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Sr. Majestät nicht weiter mehr zur Last fallen. Die Reise nach Wien wolle er am Bart]mä Abend oder Tags darauf antreten, da er in den genannten Tagen eine guete fuhr bis gen Passaw hätte: 1

Es scheint, dass Treytz-Saurwein in der That schon um diese Zeit nach Wien übersiedelte, da keine urkundliche Andeutung über seinen ferneren Aufenthalt in Innsbruck oder Mühlau vorliegt und die weiteren Nachrichten ihn bereits in Wien thätig erscheinen lassen. Warum er gerade Wien zu seinem künftigen Aufenthalte und Wirkungskreise gewählt hat, lässt sich nicht eruiren, während es begreiflich ist, dass der vom Unglück verfolgte Mann, der in seiner Heimath nicht blos die Gesundheit, sondern auch die Mittel zu seiner weiteren Existenz verloren hatte, in ein fernes Land zu ziehen sich entschliessen konnte. Die Wahl des neuen Wohnsitzes war für Treytz - Saurwein jedenfalls eine glückliche, denn was er in Tirol verloren und worüber er im oberwähnten Schreiben an den Sernteiner so bitter klagt, wurde ihm hier reichlich ersetzt. Neue Würden, neue Ehren, reicher Besitz und was deren Erringen voraussetzt, Vollgenuss der Gesundheit, also Alles, was er in seiner Heimath eingebüsst und noch mehr des irdischen Glückes ward ihm hier zu Theil. An Salamanca's Stelle zum ,Verwalter der niederösterreichischen Canzlei ernannt, in welcher Eigenschaft er bis zu seinem Tode gewirkt, hatte er eine nicht blos ehrenvolle, sondern auch einträgliche Stelle inne.

In seiner literarischen Thätigkeit scheint er nur durch die schon erwähnte langwierige Krankheit unterbrochen worden zu sein. Den , Triumfwagen' Kaisers Maximilian hatte er 1513, wie aus einem Schreiben der Regierung von Innsbruck an den Kaiser ddo. 30. September 1513 hervorgeht, vollendet. Nach diesem Schreiben hatte nämlich der Kaiser verlangt, dass ihm ,das Buch, der k. Majestät triumphwagen', sobald es von Marx Treytz-Saurwein eingesendet würde, auf der Post nach Odenar nachgeschickt werde. Das Buch war, wie die Regierung an den Kaiser schrieb, in der That schon am 4. Juli von dem ,Secretari' ihr zugeschickt und noch am selben Tage dem Postmeister Gabriel von Tassis zu Innsbruck zur Uebermittelung

1 Almanach für Geschichte, Kunst und Literatur von Tirol und Vorarlberg.

Herausgegeben von A. Emmert. 1836. S. 103.

an den Kaiser von ihr übergeben worden. Der Postmeister, welcher auf das Schreiben des Kaisers aus Odenar über die Absendung des Buches befragt wurde, hatte versichert, dasselbe sofort an Se. Majestät befördert zu haben. Ueber die anderen Werke Treytz - Saurweins liegen zwei Schreiben vor, welche über deren Geschichte einiges Licht verbreiten, das eine vom Erzherzog Ferdinand an die Raitkammer zu Innsbruck, das andere von der Kammer an die fürstliche Durchlaucht. Erzherzog Ferdinand schreibt :

Getreuen lieben. Wir fuegen Euch zuwissen, das wir mit vnnserm Niderösterreichischen Canntzler, Marxen Treytsaurwein, souil gehanndlet, das Er sich gegen vnns verwilligt vnnd wir darauf mit Ime beschlossen, vnnsers lieben Herrn vnnd anherrn Kaiser Maximilians Histori vnnd geschichten in ein puech zubrinngen, daentgegen wir Ime zuegesagt, die zway puecher des weisen kunigs, so Er in leben Kaiser Maximilians auf Irer Mayestat beuelh auch dannen gericht, vnnd was darzue gehört, on verzug auf vnnsere Cossten zu seinen Hannden geen Wienn zueschickhen. Vnnd nachdem wir dieselben zway püecher des weisen kunigs, auch die gemäl vnnd schrifften, was darzue gehört, zu Ynnsprugg in dem klainen gewelbl, darein man durch vnnser Schlaf kamer geet, in ein vas einslagen haben lassen vnnd dasselbvas in demselben Gwelbl steet, empfelhn wir Euch darauf ernnstlichen, das. Ir dasselb vas vonstundan heraus nemet vnd gedachtem Treutsaurwein aufs allerfürderlichist auf vnnsere Cossten woluerwart geen Wienn zueschickhet vnd aigentlich bestellet, damit dasselb vas kainen schaden oder nachtail empfahe, auch nit aufgetan werde, auch dasselb vas mit einmachen vnnd in ander

wege

dermassen versorgen lasset, damit nichts daraus verruckht werden muge vnnd solhes alles mit allem vleis verordnet.

Verrer. Als weilenndt doctor Männdl, so zu Freyburg im Preussgew wonnhafft gewest, auch etlich puecher vnnd annder sachen hinder sein verlassen, die kayser Maximilian zugehört vnnd zu Irer Majestät Historipuech zu prauchen sein, Nun haben wir vnnserm Regiment zu Ennsisshaim geschriben, das Sy bey denen von Freyburg zu stundan souil bestellen, damit Sy dieselben puecher vnnd was darzue gehört, mit vleis ainmachen lassen vnnd euch on uerzug schickhen, so werdet Ir das fuerlon vnnd was darauf geet von vnnsern wegen

betzallen. Ist darauf abermals vnnser ernnstlicher beuelh, alspald Euch solh puecher zuegesenndt werden, das Ir die alsdann onuerzug gedachtem Treytsaurwein auch zueschickhet vnnd alles furlon darauf ausrichtet. Das ist vnnser ernnstliche mainung. Geben zu Augspurg am sechsten tag Marci anno etc. im sechsvnndzwainzigisten.

Zetula. Die zway puecher des weisen kunigs mit aller zuegehörung, wie solhs eingeschlagen ist, das schickht vonstundan dem Treytsaurwein geen Wyenn vnnd warttet damit nit auf doctor Männdleins puecher.'

Auf dieses, am 15. März in Innsbruck eingetroffene Schreiben erwidert die Raitkammer:

,Durchleuchtigister, grosmechtiger Furst, genedigister Herr. Vnns ist von Eur f. D. den verganngen monat Marci ain beuelh zuekomen, darynn vnns Eur f. D. beuilht, das wir weilent Eur f. D. Herrn vnnd anherrn kaiser Maximilians Hystori vnd geschichten, auch die zway puecher des weisen kunigs, so Eur f. D. Cannzler der niderösterreichischen Lannde, Herr Marx Treytzsaurwein, in leben Kayser Maximilians auf Ir Majestät beuelh dannen gericht, sambt den gemälden vnd schrifften vnd was darzue gehört, so hie zu Ynsprugg in dem klainen gewelbl, darein man durch Eur f. D. schlaf kamer geet, in einem eingeschlagnen vas steen, vonstundan dasselb vas heraus nemen vnd gedachtem Treytzsaurwein aufs allerfurderlichist geen Wienn schickhen vnd bestellen sollen, das wir also Eur f. D. zu vnndterteniger gehorsame volziehen wellen, aber so wir der ennden, wie obsteet, gesuecht, auch den Butschen in seiner zuekunfft gefragt, so kunden wir nichts finden.

So ist vnns auch noch bisher weder puecher noch ainich ander Hanndlung inhalt angezaigts Eur f. D. beuelhs von der Stat Freiburg, noch der Regierung zu Ennsishaim, darauf wir dann vnntzher gewart, nichts zuekomen. Das wir Eur f. D. hiemit in aller vndterthänigkait auch nicht haben wollen verhalten, vns derselben hiemit vnntertenigist beuelhen. Datum Ynnsprugg am XXVIII tag Aprillis. Anno etc. XXVto. Raitkamer.

Marx Treytz-Saurwein wurde nach dem Tode des Kaisers Maximilian von dessen erlauchten Enkeln, Karl V. und Ferdinand I., nicht blos bereitwilligst in deren Dienste übernommen, sondern auch von denselben mit dem gleichen Wohlwollen und mit derselben anerkennenden Zuneigung behandelt, deren sich der

kaiserliche Geheimschreiber von Seite seines früheren Herrn zu erfreuen hatte.

Im Jahre 1520 starb Wilhelm Wolfenreuter, welcher das Schloss Stüchsenstein pflegweise inne hatte, das gemäss Verschreibung nach seinem Tode an Marx Treytz-Saurwein fallen sollte. In der That übergab auch K. Karl V. die genannte Veste mittelst Urkunde ddo. Worms 28. November 1520 dem Treytz-Saurwein. Da wir guetlich angesehen vnd betracht nit allein die angezaigten vnsers rats vnd secretarien Marxen Treytzsawrweins redlichen, getrewen vnd fleissiche dienst weiland vnserm lieben herrn und anherrn von jugent auf getan, sonder auch solch sein getrew verdienen vnd gehorsam, darin er sich nach seiner lieb abgang bisher gegen vns vnd vnsern lieben brueder in vnsern sachen vnd geschefften gehalten vnd bewisen hat, noch teglichs thut vnd hinfur thun soll vnd mag, vnd haben im darumb mit guetem rat vnd wolbedechtlich zu ergetzlichkeit berurter dienst vnd zu seiner versehung das schloss Stutzenstain mitsambt dem bauhof, auch allen vnd yeglichen renten, gulten, fischwasser, fruchten, nutzen, einkhomen vnd allen zuegehorigen pflegweise eingeben vnd verschriben.“

Unterm gleichen Datum ernannte der Kaiser Marx TreytzSaurwein in Würdigung seiner um ihn, seinen Bruder und weiland K. Maximilian erworbenen Verdienste, ,vnd ime zu sonderen eren vnd genaden', zu seinem Rath und Secretär. Unter den durch diese Ernennung demselben erwachsenden Vortheilen wird auch der aufgezählt, dass er seine vnd seiner hausfraw bauweine nach Wien führen vnd dort ausschenken darf. 2

Um dieselbe Zeit war Marx Treytz-Saurwein in WienerNeustadt mit einem Bürger aus Wien, Hans Straub genannt, in einen nicht näher bezeichneten Streit gerathen, welcher ihm nicht mehr räthlich erscheinen liess, ohne kaiserlichen Schirmbrief nach Wien zu reisen, da er vor dem genannten Bürger und dessen Leuten sein Leben daselbst nicht mehr sicher wähnte. Er erwirkte daher von K. Karl V. einen Schirmbrief, welchen ihm derselbe gleichzeitig mit der Verschreibung des Schlosses Stüchsenstein und der Ernennung zum kaiserlichen Rath ausstellte, 3

1 Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien. 2 Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien. 3 Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien.

Das Jahr 1520 schloss für Marx Treytz-Saurwein noch mit einer besondern Auszeichnung, welche ihm von Seite des Kaisers zu Theil ward. Mittelst Schreiben ddo. Worms 14. December erhob ihn der Kaiser in den Adelstand. Ein Copialund Excerptenbuch des Haus-, Hof- und Staatsarchivs von Wien enthält hierüber folgende Notiz: „Ain adel vnd wappenbrief dem Marx Trawtsawrwein, so ime kay. maj. etc. auf den sitz zu Henigstorf, Erntreitz genant, gnädiglich verliehen, darauf kay. maj. ime vnd allen sein leibserben vnd derselben erbens erben fur vnd fur in ewigkhait den namen Erntreitz, sich davon zu schreiben vnd zu nennen, auch das wappen in dem stadt des adels zu furen vnd zu geprauchen confirmirt vnd bestät haben. 1 Seit dieser Zeit schrieb sich der Geadelte: Markus Treytz-Saurwein von Ehrentreitz. Das Prädicat Ehrentreytz ist offenbar nicht von einem Edelsitz dieses Namens entnommen worden, sondern lediglich durch eine Glorificirung des Geschlechtsnamens des Geheimschreibers, Treytz, entstanden und auf einen Sitz übertragen worden. Was nun die Stelle ,Henigstorf, Ehrentreitz genannt im angeführten Excerpte aus dem nicht mehr vorhandenen Adelsbrief anbelangt, weiss ich darüber keine Aufklärung zu geben, da ein Henigstorf hierlands nicht vorkommt, wohl aber entdeckte ich einen Edelsitz Ehrentreytz in der Heimath des Geheimschreibers selbst, nämlich im Dorfe Mühlau. Staffler erwähnt nämlich in seinem Werke ,Tirol und Vorarlberg etc. unter der Rubrik Gemeinde Mühlau eines Edelsitzes Ehrenreiz, von welchem er sagt, dass dessen frühere Besitzer die Dreiling, Wolkenstein (1621), dann die Schüstl und die Grafen Lodron gewesen seien. Bei den bereits vorliegenden Ergebnissen der Nachforschungen über Marx Treytz lag die Vermuthung nahe, dass der Ehrenreiz des Staffler der Ehrentreytz unseres Geheimschreibers sein dürfte. Eine Nachforschung in dem als Ehrenreiz bezeichneten Schlosse, jetzt Kuratwidum, machte die Vermuthung zur Gewissheit. Eine Notiz im dort liegenden Calendar der Gottesdienste stellt nämlich ausser Zweifel, dass dieser einstige Edelsitz der Ehren-Treytz ist und dass derselbe erst, nachdem

1 Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien. Karl V. 2. fol. 186. 2 Der Weiss-Kunig. Vorbericht.

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