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ÜBER

MARX TREYTZ-SAURWEIN,

GEHEIMSCHREIBER K. MAXIMILIANS I., DESSEN HEIMATH UND

FAMILIE.

VON

DR. D. SCHÖNHERR

IN INNSBRUCK.

Marx Treytz-Saurwein, der Sohn eines schlichten Har

nischschlägers von Mühlau bei Innsbruck, durch sein Talent dem Kaiser Maximilian empfohlen und in dessen Schule von Jugend an für sein künftiges Amt herangebildet, diente als Geheimschreiber und literarischer Amanuensis in Treue und Anhänglichkeit seinem stets gnädigen und dankbaren Herrn bis zu dessen Tode, lich dann seine weiteren, auch von K. Karl V. anerkannten und belohnten Dienste Maximilians Enkel, Ferdinand I., bis zum Jahre 1527, in welchem er als niederösterreichischer Canzler zu Wiener-Neustadt gestorben ist.

Das ist kurz die Biographie des Mannes, welcher seinen nahen Beziehungen zum Kaiser und dessen literarischen Bestrebungen seine Berühmtheit verdankt und über welchen im Nachstehenden alles das, was sich urkundlich über ihn finden liess, mitgetheilt werden soll. Die Forschung stützt sich beinahe ausschliesslich auf das urkundliche Material des k. k. Statthalterei-Archives zu Innsbruck, auf welches ich hier im Allgemeinen verweise, die wenigen sonst benützten Quellen werden an betreffender Stelle angeführt.

Der ursprüngliche Name des berühmten Geheimschreibers ist Marx (Markus) Treytz. Noch 1513 nennt ihn so die Raitkammer zu Innsbruck in einem Schreiben an den Kaiser, obwohl er schon seit 1501, wo ich ihn zum erstenmale urkundlich finde, den Beinamen Saurwein führte und sich TreytzSaurwein unterzeichnete.

Die Treytz sind auch ohne den kaiserlichen Secretari kein unberühmtes Geschlecht. Haben Marxens Väter und Brü

1 In den Abtheilungen: Schatzarchiv, Maximiliana XIII. 342, Copialbücher 1501-1529, Raitbücher 1466-1567.

der auch keines edlen Ritters Thaten und Abenteuer besungen, so haben sie doch manchen Tapferen zu seinen Unternehmungen gerüstet, denn alle älteren bekannten Treytz sind Harnischschläger oder Plattner gewesen. Der Geheimschreiber erwähnt selbst dieser seiner verwandtschaftlichen Beziehung zu den Plattnern Treytz, indem er im, Weiss-Kunig erzählt: Es sein ettlich personnen aus dem geschlecht Treizsaurbein gewesen, die haben mit dem Harnasch dermassen ain hert kundt, das man mit kainem armprust dardurch schiessen hat mugen.'1

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Als die Heimath der Familie Treytz, deren berühmtester Sprössling der kaiserliche Geheimschreiber ist, kann das schlichte Dorf Mühlau bei Innsbruck sich rühmen. Den Beweis, dass die Wiege des Treytz-Saurwein an den Mühlen gestanden, von denen das heutige Mühlau seinen Namen erhalten, sowie die Bestätigung, dass der kaiserliche Geheimschreiber der Familie Treytz angehöre, liefert uns ein von Marx Treytz geschriebener und unterzeichneter Schuldschein ddo. 28. October 1515. In dieser Urkunde, in welcher Marx Treytz-Saurwein und Adrian Treytz bestätigen, aus der landesfürstlichen Kammer vierzig Gulden zum Baue der St. Leonhardskirche in Mulein erhalten zu haben und versprechen, die genannte Summe zu bestimmter Zeit zurückzuzahlen, kommen folgende Stellen vor: ,Wir nachbenannt Marx Treytz-Saurwein, remischer kuniglicher Majestat sekretari vnd Adrian Treytz von Mullein bekennen' dann: ,vnd versprechen wir bede Marx vnd Adrian'

Aus diesen Stellen ergibt sich nun nicht blos, dass Marx und Adrian von Mulein waren, sondern auch in verwandtschaftlicher Beziehung zu einander standen. Dieser Annahme widerspricht der Zuname Saurwein um so weniger, als wie oben bereits erwähnt, der kaiserliche Secretär von der landesfürstlichen Kammer einfach Marx Treytz genannt wird. Zu erwähnen wäre noch, dass die Schuldurkunde von Adrian Treytz mit seinem Petschaft, Schild mit einem dreiblätterigen Zweig, gesiegelt ist, während, wie schon bemerkt, Marx Treytz dieselbe geschrieben und unterfertigt hat.

Hätten uns Marx und Adrian nicht selbst ihren Heimathsort verrathen, indem sie sich als von Mullein' bezeichnen, so würde schon das Interesse, welches sie an dem Bau der

1 Der Weiss-Kunig etc. Wien 1775, S. 98.

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Kirche dieses Ortes nehmen, darauf hindeuten. Indess waren nicht blos die beiden Genannten von Mullein, sondern es war da die ganze Familie Treytz urkundlich durch Jahrzehnte schon sesshaft.

Mühlau, urkundlich zu den Mulen', ‚Hulen', ‚Mulan' und Mullein', vom Volke noch gegenwärtig Mühlen genannt, verdankt Ursprung und Namen den durch die lockende Wasserkraft des rauschenden Baches veranlassten Mühlenbauten, neben denen bald auch landesfürstliche Hammerschmieden und s. g. ,Paliermühlen auftauchen, in denen die Meister und Gesellen des Plattnerhandwerks das Eisen zum Harnisch schmiedeten und dem ritterlichen Gewande auch den entsprechenden Schliff gaben. Im Jahre 1466, aus welchem mir bisher die ältesten Urkunden über die Plattnerei in Mühlau vorliegen, war dieselbe bereits in solcher Blüthe, dass ihr Beginn wohl in eine viel frühere Zeit gesetzt werden kann. Im genannten Jahre erschienen bereits als Plattner von Mulein: Meister Jörg, Panzermacher, Hans Veyl, Harnischmeister, Christan, Harnischmeister, Jörg Grems, Harnischmeister, Caspar, Harnischmeister, Hans Vetterlein, Meister Conraden Sun, Caspar und Christan, Plattner, Pankraz, Harnischmeister.

Im Jahre 1469 erscheinen in Mühlau urkundlich die ersten Treytz, nämlich Jörg Treytz und weiland sein Vater Conrad, Harnischmeister. Die Kunst der Mühlauer Plattner muss auch bereits auswärts einen nicht unbedeutenden Ruf gehabt haben, da sie zur selben Zeit Harnische für dem König von Neapel verfertigten. Ein Trinkgeld von zwanzig Dukaten, welche dafür den Harnischmeistern von Mulan' ausbezahlt wurden, ist ein glänzender Beweis für die Zufriedenheit des Bestellers. Der,erbare und weise Meister Jörg Treytz, Plattner, urkundet 1469 und 1500 auch als Bürger von Innsbruck, wo er in der Nähe des Büchsenhauses Grundstücke besass und die Erziehung eines Kindes seines genedigen Herrn' (Erzherzogs Sigmund) übernommen hatte, wofür er von dem landesfürstlichen Kammermeister 1473 fünf Mark Berner ausbezahlt erhielt. In seinem Wappen führte Jörg Treytz ein Hufeisen mit einem Nagel in der Mitte. Jörg Treytz erscheint ferner urkundlich 1474, 1475, 1477, 1478, 1479, 1482, 1488.

Von den übrigen Mitgliedern der Familie Treytz erscheinen urkundlich noch folgende:

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