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Rom und sein Bischof der Papst von P. Cupertin Schäffer, Minoriten-Ordenspriester. - Dieses Werkenthält Fastenpredigten; da dieselben mit einem Bombast und Wortschwall geschrieben sind, welcher der Würde des Wortes Gottes zuwider ist, und in Ausdrücken und Sätzen, sowie in Bildern und Erzählungen solche Uebertreibungen und so paradoxe Dinge vorkommen, dass diese Predigten mehr geeignet sind, unsere hl. Religion dem Gespötte auszusetzen als zu erbauen, da ferner viele Behauptungen offenbar irrig sind, andere Wahres und Falsches vermischen und unter einander werfen, wieder andere jedenfalls so gestellt sind, dass sie leicht zu Missdeutungen Veranlassung geben können, wie dieses an den zahlreichen Stellen erhellet, welche durchstrichen oder bezeichnet sind, da endlich von S. 62—125 von der Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubenssachen gehandelt wird, welcher Gegenstand eine theologische Schulfrage ist, und daher gar nicht in Volkspredigten, in welchen die von unserer hl. katholischen Kirche festgesetzte christliche Glaubens- und Sittenlehren einfach, lauter und fasslich vorzutragen ist, gehört, so findet sich das fürsterzbischöfliche Consistorium genöthiget, sich gegen die Druckbewilligung auszusprechen (10. Juni 1847. Kohlgruber).

Es kam der März 1848. Mit dem Patente vom 15. März 1848 gewährte Se. Majestät Kaiser Ferdinand I. den Ländern des österreichischen Kaiserstaates eine Constitution und sicherte die freie Presse zu.

Am 18. Mai erfolgte von dem Ministerium Pillersdorf, Somaruga, Krauss, Latour, Doblhoff und Baumgartner die ,Provisorische Verordnung über das Verfahren in Presssachen'. Ein allerhöchstes Patent vom 4. März gewährleistete das hochwichtige Recht der Pressfreiheit auf ein neues, stellte aber die Erlassung eines Repressiv-Gesetzes gegen den Missbrauch der Presse in Aussicht, das am 13. März nach Massgabe des §. 120 der Reichsverfassung in das Leben trat.

AUS DER

ORIGINAL-CORRESPONDENZ

DES

ZACHARIAS ROSSENBERGER VON WERDENSTEDT

MIT DEM

RATHE DER STADT EGER.

(1603--1626.)

ZUSAMMENGESTELLT

VON

E D. KITTEL.

Im Archive der Stadt Eger, dessen Reichthum erst in neuerer Zeit durch sachkundige Hand geordnet und dadurch zugänglich geworden, findet sich in vier Fascikeln mit anderen gleichzeitigen Documenten chronologisch eingeordnet eine Correspondenz des Zacharias Rossenberger von Werdenstedt mit dem Rathe der königl. Stadt Eger, umfassend die Zeit von 1603 bis 1625.

Zacharias Rossenberger von Werdenstedt war Registrator bei der böhmischen Kammer, und als solcher wohl in der Lage seinen Landsleuten über Zeitereignisse, insbesondere so weit sie auf dem Boden Prags sich abwickelten oder von dort aus geleitet wurden, Bericht zu erstatten.

Er stand mit dem Rathe von Eger in enger Verbindung und leistete demselben viele und gute Dienste in den mannigfaltigen Anliegen, Geschäften und staatsrechtlichen Angelegenheiten, die für Eger in Prag zu besorgen waren, wofür er auch ein Ehrendeputat' von 15 Thalern, 7 rheinischen Goldgulden und 30 Kreuzern Münze halbjährlich bezog, wie aus einer vorliegenden Quittung ersichtlich ist.

Zuweilen wurden ihm auch einige Fässl' des berühmten Egerer Methes zur Disposition gestellt, um damit die Gunst einflussreicher Persönlichkeiten zu gewinnen, die einen so besonderen Trank nach Gebühr zu schätzen wussten. In einem diesbezüglichen Postscriptum heisst es: ,Der Herr Director und Kay. Procurator haben des Mehts heutt in der Camer gedacht, ist Ihnen sehr angenemb, bedankhen sich dafür gar fleissig.

Rossenberger war aber für Eger kein gewöhnlicher Agent, den nur Geschäftsinteressen mit der Stadt verbunden hätten;

i Vergl. ,Das Archiv der Stadt Eger'. Ein Bericht von Dr. Fr. Kürschner,

Wien 1869.

er gehörte dem Egerlande selbst durch die Bande des Blutes an.

Aus einem seiner Briefe, dd. Prag 13. Jänner 1612, der an seinen Vater gerichtet ist, geht hervor, dass dieser damals Bürgermeister in Eger war, sowie sich aus einem Schreiben vom 20. October 1625 ergibt, dass zu jener Zeit sein Schwager, Herr Andreas Crahamer auf Scheubenreuth, dieselbe Würde und die eines ,Obristen Losunger der Stadt Eger bekleidete.

Diese verwandtschaftlichen Beziehungen hielten das Interesse Rossenberger's für Eger wach; daher er keine Gelegenheit versäumte, dem Rathe über den Gang der Zeitereignisse gewissenhaft Bericht zu erstatten, was er mit der anmuthenden Frische und Bestimmtheit eines sorgfältigen, aufmerksamen Beobachters thut, wobei er nie versäumt, jedes ,on dit' aus drücklich als solches zu bezeichnen.

Durch diese keineswegs spärlichen Nachrichten über die damaligen bedeutungsvollen Bewegungen in Böhmen wird diese Correspondenz, die bereits Beachtung gefunden?, interessant und wichtig, so dass ich wohl keine eitle Arbeit unternehme, wenn ich selbe, so weit sie historisches Interesse bietet, vollständig in die Oeffentlichkeit einführe.

Besonderes Interesse gewinnen diese Briefe durch das Detail, das sie vornehmlich in Personalien bringen, sowie durch den Umstand, dass die in ihnen zu Tage tretende Auffassung der Dinge bei der Stellung und den Verbindungen Rossenberger's als die in den damals massgebenden Kreisen Prags herrschende betrachtet werden kann.

Weitaus das Bedeutendste liefern die Briefe aus den Jahren 1609 und 1619. Die bezügliche Correspondenz vom Jabre 1609 bildet, noch im Originalumschlage mit der Signatur Lit. R., einen eigenen Fascikel, versehen mit der ebenfalls originalen Etiquette: ,Correspondentz mit Herrn Zacharia Rossenbergker Zu Prag, wass in anfang der Böhm. unruhe zwischen Ihro Mayst. und den Ständen furgegangen Betref.

Wenn ich nun auch in den nachfolgenden Mittheilungen das Hauptgewicht auf die Correspondenz der vorbezeichneten zwei Jahre lege, entnehme ich doch auch den übrigen Briefen

1 Vide Dr. Franz Kürschner, Eger und Böhmen', Wien 1870, pag. 82

et 96.

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