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Ebenso in einem veronesischen bei Righi Saggio di canti popolari veronesi, Verona (1863), pag. 15:

Sete beleze ghä d'aver 'na dona,

Quando che bela se vol far chiamare;

Larga de spale e streta in zenturela,

Sete beleze ghä d' aver 'na bela;

I oci mori cole bionde treze,

Quele se ciama le sete beleze. Endlich erwähne ich noch ein latinisches Lied (Marcoaldi pag. 131), in welchem der sieben Schönheiten gedacht wird:

Oh vedi quant' e bello il paradiso!

E tu, bellina, nel viso ce 1' hai.

Sette cose ci vo' per compl' '1 viso,

E tu, bellina, tutte e sette l'hai:

E te in' manca una sul bei viso,

Solo che 1'occhi neri tu non hai;

Ma siete tanto bella di persona,

Che vi stä bene 1' occhi bianchi ancora. Gegenüber den sieben Schönheiten, von denen Hans Sachs sein Lebtag hat sagen hören, stellt also in dem Gedicht, die schöne Jungfrau nach der Lehre der 'natürlichen Meister' *) achtzehn Schönheiten auf. Ob nun wirklich in irgend einem gelehrten Werk des Mittelalters von den achtzehn Schönheiten gehandelt wird, ist mir unbekannt, wohl aber kann ich ähnliche Aufzählungen der zu einer vollkommenen weiblichen Schönheit nothwendigen Eigenschaften beibringen, die alle das gemeinsam haben, daß immer eine Eigenschaft je drei Theilen des Körpers zugetheilt wird. Ich begnüge mich, im Folgenden nur kurze Nachweise zu geben und überlasse dem Leser die Einsicht und die Vergleichung der Aufzählungen. Die älteste mir bekannte derartige Zusammenstellung ist ein französisches Gedicht vom Jahr 1332 'Ce sont les divisions des soixante et douze beauti qui sont en dames' in Meon's Nouveau recueil de fabliaux et contes in^dits I, 407 ff. Weiter nichts als ein unvollständiger prosaischer Auszug aus diesem Gedicht ist die Liste von sechzig Schönheiten hinter dem Gedicht 'La louenge des dames' in A. de Montaiglon's Recueil de poesies francoises des XV et XVI siecles, Paris 1857, VII, 299 ff, wozu man auch Brunet Manuel du libraire, 5itm* id., III, 1182 vergleiche**). Ein und zwanzig Schönheiten zählt Heinrich Bebel in seinen Adagia Germanica auf, s. Bebeliana opuscula nova, Argent. Jo. Grüninger 1508, F VIP, dann auch in das 3. Buch der Facetice aufgenommen. Ein lateinisches Gedicht in Distichen über die dreißig Schönheiten von Franciscus Corniger theilt Joannes Nevizanus in seinem wunderlichen, 1521 erschienenen Werke 'Silva? nuptialis libri sex' mit (Liber II, §. 93), wo er zugleich auf zwei denselben Gegenstand behandelnde, mir unzugängliche, italienische Gedichte des Vincentius Calmeta hinweist *). Auf Corniger's Gedicht sind zurückzuführen das anonyme deutsche Gedicht 'Dreißig Stück werden an einer recht schönen Jungfrau erfordert' in dem 'Kurtzweiligen Zeitvertreiber von C. A. M. v. W. [d. i. Simon Dach]', o. O. 1668, S. 234 f., dann auch in dem 'Politischen und kurtzweiligen Stock-Fisch von Christoph Platt-Eiß', Frölichs-Burg 1724, S. 104 ff., und das Gedicht von Hoffmannswaldau 'Abbildung der vollkommenen Schönheit' in Herrn von Hoffmannswaldau und

*) In Albrecht von Eybe's Ehebüchlein findet sich dieser Ausdruck mehrfach und er bezeichnet Naturkundige und Philosophen.

**) Montaiglon hat das Gedicht bei Meon nicht gekannt und verglichen; sonst hatte er pag. 299 nicht hongut» [misse,*], sondern Long nez geschrieben.

andrer Deutschen Gedichten, Leipzig 1697, Theil II, S. 62 ff.

Endlich stimmt mit Corniger fast ganz überein die spanische Liste von dreißig Schönheiten, die Brantome in seiner Abhandlung 'de la vue en amour' (Oeuvres completes, Paris 1822, VII, 229) nach der Mittheilnng einer spanischen Dame gibt.

WEIMAR, März 1S65. REINHOLD KÖHLER.

LITTEMTÜR

Ulfilas oder die uns erhaltenen Denkmäler der gothischen Sprache. Text, Grammatik und Wörterbuch, herausgegeben von Stamm. Dritte Auflage, besorgt von Dr. Moritz Heyne. Paderborn 1865. XVI und 387 SS. 1 Thlr. 20 Sgr.

In dieser neuen Auflage der mit Recht beliebten Stamm sehen Ausgabe des Ulfilas sind die Lesarten nicht mehr hinter, sondern unter dem Texte gegeben, was viel bequemer ist. Ferner hat Heyne an der Stelle von Stamms w wieder hv gesetzt, und häufig die componierten Präpositionen vom Verbum getrennt. Zu diesen beiden Änderungen hätte Stamm seine Einwilligung nicht gegeben. Was ist z. B. gewonnen, wenn Rom. 9, 1 mipveitondjandein in mip ceitcodjandein getrennt wird? Die Stelle wird dadurch nur unverständlich, und die Trennung ist sogar ein wirklicher Fehler, da mip ebenso untrennbar componiert wird wie ga, in u. s. w. Eine weitere Abweichung von der zweiten Auflage besteht darin, daß manche von Stamm nicht aufgenommenen Lesarten Upp

*) Auf Nevizan's Hochzeitwald verweist Fischart in dem oben angeführten Capitel der Geschichtklitterung und A. M. von Thümmel theilt iu einer Anmerkung seiner 'Reise in die mittäglichen Provinzen von Frankreich' (Werke, Leipzig 1839, V, 191) das ganze Gedicht Corniger's mit — aber ohne diesen zu nennen und als wäre es vou Nevizanus seibat.

ströms von Heyne aufgenommen wurden, z. B. Luc. 5, 11 »ßeipondans. Ein transitives Verbum ajleipan, von etwas weggehen, etwas verlassen, wurde zwar von Uppström für möglich gehalten; da es aber von Stamm, gewiss mit vollem Rechte, verworfen wurde, so hätte es Heyne nicht aufnehmen sollen. Auch an der vielbesprochenen Stelle Marc. 6, 19 hätte Stamm schwerlich sich entschlossen, das von Uppström mehr vermuthete als gelesene, sonst ganz unerweisliche und unglaubliche naio in den Text zu setzen.

Aber eine ganz außerordentliche Wichtigkeit gewinnt diese neue Auflage dadurch, daß wir in ihr zuerst die Ergebnisse von Uppströms neuer Vergleichung der Mailänder Blätter kennen lernen. Heyne erhielt die neuen Lesarten durch einen Brief Uppströms an Pfeiffer, und durch Leo Meyers oben IX, 137 und X, 225 gedruckte Aufsätze. Zu bemerken ist, daß von den von Meyer gegebenen Lesarten meistens zweifelhaft bleibt, ob sie wirklich dem Codex entnommen, oder durch Conjeetur gewonnen sind, da Uppström bekanntlich nicht einen diplomatischen Abdruck der Handschrift gab, sondern erst in den noch unbekannten Noten sagen wollte, was er glaubte gelesen zu haben. Alles also was wir bis jetzt von diesen neuen Lesungen erfahren haben, beruht auf abgeleiteten Nachrichten. Nur jener Brief Uppströms an Pfeiffer kann als ein authentischer Bericht gelten; er darf uns daher nicht vorenthalten werden*).

Uppströms Verdienste um Herstellung des echten Textes sind 6ehr groß; aber ehe wir die genauen Angaben über das Ergcbniss der neuen Vergleichung erhalten, müßen wir die vorläufigen Nachrichten mit einiger Vorsieht aufnehmen, und wenn Uppström sich nicht begnügt, das Neugelesene mitzutheilen, sondern durch Conjeetur die Fehler verbessern will, so dürfen seine Neuerungen wie die jedes anderen Gelehrten geprüft und bcurtheilt werden. Bis jetzt erhalten wir bei vielen bedenklichen und zweifelhaften Wörtern und Stellen gar keine Auskunft, und wissen nicht, ob wir Uppströms Stillschweigen als eine Bestätigung des Überlieferten ansehen sollen. Andererseits werden wir durch den Umfang der neuen Lesarten erschreckt; ganze Wörter, ganze Reihen von Wörtern sollen geändert werden: z. B. Köm. 7, 8 und 9 las man vas navis ip ik simle inu vitop libaida at. . . Dafür soll im Codex stehen: naus vas ip ik qius tnu vitnp simle ip. Rom. 9, 17 Ins man faraoni unte in pize jah raisida; dafür soll stehen: faraona unte du pamma silbin urraisida. 1 Tim. 1, 12 las man galaubJandan mik gahugida; es steht aber triggvana mik rahnida.

Manche richtigere Lesung Uppströms ist nicht neu, sondern schon von den Altenburgern in den Addenda gegeben; so andstandip Rom. 9, 19. skapula Col. 3, 25. unsveibands 1 Thess. 2, 13. Es findet sieh sogar, daß die von den Altenburgern nachträglich gegebene Berichtigung sowohl von Maßmann, als von Stamm und Heyne nicht berücksichtigt wurde, offenbar nicht weil sie dieselbe nicht für begründet hielten, sondern einfach, weil sie sie nicht bemerkten. Col. 1, 29 lautet nach den Addenda: bi vaurstoa sei inna nsvaurkeip; alle, auch Heyne, haben diese sehr wichtige Berichtigung übersehen nnd wiederholen nur was die Altenburger zu der Stelle unter dem Texte bemerken. Uppström scheint nichts zu der Stelle zu sagen. Wenn die Berichtigung begründet ist, so ist ein Feminin vaurttvn evtgyeta vom Neutrum vaursto EQyov zu scheiden, und Col. 2, 12 ist man versucht, vaurstvis in vaurslvos zu ändern.

Wenn schon die Berichte über Uppströms Entdeckungen noch mangelhaft

*) Er ist oben S. 93 ff. mitgetlieilt, rfeifter.

sind, so sieht man doch, daß nach Abzug des vorerst noch nicht ganz sicheren, der wirkliche Gewinn ein sehr großer ist. Viele neue Lesarten sind nicht zu bezweifeln und gewähren reichlichen Stoff zur Berichtigung und Erweiterung des Wörterbuchs und der Grammatik.

Ich lasse noch einige Bemerkungen zu einzelnen Stellen folgen. Das Buch ist sehr sorgfältig corrigiert; dennoch sind einige Druckfehler stehen geblieben. Rom. 9, 25 Onaien, ohne Zweifel ein aus der Germania X, 231 herübergenommener Druckfehler für Osaiin. 2 Cor. 10, 1 ikai statt ikei. 2 Cor. 11, 10 lande statt landn. Ephes. 4, 31 izis statt «tri». Wahrscheinlich steht auch durch einen Druckfehler Rom. 11, 13 qipa piudom statt qipa paim piudom.

Rom. 7, 8 liest Heyne vas naus; aber Meyer gibt naus vas; wer hat Recht? Sehr auffallend ist Rom. 11, 12 ip oppun. Entweder ip oder appan, allenfalls auch ippnn ist möglich; aber ip oppan beruht wahrscheinlich auf einem Missverständniss der Germ 10, 233. 2 Cor. 7, 7 izoura gaurwpa: diese Lesart ist nicht von Stamm, sondern von Heyne; sie ist schwerlich richtig: der Codex soll haben izoarana gaunopa. Ein Feminin gaurwpa ist bedenklich, da es sonst keine Feminina auf «pa gibt: ich vermuthe, daß zu lesen ist gaunnpu; Masculina auf opus oder odus sind bekannt.

2 Cor. 8, 12 gagreiftai; so zuerst bei den Alt., aber nach den Addenda steht im Codex gagreflai; so liest auch Stamm und Heyne selbst im Wörterbuch; warum wird nun im Texte wieder gagrei/tai geschrieben? Ist es ein Druckfehler?

Wenn Gal. 6, 9 wirklich a/mauidai zu lesen ist, so muß ohne Zweifel auch Mth. 9. 36 ebenso gelesen werden statt ofdauidai, da beidemal ixlvofievog übersetzt wird. Ein Verbum qfdavjan darf keinen Falls angesetzt werden, es müßte ofdujan lauten; ebenso muß zu afmauidai der Infinitiv afmojan angesetzt werden. Denn zu davjan, manjan würde davida, mavida gehören, wie tavida zu tovj'an, während stauida zu slnjan gehört, möjan ist gleich ahd. munjan.

Eph. 5, 5 allzuh. So haben Maßmann und Stamm statt alizuh gesetzt; aber nach den Addenda steht hoazu im Codex. Ist nun allzuh durch Uppström bestätigt? Wenn es der Fall ist, so sollte es ausdrücklich gesagt sein; sonst verdient hvazu(h) den Vorzug vor dem unbeglaubigten und in der Mitte des Satzes nicht wohl möglichen allzuh.

Es muß noch im Allgemeinen bemerkt werden, daß die Besserungen, welche die Ausgabe angeblich gegen den Codex und gegen die Altenburger aufnimmt, fast ohne Ausnahme nicht etwa von Stamm und Heyne herrühren, sondern von den Altenburgern entweder in der Note oder im Nachtrag oder noch in der Grammatik vorgeschlagen werden. Offenbar ist es nur die nöthige Kürze, welche die Darlegung des Sachverhalts verhindert hat. Einigemal aber und nicht selten wird sogar L. (das ist die Altenburger Ausgabe) als Autorität für die verworfene Lesart angeführt, wo vielmehr gerade L. die aufgenommene Lesart empfiehlt. So steht 1 Cor. 10, 21 fairaihan im Text, und dazu in der Xote fnirainan L. Aber gerade L. hat in den Addenda als wirklich im Codex stehend fniroihnn nachgetragen. 2 Cor. 6, 3 bistuggqei, dazu in der Note bis/iggq L. Aber L. gibt vielmehr in der Grammatik S. 197 das richtige bistuygqei. 1 Thess. 4, 2 hrarjos: in der Note huaizos L. Aber L. sagt Grammatik S. 84: hoaizns ist jedenfalls in hvarjos zu verbessern. Es ist zu wünschen, daß in einer künftigen Auflage sorgfältiger geschieden werde, was der Herausgeber vorgefunden hat, und was er Neues bringt, und gewiss wird sich Heyne der Einsicht nicht verschließen, daß so hochverdiente und gründliche Kenner des Gothischen, wie die Altenburger, nicht so schnöde abgefertigt werden dürfen, wie es hier S. IX geschieht.

Diese neue Anflüge ist, so lange Uppströms neues Werk nicht erschienen ist, für Jeden, der sich ernstlich mit Gothisch beschäftigt, unentbehrlich; zugleich ist sie eine sehr sorgfältige, brauchbare Handausgabe, und muß als eine erfreuliche Erscheinung begrüßt und empfohlen werden.

HEIDELBERG, 7. Jan. 1866. A. HOLTZMANN.

Heliand, mit ausführlichem Glossar herausgegeben von Moritz Heyne. Paderborn 1866. VHI und 380 SS. 2 Thlr. Eine handliche Ausgabe des Heliand war längst ein dringendes Bedürfniss. Die nun hier vorliegende leistet gewiss alles, was nur gewünscht werden kann. Der Text ist sehr sorgfältig behandelt und es fehlt auch nicht an Textverbesserungen. Die Lesarten sind mit Ausnahme der bloß orthographischen vollständig verzeichnet. Das sehr ausführliche Wörterbuch ist eine selbständige Arbeit und wiid daher auch neben Schindlers Glossar seinen Werth behaupten; besonders die Präpositionen und Conjunctionen, bei denen Schindler sich meistens begnügt die Stellen zu verzeichnen, sind hier sehr lehrreich behandelt. Aufgefallen ist mir, daß unter thegan abweichend von Schindler ein Nom. Plur. thegan zweimal angesetzt ist; Schmdler behält Recht, thegan ist nur Singular. Ein mittelhochdeutsches Fem. zoln ist wenigstens bei Müller nicht zu fiuden, woher ist es hier genommen? Bekanntlich ergänzen und berichtigen sich die beiden Handschriften des Heliand gegenseitig in erfreulicher Weise. Welcher man im Ganzen den Vorzug gibt, wird von der Ansicht abhängen, die man sich über die Heimat des Gedichtes gebildet hat. Heyne verspricht nachzuweisen , daß das Gedicht im Münsterlande entstanden sei, und er glnubt, daß der Monacensis in der Sprache des Münsterlandes geschrieben sei, der Coltonianus dagegen sei zwar älter und besser, aber in einen andern Dialect umgeschrieben. Wir Bind auf diese Ausführungen begierig, und freuen uns, daß endlich die Forschung sich diesem wichtigen Denkmal zuzuwenden verspricht. Obgleich ich selbst mir schon längst (denn schon 1833 habe ich unter Schindlers Leitung einen bescheidenen Aiitheil gehabt an der Ausarbeitung des Glossars) eine ganz andere Ansicht gebildet habe und beide Handschriften für Übersetzungen halte aus einem verlorenen angelsächsischen Originale, C. eine altniederländische, M. eine niederdeutsche, so bin ich mir doch wohl bewusst, daß diese meine Ansicht, so lange sie nicht ausführlich dargelegt ist, der eigentlichen Begründung ermangelt; die erwarteten Untersuchungen Heynes werden mir erwünschte Veianlassung geben , meine eigene Ansicht zu prüfen und dann entweder sie gegen die besserbegründete aufzugeben, oder sie meinen Studiengenossen umständlich zu empfehlen.

HEIDELBERG, 7. Jan. 1866. A. HOLTZMANN.

Paris, Gaston, histoire poe'tiqne de Charlemagne. Paris 1865, A.Frank, gr. 8. (XX, 530 SS.) 3'/3 Rthlr.

Eine sehr gediegene in streng wissenschaftlichem Sinne gehaltene Arbeit, mit jener philologischen Akribie, die die Werke der jetzigen französischen Gelehrten von der Art und Weise, die früher in Frankreich bei litterarischen und historischen Arbeiten üblich war, zu unterscheiden pflegt. Der Verfasser, Sohn des bekannten Paulin Paris, hat sich durch mehrere dem Gebiete der romani

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