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So kummt de lebe Jesu, De den Himmel upslut! Amen.*) Ganz ähnlich ist die Erweiterung in dem Gebet, wie es E. de Borchgrave a. a. O. S. 291 im Dialekt der Umgegend von Brügge gibt: 'Sen aevens als ik slaepen gaen, Daer volgen min zestien engeltjes naer. Twe aan min hofdende,

Twe aan min voetende,

Twe aan min rechter zide,

Twe aan min's linker zide,

Twe die min dekken,

Twe die min wekken,

Twe die min leren

De weg des Heren,

Twe die min wizen

Naer d' hemelssche Paradizen.

'T bemels Paradis staet oopen;

D' Ell'**) is geslooten

Mit izers en banden;

'K vouwe***) biede min' banden,

Met Jesus in min mond,

Met Jesus in min herte-grond. Endlich das plattdeutsche Gebet aus Wohlde in Schleswig (L. R. Tuxen, Det plattydske Folkesprog i Angel, Kjöbenhavn 1857, S. 90):

Des Abens, wenn ik to Bett gä,

Nehm ik vertein Engeln mit:

Twe tum Höten,

Twe tum Föten,

Twe an min rechte Sid,

Twe an min linke Sid,

Twe de mi decken,

Twe de mi wecken,

Twe de mi de Weg wiest

Nä dat himmlische Paradies.

De Himmel is äpen,

De Höll is fesläten.

*) Herr Prof. Adalbert Kahn in Berlin hatte die Güte, mich zuerst auf die» Gebet aufmerksam zu machen. Seitdem habe ich es auch bei Borchgrave a. a. O. citiert gefunden.

**) d. i. die Hölle, ***) d. i. ich falte.

Oslutt em, o slutt em un binn em doch fass,
Dat he nich nä min arme Sel hentrach!

Hiemit gehen wir nach Dänemark über. In meinem frühern

Aufsatz S. 453 konnte ich nur auf Bugge's Verweisungen auf Pontoppidanus und Grundtvig hinweisen; jetzt kann ich die dort stehenden Gebetsformeln selbst mittheilen. Erich Pontoppidanus (Everriculum fermenti veteris seu residuae in danico orbe cum paganismi tum papismi reliquiae in apricum prolatae, Hafniae 1736, pag. 64) führt als eine vespertino tempore orandi formulam nondum plane obsoletan an:

Naar jeg til min Seng monne gaae,

Tolv Guds Engle hos mig staae,

Een ved min höjre [Haand,

Een ved min venstre Haand,

To ved mit Hoved,

To ved mine Födder,

To mig dekke,

To mig naekke,

To mig Vejen viise

Indi Paradiis *).

Die Form, die Svend Grundtvig (Gamle danske Minder i Folke

munde, ny Samling, Kjöbenhavn 1857, S. 153) nach der Überlieferung eines im Jahr 1731 verstorbenen Pastors in Ensted bei Aabenraa, dessen alte jütländische Magd es allabendlich betete, gibt, steht der deutschen noch näher. Sie lautet:

Hwar Awten, a til Saenge gär,

Fjowten Gudsengler om mae stär

Tow ve mi Hojem,

Tow ve mi Fojem,

Tow ve mi hywer Si,

Tow ve mi venster Si

Tow mae vaekk !

Tow mae daekk!

Tow mae Vejvis'

Te den evig Paradis! Amen.

In den Schriften des norwegischen Dichters Henrik Wergeland findet sich, wie Bugge ebenfalls bemerkt hat, auch unser Gebet, offenbar vom Dichter kunstmäßig bearbeitet, aber nach welcher Grundlage? Die Fassung im Wunderhorn als solche anzunehmen, wie Bugge meint, scheint mir ungerechtfertigt. Wergeland's Bearbeitung (Skrifter, Christiania 1852, II, 155) lautet:

*) Herr Professor Dr. Theodor Möbius in Kiel hat mir auf meine Bitte diese Stelle aus dem seltenen Buch Pontoppidans, sowie die später angeführte Wergeland's freundlichst mitgetheilt.

Börnesang e.
1. Aftenbön (1*40).
Naar jeg lagger mig til Hvile,
Tretten Engle oun mig staae:
Tvende ved min Höjre smile,
Tvende til min Vcnstre gaae,
To paa Vagt ved Hovedpuden,
To ved Foden desforuden,

To mig daekke,

To mig vaskke,

En mig viser
Alle Himlens Paradiser.

Aus England kann ich diesmal zu den zwei früher (S. 454) mitgetheilten Gebeten ein drittes aus East Norfolk fügen (Choice Notes from "Notes and Queries." Folk Lore, London 1859, S. 179). Es lautet:

Matthew, Mark, Ltike, and John, Bless the bed that I lie on! Four corners to my bed, Five angels there lie spread; Two at my head, Two at my feet, One at my heart, my soul to kcep. Durch die beiden Zeilen 'Two at my head, Two at my feet' steht diese englische Variante den deutschen, flämischen und skandinavischen weit näher als die früher mitgetheilten*).

*) In einer davon hatte Halliwell, wie ich 8. 4j4 erwähnt habe, bemerkt: 'a charm somewhat similar may be seen in the Towneley Mysterien p. Ol.' Die von Halliwell angezogene Stelle, die ich damals nicht nachschlagen konnte, befindet sich in einem Weihnachtspiel, wo einer der Hirten, die sich eben zum Schlaf niederlegen wollen, sagt: For ferde we be fryght a cross let us kost,

Cryst Crosse, beuedyght, ecst and west

For dreed.
Jesus o' Nazorus
Crucyefixns
Marcus, Andreas,

(Jod be our spedu!

Daß unser Gebet auch in romanischen Sprachen vorkommen möge, vermuthete ich bereits in meinem frühem Aufsatz, und es hat sich diese Vermuthung bestätigt; ich kann es jetzt in französischer und provenzalischer Sprache nachweisen.

Ribault de Laugardiere theilt in seiner kleinen Schrift 'Lettres sur quelques prieres populaires du Berry' (Bourges 1856), S. 16 ein Abendgebet mit, welches 'Credo-le-Petit' genannt wird und also lautet*):

Je le crois coum' je le dis **),

Sept bell's anges dans mon lit,

Trois aux pieds, quatre au cheveu,

Le bon Dieu par le melieu,

Qui me dit: Moun emi, couch' toi,

N'aie donc point crainte de inoi.

Appelle Saint Jean ton pee,

Ton parrain, le grand saint Piee;

Mais si la mort te surprenne,

T'appelleras ta marraine.

Ganz ähnlich ist das provenzalische Gebet bei Damase Arbaud Chants populaires de la Provence, Aix 1862, S. 11:

Au liech de Diou

Me couche iou,
Sept angis n'en trove iou,

Tres es peds,

Quatre au capet,
La Boueno Mero es au mitan,
Uno roso blanco ä la man,
Me dit: N** endouerme te,
Agnes pas poou se n'as la fe,
N'en cregnes ren doou chin, dou loup,

De la ragi que vai partout,
De l'aiguo courrent, doou fuec lusent,

Ni de toutes marides gens***).

*) Ich selbst habe das Büchlein, auf welches ich durch einige Citatc in Jaubcrt.'s Glossaire du Centre de la France, 2°""" dd., Paris 18f>4, aufmerksam geworden, nie gesehen. Es scheint gar nicht oder nur in kleiner Auflage in den Buchhandel gekommen zu sein. Ein Pariser Freund hat die Güte gehabt, mir aus dein Exemplar der kais. Bibliothek in Paris das Gebet abzuschreiben.

**) Variante: Coum' je le sais je le dis. ***) Ein anderes in demselben Buch S. 12 mitgelheiltcs Gebet möge wegen des Anfangs der englischen Fassungen unseres Gebetes auch hier einen Platz finden:

Die Siebenzahl der Engel haben wir schon in dem siebenbürgischsächsischen Gebet gefunden, wo aber die sieben Engel vierfach getheilt waren.

Endlich habe ich noch eine französische Variante, die durch lose aneinander gereihte Zusätze außerordentlich erweitert ist, anzuführen, in welcher die Engelzahl auf drei herabgesunken ist. Ich entnehme sie Victor Hugo's berühmtem Roman 'Les Misérables' (Leipziger Ausgabe 1862, Band 4, S. 107). Bis zum Jahr 1827 stand über der Thür des Refectoriums eines Pariser Nonnenklosters in großen schwarzen Lettern folgendes Gebet geschrieben:

Petite patenôtre blanche, que Dieu fit, que Dieu dit, que Dieu suit en paradis.

Au soir m'allant coucher,

je trouvis trois anges à mon lit couchés,

un aux pieds, deux au chevet,

la bonne vierge Marie au milieu,

qui me dit que je m'y conclus,

que rien ne doutis.

Le bon Dieu est mon père,

la bonne Vierge est ma mère,

les trois apôtres sont mes frères

les trois vierges sont mes soeurs.

La chemise où Dieu fût né,

mon corps en est enveloppé;

la croix Sainte-Marguerite

à ma poitrine est écrite;

Madame la Vierge s'en va sur les champs,

Dieu pleurant, rencontrit M. saint Jean.

Monsieur saint Jean, d'où venez-vous?

Je viens d'Ave Salus.

Vous n'avez pas vu le bon Dieu, si est?

Il est dans l'arbre de la Croix,

les pieds pendants,

les mains clouans,

Sant Jean, Sant Luc, Sant Marc, Saut Mathiou,

Les quatre Evangelistos de Dion,
Sieguetz toujours ben eme iou,

Coumo eme toutes les niions.
Muu vgl. die zweite Anmerkung auf S. 454 meines früheren Aufsatzes.

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