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Mann dazu, um diesen Zweck zu erreichen, ein Mann, der mit den Waffen der Wissenschaft jenen Angriffen Widerstand leisten konnte. War nicht dieser Mann Ileinrich von Klingenberg, war er nicht zugleich der anhänglichste Freund des Hauses Habsburg, und widmete er nicht gerne seine Kräfte dieser Aufgabe? Die Acten standen ihm zu Gebote, und die Fähigkeit besass er, die Aufgabe zu lösen. Er hat sie gelöst.

Nun noch einige Worte über die Form des Werkes. Um den genealogischen Auseinandersetzungen Leben und Gestalt zu geben, mochte er dort, wo eine Erzählung einzuschieben kaum möglich war, die rhythmische Form gewählt haben. Auch dazu war er befähigt. Denn mag es nun mit seinen Dichtungen sich so oder anders verhalten, dass er sich mit dieser Kunst beschäftigt, ist erwiesen, und lateinische Verse werden einem gut gesinnten Dichter um so weniger ferne stehen, als es gerade damals gebräuchlich war, Chroniken mit rhythmischen Stellen zu schmücken, weshalb so manche Chronik geradezu versificirt wurde.

So wären auch diese Zweifel gehoben und es ist vielleicht erlaubt noch eine nicht ganz unbedeutende Thatsache zu erwähnen, welche ebenfalls für die Abfassung der verlorengegangenen Chronik durch Heinrich von Klingenberg spräche. Aus unserer biographischen Skizze ersieht man, dass er in den ersten Jahren der Regierung Rudolfs ganz und gar im Hintergrunde ist. Wenn nun Heinrich von Klingenberg schon mit der Gründung der Canzlei in dieselbe eingetreten, und gleich in der ersten Zeit darin thätig gewesen war, so ist damit in vollem Einklang, dass er bereits in dem ersten Jahrzehnte des Königthums Rudolfs an die Abfassung eines Werkes herantrat, welches einerseits eine derartige Stellung, wie die seine vorausgesetzt, anderseits die Tendenz vertrat, dass das Haus Habsburg einzig würdig wäre, den alten Kaisergeschlechtern zu folgen. Aber es mag auch umgekehrt dieses Werk wiederum dazu beigetragen haben, Heinrich in seiner Laufbahn wesentlich zu fördern. Daher seine anfängliche Zurückgezogenheit und hernach seine hervorragende Stellung. So ist dieser Umstand zugleich ein Grund, die Annahme, dass der Eingang der fraglichen Chronik um diese Zeit abgefasst worden wäre, zu erhärten.

Fassen wir noch einmal alle Momente zusammen, die unverkennbare Uebereinstimmung so verschiedenartiger Quellen

in einem Berichte, die eigenthümliche Entstehung dieser Chroniken, die erhaltenen Ueberreste alter Aufzeichnungen, die dazu gehörige Zeitbestimmung, die bestimmten Angaben späterer Forscher und die entgegenstehenden Einwürfe, so werden wir in der Voraussetzung, dass die historia comitum Habsburgensium des Heinrich von Klingenberg wirklich existirt habe, keine blosse Hypothese sehen können, wenn wir auch nur um Weniges an das Gesuchte heran gerückt sind.

Hiermit beschliessen wir diese Bemerkungen über eine Quelle der Geschichte des Hauses Habsburg, die bis auf König Rudolf und seine Regierung reichte, die, wenn auch jetzt nur in allgemeinen Umrissen charakterisirt, dennoch für die Kritik von nicht unerheblichem Werthe ist, und eine praktische Bedeutung erhält, sobald neues Material in ähnlicher Verwendung dem angestrebten Ziele uns näher bringt.

ÜBER

MARX TREYTZ-SAURWEIN.

GEHEIMSCHREIBER K. MAXIMILIANS I., DESSEN HEIMATH UND

FAMILIE.

VON

DR. D. SCHÖNHERR

IN INNSBRUCK.

Marx Treytz-Saurwein, der Sohn eines schlichten Flarnischschlägers von Mühlau bei Innsbruck, durch sein Talent dem Kaiser Maximilian empfohlen und in dessen Schule von Jugend an für sein künftiges Amt herangebildet, diente als Geheimschreiber und literarischer Amanuensis in Treue und Anhänglichkeit seinem stets gnädigen und dankbaren Herrn bis zu dessen Tode, lich dann seine weiteren, auch von K. Karl V. anerkannten und belohnten Dienste Maximilians Enkel, Ferdinand I., bis zum Jahre 1927, in welchem er als niederösterreichischer Canzler zu Wiener Neustadt gestorben ist.

Das ist kurz die Biographie des Mannes, welcher seinen nahen Beziehungen zum Kaiser und dessen literarischen Bestrebungen seine Berühmtheit verdankt und über welchen im Nachstehenden alles das, was sich urkundlich über ihn finden liess, mitgetheilt werden soll. Die Forschung stützt sich beinahe ausschliesslich auf das urkundliche Material des k. k. Statthalterei-Archives zu Innsbruck !, anf welches ich hier in Allgemeinen verweise, die wenigen sonst benützten Quellen werden an betreffender Stelle angeführt.

Der ursprüngliche Name des berühmten Geheinschreibers ist Marx Markus) Treytz. Noch 1513 nennt ihn so die Raitkammer zu Innsbruck in einem Schreiben an den Kaiser, obwohl er schon seit 1301, wo ich ihn zum erstenmale urkundlich finde, den Beinamen Saurwein führte und sich TreytzSaurwein unterzeichnete.

Die Treytz sind auch ohne den kaiserlichen Secretari' kein unberühmtes Geschlecht. Ilaben Marxens Väter und Brü

' In den Abtheilungen: Schatzarchiv, Maximiliana XIII. 312, Copialbücher

1501-15.29, Raitbücher 1466—1567,

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