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wäre es ein Feminin, dessen Acc. vakain zu lauten hätte, vorhanden ist es im ags. fem. vacon (das Wachen) z. B. in: Jnnre vacone Alfr. Beda p. 138. Dadurch wird der Spruch allitterierend.

In dem dunkeln Schluß können zwei asyndetisch verbundene Adjectiva liegen, wenn man SeL, SaTH liest, und abgeworfenes S des Nom. m. annimmt, für goth. sels, saths oder vielmehr eine ungehörig getrennte Composition selsath(s), in welcher natürlich sei- gleich dem ags. säl (in sdlvong) und scel (Glück) substantivisch zu nehmen ist. Ehe ich eine weitere Vermuthung begründe, belege ich, daß es überhaupt Sitte war, in solchen Inschriften auf Gebrauchsgegenständen den Besitzer anzureden, und ihm entweder Glück anzuwünschen, oder was auf christliehen Denkmälern häufig wird, ein besonnen geführtes, in in der Gemeinschaft mit Gott geführtes Leben anzuwünschen. Der ersten allgemeinen Art ist z. B. Juliane vivas! (Silbers. Nr. 26 bei Arneth), Pelegrina, utere felix, Arn. p. 16, welches utere felix noch häufiger ohne Namen vorkommt. Der andern bestimmteren Art ist das <&vXa£cct, (sei wachsam) S. Nr. 65 Arn. p. 77 und mit ausgeführtem christlichen Lebenswunsche: In deo, Seleuee et Cyriace, vivas! eb. Nr. 153, ferner: Secunde et Projecta, vivatis in Christo! eb. p. 16 (aus dem 5. Jh.), und: De donis dei et domni Petri utere felix cum gaudio! eb. p. 68.

Nach dieser Analogie, und da uns das Auftreten der griechischen Inschrift auf den Goldgefäßen darüber belehrt und sicher gestellt hat, daß die Anfertiger der Inschriften Christen waren, glaube ich, daß das Verständniss des vorliegenden Wunsches aus dem biblischen Sprachgebrauch entwickelt werden muß. Dazu bieten sich zwei Wege dar. In der Bibelsprache nämlich steht schlafen für todt sein, und wachen für leben 1 Thcss. 5, 10, und heißt der Tod die Nacht da niemand wirken kann, danach könnte unser Spruch, wenn man selsath verbindet, übersetzt werden: wache das Wachen gesättigt an Gutem, letzteres (satt des Guten) wie Ps. 104, 28. Sir. 32, 17. Koh. 6, 1, und dies könnte den Sinn haben: mögest du an allen Glücksgütern befriedigt leben bis der Todesschlaf kommt. Oder das Wachen könnte geistlich gemeint sein und auf die sittliche Nüchternheit und Aufmerksamkeit gehen wie 1 Thess. 5, 6—8 1 Pet. 5, 8 und sonst, dann wäre (mit accusativischem selsatha) zu übersetzen: wache ein mit (sittlich) Gutem gesättigtes, d. h. erfülltes Wachen — wie die Erde Prov. 30, 16 gesättigt heißt, und andere Dinge nicht gesättigte Prov. 30, 15 — dann wären die zwei Aufforderungen, auf sich selbst wachsam zu sein nnd reichlich Gutes zu thun, in eine verbunden.

Welchen Weg man auch vorziehe, das Wahrscheinliche bleibt immer ein Compositum selsath am Schluß der Inschrift, welcher Art mehrere im Angelsächsischen nur nicht gerade aus der geistlichen Sprache vorliegen, die Epen gewähren wenigstens unsäd, hildesäd und vihsäd, die mittelhochdeutsche geistliche Sprache zeigt aber ähnliche Übertragung, wie in dem: richer lugende tat Pass. K. 402, 79, vgl. das in W. Müllers WB. II, 2, S. 57" dazu gestellte.

10. Eine Schale mit verzierter Handhabe bei Arneth S. VIII, Nr. 8, jetzt Sehr. VHI, Nr. 6 gibt auf der Kehrseite des Griffs sehr deutlich

AKENB, es ist ein Personenname, worin n vor b nur für das gewöhnliche m stehen kann, wie das Wort kamb auch kanb geschrieben ist auf dem in Schonen gefundenen Kamm von Wallfischbein bei Finn Magnusen, Afhandl. (Runamo) p. 585. Der Name, sei es des Anfertigers oder, was mir weniger wahrscheinlich ist, des Besitzers, ist diesmal ein Unname. Ein Westgothe Cambra unterschreibt als episc. Italicensis das zweite Hispalensische Concil von 619. Am nächsten steht ahd. akambi, der Flachsabfall, das abgekämmte Werg Graff IV, 402. W. Müller 1, 784. — Inzwischen noch im Mhd. ist die Form akambe ohne Umlaut, um so mehr würde hier die umgelautete bedenklich sein. Das Akemb mit steigerndem a wird vielmehr aus Akimba abzuleiten sein, nach Analogie des altn. Namen Kimbi, welcher nach B. Halderson »ubsannator bedeutete, und so wie als Zuname, so auch selbständig vorkommt.

11. Die völlig ähnliche Schale S. VIII, Nr. 3 (auf der Tafel ist statt 38 vielmehr zu lesen 3. 8) jetzt Sehr. VIII, Nr. 14 gibt dieselbe Inschrift, nur daß bei der letzten Rune für B, deren Schleifen eckig gemacht sind, die unterste Ecke nicht ganz völlig geschlossen ist.

12. Ein Krug mit Griff Arn. G. X rechts, sollte die Nr. 200 haben, jetzt Sehr. VIII, Nr. 25, hat auf dem Boden eingeritzt:

VOLSIVAH Alte, auch gothische Personennamen auf —i wurden unter 5 besprochen. Der Name VoUi entspricht dem ahd. Volso, Wolaso, der durch die Wolasingas vorausgesetzt ist, die neben Walasingas Graff I, 835 erscheinen, wenn auch das Patron, gewöhnlicher Welimng lautet. Derselbe Name mit unserm Vohi ist der ags. Välse (Gen. Välses ßeov. 897), wovon die Välsingas, altn. Volsungar abstammen, die aus der Heldensage bekannt sind. Der gothische Vohi statt Valsi ist gesprochen, wie 'PodoyaMog statt Hradagais gehört wurde.

Das Präteritum vah ist diesmal nach Analogie von giban, gaf mit Aspiration aus vigan gebildet, welches wägen, und folglich auch darwägen bedeuten konnte, so daß Volsi als der Besitzer bezeichnet wird, welcher das Gold zum Gefäße darwog. Die Form vah statt vag kann mundartlich gewesen sein, oder auch nur auf Rechnung der ungenaueren Volksaussprache kommen. Möglich wäre auch, daß darwägen im Sinne von schenken stünde, wie in dem ags. sincgevcege, Schatzdarwägung für Austheilung.

Schließlich ist das Gefundene noch zusammenzufassen zu Folgerungen

Über den Volksstamm

und die Heimat der Goldgefässe, obwohl es zur Zeit darüber nur Vermuthungen geben kann.

Fest steht aus der Sprache der Inschriften ein zum Kreis der Gothen gehöriger Stamm, und aus den Runen, daß es nicht genau derselbe war, dem wir den Ring von Bukarest, ursprünglich von Pietraossa, verdanken, weil hier zwar die meisten Zeichen gleich, aber die Runen für G und N verschieden, und zwar die gewöhnlichen sind. Daß dieser Ring aber gothisch ist, dies ist mir nicht mehr zweifelhaft; das erste Wort in seiner Umschrift: Guta niothi hailag kann ich des Consonanten wegen nicht mehr wie früher auf die Götter (gup), sondern nur auf die Gothen beziehen *), Gutä mag für Gutnä stehen, wie im ags. und altn., oder Compositionsvocal enthalten, und so wird zu übersetzen sein: dem Gothen-bedürfniss, heilig der alte Schwurring der Heiden, der einem Hauptgerichtsort und Hauptheiligthum das Volkes angehören mochte, konnte sich allenfalls in christliche Zeit hinein erhalten, doch gab es auch in der Zeit nach Ulfila, in welche die Sprachformen der Inschrift zu gehen nöthigen, noch genug heidnische Theile des großen Gothenvolkes. Die authentische Schreibung des Volksnamens der Gothen ist in der Einzahl Guta, so mit T erscheint er in dem Gut thiuda des gothischen Calenders, während die Griechen rör&oi sagten.

Wenn man nun von dem Sprachgebrauch des griechischen Historikers Procopius ausgeht, wonach Gothen schlechthin für Ostgothen steht, wie wo er sagt: „unter den gothischen Völkern sind die zahlreichsten und angesehensten die Gothen, Wandalen, Wisigothen und Gepäden" (bell. Vand. I, 2), und wenn man hinzunimmt, daß der

*) Dub nioth für Bedürfnis« ist belegt in m. Abh. De inscriptionibus duabm runicis ad Gotliorum gentem relatis, Marb. 1861 p. 19.

mitgefundene King XA1PE KAI TllNE aussagt, und auch in dem ganzen Kreis der übrigen Goldgeräthe des Fundes von Pietraossa (Ameth Text S. 85-87 und auf den Tafeln Anh. V und VI) weder ein Kreuz noch eine sonstige Spur christlicher Art in den Verzierungen ist, wohl aber Nachahmung griechischer Götterdarstellung auf der großen goldenen Schale (Arn. V, 1 und S. 85), so wird einige Wahrscheinlichkeit für die Annahme sein, daß dieser Schatz mit dem Schwurring, dessen Runeninschrift sich dem 5. Jahrh. fügt, von einem noch heidnischen Zweig der Ostgothen herstammt.

Nun geht aber aus fast allen Bestandteilen des noch größeren Banater Fundes, namentlich aus den Kreuzen, aus der den Psalmen entnommenen griechischen Inschrift, wie aus der 7. Runeninschrift hervor, daß der Stamm, dem er angehörte, oder doch die Häuptlinge, welche die Goldgef ässe besassen, das Christenthum angenommen hatten, wenigstens also muß dieser Schatz einem andern Zweig des Stammes, als der vorige, zugeschrieben werden. Da es nach allen Umständen, besonders dem Werth des Besitzes und der Nachahmung griechischer Kunst zufolge, ein angesehener und gebildeter Stamm gewesen sein muß, so ließe sich wohl an die Westgothen denken, denn der Fundort, nördlich der Donau, entscheidet natürlich nichts über die Heimat der Sachen. Aber der aus der Sprache der Inschriften sich ergebenden Zeit der Goldsachen entspricht es nicht, an die Westgothen zu denken, wegen ihrer großen Entfernung. Altgothisch sind zwar noch Formen Gundivakrs, ik Ohsala, vakai, und das Ar in Arvig; aber eine Perfectform wie hakthos statt hakiiha, vah statt vag, das verschwundene Nominativzeichen 5 in Arvig, und in sath, das abgeworfene A der schwachen Declin. in den Namen Ekas(a) und Akemb(a), so wie die hierin auftretende Schwächung des I zu E, die übrigens in Namen sehr bald nach Ulfila auftritt, nach dem Fretela von 403 statt Fritüa d. b. Frithila zu urtheilen, nöthigen ins 5. Jbd. zu gehen, aber nicht weiter, weil nur erst ein Schwanken von den zuerstgenannten reingothischen Formen hinweg eingetreten ist.

In dieser Zeit wohnen in der Nähe der Donau von angesehenen gothischen Stämmen nur noch Gepiden und Ostgothen. Die Westgothen wohnten ja bereits seit 396 in Illyrien, von wo sie 412 nach Gallien zogen westlich der Rhone, alsbald aber war Spanien ihre Heimat. Es wäre nicht abzusehen, wie die Goldgefäße sollten aus Illyrien oder Gallien oder Spanien nach dem Banat gekommen sein. Die wenigen in Mösien am Ilaemus zurückgebliebenen Westgothen aber schildert Jordanes als verarmte Nomaden. Wenn denn die Westgothen nicht in Betracht kommen können, so wird die Wahl zwischen den obengenannten Stämmen sein, und sich nach ihrem Verhältniss zum Christenthum entscheiden müßen. Der Fundort im alten Dacien würde am meisten für die Gepiden sprechen, die nach 453 aus Südpolen herabgezogen waren bis zum linken Donauufer hin, indem sie den Sieg über die Hunnen, denen sie vorher gleich den Ostgothen dienstbar waren, entschieden hatten. Aber der Fundort allein kann eben hier nicht bestimmen; es fragt sich, ob im 5. Jhd. das Christenthum bei ihnen, wenn auch nur theilweise, Eingang gefunden hatte. Dies ist für die Zeit, wo sie noch in Polen wohnten, bei ihrer Entfernung von Constantinopel, dem Hauptsitz der Gothenmission, die besonders von Chrysostomus, dem Bischof dieser Hauptstadt 398—404, gepflegt wurde, wenig wahrscheinlich. Jordanes sagt zwar, daß die Westgothen, nachdem sie durch Valens — was übrigens von Bessel bestritten ist — vielmehr Arianer als Christen geworden, sowohl den Ostgothen als den Gepiden, ihren Verwandten, das Evangelium und den Irrglauben mitgetheilt haben, und daß sie die ganze Nation gleicher Sprache zur Annahme dieser Sectirerei einluden (c. 25). Inzwischen ist immer nur von Mittheilen und Einladen, nicht aber von Erfolg und Wirkung unter den Ostgothen und Gepiden im 4. Jhd. die Rede. Bis wenigstens zur Mitte des 5. Jhds. galten die Gepiden noch als Heiden, denn Salvianus (f 486 als Presb. in Massilia) rechnet zu den Heiden unter den Barbaren, die er übrigens noch besser findet, als die christlichen Römer: die Sachsen, die Franken, die Gepiden, Alanen und Hunnen, in der Schrift De gubernatione Dei (von 455) 7, c. 15. — Es fehlt noch an eingehenden Untersuchungen über die Zeiten, in denen das Christenthum von den einzelnen Stämmen der Gothen angenommen wurde. Rettberg hatte in seiner Kirchengeschichte Deutschlands die Gothen ganz ausgeschlossen. Ausführlich bespricht sie die treffliche Schrift von W. Krafft: Die Anfänge der christlichen Kirche bei den germanischen Völkern, deren erster Band, Berl. 1854 jedoch, der nur bis 412 geht, die berührte Frage nicht besonders behandelt, und wohl schon durch Bessels Leben Ulfilas Modificationen erleidet. Diejenigen Gothen, unter welche Chrysostomus christliche Sendboten ausschickte, müßen, da die Westgothen zu einem großen Theil bereits unter Ulfila übergetreten, zu Chrysostomos Zeit aber nach Illyrien gezogen waren, besonders die Ostgothen gewesen sein, unter denen zwar, wie bemerkt, schon Ulfila missioniert hatte, die aber zum größeren Theil Heiden geblieben waren. Viele Gothen starben den Märtyrertod in der Christenverfolgung durch Athanarich seit 370, den

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