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Der Erzherzog, welder im Laufe dieser beiden Tage allenthalben Merkmale seiner großmüthigen Freis gebigkeit zurückgelassen hatte, befahl nun auch, der Mannschaft des ganzen Regimentes, vom Feldwebel abwärts, eine zweitägige Löhnung zu verabreichen. Doch das schönste Denkmal seiner Jubelfeier hatte sich der menschenfreundliche Held durch die Gründung einer Stiftung selbst errichtet. Diese enthält zehn Stiftplage; jeden zu jährlichen 150 Gulden Kond. Münze, als Ers ziehungs-Beitrag für Töchter mittelloser Offiziere. Die Stiftlinge bleiben vom fiebenten bis zum vollendeten zwanzigsten Jahre im Genusse derselben. Nach dem Willen des boben Stifcers sind zwei Stiftpläße für das Infanterie - Regiment Erzherzog Karl, und zwei Plage für das Uhlanen - Regiment Seiner Kaiserlichen Hoheit, auf immerwährende Zeiten bestimmt; ohne sich jedoch des Rechtes zu begeben, einem oder dem ans dern der beiden Regimenter mehr als die zwei bestimms ten Präge zu verleiben. Die sechs andern Stiftpläße sind für Offizierstöchter der Armee, ohne Unterschied der Waffengattung gewidmet. – Seine Kaiserliche Hebeit batten den Obersten zu fich entboten, eröffneten ihm die Gründung dieser Stiftung, und trugen ihm auf, einen Vorschlag zur Belegung von drei Stiftpläßen einzureichen, — befahlen ihm aber, vor der Hand hiers über noch Stillschweigen zu beobachten.

Hierauf wurden seine Kaiserliche Hobeit von dem Obersten erfurchtsvoll gebeten, das Regiment diesen Abend bei dem abzuhaltenden Feste mit Höchstihrer Gegenwart zu beglücken; welches Seine Kaiserliche sobeit buldreicht zu versprechen geruhten.

Abends um acht Uhr begaben sich die Stabsoffiziere des Regiments in die Wohnung des Erzherzogs. Seine Kaiserliche Hobeit wurden nun, unter Vortretung von sechs mit Fackeln versehenen Unteroffizieren,vor die Stadt : zur großen Kaserne geleitet. — Der zwischen zwei Gär: ten zur Kaserne führende Eingang war mit Lampen beseßt, die fronte des Gebäudes selbst nad architektonischen Linien reich beleuchtet, und im mittleren. Frontifpige glänzte, von Lampen gebildet, der Namenszug des Erzherzogs mit darüber sowebender Krone. – Die Quee, welde zum Monumente des Feldmarschall-lieutenants Schmidt, und weiter hin gegen den Ererzierplaß führt, war, so wie das Monument selbst, durch Hunderte von Lampen beleuchtet. Die hohen Pappeln und die dichten, Laubgewölbe der alten Ulmen erhoben fich im Dunkel der Nacht über dem flimmernden Lichte der Beleuchtung bis zur Riesenbőbe. — Der lebte Theil des Weges zum Ererzierplage ist dammartig erhoben. Am Anfange und zu Ende dieses Dammes waren hobe Waffenpyramiden, mit Eichenlaub umkränzt, errichtet, auf welchen große Flaggen in Ostreichs Farben wehten. Der Dammweg selbst war mit einem Geländer befekt, das aus Waffen gebildet, und mit Eichen- Guirlanden verbunden war.

Am Eingange des Ererzierplates erhob sich ein über vierzig Fuß hoher Triumphbogen in dorischer Säulenordnung, welcher mit geschmackvollen Ornamenten und Waffen-Trophäen verziert war. - auf der ober: ften Spige prangte das erzberzogliche Wappen, und unter demselben war die Aufschrift angebracht:

„Nach fünfzig Jahren der Ebre

Dankbare Krieger ihrem gefeierten Fübrer.“

Um diese Vorderseite des Triumphbogens in ein gang belles Licht zu bringen, waren eigens zwei große Pyramiden von Lampen vor demselben hingeseßt, die ihren Zweck vollkommen erfüüten. - Die Rückseite dieses Triumphbogens, welche so wie die Vorderseite reich verziert war, gestattete deren Beleuchtung nach ihrer architektonischen Zeichnung. Auf der obersten Spige war Östreichs (dügender Adler mit ausgebreiteten Flügeln zu sehen, und unter demselben die Aufschrift:

,,om Waterlande geehret;

Vom Heere geliebt;

Pom Feinde geachtet.“ LinÉs und rechts von dem Triumphbogen zog sich ein weiter, gegen den Plaß zu gekrümmter Halbkreis von Bäumen, zwisden welchen große Basen aufgestellt was ren, aus denen belleuchtende Flammen empor loderten.

An den beiden Endpunkten des Halbkreises erboben sich zwei transparente, bei fünfzig Fuß hobe Säulen von korinthischer Dupnung, in hellblauer Farbe mit goldenen Kapitälern, um welche sich ein weißes Band zu fdlingen schien. Auf diesen Bändern waren die Na: men von zehn der vorzüglichsten Schlachten des Erzber: žogs angebracht. Es glänzten auf der einen Säule m berg, Würzburg, Emedingen, Kehl und Caldiero, - auf der andern Ofter a dy, Sto: ca , Zürd, Mannheim und afpern. — Dod all der hier nerbreitete Shimmer war nur ein was dhes Bild des Glanzes der unvergänglichen StrahlenErone des Siegers. Welche berzerbebenden Erinne: rungen lagen in diesen Namen für die, welche das Glück gehabt hatten, diese Sdlachten unter Seinen Befehlen mitzukämpfen!

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In der Mitte des plages war ein großes Gezelt aufgerichtet, welches, mit Blumen geschmückt, eine freie Aussicht aus demselben rund herum gestattete. Unter demselben war eine Tafel von zwanzig Gedecken sier: lich bereitet, und zu beiden Seiten standen zwei lange Safeln für die Gäste gedeckr. – Das Regiment, und in dessen Mitte die uniformirte Bürgerschaft mit ihren redys Kanonen, war in drei Flanken aufgestellt, deren Flügel fich barvor bis zu den zwei transparenten Säus len erstreckten; fo daß das Ganze nun ein großes ges fchlossenes Viereck darstellte. – Die Soldaten hatten ihre Gewebre auf der Aufstellungslinie in Pyramiden gesetzt, und ihr Gepäcke und Rüstung dabei abgelegt. Vor der Fronte brannten zahlreiche Wachfeuer, welche den dauplatz erleuchteten. - Hinter der Fronte waren Cische und Bänke aufgestellt, und noch weiter rückwärts brannten die Küchenfeuer der Kompagnien, an denen fic die Soldaten ein Abendmal bereiteten, zu welchem die Bürgerschaft der Städte Krems und Stein guten Wein reichlich gespendet hatte. Auch für die Zöglinge des Regiments - Knaben - Erziehungshauses war eine ei: gene Tafel bereitet, an der sie bewirthet wurden. —

Nachdem der Erzberzog vor der Kaserne, welche fich wie ein aus Licht gebildeter Feenpallast zwischen ers leuchteten Bäumen ausnahm, eine geraume Zeit vers weilet hatte, wurde Höchstderselbe durch die beleuch: tete Allee gegen den Ererzierplak geleitet. Als Seine Kaiserliche Hobeit den Triumpbbogen durdicrit: ten, und das Innere des plates betraten, ersdaten Trompeten und Pauken; die Kanonen donnerten; ein tausendstiminiges, oft wiederboltes Vivat ballte durd die Lüfte, und aus des Hintergrundes Mitte ergoß sich,

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durch angezündete bengalische Leuchtfeuer, ein wahx baft magisdes lidot von Blau und Rosenfarb über den ganzen weiten Plak.

Wohlgefällig verweilten Seine Kaiserliche Hobeit bei der Betrachtung der Gesammtwirkung, welche der Schauplatz von hier aus gewährte, und begaben sich hierauf zur Truppe. Mit der den Mitgliedern des Al. lerhöchsten Kaiserhauses ganz eigenen Leutseligkeit und Herablassung geruhten Seine Kaiserliche Kobeit, die Reihen der sich um ihren erlauchten Inhaber freudig drängenden Soldaten zu durchschreiten, und fich mit ihnen zu besprechen. Auch Ihre Kaiserliche Hobeiten die Pringen folgten diesem schönen Beispiele, und als ächte angebende Krieger verschmähten sie es nicht, die einfache Kost des Soldaten zu versuchen, und felbst id mackhaft

Tausende von Zusebern waren aus der ganzen Umgegend berbeigeströmt, um die Festlichkeit mit anzusehen, welche von dem berrlichsten Abend be: günstigt wurde. Die Luft war so lau und ruhig, wie fie nur in Italien zu fenn pflegt. Kein Blatt bewegte fidh. Keine Lichtflamme flackerte, und die tiefe Dunkels heit des schwarz bewölkten Himmels erhob um vieles den Glanz der aufgestellten lichtgebilde,

Der Erzberzog batte sich wohl über eine Stunde bei der Truppe aufgehalten, und begab sich nun in das Gezelt, um sich daselbst niederzulaffen. In der beiters ften Stimmung besprachen sich Höchstdiefelben mit den Sie umgebenden Herren Generalen und Stabsoffizies

Rund berum berridhte die lebhafteste Freude; die Musikbanden spielten; und die Soldaten fangen und jubelten. A18 dann der älteste Soldat des Regiments durch den Obersten vorgeführt wurde, um sich die Er: Öftr. milit. Beitfo. 1831. I.

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zu finden.

ren.

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