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freigebigen Kaisers nachsagen, dass er vom Hofe des letzten Ritters nicht viel reicher geschieden wäre, als er demselben genaht. Auch Marx Treytz-Saurwein suchte keinen Schirm gegen den Regen kaiserlicher Gnaden und wenn auch der Platz unter der Traufe stets von den höher gestellten Hofherren besetzt war, so fiel doch manch schwerer Tropfen auf den trockenen Poeten.

Von diesen greifbaren Beweisen kaiserlicher Huld wissen selbst die wenigen darüber noch vorfindichen Urkunden vieles zu erzählen. Im Jahre 1501 befahl K. Maximilian, das ihm als Landesfürsten von der verstorbenen Frau des Balthasar Kessler heimgefallene Ilab und Gut seinem Kanzleischreiber zuzitstellen und einzantworten. Weitere Geschenke in dieser Form erhielt Marx Treytz-Saurwein im Jahre 1504, wo er mit Veronika von Welsperg, Christof Wulfing und Hanns Glöckl von K. Maximilian den halben Theil vom gesammten Hab und Gut des Christan Essmaister zugestellt erhielt und ein paar Jahre später, wo ihm und Kaspar von Maltitz von seinem hohen Gönner ein heimgefallener Zehent im Dorfe Ladis im Oberinnthal aus Gnaden verliehen wurde. Im Jahre 1506 schenkte K. Maximilian seinem Secretari' einen Antheil an dem Bergwerk in der Gruben zu St. Jörgen unter dem tiefen Stollen zu Schwaz, worüber er dem Beschenkten, welcher beim Brande zu Rotenmann die betreffende Schenkungsurkunde eingebüsst, einen anderen Brief ausstellte und die Raitkammer zu Innsbruck anwies, dem Secretär den erwähnten Bergwerksantheil mitsammt dem vorhandenen Erz zu übergeben.

Marx Treytz-Saurwein, welcher die Passion der damaligen vornehmen Herren und reichen Leute theilte und der lockenden Mode des Bergbanes huldigte, oder wie der Kaiser von ihm in einem Schreiben an die Kammer sagt, nicht blos , bisher mer Bergwerk paut', sondern auch „sunder neiging vnd begier hat hinfür zu pauen“, erhielt von seinem ihm stets gnädigen Herrn im Jahre 1508 einen neuen Bergwerksantheil zugedacht. Der Kaiser beauftragte nimlich mittelst Schreiben ddo. Ehingen 2. April die Kammer, die ihm gehörigen zwei Antheile am Bergwerke, im Schneeberg, die er Marx TreytzSaurwein geschenkt habe, demselben frei zuzustellen, damit er dester pass ander sein Perkwerch pauen müge'. Die Kammer hatte jedoch über diese Schenkung ihre eigene Ansicht

und verweigerte die Einantwortung der erwähnten Bergwerksantheile an Marx Treytz-Saurwein. ,Der Herren Regenten Rathschlag: Nihil', lautet lakonisch der Beschluss, welcher unter dem Schreiben Sr. Majestät verzeichnet steht. Die Fälle, wo die Kammer über die Befehle des Kaisers einfach zur Tagesordnung überging, sind übrigens nicht selten, wie es denn auch öfter vorgekommen ist, dass der Sernteiner oder der Herr von Liechtenstein mit ähnlichen Befehlschreiben des Kaisers privatim Weisungen an die Kammer ergehen liessen, die finanziellen Aufträge desselben unbeachtet zu lassen.

Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch erwähnen, dass Marx Treytz-Saurwein ein Bergwerk mit Schmelzhütte in Montafon besass (urkundlich 1505, 1509), in dessen Betrieb ihn der Kaiser unterstützte. Als ihm sein Geheimschreiber klagte, dass er dort etlich gehawen Arzt, auch geschmelzten vnd unge. schmelzten Zeug: habe, welcher aber „spissig und spör sey vnd ausserhalb ains Zusatz nit gearbeit noch geschmelzt werden müge', so befahl er dem Bergrichter zu Schwaz, für Marx Treytz-Saurwein ,sechzehn Star grob, klein und pruch Arz, durcheinander vermischt, wie dann solhs am perg getailt würdet, zu notdurfft desselben seins zeugs nach Montafon füren zu lassen.'

Ein weiteres kaiserliches Geschenk erhielt nach dem Jahre 1506 Marx T'reytz-Saurwein mit dem Schlosse Schneeberg im Thale Gschnitz, das der Kaiser 1506 zu Jagdzwecken neu herstellen und darin speciell für sich ein Stübl und Kammer, auch heimlichs gemach und vor dem Stübl ein Saal bauen liess. Nach einem im Jahre 1513 ausgestellten Verzichtbrief des Geheimschreibers auf dieses Schloss, das der Kaiser wieder an sich gebracht zu haben scheint, hat ihm dafür derselbe das Schloss Stüchsenstein in Niederösterreich (zwei Stunden von Neunkirchen) für den Fall des Ablebens des Wilhelm Wolfenreuter, der die genannte Veste pflegweise und auf lebenlang innehatte, verschrieben.

Im Jahre 1509 bewilligte der Kaiser seinem Secretär eine jährliche Provision von 100 fl. auf Lebensdauer. Das betreffende Schreiben des Kaisers, ddo. Yfan 27. Juli lantet mit Weglassung blosser Formalitäten wie folgt:

Wir Maximilian etc. bekennen offenlich mit diesem Brief für vns vnd vnser erben vnd thun kundt allermenigklich, daz

wir guetlich angesehen vnd betracht haben die getreuen redlichen vnd vleyssigen Dienste, so vns vnser getreuer lieber Marx treytzsawrwein vnser Secretari vns vnd dem Heyligen Römischen Reiche, auch vnsern Hewsern Oesterreich vnd Burgundi lange zeit vnd von Jugent auf in manig weg auf vnser gnad bewisen vnd gethan hat, vnd sein deshalb bewegt worden, Ine vmb solh sein lang getrew Redlich vnd vleyssig Dienste genedigelich zu belonen vnd mit sondern gnaden zu fursehen vnd haben darumb mit wolbedlachtem muete auch genedigem vnd guetn willen vnd aus vnser aignen Bewegnuss demselben vnserm Secretarien Marxn Treytzsawrwein vmb obgemelte seine dienst sein lebenlang jerlich vnd yegklichs jar besonder Hundert guldein Reinisch vnwiderruefliche prouision von vnd ab vnsrer Hawskamer zu Innsprugg zu raichen zu antwurten vnd volgen zu lassen'. ,Wir haben ime auch in sonderhait vmb seines getrewen, Redlichen vnd vleissigen verdienens willen zu merern gnaden versprochen dermassen, wo wir andern, so auch prouision von vnser bemelter Hauscamer haben, ir prouision aus vnsern notdurfften oder andern vrsachen, in was gestalt . die furuallen möchten, verhalten würden, dass doch nicht destmynder vnserm gedachten Secretarien Marxn Treytzsawrwein die obbemelten Hundert guldein rh. prouision gestracks vnd vnwiderrueflichen, auch on allen aufzug ynd aufschub geraicht, bezahlt vnd nit angestelt sein, noch werden sölle, sonder also bey diser gnad vnd vnser versehung, so wir Ime vmb sein obberuert lang, getrew, redlich vnd vleissig dienste gethan haben, on alle einrede beleiben'. (Folgen diesfalls die strengsten Weisungen an den gegenwärtigen und alle künftigen Hauskämmerer. Um aber dem Secretär seine Provision auf lebenlang noch sicherer zu stellen, verfügt der Kaiser weiter:) So haben Wir Ime in sonderhait zugesagt, ob wir oder vnser Erben oder nachkommen bemelt vnser Hawscamer zu Innsprugg aufheben vnd abthun vnd nit mehr halten wolten oder würden, daz alsdann dieselb prouision Ime sein lebenlang alle jar jerlich aus vnserm Salzmairambt zu Hall im Inthal on alle widerrede geraicht werde'.

Selbst auf die Verwandten des Marx Treytz dehnte sich das kaiserliche Wohlwollen aus. Wie bereits erwähnt, ernannte K. Maximilian Christof Treytz unter Anerkennung seiner Dienste, die er ihm lange Zeit her gethan, zum reitenden

Kammerboten in Innsbruck. Die Ernennung desselben führte der Kaiser sogar mit besonderem Nachdrucke aus, denn als er hörte, dass statt dem von ihm befingerzeigten Christof Treytz einem andern jene Stelle eingeräumt worden sei, befahl er, diesen zu entlassen und auf die nächstfreie Stelle zu vertrösten, dafür aber Christof Treytz sofort in das ihm zugedachte Amt einzusetzen. (Schreiben ddo. Trier 17. Mai 1505 und Brüssel 30. Mai.) Demselben hatte auch K. Maximilian auf sein bittliches Ansuchen sein Grundstück, das er nebst einem Zehent von seinem Vater geerbt, zu Gunsten des Büchsenhauses auf dem Gänsbichl, gegenwärtig Büchsenhausen, abgekauft. Ein anderer Treytz, Hanns, erhielt aber vom Kaiser das einträgliche Amt eines Zollners in Zirl. (Schreiben ddo. Innsbruck 24. Dec. 1510.)

Ob die um diese Zeit urkundlich erscheinenden Saurwein zu den Verwandten des kaiserlichen Secretärs gehören, lässt sich nicht ermitteln, nur von einem Saurwein, Kaspar Saurwein in Kematen (bei Innsbruck) ist dies gewiss, da ihn Marx Treytz-Saurwein selbst seinen Vetter nennt. Von Ulrich Saurwein in Hlaurling, dem K. Maximilian 1507. das Recht des Fischens im Innstrom zum Hausbedarf bewilligte, scheint diese Verwandtschaft wenigstens sehr wahrscheinlich, da er in einer Rechtsurkunde gleichzeitig mit Marxens Vetter von Kematen genannt wird. Einen Gebhart Saurwein ernannte der Kaiser mittelst Schreiben ddo. Innsbruck 20. April 1510 zum obersten Holzmeister in den Herrschaften Rattenberg, Kufstein und Kitzbichl, welche Stelle derselbe urkundlich bis 1534 einnahm.

Der oben erwähnte Kaspar Saurwein, der ausgesprochene Vetter des Marx Treytz-Saurwein, besass in Kematen einen Hof, welchen er 1505 an Lambrecht Spitzenstein verkaufte, worüber dann zwischen dem Käufer und Marx Treytz-Saurwein ein Streit entstand, indem letzterer das Recht des Wiederkaufes geltend machte, ersterer aber den Hof nicht mehr herausgeben wollte. Der Kaiser hatte seinem Secretär zur Ablösung des Hofes 1000 Gulden zu leihen zugesagt und den Verwaltern und Räthen der Raitkammer zu Innsbruck auch den Auftrag gegeben, das Geld an Marx Treytz-Saurweins Vetter, Conrad Waldner, Richter auf Seefeld und Ulrich Saurwein von Flaurling gegen Quittung und gegen Verschreibung des Secretärs auszufolgen; dieselben hätten von Marx Treytz - Saurwein

,Befehl, an seiner Statt und in seinem Namen den gedachten Hof von Stund an zu lösen'. Marxens Verschreibung soll aber in duplo ausgestellt, durch Marxen und Conrad Seusenhofer gesiegelt und die eine in Handen des Hauskämmerers bleiben, die andere aber zu Handen des Domprobsts zu Augsburg auf der Post geschickt werden. (Schreiben des Kaisers ddo. Wien, 10. Februar 1506.)

Wie dieser Process endete, ist nicht bekannt, für uns ist die aus den wenigen darüber erhaltenen Urkunden bekannt gewordene Verwandtschaft des kaiserlichen Geheimschreibers mit den Saurwein deshalb von Bedeutung, weil sie uns die muthmassliche Quelle aufdeckt, aus welcher Marx Treytz seinen Beinamen Saurwein geschöpft hat.

Die Saurwein, noch gegenwärtig ein weitverzweigtes Ge. schlecht, scheinen ihren Hauptsitz in Flaurling gehabt zu haben, welches Dorf im Oberinnthale liegt und ein landesfürstliches Lustschloss besass. Der bereits erwähnte Ulrich Saurwein, welchem K. Maximilian ein Fischereirecht bewilligte, behauptete wenigstens, dass seine Familie ,von Alters her dieses Recht daselbst ausgeübt hätte.

Im Jahre 1511 finden wir Marx Treytz-Saurwein in den traurigsten Verhältnissen in seiner Heimath Mühlau. Er schildert diese seine Lage in einem Briefe an den Canzler Cyprian von Serntein vom 30. Juli des genannten Jahres. Darnach hatte ihn bereits 1510 eine böse Krankheit ergriffen und ihn yan leib vnd guet verderbt'. Seine Güter, klagt er, seien ,schier alle versetzt“, er habe gar nichts mer und es fehle ihm ,daheim' ganz und gar am Unterhalt. Auf den ihm vom Canzler eröffneten Antrag des Kaisers, der ihn ,dieweil er also mit Krankheit beladen sei, von llaus aus bestellen' wollte, erwidert Treytz-Saurwein, er habe sich die Sache überlegt und gefunden, dass er diese ,Bestellungs nicht annehmen könne, da er kein Haushaben habe und ein solches auch aus Mangel an Mitteln nicht einrichten könne, er möchte aber nach Wien ziehen und daselbst ein Jahr bleiben. Der Kaiser möge ihm deshalb die zweihundert Gulden auf ein Jahr bei dem Vitzthumb zu Wien anweisen; genese er in diesem Jahre, so möge ihn Se. Majestät nach ihrem Gefallen wieder gebrauchen, würde er aber binnen dieser Zeit von seiner Krankheit nicht befreit, so wolle er sich in die traurige Lage schicken und

Archiv. Bd. XLVIII, II. Hälfte.

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