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nur Privatsachen betreffenden und jenen Kriegssachen behandelnden einen Unterschied nicht zu machen, weil oft Beides in demselben Briefe vermengt erscheint; auch wurden alle vorhandenen Documente veröffentlicht, sollten sie auch geringeres Interesse bieten, um wenigstens das Verdienst der Vollständigkeit der Veröffentlichung für sich zu haben.

Die Briefe beginnen mit der Zeit nach der im siebenjährigen Kriege so bedeutungsvollen Schlacht bei Rossbach am 5. November 1757, und datiren bis nach dem Friedensschlusse von Hubertsburg; an den vertrautesten Freund gerichtet, führen dieselben eine unumwundene Sprache und unterscheiden sich hierin von officiellen Relationen; alle athmen den Geist des Edelsinnes, der Bescheidenheit Loudon's, wie nicht minder die richtig berechnende Voraussicht des kühnen Generals, den sein Biograph Wilhelm von Janko (Laudon's Leben. Wien, 1869.) als den grössten Feldherrn Oesterreichs nächst Prinz Eugen bezeichnet; doch nicht gleich jenem schmückt bereits sein Denkmal die Hauptstadt Oesterreichs!

Einen Abriss der Geschichte des siebenjährigen Krieges beizufügen, schien sich nicht zu empfehlen, das nachfolgende Inhaltsverzeichniss wird die nöthige Uebersicht gewähren und wird schliesslich auf obiges Werk von Janko gewiesen. Loudon lebt im Herzen des Volkes und hat dort sein Denkmal, ihn zu rühmen überlassen wir gewiegteren Forschern und Fachmännern, wir sind zufrieden, ein geringes Scherflein zur Kenntniss seines hohen Werthes beitragen zu können.

Zum Schlusse ist noch die Pflicht des Dankes abzustatten an Alle, die dies Unternehmen förderten, zunächst an Frau Theresia Kaul und Herrn Dr. Adolf Kaul, welche die Herausgabe dieser Familienpapiere gestatteten.

Nr. 1.

Wohlgeboren Höchstzuverehrender Herr Hofrath,

Werthgeschätzter Freund!

Gleichwie ich für die mir so ungemein erwiesene Freundschaft und Besorgung wegen des hohen Militär Ordens und der mir allerhöchst bewilligten Pension, unendlich verbunden bin; also werden Euer Wohlgeboren aus anliegenden Extrakt des mehreren zu ersehen belieben, dass des Herrn Herzogs Carl von Lothringen Königl. Hoheit der Meinung sind, dass Ihro Kais. Königl. Majestät mir von denen in den Statuten bestimmten Regeln loszälen werden.

Ich bitte also ganz ergebenst hievon Se. Excellenz den Herrn Staats-Kanzlern nebst meinen unterthänigst Respect zu benachrichtigen, und wann es dieselben dennoch vor nöthig erachten, dass ich darum einkommen solle, so verhoffe von Euer Wohlgeboren werthen Freundschaft, dass dieselbe mir in Zeit davon Nachricht geben.

Ich bin gegenwärtig, da sich die combinirte Armee, Gott weiss wohin retirirt, auf dem Marsche nacher Freyberg und werde allda die Ordre von des Herrn Herzogs Carl von Lothringen Königl. Hoheit erwarten, wo ich mich hinwenden solle, wenn es also nur auf der Welt thunlich ist, so werde trachten auf 14 Tage nacher Wien zu gehen, um mich Ihro Kays. Königl. persöhnlich zu Fuss zu werffen.

Die anliegende Copia zeiget, wie unglücklich die Action am 5ten dieses für die Reichs- u. franz. Armee ausgefallen, als welches ich auf diese Arth an den Herrn Herzog Karl von Lothringen Königl. Hoheit eingesandt habe.

1 Schlacht bei Rossbach.

Uibrigens empfehle mich nebst meinen gehorsamsten Respect an das sämtliche hohe Staats Collegium besonders aber an den Herrn Baron von Binder 1 zu Euer Wohlgeboren unschätzbaren beständig Freundschaft, nichts wünschend alss so glücklich sein als in der That zeugen zu können, mit wie vieler Hochachtung ich allezeit sein werde

Euer Wohlgeboren

ganz gehorsamster Diener Gera den gten November 1757.

Laudohn m. p.

Extract aus der Herzogs Carl von Lothring Königl. Hoheit unterm

25t. Okt. 1757 an mich erlassene Schreiben: „Gleichwie nun dessen während dieser Campagne sich er,worbene Verdienste mir vollkommen bekannt, auch Ihro Kais. ,Königl. Majestät davon schon informirt sind, und denselben ,dahero von dem durch die Statuta des neu errichtete Militär ,Ordens vorgeschriebene Formalitäten ohnehin losssprechen wer,den; also kann der Herr General Feldwachtmeister versichert „sein, dass ich demselben das wohlverdiente Gezeugniss beizu,legen und mit meinem Furspruch zu bekräftigen, mir eine wahre Freude machen werde.

Nr. 2.

Hoch Wohlgeborener Ilöchstgeehrtester Herr Hof Rath

Insonders Werthgeschäzter Freund!

Euer Hoch Wohlgeb. lezte werthgeschäzte Zuschrift vom 16ten vorigen Monaths habe wohl zu erhalten die Ehre gehabt, und gleichwie ich für den mir so wohlmeynend mitgetheilten Rath ungemein verbunden bin; also habe auch alsogleich eine Speciem facti meiner furnehmlichen Unternehmungen gegen den Feind aufsetzen, von 7 Zeugen unterfertigen und nebst 2 allerunterthänigsten Bittschreiben an beiderseits Kays. Mayestäten des Herrn Herzogs Carl von Lothringen Königl. Hoheiten, eingesandt, und um dessen gnädigste Begleitung bei Höchstdenselben angelangt.

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1 Friedrich Freiherr Binder von Kriegelstein, geboren zu Wetzlar 1708,

gestorben 1782 als kais. Hofrath und wirklicher geheimer Rath,

Dass sonsten meine Neider dermalen mehr als vorhero bemüht sind, mein Glück zu untergraben, und mir, wie man sagt, Prügel unter die Füsse zu werffen, werden mein werthgeschätzter Freund aus folgenden ersehn:

Es ist bekannt, dass nachdeme der König von Preussen mit denen Franzosen und Reichstrouppen fertig geworden, derselbe mit dem gros seiner Armee Schlesien zu Hülfe eylen wollen, den Feld Marchall Keith aber mit einem Corps von 8- bis 10000 Mann gegen Böhmen anrücken lassen. Dieses Corps stund noch zu Chemniz, und schrieb in selbiger Gegend Winterquartier aus, wie das Herrn Herzog's Carl Königl. Hoheit mir gnädigst anzubefehlen geruhet, ich sollte dieses Corps wohl observiren, und von allen dessen Bewegungen dem in der Laussniz stehenden F. Z. M. von Marchall die schleunigste Nachricht zu geben. Ob ich nun zwar dieses schon vorhero also gehalten und gedachten Herrn Feldzeugmeister schon lange avisirt, dass ich dafür hielte, dass dieses Corps in Böhmen eindringen würde, weilen in der Gegend von Chemnitz noch an keine Winter Quartier zu gedenken wäre. So hatte dem Herrn Bar. v. Marchall in zwischen beliebet unterm 16. Nov. von Einem Hochlöbl. Hof Kriegs Rath mit Verbeygehung des Herrn Herzogs Carls Königl. Hoheit, eine Ordre auszuwirken, Krafft welcher ich an Ihn angewiesen wurde. Er schickte mir diesen den 23t. zu mit dem Befehl das Böhmische Gebirge wohl mit Croaten zu besetzen, und den Feind in der Gegend von Peterswalde den Eingang so viel möglich zu verhindern.

Ich antwortet Ihm, dass ich alles was möglich wäre, anzuwenden nicht ermangeln würde, allein seine Meinung, dass der Feind von der Gegend Peterswalde eindringen würde, seye irrig, indem er die beste Strasse über Comotau für sich hätte, und diese Etendue von der Elbe bis Comottau, so bis 12 Meilen beträgt, wäre mir mit 700 Mann Croaten zu besetzen unmöglich.

Inzwischen erhielte ich eine andere Ordre unterm 17t. von des Herrn Herzogs Carl von Lothringen Königl. Hoheit, dass im Fall der Feind in Böhmen einbrechen sollte, ich allen Fleiss anzuwenden hätte, demselben immer bevor zu kommen, und mich auf solche Arth endlich nachher Prag hinein werffen sollte.

Ein Brief von einem Preuss. Offr. an seinen Freund in Dresden, welcher bei einem gefangenen Feldjäger von mir ge

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funden ward, entdeckte darauf den ganzen Marche des Keithischen Corps, in dem dieser so viel enthielt, dass in so ferne die Oesterreichische Armée sich nicht gutwillig entschliessen würde Schlesien zu verlassen, die Einbrechung des Keithischen Corps in Böhmen sie gewiss darzu zwingen würde. Ich schikte diesen Brief also gleich gedachten Herrn F.Z. M. von Marchall und eröffnete Ihm zugleich, was Se. Königl. Hoheit mir unterm 17. anzubefehlen geruhet hätten, mit dem Beysatz, dass weilen die Avantgarde von dem F. M. v. Keith bereits zu Marienberg eingeruckt wäre, ich gezwungen sey, weiter gegen Prag anzurucken um von da nicht völlig abgeschnitten zu werden. Diesem zu Folge nahm ich meine position zu Töplitz, und da der Feind endlich würklich in Böhinen eindrang, so dass seine Vortrouppen bis Brix und Laun schon gekommen waren, mit hin marchirte ich mit der Infanterie nach Prag und setzte meine Husare längst den Egerfluss um den Feind weiters zu observiren. Bey meiner Ankunft den 26. Nov. in Prag, fand ich alles in der grösten Consternation und wenn der Feind mir auf den Fuss gefolget haben würde, wäre wohl nichts gewissers gewesen, alss dass er solches ohne grosse Mühe ein bekommen hätte. Jedoch das Vertrauen, welches die Einwohner von Prag in meine geringe Dienste gesetzet und der Anblick etlicher 100 Croaten machte, dass Sie sich von ihren ersten Schrecken erholeten, und man machte sodann alle Anstalten zu einer ernsthafften Gegenwehr.

Indessen aber nahm der Feind mit 6 Bataill. und 3 Escadr. seinen Weg gegen Leitmeritz und da in diesem Orth nicht mehr als 100 M. zur Besatzung waren, so musten diese nach Hinterlassung etlicher Todten und Blessirter den Orth verlassen, und die Preussen führten sodann den Uberrest des allda befindlich gewesten Magazins grösstentheils hinweg, das ubrige aber ruinirten sie, und verliessen des andern Tags die Stadt wieder.

Ob dieses Magazin nicht völlig hätte können gerettet werden, dahinein wil ich zwar nicht gehen, allein meiner Meynung nach hätte solches ganz leicht geschehen können, denn einmahl hätte man die Wägen, welche solches von da verführen sollen, sehr wohl mit noch einmahl so vieler Ladung als geschehen beladen können, indem ein 4spänniger Wagen nicht mehr als ein Vass mehl aufgeladen hatte, und anderntheils

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