').

Ich habe bis nun noch nicht von den ungünstigen Verhältbissen gesprochen, die eintreten können.

Liegen die zu erbauenden Werke in Wäldern (Jaroslau, Przemysl, Wien, Steyer), so müssen diese zuerst abgestockt, dann die Wurzelstöcke ausgegraben werden: Wochen werden vergehen, bevor dies geschehen ist.

Besteht der Baugrund aus Felsen (Mauthausen, Steyer, Eperies), so braucht man mindestens die vierfache der oben angeschlagenen Zeit allein zur Aussprengung des Grabens.

Wo man aber früher Erdarbeiter anstellen konnte, benöthigt man nun Steinbrecher, und diese und ihre Werkzeuge sind in grosser Masse noch schwerer aufzutreiben.

Man ist hier fast ausschliesslich auf Italiener oder Genie-Truppen angewiesen. Letztere sind aber im erforderlichen Masse nicht verfügbar; erstere sind im Kriegsfalle entweder gar nicht oder nicht rasch genug zu haben.

Der Mangel an geschickten, im Steinbrechen geübten Arbeitern hätte das rechtzeitige Zustandekommen der Hochquellen-Wasserleitung für Wien bald in Frage gestellt, wenn nicht Genie-Truppen ausgeholfen hätten, und hier handelte es sich, in der Nähe der Hauptstadt, nur um 200 Mann!

i ) 1861 musste das Bauholz für Carlsburg viele Meilen weit hergeflösst werden; man musste zu diesem Behufe warten, bis die Maros hohes Wasser hatte, und so vergiengen einige Monate, bis das Palissadenholz anlangte.

Bei Zaleszcyky war 1854, in der Nähe gar kein Bauholz aufzutreiben; man musste es von Nadworna (15 Meilen vom Bauplatz) beziehen. Da der Dniester u dieser Zeit Treibeis führte, konnte es nicht geschwemmt werden, und es blieb Nichts übrig, als es mit einem Aufwande von 150.000 fl. mittels Wagen zuzuführen.

Dies

Eine Festung, die erst im Bedarfsfalle geschaffen wird, und von der man eine längere Haltbarkeit verlangt als auf einige Tage, macht aber auch noch andere Bauten erforderlich, welche an Zeit-, Material- und Arbeiterbedarf den Befestigungsarbeiten kaum nachstehen, als da sind:

a. Strassen. - Der Strassenbau würde Tausende von Arbeitern erfordern.

Ein Platz mit z. B. 30 Werken, welche / Meilen vom Noyau abslehen, braucht, inclusive der Verbindungsstrasse längs den Forts, mindestens 20 Meilen Strasse, auf welcher schwere Geschütze fortkommen können.

Diese Strassen müssen theilweise dem Fort-Bau vorangehen, um überhaupt die Baubedürfnisse herbeischaffen zu können.

Eine Strasse auf den Hermannskogel oder den Hornauskogel bei Wien, auf welcher schwer beladene Wagen und Festungsgeschütze fahren können, ist eben nicht rasch gebaut.

Es kann sich hiebei nicht um Tage, es wird sich um Wochen handeln.

b. Brücken grösserer Gattung zur Erleichterung des Überganges der Armee über den Fluss (z. B. bei Jaroslau, deren mindestens 3 über den San, an der Ennslinie bei Mauthausen 2 über die Donau, bei Enns und Steyer zusammen 6-8 über die Enns und Steyer).

Die Zahl der Strassen-Brücken und Jener, welche die verschiedenen Lagerplätze mit einander verbinden, beträgt gewiss 50.

c. Baraken. In Städten wie Jaroslau, Przemysl, Eperies müssten Spitalsbaraken für mindestens 4000 Mann, - Verpflegsbaraken für die den Verderben unterliegenden Verpflegsgegenstände, Kasernbaraken, Schoppen, Hütten und Remisen in grosser Menge angelegt werden.

Fast noch wichtiger als die Frage der rechtzeitigen vollkommenex Vollendung der Werke ist jene, ob auch die Artillerie Zeit genug hälte, das Ihrige zu thun.

Wenn ein erst im Kriegsfalle zu erbauender Platz artilleristisch herge richtet werden soll, so müssen die Geschütze sammt Zugehör aus verschiedenen Plätzen der Monarchie hingesendet werden. Das geht nun nicht in Handumdrehen.

Befehlgebung, Auswahl, Ausrüstung, Verladung, Verführung, Abladen bis zum Einführen in die Werke erfordert mit Rücksicht auf die aussetordentliche Inanspruchnahme der Bahnen durch den Truppentransport viele Wochen.

Für die Munitions-Vorräthe müssen 3 bis 4 grosse, bombensichere Depôts erbaut werden, die, aus Holz und Erde construirt, natürlicherweise feucht sein werden.

Es müssen Laboratorien und Werkstätten erbaut und eingerichtel werden

Nach Versicherung eines in dieser Richtung erfahrenen Artillerie

Officiers lassen sich die artilleristischen Arbeiten für einen Platz an der Grenze binnen 8 Wochen kaum im günstigsten Falle bezwingen.

Festungs-Commando, Genie-, Artillerie-, Sanitäts-, Verpflegs-Direction, Zeugsartillerie, Bauhof, kurz Alles muss neu etablirt werden.

Das Personale, welches im Frieden für diesen Zweck nicht besteht, muss erst gewählt und hindirigirt werden.

Wie ist die unter solchen Umständen so unbedingt nothwendige Harmonie in der Befehlgebung, das Zusammenwirken aller Organe rasch genug zu erwarten?

Wenn nun aber der Feldherr mehr verlangt und mehr verlangen muss als Einen Platz, - wenn nebst Jaroslau oder Przemysl, oder nebst beiden, auch noch ein Brückenkopf am San, deren 2 am Dniester erbaut, wenn dic Karpathen-Pässe gesperrt, Krakau vervollständigt, Pesth und Eperies befestigt, wenn der Ausbau der Karpathen-Bahn forcirt, die Karpathen-Strassen ausgebessert werden sollen, — woher die Genie-Officiere, die Ingenieure, die Genie-Truppen, Arbeiter, Werkzeuge, Bau-Materialien nehmen?

moramo

Ich glaube zur Evidenz bewiesen zu haben, dass man zur Improvisirung eines festen Platzes unter den denkbar günstigsten Verhältnissen, auf deren Vorhandensein in unseren östlichen Provinzen aber absolut nicht zu rechnen ist, 8 Wochen factischer Bauzeit braucht, dass aber selbst bei der sorgfältigsten Vorbereitung im Frieden, inclusive der bis zur Unterschrift fertigen Lieferungscontracte und unbeschränkter Vollmachten des Bau-Direcors, noch mindestens 14 Tage vergehen, bis der Bau ordentlich beginnen kann, somit die in Summa im besten Falle erforderliche Zeit sich auf 10 Wothen steigert.

Eine solche Zeit wird aber nach den Erfahrungen von 1870 gewiss simmermehr zu Gebote stehen.

Man konnte sie allenfalls noch vor 1866 als vorhanden annehmen, — das Hin und Her der diplomatischen Verhandlungen, welches früher und auch noch 1866 gebräuchlich war, erlaubte langsame Rüstungen und grosse Vorbereitungen.

Im Jahre 1870 wurde 17 Tage nach dem ersten Mobilisirungstage der Deutschen das erste Gefecht auf feindlichem Boden geschlagen, — 44 Tage nach der Überschreitung der Grenze standen die Deutschen vor Paris. Die daselbst im Bau befindlichen provisorischen Werke: Moulin de la tour, Fort Meudon und Sèvres, welche die beherrschenden Höhen von Clamart, deren Besitz den Angreifern so ausserordentliche Vortheile brachte, Testhalten sollten, mussten beim Anrücken der Deutschen aufgegeben werden, da der Bau noch nicht so weit vorgeschritten war, um sie armiren und halten zu können. Dasselbe war mit dem provisorischen Werke Montretout der Fall. 1866 stand unser Gegner 25 Tage nach der Grenzüberschreitung vor Olmütz, 4 Tage später vor Wien.

« ZurückWeiter »