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Basel, sich ganz zweifellos an die Linie der unterslen Wiese (also an die Grenzlinie) halten muss, von der unmittelbar davor auf badischem Gebiete liegenden Leopoldshöhe, und von den etwa 3–4000 östlich Klein-Hüningen befindlichen Höhen von Tüllingen (Dillingen) direct eingesehen und beherrscht wird, und weil der Feind unter dem Schutze eben dieser letztgenannten Höhen im Wiese-Thale gegen die Nordfront Basels vorgehen könnte, ohne dass die beherrschende Höhe von Chrischona dagegen zu helfen vermöchte.

Die natürliche Grenze, welche die Schweiz an dem wichtigen Punkte Basel auf dem rechten Rheinufer benöthigte, müssle daher über die Höhen von Tüllingen, Stellingen, Inzlingen und Degerfelden nach Rheinfelden gehen, wodurch auch die local wichtige Verbindung Lörrach-Rheinfelden dem Feinde entzogen wäre.

Die drei rechtsrheinischen Enclaven von Eglisa u, Schaffhausen und Stein greifen in ähnlicher Weise wie das Territorium von Basel auf deutsches Gebiet über. Wie bekannt, haben sie, weil unter sich von badischen Ländertheilen durchsetzt, am rechten Rheinufer keine directe, auf eigenem Grund und Boden laufende Verbindung mit einander. Ohne näher zu erörtern, in welcher Weise dies lähmend auf die Kriegsvorbereitungen überhaupt einwirken kann, sei nur erwähnt, dass die von der badischen Eisenbahnstation Griessen directe nach Eglisau führende Strasse zwischen den beiden Enclaven von Eglisau und Schaffhausen hindurchführt und bei dem westlichen Eingange in dieses (politisch abgegrenzte) Defilé durch die auf badischem Gebiele liegenden Höhen südwestlich von Bühl und nördlich von Deltighofen (in weiterer Entfernung auch von Baltersweil her) vollkommen beherrscht wird, wodurch die elwaigen schweizerischen Angriffsstellungen südlich und südöstlich von Bühl paralysirt sind.

Ein ähnliches Verhältniss findet im Westen Statt, wo die beherrschende Höhe bei Rechberg („auf der Bohl“) ausserhalb der Grenze liegt, so dass dem Feinde nicht nur die Möglichkeit geboten ist, auch die zweite nach West führende Strasse (gleich wie jene bereits schon erwähnte über Griessen) der Offensive zu verlegen, sondern auch sich selbst die Verbindung im Wutach-Thale, respective die Communication des rechten Flügels mit der aus dem Höllenthale über Bonndorf nach Stühlingen ziehenden Hauplstrasse zu sichern.

Wenn daher die Deutschen die Höhen von Hohenthengen, Bühl und Dettighofen einerseits, andererseits aber, und zwar mit Rücksicht auf die von Schaffhausen über Jestellen und über Neunkirchführenden Communicationen, die Höhen von Ballersweil und bei Rechberg fortificatorisch verstärkt festhallen, so ist jede von Schaffhausen oder Eglisau in westlicher Richtung, zur indirecten Vertheidigung der Übergänge von Waldshut und Thiengen ausgehende Offensive vollkommen lahm gelegt.

Weiters ist noch zu bemerken, dass das Gebiet von Schaffhausen auf dem dasselbe beinahe ganz erfüllenden Randen-Gebirge nicht mihilarisch richtig abgegrenzt ist, indem, um nur Ein Beispiel anzuführen, bei Randen, gerade an der von Donaueschingen herführenden Haupt-Operationslinie, ein den südwärts gehenden Zug dieser Strasse dominirender Punkt den Deutschen überlassen blieb. Man mag Schaffhausen wie immer befestigen – sobald dem Feinde wie hier gestaltet ist, noch vor Ausbruch der Feindseligkeiten sich an den der Offensive dienlichen Strassen, unmittelbar vor dem Offensivplatze, fortificatorisch festzusetzen, kann von einer solchen ernstlich mehr keine Rede sein. Ebenso wie im Westen und Norden von Schaffhausen macht sich ein nicht minder grosser Nachtheil im Osten bemerkbar, und zwar bezüglich des Überganges bei Diessenhofen, welcher, Angesichts der beherrschenden, auf badischem Gebiete liegenden Höhen des rechten Ufers, sich am linken User nicht vertheidigen lässt, und daher aus einer vor Beginn der Feindseligkeiten verschanzten Stellung bei Gailingen im ersten Anlaufe forcirt werden kann.

Was die Enclave von Stein anbelangt, so muss bemerkt werden, dass auch hier die dominirenden Punkte des Schienerberges, sowie die anscheinend) gangbaren Theile dieses Gebirges zu badischem Gebiete gehören, dass somit, da die Festhaltung des in offensiver Beziehung wegen der Relation zu Schaffhausen höchst nützlichen, für die Defensive aber absolut wichtigen Punktes Stein durch den Besitz der rechtsseitigen Höhen bedingt ist, diese. und somit auch der Übergang bei Stein, schon im ersten Stadium des Krieges den deutschen Heeren anheimfallen werden.

Eine hier militärisch richtige Grenze für die Schweiz hätte an der Wutach-Mündung zu beginnen, dem Thale derselben bis Achdorf, dann der nördlichsten Kante des Randen-Gebirges zu folgen und über Thengen, Blumenfeld, Singen an der Ach-Mündung westlich Radolfzell zu enden.

Das badische Gebiet der Stadt Constanz am linken Uler hat für die deutsche Offensive gar keine Bedeutung, indem das schweizerische Gebiet sozusagen unmiltelbar vor den Thoren der Stadt beginnt, und in nächster Nähe gleich beherrschende Höhen sich erheben, deren einfache Befestigung nicht nur jedes Debouchiren feindlicher Heerestheile verwehrt, sondern auch die defensive, auf rein locale Abwehr berechnete Festhaltung der Stadt, respective des daselbst bestehenden Rhein-Überganges ganz unmöglich macht. Hiezu muss noch bemerkt werden, dass die Schweizer Armee aus der Wegnahme von Constanz auch wenig Vortheile für die Offensive würde ziehen können. Wenn die Deutschen Constanz wirklich aufgeben, so werden sie zweifelsohne die dortige Brücke gründlich zerstören. Der Rhein, bei Constanz 9 Fuss tief, erreicht abwärts der Stadt eine Tiefe bis zu 40 Fuss und hat rechts versumpfte User; abgesehen von den hieraus resultirenden technischen Schwierigkeiten sind es aber hauptsächlich die laktischen Hindernisse, welche bei einem Übergange auf das rechte Ufer durch die dominirenden Höhen von Petershausen und Wollmatingen sich geltend machen und das rechtzeitige Eintreffen von Verstärkungen, eventuell der Hauptkralt, zur Begegnung der schweizerischen Offensive ermöglichen.

Der Angriff aus Norden kann nur aus dem Oberrhein-Thale

oder aus dem Donau-Thale kommen, und wird die bezügliche Angriffsrichtung durch die äussersten Basispunkte Freiburg einerseits, Donaueschingen und Stockach anderseits sich bezeichnen lassen.

Aus der Karte ist zu ersehen, dass zwischen diese beiden Haupt-Operationsrichtungen der Schwarzwald als trennendes Element eingeschoben ist, dass somit der Angriff gegen die ganze Ausdehnung der durch die RheinLinie bezeichneten nördlichen strategischen Front in zwei, wegen der relativ schwierigen Communications-Verhältnisse nur in kümmerlicher Verbindung stehende Theile zerfallen muss.

Die erste Angriffsrichtung zielt auf Basel, -- die zweite, von Donaueschingen und Stockach ausgehende auf Schaffhausen. Um nun an Hand des geographischen Elementes zu untersuchen, aus welcher dieser beiden Operationslinien, mit Rücksicht auf die Leichtigkeit der Entwicklung, der Sicherheit, Raschheit und Grösse des Erfolges, der Hauptangriff wahrscheinlich kommen werde, ist es nothwendig, zuerst das Terrain am rechten Ufer des Rhein einer kurzen Erörterung zu unterziehen, sodann den Rhein selbst in seiner Eigenschaft als Vertheidigungs-Linie zu betrachten und endlich die am linken Ufer des Rhein bei der Vertheidigung sich geltend machenden Terrain-Verhältnisse zu beleuchten.

Das Terrain am rechten Rhein-Ufer.

Hier ist vor Allem der obere Schwarzwald (vom Rhein bis zur Kinzig) in Betracht zu ziehen. Gegen das Thal des Ober-Rhein, dessen rechtsseitige Sohle durchschnittlich 8% bis 1 Meile breit ist, fällt der Schwarzwald mit kurzen, steil aufsitzenden Füssen ab, während er nach Osten lange Zweige entsendet, welche die Quellen des Neckar und der Donau umschliessen. Im obersten (südlichen) Theile trägt der Schwarzwald den Charakter eines Massengebirges, ist sehr stark bewaldet, rauh und wenig gangbar; über den Kamm führen nur einzelne Transversal-Verbindungen, zwischen welchen aber keine gut fahrbaren Wege bestehen. So kommt es, dass nächst der im Oberrhein-Thale ziehenden Communication (Strasse und Eisenbahn) erst so ziemlich am östlichen Fusse des Schwarzwaldes (also in einer Entfernung von etwa 10 Meilen) eine durchgehende Verbindung in nord-südlicher Richtung durch die Linie Stuttgart-Horb-Donaueschingen-Thiengen gegeben ist.

Die südlichen Abfälle des Schwarzwaldes (gegen den Rhein) sind von tief eingerissenen Thälern und Schluchten durchfurcht, sitzen durchwegs sleil auf der meist schmalen Thalsohle auf und sind daher – ebenso auch wegen der spärlichen und dabei beschwerlichen Communicationen – in westÖstlicher Richtung — ein bedeutendes Hinderniss für den Anmarsch und die Entwicklung halbwegs grösserer Truppencolonnen und Brückentrains.

Hieraus erhellt, dass bei dem Angriffe mit der Hauptmacht in der Richtung auf Basel eigentlich nur die Verbindungen im Oberrhein-Thal

zur Verfügung stehen, und dass, selbst mit Benützung der von Freiburg oder Staufen über Schönau durch das Wiesethal ziehenden Communication, der dem Angriffe der Hauptmacht zugängliche Theil des Rhein's sich auf die kurze Strecke Basel-Säckingen beschränken muss, – eine Beschränkung, welche jede gegen die Strecke Säckingen-Waldshut eingeleitete Operation von vorneherein als Demonstration oder Nebenangriff erkennen lässt und somit die Aufgabe der Flussvertheidigung wesentlich erleichtert,

Anders verhält es sich mit der östlichen Operationslinie, welche durch die Strassen Stuttgart - Donaueschingen - Stühlingen - Thiengen und UlmStockach - Schaffhausen bezeichnet wird, und zur Rheinstrecke WaldshutConstanz führt. Das Terrain zwischen dem Rhein und den vorgerücktesten feindlichen Basispunkten Slockach-Donaueschingen ist derart gangbar, dass eine Armee sich daselbst mit Leichtigkeit bewegen und ihre Operationen bis zum letzten Augenblicke maskiren kann, wodurch die Erkennung des wahren Angriffspunktes und damit auch die Vertheidigung sehr erschwert wird.

Zudem ist aus den vorhergehenden Erörterungen über die Grenzverhältnisse der nördlichen Schweiz bekannt, dass die deutsche Armee ihren Angriff noch vor Ausbruch des Krieges durch Festsetzung auf gewissen, die schweizerische Offensive lähmenden Punkten in zweckdienlicher Weise vorbereiten kann und dass sie in taktisch günstigen, auf eigenem Territorium gelegenen Uferpunkten, z. B. Stein, Diessenhofen, Büsingen, schon im Vorhinein günstige Bedingungen für den Erfolg hat.

Weiters hat der östliche Theil der Nordfront (womit der Rhein von Waldshut auswärts inclusive des Bodensee's gemeint ist) eine grössere Längenentwicklung als der westliche Theil und bietet daher aus diesem, sowie aus dem bereits erwähnten Grunde der leichteren Zugänglichkeit, weit mehr Angriffspunkte dar. Begreiflicher Weise werden die Hauptoperationen ihren Weg nicht über die Wässer des Bodensee's nehmen; doch kann derselbe, unter Voraussetzung einer gut organisirlen und durch Monitors zur Offensive befähigten feindlichen Flotille als absoluter Grenzschutz nicht angesehen werden, und die Occupirung schweizerischer Uferpunkte würde gewiss in dem Masse entmuthigender und lähmender auf die Vertheidigung des Rhein selbst einwirken, je weniger man auf solche Eventualitäten und deren Begegnung vorbereitet war.

Der Rhein und der Bodensee als Vertheidigungs-Linie.

Der Rhein mit dem Bodensee (und zwar in der Strecke von Lindau bis Basel) bildet die erste und stärkste Vertheidigungs-Linie gegen Deutschland.

Die Länge des Bodensee's von Lindau bis Constanz beträgt 6 Meilen, jene des Untersee's bis Stein 3%, Meilen, der Rheinlauf von hier bis Coblenz 9 Meilen, und von hier bis Basel etwa 7 Meilen, daher die Länge der ganzen Vertheidigungs-Linie bei 26 Meilen.

Eine solche Länge scheint auf den ersten Blick kein sehr günstiges Verhältniss für die Defensive zu bieten. Bei näherer Betrachtung aber zeigt sich, dass hievon die Länge des Bodensee's mit 6 Meilen abzuschlagen kömmt, indem hier Angriffsoperationen des Feindes nur mittels einer Flotille geschehen, und dabei immer nur secundärer Natur sein können, der Hauptangriff aber weit leichter und sicherer auf andern Punkten zu effectuiren ist. Es werden daher in dieser Strecke die Vertheidigungsmassregeln auf die Benützung der vorhandenen Dampf- und sonstigen Boote, auf zweckmässig angelegte Strand-Batterien an den wichtigsten Landungspunkten, wozu vor Allem die Háfen von Rohrschach, Arbon und Romanshorn gehören, sich beschränken können, und dieser Uferstrecke ausserdem die locale Landwehr und der Landsturm, verstärkt durch ein entsprechendes, an einem Centralpunkte aufzustellendes Contingent der Armee, als mobile Vertheidigungskraft zugewiesen werden müssen.

Da weiters in der Strecke von Constanz bis oberhalb Stein die Möglichkeit eines Überganges nur in der / Meile langen Strecke ConstanzGottlieb besteht, die Brücke bei Constanz aber a priori als schon in der Gewall der Schweizer Armee oder als zerstört gedacht werden muss, und der gewaltsame Übergang vom badischen Ufer aus sich um so schwieriger erzwingen lässt, als die Tiefe des Flusses (40 Fuss) zwischen Constanz und Gotllieb, sowie die sumpfige Beschaffenheit des rechten Ufers bei Gottlieb den Brückenschlag sehr erschweren, so reducirt sich die dem Hauptangriffe zur Verfügung stehende, somit als Haupt-Vertheidigungs-Linie für das Gros der Armee in Betracht kommende Strecke auf die 16 Meilen Längenentwicklung betragende Linie Stein-Basel.

Die Kürze dieser Linie, die Stärke des Flusses vermöge seiner Breite und Tiefe, also die Wasser-Masse, die Sicherung der Flanken durch die Gebiete Österreichs oder Frankreichs, also die Unmöglichkeit, respective die Schwierigkeit einer Umgehung und die daraus resultirende Gewissheit eines nur frontalen Angriffes '); weiters die Beschaffenheit des rechtsufrigen Terrains, welches in der Strecke Basel-Waldshut eine sichere und schnelle Verschiebung der Streitkräfte nicht zulässt, weil die Rokirlinie unmittelbar am User, daher sogar im Kleingewehrfeuerbereiche des Vertheidigers läuft, und anderseits die Schwierigkeit der Bergfüsse eine ausserhalb der feindlichen Einsicht und Feuerwirkung einzuschlagende Transversal-Linie entweder gar nicht oder nur mittels sehr zeitraubender und anstrengender Umwege gestattet, — weiters der Umstand, dass die zwischen Rhein und Donau liegende Masse des Schwarzwaldes den Feind zwingl, schon von Haus aus seinen Hauptangriff deutlich auszusprechen; dann die mittels der rechtsufrigen Enclaven dem Ver

“) Durch die mittlerweile erfolgte Abtretung des Elsass an Deutschland haben diese Verhältnisse bezüglich der linken Flanke freilich eine Änderung erfahren. Indessen ist die Rhein-Linie durch die Nachbarschaft Frankreichs und die unmittelbare Nähe des Offensivplatzes Belfort in der linken Flanke, wenn auch nicht direct (geographisch), so doch politisch und militärisch noch immer geschützt.

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