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das Andenken an die Treytz verloren gegangen, der EhrenReiz genannt wurde. Die betreffende Notiz im Calendar lautet: Montag nach Kirchweih: Amt, früher in der Schlosskapelle zu Ehrentreutz. Diese Schlosskapelle existirt zwar nicht mehr, der Altar musste dem Kochherde und der Weihrauch dem Bratendufte weichen, allein alte Leite erinnern sich noch, dass daselbst ein Amt (Messe mit Gesang) abgehalten wurde.

Der Ehrentreytz steht auf dem hohen, reizenden Hügel, auf dessen südlichem Vorsprung die jetzt vollständig erneuerte St. Leonhardskirche dominirt, zu dessen Ban cinst die beden Marx und Adrian Treytz ihre fromme Hand geöffnet. Von dem die Kirche umgebenden Friedhofe überblickt man nicht blos das vom Bache durchrauschte Mühlau mit seinen sonnigen Hügeln und schattigen Thälchen, sondern geniesst auch eine prachtvolle Fernsicht über die weite Ebene mit der vielthürmigen Hauptstadt auf das jenseitige Mittelgebirge mit dem Schlosse Ambras bis hinein in das Herz des anmuthigen Stubaithales. Der Hofpoet des letzten Ritters hat es verstanden, für seinen Edelsitz einen Punkt zu wählen, der nicht blos die Krone seines idyllischen Heimathsortes bildet, sondern überhaupt den reizendsten Punkten der ganzen hiesigen Gegend würdig sich anschliesst.

Marx Treytz-Saurwein hat hier seine letzte Ruhestätte nicht gefunden, er starb ferne von seiner Heimath und zwar zu WienerNeustadt am 6. September 1527. Aus seinem Testamente !, welches vom 25. August 1525 datirt, erfahren wir, dass er ohne männlichen Leibeserben gestorben ist. Er hinterliess eine Witwe, Frau Barbara, eheliche Tochter weiland Paul Keck's, und eine Tochter Maria, die mit Wolfart Strein, Besitzer eines Hauses in der Hofgasse zu Wienerneustadt, vermählt war. Eine Schwester des Treytz-Saurwein, Anna, die im Testamente bedacht wird, war mit Leonhard Hofer verehelicht, welcher in landesfürstlicher Bedienstung stand und 1529 in Innsbruck wohnhaft erscheint. Wer Paul Keck, der Schwiegervater Treytz-Saurweins, gewesen, liess sich ebensowenig als seine Beziehung zu der damals urkundlich erscheinenden Tiroler Familie Keck ernitteln.

Der kaiserliche Geheimschreiber und Hofpoet starb reichbegütert. Er besass ein Haus (das s. g. Storchenhaus) und

| Abgedruckt in Hormayrs Archiv etc. 17. Jahrgang. 1826. S. 635—638,

einen Garten in Wien und Weingüter in der Nähe der Stadt, ein Haus und Grundstücke in Wiener Neustadt, die Dörfer Hagenprun und Königsprun mit reichen Zehenten und Giebigkeiten, eine Mühle zu Hitzingen und eine solche zu Neustadt. Das Schloss Stüchsenstein, auf welchem er 1000 Gulden als Pfandschilling liegen hatte, blieb seiner Gattin auf Lebensdauer. Diese, seine Tochter und seine Schwester hatte er unter genauen testamentarischen Verfügungen zu Erben bestimmt. Sein Schwert vermachte er seinem Schwiegersohne, den silbernen Becher, aus dem er täglich getrunken, seiner Schwester. Ueber seine Güter in Tirol verfügte er letztwillig nur im Allgemeinen. Dann die güter, so ich von meinen Elltern beerbt, die hab ich nit verschaffen; dieselben güter, so im Intall ligen, werden meine Erben wol wissen zu ersuechen vnd zu taillen nach den Landts Rechten in der Grafschafft Tyrol. In seinem Testamente, welches mit einer äusserst frommen und gläubigen Herzensergiessung beginnt, bestimmt er aufs genaueste, was zunächst nach seinem Tode mit seinem Leibe und in Betreff des Begräbnisses zu geschehen habe. Seine Hausfrau möge sein Antlitz nicht sofort verdecken oder ein nähen, sondern frei liegen lassen, nach etlichen Stunden aber seinen Leib ,mit gutem Pamöll vnd wolsmecketem wasser, die das Bluet wiederumb warmb machen, waschen lassen, ob sich der Geist widerumb erkuiket, vnd mit der Begrebnuss kains wegs eilen. Sein Leib soll nicht in einer Kirche begraben werden, dann die kirchen ist ain haws des wortt gottes', sondern auf dem Friedhofe des Ortes, in welchem er sterbe, yan ain ort, daran grün gras ist vnd daran nit vil menschen begraben ligen'. Ueber seinem Grabe aber soll ein Gewölb anderthalb Mann hoch gebaut und darauf das Epitafium mit dem Schilde,zu ainer Gedechtnus' gesetzt werden. Zum Ersten, Siebenten und Dreissigsten soll keine Messe gehalten werden, auch kein Opfer geschehen, sonder nur das lauter Evangelium gepredigt werden', wozu er alle seine Freunde zu erscheinen bittet, und sie darnach mit seiner Hausfrau mit freuden miteinander zu essen auffordert. In religiöser Beziehung war demnach der Geheimschreiber des Kaisers Maximilian ein Anhänger der neuen Lehre.

BRIEFE LOUDON'S.

BEITRÄGE

ZUR

CHARAKTERISTIK LOUDON'S UND DER GESCHICHTE DES

SIEBENJÄHRIGEN KRIEGES.

HERAUSGEGEBEN VON

KARL BUCHBERGER

K. K. LANDESGERICHTSRATHI.

Vielfach und mit Grund wird die Klage erhoben, dass der Geschichtsforschung in Oesterreich nicht jene Quellenliteratur zur Seite steht, wie sie aus den Memoiren hervorragender Männer, deren Briefwechsel und sonstigen privaten Eröffnungen sich bildet, und wie solche anderwärts auch genügend, ja reichhaltig vertreten ist.

Wie manche dunkle Stelle in der Geschichte, von den Geschichtschreibern je nach ihren verschiedenen Standpunkten anders beleuchtet, und wo Schlussfolgerungen die mangelnde Kenntniss der Thatsache ersetzen müssen, wird durch solche Quellen oft unerwartet aufgehellt.

Dem Geschichtsforscher einer wichtigen Epoche im Staatsleben Oesterreichs, dem Biographen eines seiner berühmtesten und volksthümlichsten Feldherren ein bisher unbekanntes Material zu bieten, ist der Zweck der Herausgabe dieser im Privatbesitze befindlichen Documente.

Diese Briefe waren an den Hofrath im k. k. Hof kriegsrathe Elias Baron von Hochstätter gerichtet, zu welchem Loudon, wie aus den Briefen hervorgeht, in den intimsten freundschaftlichen Beziehungen stand; sie gelangten als Familienpapiere an die Enkelin des Hofrathes, Frau Theresia Kaul in Neutitschein, welche in anerkennenswerther Bereitwilligkeit sie dem Herausgeber zum Gebrauche überliess und welche sonst auch vielfach deren Einsichtnahme gestattet.

Durch letztere häufige Einsichtnahme mag es geschehen sein, dass, wenn auch nur bei wenigen dieser Briefe, einzelne Blätter verloren gingen, ohne dass aber deren Authenticität hiedurch im geringsten gelitten hat.

Bei der Herausgabe schien es am zweckmässigsten, die Reihenfolge nach der Zeit einzuhalten und zwischen den streng

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