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Johann Heinrich Voß wurde am 20. Februar 1751 zu Sommersdors unweit Wahren in Mecklenburg geboren, und erhielt seinen ersten Unterricht in dem Stäbchen Penzlin, wo sein Vater, der nach abgelausener Pacht eines Grubenhagischen Vorwerks sich hierher begeben hatte, den Zoll von dem Baron Malzahn, ein Haus mit einigen Gärten sammt der Gerechtigkeit des Bierbrauens und Branntweinbrenues gekauft hatte, und sieb mit der Feder manchen Nebenerwerb, sogar als Sachwalter zu verschaffen wußte, da er das lübsche Reeht wie wenige kannte. Der würdige Reetor der Stadtschule <n Penzlin, Namens Struck, unterrichtete deu Knaben, welcher sobald er Bücher zu verstehen sähig war, mit großem Eiser alles Lesbare verschlang und in den Abendtheuern des Robinson Crusoe, in den Schicksalen der Insel Felsenburg, der Banise, der Haimonskinder und ähnlicher Volksbücher schwärmte, und wenn der Vorrsth solcher Bücher ausging, zu der Bibel, und vorl. Vand, I

züglich zu den Geschichten, den Psalmen, dem Hohenliede und den Sittensprüchen zurückkehrte. Voß hat selber späterhin in den „Erinnerungen aus seinem Iugendleben" hervorgehoben, wie er durch solche Leetüre mit der edleren Sprache des Alterthums srühzeitig vertraut wurde, die er später in seinen Dichtungen und Uebersetzungen ungesucht anwandte. Eine neue Welt eröffnete sich dem lernbegierigen Knaben, als er mit einigen Knaben Penzlin's nnd den Kostgängern des Reetors Latein lernte und durch die Fabeln des Phädrus in den Cornelins, Cäsar und Cieero's Briese vordrang. Cr bewunderte den prächtigen Klang der Sprache, die Vestimmtheit der Umendungeu und Fügungen, die Kürze und Zierlichkeit des Ausdrucks nnd suchte in seinen schristlichen Verdeutschungen eine ähnliche Krast der Stellung zu erreichen. Ie schwerer ihm das Erlernen der lateinischen Sprache dadurch gemacht wurde, daß es ihm sast an den nötigsten Hilssmitteln gebrach, desto lebhaster war seine Freude über das Errungene und desto gestärkter wurde sein Muth zu beharrlicher Selbstthätigkeit. Der selbstständige Charakter, den Voß in seine>n ganzen spätern Leben entwickelt hat, wird in seiner srühen Iugend schon im Keime sichtbar und mag oft als Eigensinn und Starrheit hervorgetreten sein, wovon er selbst Beispiele erzählt. Als er das vierzehnte Iahr vollendet hatte, war sein lebhaster Wunsch, sich der Gelehrsamkeit zu widmen, den der Reetor nur billigen

konnte. Aber nicht er allein hatte das Talent des Knaben erkannt, sondern auch der erste Geistliche in Penzlin, der den Consirmationsunterricht ertheilte und von Seiten des Schülers durch Fragen und Zweisel oft sogar in Verlegenbeit gesetzt wurde, hatte am Ende des Unterrichts die Worte zu ihm gesprochen: „Mein Sohn, Gott hat etwas Großes in Dich gelegt; bewahre, was er Dir anvertraut hat, mit Ernst und Treue, und pslege sür dein ganzes Leben den Heim, den Gott in Dein Herz pflanzte. Du kannst noch hier aus Erden viel Gutes stiften." Derselbe Geistliche hat bei der Conssirmation zu Voß die Worte gesagt. „Er möge dem Glauben seiner Väter getreu bleiben und dasür kämpsen."

Obgleich nun der Wohlstand der Voßischen Familie in den Nachwehen des Krieges sicb zu verlieren begann, der Erwerb stockte und die Auslagen gehäust wurden, so war der sromme Aater doch auch der Ueberzeugung, daß Gott dem Sohne die Kräfte und den Trieb nicht umsonst gegeben habe, und entschloß sich den Knaben, der der Theologie sich widmen sollte, aus div hohe Schule nach Neubrandenburg zu bringen. Hier, wo er von dem Frühlinge 1766 bis zum Herbst 1768 war, verlor sich zwar, wie er selbst sagt, der Nlumenweg seiner Iugend in eine rauhere Dornenbnhn; aber der Vater tröstete ihn mit den Worten, daß die Vorsehung helsen werde, und er wurde von wohlwollenden Verwandten und Freunden unterstützt.

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