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OFFENBARUNG JOHANNIS.
AUGSBURGER BRUCHSTÜCK.

MITGETHEILT VON
BENEDIKT GREIFF.

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da ihesus an daz crutze trat,
Ir nament sit ir gnůg gemant
die stat ist geistlichent genāt
Sodama, daz quit stumme, (Apoc. Cap. XI, 8.) 5
sus heiset sie dar umme,
Swenn iz vnreht wirt alls offenbar
dā da nieman wider sprechen tar.
Egyptus ist auch sie genamet,
wand sie sint vinster alle sament.
Die got den wol erkennen

die turrent sin nicht nennen.
Diz ding daz an in sol geschen

sol volk von allen diethen sen, (XI, 9.)
Daz si mit bluote gar besigen
drie tag und einen halben ligen (XI, 9.)
Geworfen in daz horch gewat *)
iherusalem der grozzen stat,
die groz heizzet durch die dinch
daz des gelauben gesprinch
Vmb unsen berren ihesum crist
us der stat zerst irsprozzen ist.
Ir libe nieman getar bestaten (XI, 9.)
zvo du daz sich an in gesaten
Die vogele mit den hunden.
so sendent in den stunden
Die danne habent leides gewin
ir gift ein ander under in
Vnd ervrowent sich zů wider strit
daz also iamerlichen lit

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Ir vleisch und ir geweide

16 . . . . . . . . *) horch contr. aus horwoc = schmutzig. Vgl. F. Pfeiffers deutsche Mystiker . 385, 2 und 17.

Die da ligent vnbegraben sie vor gecrutziget haben. Die des erden buwent dan. (XI, 10.) diz tiutet warheit und ban. Vnd guot bilde der cristenheit de sint den hertzeliche leit Dieselben bæse pilde tragent vnd selte war die dinch sage (80). Wen swenne die predigere die rechten ware mere Der heilige schrifte sprechent, so mugen ir hertze brechen, Die nicht enwellent volgen und sin san irbolgen Durch irn nît tragenden mein als geschich den proften zwein (XI, 10.) Enoch un Eyase. si werdent gelich eim ase Daz man wirfet fur den hunt durch sinenen (so) girlichen slunt Handelet die wissagen bi den iungesten tagen Unde sie nicht altes eine daz volk wirt al gemeine Daz dann an cristes namen giet erslagen als man daz erslet. Nu merchent ebne waz ich sage: nach disem vierden tage Des libes geist von gote gesant (XI, 11,) kumt in se die der tot erbant

. . . . . . muzzen wider auf iren fuzzen Ewich und unbewegelich. swer bie nu stet der rege sich Von bewegelichem tõde wan die werlt ist alse brate Daz nieman hat bie vollen stadel. da wider hat so uestes adel Der himel, swer da sin werch geleget, der blibet immer vnbeweget.

Von du begun den dise zwene nach der urstende zů stende Vor iohannes angesichte wenne sie erberen an nichte Daz in daz vallen ervorchte (XI, 11.) des viel auf sie . . geworchte Von allen den landen die sie san erstanden. Und als diz ende genam ein groz stime in aber cham Sprechende von himle nider: stiget her auf zůz vns wider! (XI, 12.) Un si stigent auz den wolken in den himel durch die wolken Von ir uiande angesicht. (XI, 12.) die rede bedarfe glosen nicht, Wende sie sol also geschen als iohannes hat sie gesên. Jdoch sit des vernumftig. her schribet, daz sit wart kunftig, Als ub es were vor geschen So můz ich nach des selben iên

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sit in den selben stvnden,
Daz dise die wichung begos,
ward ein erdpiben sere gros, (XI, 13.)
Unde viel der stat zehende teil.
zwar uiel iz in ewig unheil
Und in ewikliche leit.
die stat uiel auz der cristenheit
Des himeltragenden heiles
den zehenden dez zehenden teiles.
Der himilischen ierusalem
meinite bie crist von bethleem
Vnd augete iz Johanne,
Daz diz teil solte danne
Vallen, daz ander teil belibe.
des sprach er. von der erdebibe
Viel der zehende teil der stat, (XI, 13.)
daz gotes gebot ubertrat.

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Diz ist gut an zesehene;
der köre sint auch zebene
Da gotes erwelten inne wonent
und immer in sime dienste donent *).
Auz allen disen koren
vielen der willetoren
Von vpigem geleze
das eteslicher meze
Do lucifer der arge viel
in ewich pech daz fiure wiel.
Dar zoch der gotes uermeinde
mit im zwaz sich vnreide (80)
Dur sinen herzigen mort

of disem ertrich unde dort. Daß ein Dichter des XIII. Jahrhunderts sich die ‘Ofenbarung Johannis' zum Gegenstande einer umfassenderen Dichtung gewählt habe, darauf hat zuerst G. (h. Pisanski (preuß. Lit. Gesch S. 85), nach ihm Fr. K. Köpke (s. E. Hennig, bist. krit. Würdigung etc. S. XXV) aufmerksam gemacht. Später hat Dr. Karl Roth in München, ohne von seinen Vorgängern zu wissen, zwei Bruchstücke aus zwei verschiedenen Handschriften des Gedichtes -- einer Saarbrücker und einer Regensburger - mitgetheilt **).

Ich kann diese Bruchstücke um ein drittes vermehren, das ich unlängst, zugleich mit den von mir in der Germania ***) veröffentlichten Bruchstücken zu 'Wernher's Marienlied' auf der hiesigen k. Kreisund Stadtbibliothek aufgefunden habe.

Leider ist es nur ein einziges Pergamentblatt in Quart, zweispaltig, die Spalte ursprünglich 31 und 2* und 2 32 Verse enthaltend, von denen aber je der oberste Vers sammt dem Rande abgeschnitten ist.

Die Verse sind, wie im Saarbrücker und Regensburger Bruchstücke, abgesetzt geschrieben und beginnen in ungewöbplicher Weise

* Vgl. das Saarbrucker Bruchstück V. 54, 5;.

**, Siebe Dr. Karl Roths 'Dichtungen des deutschen Mittelalters Stadtambof 1845. Seitdem haben über das vollständige Werk, das sich in Handschriften zu Konigsberg. Danzig und München erhalten hat und dessen Verfasser Heinrich Hesler ist, weitere Nachricht und Auszuge gegeben F. K. Kopke in v. d Hagens Jahrbuch 10, *1 - 102 und Karl Roth in s. kleinen Beitragen 1. Heft S 31- 33. Ein Bruchstuck wahrscheinlich des selben Gedichtes steht in meinem Altdeutschen t'bungsbucho Wien 1*** $. 21 - 26 abgedruckt. PFEIFFER.)

***, Germania, Jahrgang VII, S. 303 ff.

je einer mit einem großen roth durchstrichenen, der andere mit einem kleinen Anfangsbuchstaben. Die größeren, vom Texte etwas weggerückten Anfangsbuchstaben stehen in einer eigenen Columne, jeder Vers aber zwischen feinen gelblichen Linien.

Die größeren Abschnitte, deren das Pergamentblatt zwei enthält, beginnen mit großen drei Zeilen hohen Anfangsbuchstaben, einem rothen und einem blauen.

Die vollständige Handschrift, aus der das Pergamentblatt stammt, befand sich einst, wie die Bruchstücke zu ‘Wernher's Marienlied', in einem der Klöster des Kreises Schwaben und Neuburg. Ich kann aber nicht angeben, auch nicht vermuthen, in welchem; denn ich fand das Blatt von der Buchdecke bereits abgelöst.

Was den Inhalt des Bruchstücks betrifft, so behandelt der Dichter darin das XI. Capitel der Offenbarung Johannis.

Sprache, Orthographie und der Charakter der Schrift weisen der Handschrift eine Stelle in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts an.

AUGSBURG, im Januar 1863.

BEITRÄGE ZUR DEUTSCHEN MYTHOLOGIE UND
SITTENKUNDE AUS KÄRNTEN.

VON
VALENTIN POGATSCHNIGG.

1. Das Stephanreiten.

(Mündliche Mittheilung aus dem Lavantthale.) Am 26. December, dem Gedächtnisstage des Protomärtyrers St. Stephanus, findet im Lavantthale eine seltsame Feierlichkeit statt. Von weit und breit strömen die Bauern in Schaaren nach der am Abhange der Koralpe gelegenen Kirche St. Stephan, einer Filiale von Marein, zusammen. Die einen kommen herangeritten, die andern führen mit Blumen und Bändern geschmückte Pferde neben sich. Nachdem der Gottesdienst, bei welchem für dieselben Brod und Salz geweiht wurde, sein Ende erreicht hat, sprengeu alle im raschen Trabe dreimal um die Kirche herum und halten endlich bei dem Opferstocke, welcher vor der Thüre aufgerichtet ist. Hier werden die Prämien (pro) an die gewandtesten und schönsten Exemplare vertheilt und jedem Pferde ein mit dem geweihten Salze bestrichenes Stück Brod gereicht. Dann zerstreut sich wieder die Menge, um nach Hause zurückzukehren,

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