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den Anschluss an jene Bahn sichere, welche den in einem orientalischen krieg so wichtigen Besitz der Donaufürstenthümer verbürgl.

Sowohl der Wallachei, als Serbien ist ein Bahn-Anschluss ungleich wichtiger als Österreich, denn so lange die Natur-Producte dieser Länder vom Welthandel völlig ausgeschlossen sind, beherrscht Österreich mit seinen Cerealien den grössten Theil der europäischen Märkte..

Wie die erste Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft die österreichische Flagge an der unteren Donau zu Ansehen und Ehre brachte, dort den Verkehr fast allein vermittelt, so wäre es Österreich nicht schwer gewesen, auch den Eisenbahnbau und Verkehr in jenen Gegenden zu beeinflussen. Gegenwärtig wurde das Misstrauen des Landes durch die dort von Fremden schleuderisch ausgeführten Bahnbauten bereits wachgerufen, und dürfte es ungleich schwerer als vor wenigen Jahren sein, einen auf Vertrauen fussenden Einfluss zu gewinnen.

Unseren Betrachtungen haben wir ein Kärtchen der russischen Bahnen beigefügt, theils weil dieselben commerciell und militärisch gut angelegt sind, und als Muster dienen können, theils um die Hauptbahnen und vorzüglichsten Projecte unserer Nachbarn allgemein bekannt zu machen.

Möge hiemit unser Wunsch in Erfüllung gehen, dass in Zukunft bei Bahnbauten nicht mehr die Interessen Einzelner, sondern der Wohlstand und die Machtstellung des Reiches gewinnen.

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Das „Mechanics Magazine“ vom 6. Jänner I. J. bringt die Nachricht, dass das englische Kriegs-Ministerium die Beschaffung der neuen gezogenen Vorderladungs-Kanonen mit Thäligkeit betreibt. Desgleichen wird an der Anfertigung einer grossen Zahl von Torpedos mit grösster Beschleunigung gearbeitet.

Die erste österreichische Mitrailleur-Batterie.

Am 31. Mai d. J. wurde auf der Simmeringer Haide ein ProductionsSchiessen mit einer in eine Batterie zusammengestellten Anzahl von 8 Mitrailleurs vor Sr. Excellenz dem Herrn Reichs-Kriegsminister ausgeführt, und dasselbe am 12. Juni vor Sr. Majestäl dem Kaiser wiederholt. Diese von sehr gulen Resultaten begleiteten ersten grösseren Versuche mit der neuen Wafle geben uns den Anlass zu folgenden Zeilen, mit denen wir zunächst die Durchführung derselben im Detail schildern, dann aber auch einige Folgerungen daran zu knüpfen gedenken, welche sich in Bezug auf die künftige Verwendung der Mitrailleurs im Feldkriege darbieten.

Das Princip und die Einrichtung des in Österreich angenommenen Mitrailleur-Systems Montigny dürfen als bekannt vorausgesetzt werden, und wäre hierüber nur zu bemerken, dass das Geschütz, so wie es jetzt ist, dem seinerzeit von den Erfindern vorgestellten, verschiedener hieroris angebrachter Verbesserungen halber, weit vorzuziehen ist; der Werth dieser Verbesserungen wird am besten dadurch illustrirt, dass die Herrn Montigny und Christophe sich beeillen, sich bei Überlassung ihres Palentes an Österreich die Benülzung dieser Änderungen auch für ihre Zwecke auszubedingen. Insbesondere die hier construirle selbstthätige Streuungs - Vorrichtung, sowie die Ermöglichung der lange angezweitellen Verwechselbarkeit der Ladeplatten, und die erst ron Seite der österreichischen Commission getroffene Einrichtung zur gesicherten Verpackung der adjustirlen Ladeplatten haben den Werth des Geschulzes bedeulend gegenüber jenem, welches aus der Hand der Erfinder hervorgegangen war, erhöht, ja dasselbe eigentlich erst feldtüchtig gemacht.

Die Versuche, welche hierzulande mit dem System Montigny gemacht worden sind, dauerlen mehrere Jahre hindurch, und einigemale war dasselbe aul dem Punkte, seiner Concurrentin, der Gatling-Kanone, zu unterliegen; auch die Feldi'sche Infanterie-Kanone halte sich, obwohl nur eine kurze Zeil, der gespannten Aufmerksamkeit der Fachmänner zu erfreuen; die Ladeanstände, mil welchen die lelzigenannten 2 Systeme immer wieder zu kämpfen halten, veranlassten endlich deren Ausschliessung von der Experimenlirung.

Im Herbste 1870 wurde der Mitrailleur Montigny definitiv für die österreichische Armee angenommen, und der Waffenfabrik in Steyer 100 Stück Lausbündel in Bestellung gegeben, während die dafür adaptirten 4pfündigen Feldlaffelen und Munitionswagen im k. k. Arsenale erzeugt wurden.

Die ersteingelieferten 8 Laufbündel wurden in eine Probe-Batterie zusammengestellt, und mit derselben das schon früher erwähnte Productionsschiessen ausgeführt ').

Bei demselben waren ausser mehreren der Herren Erzherzoge der Reichs-Kriegsminister und ein grosser Theil des in Wien befindlichen Officiers-Corps anwesend.

Die Batterie war vom 11. Artillerie-Regimente bemannt, und alle Fuhrwerke sechsspännig bespannt). Zur Feststellung des zweckmässigsten Bedienungs-Modus, zur Ausmittlung der unumgänglich erforderlichen BedienungsMannschaft und zur Einübung der letzteren war von Seite des technischen und administrativen Militär-Comité's eine Commission eingesetzt worden, welche diese Aufgabe in der bemerkenswerih kurzen Zeit von 8 Tagen löste.

Die Productions-Batterie wurde in derselben Weise mit Munition versehen, wie dies für die späterhin Platz greifende normale Kriegsausrüstung in Aussicht genommen war, so dass jedes Geschülz 3108 Gewehr-Patronen vom Kaliber 5“, in 84 Platten gefüllt, als Actions- und sodann 13.200 solcher Patronen, in 10 Verschlägen verpackt, als Reserve-Munition besass.

Von der Actions-Munition befanden sich 10 Plallen in jedem der beiden Achskästen, 32 Platten (in 4 Verschlägen) in Kasten der Geschütz- und ebensoviel im Kasten der Munitionswagen-Protze; die Reserve-Munition war im rückwärtigen Kasten des Munitionswagens verpackt.

Da das Schiessen auf der ziemlich beengten Simmeringer Haide stattfinden musste, und es überhaupt nur in der Absicht lag, die Leistungslähigkeit mehrerer nebeneinander stehender und vereint wirkender Mitrailleurs zur Anschauung zu bringen, so hallen bei der Wahl der bezüglichen Dislanzen verschiedene Erwägungen Platz zu greifen, und es wurden in Folge dessen nachstehende Aufstellungen gewählt:

1500 Schritt, als nahe der äussersten und nur in besonderen Fällen noch zulässigen Distanz für das Mitrailleur-Feuer;

1200 Schrill, als die äusserste Grenze des Infanterie-Feuers;
800 Schritt, als eine noch gut wirksame Distanz des Werndi-Gewehres;

550 und 400 Schritl, behufs Constatirung der wenig verschiedenen Wirkung des Mitrailleur-Feuers auf diesen beiden Distanzen, und wegen Vergleichung dieses Feuers mit dem Infanterie-Salvenfeuer auf 400 Schritt.

Das Schiessen musste im Avanciren slaltfinden, weil sonst, wenn man mit der kleinsten Distanz begonnen hätte, das Markiren der Treffer auf den nachfolgenden Positionen sehr erschwert und beirrt worden wäre.

Jedes Geschütz hatte auf jeder Distanz 10 Platlen = 370 Patronen zu verschiessen, was auf den Distanzen von 1500 und 1200 Schrilt im Batterie-,

1) Die österreichische Waffenfabrik hat die ersten 12 Laufbündel der Armee zum Geschenke gemacht. Jedes dieser Geschütze trägt am Mittelstücke die Inschrift: „Die österreichische Waffenfabrik dem k. k. Heere."

I Geschah auf besondere Anordnung. Auf die zukünftige Organisation der Mitrailleurs darf jedoch hieraus noch kein Schluss gezogen werden.

auf den übrigen im Einzelnfeuer geschah. Bis zum jedesmaligen Feuereinstellen wurden übrigens nicht immer bei jedem Geschütze die vorbereiteten 10 Platten auch verbraucht, während einzelne Vormeister deren mehr verschossen.

Das Ziel bestand aus einer 30 Klaster langen, gʻ hohen, in Quadrate von 3 Seite getheilten Planke aus 1 Zoll dicken Brettern. Wegen der nur nach links zulässigen Streuung befand sich das Zielschwarze für die rechte Halb-Batterie 6, und jenes für die linke Halb-Batterie 16 Klafter von der rechten Kante der Planke entfernt.

Die Zielpunkle – die tiefsten Punkte der inneren weissen Scheibe – lagen 3' über dem unteren Plankenrand. In der Höhe von 6' war auf der Planke in horizontaler Richtung eine starke schwarze Linie gezogen, um die Treffer auf ein 6' hohes Ziel von jenen auf ein 9 hohes unterscheiden zu können.

Bevor wir die Resultate des Probeschiessens der ersten MitrailleurBatterie anführen, entnehmen wir dem auf dem Versuchsplatze ausgegebenen Programm noch einige Daten, welche für den Fachmann von Interesse sind.

Der Mitrailleur, System Montigny, wird von 7 Mann bedient, von denen 3 das Richten, Laden und Abfeuern besorgen, während die übrigen als Munitions-Zuträger fungiren.

Die Munition besteht aus der Werndl-Gewehr-Patrone, welche 55 Gran Pulver und ein 278 Gran schweres Geschoss vom Kaliber 5" enthält.

Gewichte. Gewicht des Rohrbündels ohne Streuvorrichtung .. 325 Pfund - Loth

der ungepackten Laffete . . . . . . . 865
, des Geschützes ohne Munition . . . . . 1190 ,

der ungepackten Protze . . . . . . . 605
des completen Geschützes ohne Munition . . 1795 ,
einer gefüllten Ladeplatte . . . . . . . 4
eines normal gepackten Verschlages . . .
des completen Geschützes mit Munition . . 2160
des completen Geschützes mit Munition und

mit aufgesessener Mannschaft .... 7550
des completen ungepackten Munitionswagens. 1550,
eines normal gepackten halben Gewehr-

Patronen-Verschlages . . . . . . . 90 des completen und gepackten Munitionswagens 2725 des completen und gepackten Munitions

wagens mit ausgesessener Mannschaft. . 3115 ~ - , Die Elevation wird mit dem Aufsatze gegeben, und erlaubt das Geschütz sowohl eine Erhöhung als eine Senkung von 13°; die Seitenstreuung des Geschützes erstreckt sich, in Graden ausgedrückt,' von 0 bis 7o 7o; es kann soinit auf der Distanz von 300* ein 15° langes Ziel bestrichen werden. Vor dem am 31. Mai slaltgehabten Productionsschiessen hatte es zur besseren Einübung der Bedienungs-Mannschaft nothwendig geschienen, wenigstens Ein Probeschiessen unter den nämlichen Umständen auszuführen, wie sie das Programm für den 31. Mai vorzeichnete.

Diese Übung fand am 27. Mai in Gegenwart des Präsidenten des Militär-Comité's, GM. Grafen Bylandt, Slatt, und wir führen nachstehend die hierbei erzielten Resultate gleichfalls an, weil sich ein um so besseres Gesalamtbild der Leistungsfähigkeit der neuen Waffe ergibl, je mehr VersuchsErgebnisse nebeneinander gestellt werden.

Die nachfolgende Tabelle !) enthält daher die authentischen Daten des am 27. und 31. Mai und am 12. Juni ausgeführten Mitrailleur-Schiessens, und es wäre bezüglich der Production am 31. nur zu bemerken, dass an diesem Tage das Schiessen auf 400 und 850*, welch' letzlere Distanz im Galop von 1500^ an, genommen wurde, nur durch eine halbe Ballerie, d. i. blos durch 4 Geschütze, ausgeführt worden ist.

Einige Tage nach der Vorführung der Mitrailleur-Ballerie vor Sr. Majestät dem Kaiser wurde ein Geschütz in die Schützenschule nach Bruck abgesendet, und dort ein comparatives Schiessen zwischen dem Mitrailleur und 37 Schützen auf eine gʻ hohe, 48' breite und 1“ dicke Bretterscheibe ausgeführt, wobei man nachstehende Resultate erhielt.

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600* Distanz: Mitrailleur 362 Schuss (1 Minute) .

248 Treffer 68-5% Werndl-Gewehr 246 Schuss (1 Minute). .... 129 , 52 %

Ein Blick auf die Resultate dieser grösseren Schiessübungen lässt erkennen, dass die Wirkung einer unter günstigen Umständen feuernden Mitrailleur-Batterie unzweifelhaft eine ganz ausserordentliche sein muss.

Die geringe Trefferzahl beim Schiessen auf 600* Schritt vor Sr. Majestät dem Kaiser findet ihre hinlängliche Erklärung in Folgenden : Die Batterie war im Galop ungefähr 900X vorgegangen, als ihr das Zeichen zum Halten gegeben wurde. Zufällig befand sich an dieser Stelle eine kleine Molde im Terrain ,, und es liessen einige Vormeister ihre Geschütze in der

Tabelle siehe jenseits, S. 50. Österr. militär, Zeitschrift 1871. (3. Bd.)

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