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un petit chapeau d'epine blanche sur la tete.

Qui la dit trois fois au soir, trois fois au matin,

gagnera Ie Paradis a la fin. Die Zeilen rla bonne Vierge est noa mere,

les trois apötres sont mes freres' finden wir in den osnabrückischen und münsterschen Versionen entsprechend: 'Maria ist meine Mutter,

Johannes ist mein Bruder.'
WEIMAR, April 1866. REINHOLD KÖHLER.

ÜBER DIE BETONUNG VIERSILBIGER WÖRTER IN MITTELHOCHDEUTSCHEN.

In der Einleitung zu Walther S. XXXIX (2. Aufl. S. XLIII) habe ich aus Anlaß der Stelle im Liede Nr. 51, 24: ist nach ir toirde pe/urrieret bemerkt, daß in viersilbigen Woltern, zunächst Verben und Fremdwörtern, ausnahmsweise auch die Partikel (je, statt der Wurzelsilbe, den Hauptaccent trägt, und zur Bekräftigung dessen einige Belege aus höfischen Epikern angeführt. Obwohl nun dem Verse Walthers für sich allein schon volle Beweiskraft innewohnt, so hat maa doch , wie ich höre, die Sache bezweifelt und eine solche Betonung für unmöglich erklärt. Aus welchem Grunde, konnte ich nicht erfahren, vermuthe aber, daß es nur deshalb geschah, weil in Lachmanns Metrik nichts davon geschrieben steht. Aber was beweist das? Ich denke, doch nur so viel, daß Lachmann diese eigenthümliche Betonung entweder nicht bemerkt, oder, wie mir allerdings wahrscheinlicher, bemerkt, aber nicht davon gesprochen hat. Über die mehrsilbigen zusammengesetzten Wörter, auch im Althochdeutschen, hat er sich überhaupt nur nebenbei und unerschöpfend geäußert, aber er wusste , daß „von ihnen die Unregelmäßigkeiten der Betonung wahrscheinlich zuerst ausgegangen sind" (über ahd. Betonung und Verskunst S. 34) und daß bei der Partikelcomposition „die Regel des Nebenaccents entweder durchaus oder doch meistens gebrochen werde". Diesen Ausnahmsfällen sollte der zweite Theil seiner Abhandlung gewidmet sein, nachdem er im ersten das Regelmäßige vorausgeschickt hatte; er scheint aber mit der Untersuchung der Ausnahmen, die er „schwierig und weitläuftig" nannte (a. a. O. S. 36), nicht fertig geworden zu sein. Darum wissen auch seine Schüler nichts davon, denn für sie existiert nur, was in seinen Schriften steht oder etwa noch aus seinem Papierkorb herauszuklauben ist, alles Übrige ist ihnen nicht vorhanden und die Lücken in der Lehre ihres Meisters auszufüllen erachten sie so wenig für ihren Beruf, als deren Fehler und Schwächen zu verbessern. Nach ihrer Ansicht freilich gibt es dergleichen bei Lachmann nicht: seine Schriften sind unverbesserlich.

Nun ist aber die von mir behauptete Betonung eine Thatsache, sie muß also wohl möglich sein. Nur ist ergänzend hinzuzufügen, daß sie nicht auf Fremdwörter beschränkt ist und daß in gleicher Weise wie auf ge, so auch auf die Partikeln be, ent, ver der Hauptton fallen kann und in viersilbigen Wörtern mit tonfähiger dritter und tonloser vierter Silbe wirklich fällt. Aus einer großen Fülle von Beispielen stelle ich hier eine Anzahl zusammen.

I. Hartman n.

diu Muser waren überal

beherberget vaste. Erek 233.

geherberget nach ir pflege, ebd. 2372.

wart er geherberget do. Greg. 1708.

gejustieren mere. Erek 2601.

als er gejustierte gnuoc. ebd. 2629.

gennoc gejustieret

und wol gepungieret. ebd. 2459. 60.

"zesamne geparrieret. ebd. 2341.

*si waren enschumjfieret nach. ebd. 2446.

unde enschumpfleret sin. ebd. 2659.

*die viende enschumpfiert er sä. ebd. 2696.

er was gezimieret. ebd. 735.

2. Ulrich von Zatzighofen:
er wart gezimieret gnuor. Lanz. 360.
und wol gezimieret. ebd. 501.
*unde ein gezimieret sper. ebd. 2971.
'die muosen gezimieret sin. ebd. 5271.

3. Wolfram:

wie daz ge/eitieret was. Parz. 18, 4.
unt wol gefeitieret. ebd. 565, 3.
wären gefiachieret vil. ebd. 232, 28.
wart er gejisehieret. ebd. 168, 17.

*Guwdn sach geflorieret

nnt wol gezimieret. ebd. 341, 3.

*diu geflörierte beä flürs. ebd. 732, 14.

*dinen geflorierten lip. Wilb. 164, 30.

mit wol geflörieriem her. ebd. 362, 2.

*gar gefurrieret waren, ebd. 368, 25.

*wslichez gefurrieret was. ebd. 377, 16.

**i körnen geheistieret. Parz. 592, 28.

der kom geheistieret hie. Wilb. 200, 27.

*wol geherberget wart daz velt = Dz ebd. 316, 5-

"so beherberget was daz velt. ebd. 319, 21.

*die körnen gehurtieret. ebd. 24, 16.

kom geleischieret

und wol gezimieret

ein ritler. Parz. 121, 13.

*Ich meine den geparrierten sne. ebd. 295, 7. ,

"ein solch geparriertez lebn. ebd. 326, 7.

*und sere zequaschieret. ebd. 88, 18.

der wirt enschumpflerel. ebd. 137, 4.

*alsus evschumpfieren tuot. ebd. 291, 8.

den er entschumpflerte. ebd. 593, 3.

bede geschumpfieret sint. "Wilb. 303, 15.

Idt si getuppieret sin. ebd. 155, 3

wie er gezimieret si. Parz. 36, 22.

gezimieret was der man. ebd. 39, 1/.

ist er gezimieret hie. ebd. 65, 1.

gezimieret wart der gast. ebd. 70, 26-

gezimieret gein der tjo"te riten. Tit. 16, 4.

*er wart wol gezimieret. Parz. 168, 27.

*manegen gezimierten heim. ebd. 75, 15.

ouch wol gezimieret. Wilh. 24, 15.

4. Gottfried:
*er was ab gebrvnieret. Trist. 167, 17.
'gevehet unt geparrieret,
*xus und so gefeitlere!'. 18, 31. 33.
*ze wünsche gefeiiieret. 57, 24.
gefeitierte also wol. 273, 9.
*niht allez bekroijieren. 128, 22.
'tu* kunnen gepriicvifren. 126- 17.

5. W irnt von Gräfenberg: was er gefurrieret. Wigalois 23, 2. 24, 13. 40, 37. dar in gefurrieret. 65, 28. "mit lütern vedern gefurrieret. 268, 14. da was gefurrieret n. 227, 39. *mit (von) golde geparriere. 182, 5. 213, 3. 276, 17. *n einander geparrieret. 287, 34. “mit gewalt enschumpfieret. 251, 38. "er het enschumpfert ir wer. 267, 29. di wart emschumpfert ir wer. 283, 23.

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*der mantel gefurrieret. Gerh. 784.
*con härmin gefurrieret blanc. ebd. 3576.
gehalbieret unde einralt. Wilh. 5000.
* - wiren gehalbieret. ebd. 6006.
*wurden beherberget gar. ebd. 673.
*sunder geherberget gar. Gerh. 5815.
*ze Marle geherberget was. Wilh 663.
eherberget in der stat. ebd. 571S.
*mit sniten geparrieret was. Gerh. 5SS.
«ló d'- rerurteilet tros. ebd. 5S 15.
sin trol gezimierter helm. Wilh. 6660.
gestrispalten und niht. ebd. 5621.
10. Ulrich v. Liechtenstein:
geherberget in die stat. Frauend. 64, 25.
l 1. Passional (Köpke):
rer. jerte sich sin ant. 576, 29.

12. Nie. v. Jerose hin:

sie rouegreet. S. 2 S.

13. Ottokar:

*mit zendal gehalbieret. 82*.

14. Hans der Büheler:

*'zuo dun iode geformieret. Diocl. 515.

Aber nicht die Kunstdichter und die Epiker allein erlauben sich solche Betonung, auch bei den Lyrikern und in volksmäßigen Dichtungen findet sie sich, wenn schon hier, wie natürlich, weit seltener. Das Beispiel aus Walther ist Eingangs angeführt. Ein weiteres gewährt uns Der Kol von Niunzen (v. d. Hagens Minnesänger 2, 336"):

mit willen giherbirget üf daz selbe gvot. Ein drittes Muskatblut (ed. Groote. Nr. 18, 6):

het si sich gemitrieret. Dazu kommt noch je eines aus dem Nibelungenlied und der Klage:

toan daz er sich widere vdrnogieret hat. Nib. H. 1284.

daz ich mich vSrnoigierte wider. Klage H. 1008.

In den bisher aufgeführten Beispielen sind es lauter Verba und zwar Praeterita und Participia Praeteriti, die so betont werden; allein diese Betonung erstreckt sich noch weiter, auf von Verbis abgeleitete Substantiva, allerdings nur bei späteren und zwar mitteldeutschen Dichtern, z. B.:

*mit bitrübünge züplicht. Pass. H. 58, 83.
*än allir ünUagünge drow. Jeroschin 52d.
*des todin gesteltnisse. ebd. 28' (Nr. 6, 18).
von irre gevengnüse wart. ebd. 49b.
*zu wärem gizügnisse. ebd. 14b.
*oon der vömüwtinge nutze sus. ebd. 19c.
von der vörstorünge joch. ebd. 140h.
*von siner vöivolgvnge. ebd. 41d (6057).

Unter diesen Stellen befinden sich, das soll nicht geläugnet werden, mehrere, die nicht ganz streng beweisend sind und auch anders gelesen und betont werden könnten; so dürfte man z. B. Erek 233. 2372 beherberget, gehirherget betonen u. s. w. Auf der andern Seite ist die Zahl der sichern Beispiele, d. h. derjenigen, wo nicht anders gelesen werden kann (sie sind mit * bezeichnet), sogroß, daß die behauptete Betonung eine unanfechtbare Thatsache ist.

WIEN, 18. Februar 1866. FRANZ PFEIFFER.

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