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geschrieben: jamer Sp. v. St. Kath., jemerlich 26, 41. 27, 5 u. ö. – muter [ebenso noch in hs. b 22, 27. 23, 21, auch im Reime müter: güter 26, 16 [443, sowie im Cäsurreime müter : güte 31, 5 [627]. 12 [633]. – laze[n] 17,36. 18, 8. gelazen 21, 16, dagegen lazzit 15, 2. – muzen 24, 34, dagegen muzze[n] 28, 24. 29. 11. 21 u. s. w. – Die Schreibart grozzere 30, 20 ist vielleicht in der Aussprache begründet (doch steht groze 30, 3), ebenso drizzic 18, 7 (daneben drizic 24, 20), Das Praeter. von haben wird im Mitteld. schon früh zu hatte statt hate, häte. In der Mühlhäuser Hs. durchaus 24, 16. 19 u. s. f. Ebenso hette, hettet, hetten 20, 26. 24, 5. 25, 17, 18 u. s. f. (s. u. Flexion und Worte). Die Hs. bietet durchaus here (hére) für herre, und auch die Abkürzungen lassen sich nur so wiedergeben. Außer Reim z. B. 23, 5. 24, 15. 25, 28 u. s. f., im Reime nur einmal, aber bewiesen: hére: kére 23, 7 (367 herre: keren] (s. u. Worte). Die Kürze des Vocals in -lich (adj.) zeigt der Reim unvorvenclich: ich 24, 8 [hs. b 392 nicht]. In der Flexion dagegen immer die Länge. Manche ehemals lang, jetzt kurz gesprochene Vocale werden im Spiele mit Kürzen gereimt, doch ist hieraus für jene Zeit noch nicht auf die Kürze zu schließen. hdst: last 27, 1 [469]. hät: wart 16, 15 [21]. gedächt: nach 16, 19 [25]. Ebenso ist Länge und Kürze anzunehmen in: vründe: sunde 29, 26 [573]. vründen: kunden 15, 9[3].

F 1 exion.

Im 14. Jhd. geht die eine volle Form der 2. Classe der st. Feminina allgemach verloren, worüber noch Beobachtungen angestellt werden müssen. Mit am längsten erhält sie sich in werlt. So auch in unserem Spiele: gen. werlde 21, 11 [= hs. b 261]. dat, werlde 26, 24 [451 wernde. 27, 9 [477 werlte. Daneben erscheint auch dat. werlt 27, 24, wo werlde wie in hs. b 492 ebenso gut stehen könnte. Nur einmal noch kommt eine volle Form vor in gen. meide 31, 24 [646 keine andere Lesart Die alten unflectierten Plurale des st. Neutrums sind noch erhalten: wort (: dort) 24, 23 [407] här (: uffenbár) 28, 15 517 hare: uffenbare. jär (: wär) 24, 20 [403 ware: jare]. kint (: sint) 26, 10 [437]. Form auf er in kindere 22, 1 [275 kint]. Diese letzte Form führt auf die im Mitteld. beliebte Anfügung des e an er und el wie ferner in swestere 17, 16. 27. 20, 13. (dagegen sucester 18, 15, s. Lesarten), meistere St, Kath. öfters, tüfele 25, 2. 37. Vgl. Pfeiffer Myst. 1, 574. In der Declination der Pronomina manches Bemerkenswerthe. GERMANIA XI. 10

Namentlich sind liier die Nebenformen wirksam. Im Folgenden nicht alle Fälle, sondern nur Beispiele.

Pron. der 1. Person. — dat. mir 26, 5. 8. 36 u. s. w. mi (im)

25, .'55. 27, 3, im Reime mi : alhi 24, 21 [405 mir : hier] : si\n] 25, 23 [auch in der interp. Stelle für die Sprache der IIs. beweisend]. — pl. wir 16, 32. 17, 2. 19, 14, häufiger wi (wi und wi anzunehmen je nach der Geltung im Verse) 17, 5. 14, 26. 28.

Pron. der 2. Pers. - dat. dir 26, 11. 27, 2. di (dt) 22, 11. 19.

26, 18. 37. 39. — pl. ir 16, 17. 21, 7. 22, 2. ie 16, 21. 23. 29, 1. 10 (s. u. Worte), dat. uch (ob uch oder (Ich noch zu untersuchen) 16, 12. 26. 28, ebenso durchaus im Sp. von St. Kath. In unserem Spiele einmal als Archaismus « (hds. v) 15. 2.

Pron. der 3. Pers. — her 16, 30. 17, 2. 18, 17. he 16, 27. 17, 33. 18, 29. fem. su (s. o. Voo. und n. Worte), dat. eme, acc. en (s. o. Voc). — pl. su.

Im Possessivpr. unser fällt nach gewöhnlicher Weise r ab oder aus: unse 17, 16. unses 17, 37. unsen 17, 20. unse pl. 17, 23. 24. dagegen r in üwer erhalten.

Für das Interrogativpr. wer 16, 29. 20, 21. 21,2 u. s. w. erscheint wie im Niederd. wi (wy) 22, 19. 23, 9.

Zu beachten ist ferner, daß das Adj. al oft in der Form alle (auch gegen den Vers) vorkommt, wo hochd. unfl. al oder die schwache oder starke Flexion stehen würde.

Für das Mitteid. ist auch bemerkenswerth der in den Nom. gedrungene schwache Gen. selben statt selbe* oder selp, selbe, selber. Nur einmal erscheint selber 23, 15 (s. u. Worte).

In der Conjugation ist das bezeichnendste Merkmal des Mitteid. und speciell des Thüringischen die Apocope der Infinitive. Sie erscheint außer Keim sehr häufig: lide 15, 12. st 16, 22. läze 17, 36. beite 18, 10 ii. s. f., auch in nicht beweisenden Keimen: vare : spare 17, 17. gebe: lebe 17, 29. schade : habe 18, 23. gesche : g$ 19, 3. Wenn ein n gewöhnlich durch einen Strich über dem Vocal ausgedrückt wird, und man in diesen Fällen vielleicht Vergesslichkeit des Schreibers annehmen möchte, so muß doch der häufige Mangel des Striches sowie die sonst bemerkbare Genauigkeit der 11s. die thüringische Mundart unwidersprechlich kundgeben. Für die Sprache des Dichters sind zahlreiche Reime maßgebend, und diese finden sich auch in den Partien, welche die jüngere Hs. allein überliefert hat (Rieger 312). Wenn in der That die Beispiele sich so zahlreich auf den eisten Blick ergeben, daß ihre Aushebung füglich erspart werden kann, so verdient doch bemerkt zu werden, daß 1. n abfällt z. B. (mac) gestá: Mariá 28, 36 [538] und 2. en nach kurzer Stammsilbe und einfacher Liquida, z. B. (wel) kom (kum): brstegum 16, 26 [32]. t fällt ab in der 2. Pers. sing., namentlich in Conjunctiven: z. B. du betes 23, 23. 24, 3. gelabes 24, 29. wolles 23, 8. 24, 30. ledes 22, 23. mochtes 29, 2. ertrenketes: vorhengetes 17, 19 ebenso noch in hs. b 487]. t fällt ab in der 3. Pers. sing. in is 17, 35, sonst und im Reime immer ist: Crist 21, 15 [265]: genist 26, 34 461. t findet sich unorganisch in der 1. Pers. pl. in sint 16, 32, während in hs. b 38 und auch sonst noch sin steht. Ob freilich dieses sin der jüngeren Hs. = sin oder analog der dritten Person = sin ist, wird sich nicht ohne nähere Untersuchung der Mundart entscheiden lassen. n fällt ab in der 1. Pers. pl. bei folgendem wir : werde wi 17, 14. moge wi 17, 26. kome wi 17, 39. läze wi 18, 8. so wi 18, 21 u. s. w. t der 3. Pers. pl. in Hs. durchaus abgefallen z. B. helfen 17, 23, dunken 22, 20, müzen 24, 34 u. s. w., was bekanntlich schon im Mitteld. des 13. Jhds. vielfach der Fall ist. Beweisender Reim: (die) leben: gebe conj. 29, 24 [571] oder inf. ? – In sint ist t erhalten außer Reim z. B. 19, 28. 23, 6, im Reime sint: kint 26, 11 [438], daneben aber auch die mundartliche Form sin 19, 29. 20. 16. 25, 19 [interp. St., (doch ist in letzterem Falle auch der Conjunctiv wenigstens nicht unmöglich). In der 2. Pers. praet. zeigt sich schon die moderne, nach Analogie des schwachen Verbums gebildete Form: (du) ledes = ledest statt lede, lide 22, 23 [hs. b merkwürdiger Weise liede 355]. Im Sp. von St. Kath. begegnet lidest (dorch den du lidesterbeit), wo nach dem Sinne kaum lidest anzunehmen ist, wenn es auch der Schreiber so verstand, ferner das. vormedist statt vormede, vormide. In unserem Spiele hat sich aber auch die alte Form hds. erhalten: (du) worde 31, 5. zoge 27, 18 486 zuge. getrüge: erslüge 27, 7 [= hs. b 475]. Einzelne Verba. Vom Verbum subst. sind schon erwähnt die Formen is neben ist, sint 1. p. pl., sin 3. p.pl., als imper. kommt vor uris 20, 10, in St. Kath. auch bis und wes. Von haben begegnen volle und zsgz. Formen. Inf, haben: schaden 18, 24 [123 : tagen 29, 17 [564. gehabe 25, 31. – Praes. 1. p. habe 21, 21. hin 16, 8. 2. p. hást: last 27, 1 [469. 3. p. hät immer, im Reime: wat 16, 15 [21]: rät 17, 15 [55. 28, 41 543. 29,5 (552.: tät 31,5 (627]. 1. p. pl. haben 21, 11. 27, 32. hán (: goin) 19, 17 | 145. habe (w)21, 14. 16. há (wi) 19, 12. 2. p. hät (getät = getitet) 23, 11 [hs. b .171 hantgcdäi]. 3. p. haben 25, 21. — Praes. conj. 3. p. ha 27, 28. — Praet. ind. hatte, conj. hds. hette (s. o. Quantität). Im Keime Kürze und einfache Consonanz heten : bete 20, 2 [164 heden : teden?] (s. u. Worte u. K.). — Imp. hab 22, 24 [356 habe]. Ebenso bei läzen. : Inf. Jäzefn]

17, 36. l&n (: trän, trahen) 20, 27 [213]. — Praes. 1. p. pl. läze wi

18, 8. — Part, geläzen 21, 16. gelän (: stän. getan) 23, 4 [364]. 25, 18 [iuterp. Stelle]. Imp. läzit (hds. lazzil) 15, 2. /&?< 15, 3. Ja« 28, 31.

gdn und «jen. — Inf. gän : Aan 19, 18 [146]. ge : gesche 19, 4 [134]. 24, 34. 25, 35 [interp. St.]. me 20, 24 [210]. 28, 8 [510]. 29, 36 [581 gen : £]. - Imp. geng 26, 36. 27, 3 [463. 471 gang], genk öfters St. Kath. — stän und sten. : Inf. stän : gelän 23, 3 [363] : getan 24, 6 [390]. gestä[n] : Maria 28. 36 [538J. — sten : me 25, 16 [interp. St.]. — Partintsten : mS 32, 4 [652].

wollen. — Neben wel und wil (s. o. Voc) kommt auch für die 3. Pers. praes. sing, wille vor 21, 2, doch ist eher Conj. anzunehmen [252 wulle]. Im Praes. begegnen sonst nur Formen mit o, volle und syncopierte: wollen 17, 17. 25, 7. woln 17, 18. wolles 23, 8. [368 wullest] 24, 30. [Für wollen 17, 28. 37- 25, 8 stünde besser woln.]

sulten (s. u. Worte). — Praes. 1, 3. u. 2. p. sal und sah durchaus, aber nie im Reime. PI. (wir, su) sullen 16, 6. 17, 20. 30. sul (im)

19, 16. 20. 30, 23. [Für sullen besser suln 17, 9.] (t'r) sult 16, 21. 23. 22, 2. 5. u. ö. sullit 21, 7 [besser sult].

tun. Praet. tet (außer Reim) 25, 28: gebet 30, 34 [hs. b 621 bessere Lesart bei], getete : bete 26, 18 [445]. 3. p. pl. getäten 31, 2 [624]. conj. tete, gegen die Hs. durch selgerete 32, 15 [663] bewiesen, (wir) teten oder teten? 20, 1 [163] (s. u. K.).

wizzen. — Conj. praet. wüste (hds. wüste) 20, 17.

laden swv., invitare. — Part, stark geladen 17, 5 [= hs. b 45], öfters im Sp. v. St. Kath.

Worte und Wortformen.

Nicht allein in Laut und Form, sondern auch im Wortvorrathe bietet das Mitteldeutsche charakteristische Eigenthümlichkeiten dar. Einiges Lexicalische verdient deshalb angereiht zu werden. Da das Wort einestheils durch die Form erst bestimmt wird, anderntheils eine Statistik wie die vorhergehende durch die nähere Besprechung der Formen an Übersichtlichkeit einbüßen müsste, so mögen hier zugleich Wort formen berücksichtigt werden.

begeben stv. refl. in der Wendung: (wir) begeben uns [hs. b 112 to thun wir uns] in ein dosier 18, 9 bietet ein ziemlich altes Beispiel von dem leisen Übergang des ehemaligen Begriffs 'der Welt entsagen, in ein Kloster gehen' in den modernen der Ortsveränderung und Bewegung, der jedenfalls durch solche örtliche Bestimmungen wie hier in ein closter entstanden ist (vgl. mhd. Wb. I, 503 und d. Wb. I, 1280. 2) a).

brütegum stm. 17, 13. 19, 11 u. s. f. Der beiden Hss. gemeinsame Reim brütegum : kom (= körnen) 16, 25 [31]. 21, 1 [251] gibt zu bedenken Anlaß, welcher Laut, u oder 0, hier maßgebend sei. In hs. b auch der Reim kum (hds. kommen): Jhesum 427. In den md. Evang.*) heißt es ebenfalls brütegum, aber auch meist kumen und vrume, vrumen (in der Mühlh. Hs. immer vrome), ebenso der w-Laut durchgängig bei Jeroschin, im Passional K. kumen, vrumen, aber brütegoum 27, 23. Dies spricht dafür, daß es in der Sprache des Gedichtes kumen und vrumen hieß, was der Schreiber modernisierte.

eder conj., sonst mitteld. in der Regel oder (vgl. unter andern Pfeiffer Myst. 1, 570, Rückert hl. Ludw. zu pag. 29,16, S. 117, Liliencron Rothe S. 689). Im mhd. Wb. II', 430 ist abgesehen von aide, olde als Nebenform von oder nur ader und uder genannt. Das md. ader erhält sich bis Anfang des 16. Jhds. (d. Wb. I, 179). Aber neben ader ist auch das hochd. oder im Mitteld. nicht außer Gebrauch, es findet sich z. B. in den md. Evangelien und im md. Sachsenspiegel. Die dritte Form ist das in der Hs. A erscheinende (ganz deutliche) eder, welches in frühe Zeit zurückzureichen scheint. Gr. 3, 60 und 274 erwähnt die ahd. Form eddo, edo, erdo. Bekannt ist, daß eder und häufiger edder niedere!, ist. S. Ettmüller zu Theophilus 105.

Auf das vereinzelte Vorkommen von eder in den altd. Schausp. I, 2896, während hier sonst ader das gewöhnliche ist, wage ich keinen Schluß zu bauen, daß aber eder, welches sich mit dem nd. eder, edder ganz naturgemäß berühren würde, im nördlichen Thüringen zu Hause war, ist zu ersehen aus dem Gebrauche Nordhäuser Hss., welche Förstemann in den neuen Mittheilungen des thür.-sächs. Vereins zu Halle bekannt gemacht hat. eder findet sich im Nordh. Exemplar des alten Mühlh. Rechtsbuches geschrieben gegen 1300 (n. Mitth. VII, 1, 78 ff), in den Nordh. Weisthümern (I, 3, 15 ff.) und in den alten Gesetzen von Nordh. (IH, 2, 1 ff. u. 3, 65 ff.)

enelende stn. 15, 8. 21, 26. 28, 2, jüngere und mitteld. Form

*) Md. Evangelien — die früher fälschlich dem Matthias von Beheim als Autor zugeschriebene ubirtragunge (der vier Evangelien) in daz mittelste dütsch vom J. 1343 (vgl. Pfeiffer in der Germ. 7, 226 ff), welche ich im Auftrage der deutschen Gesellschaft zu Leipzig herausgebe.

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