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er dessen Zeuge und nicht nur in Privat-Angelegenheiten, sondern auch in den Angelegenheiten des Reiches zeigte er sich als treuer Diener seines Herrn.

Zur Belohnung für seine Verdienste erhielt er von Albrecht die Abtei Reichenau, die damals durch das Ableben Alberts von Ramstein vacant wurde, und die er auch als Gubernator1 in den Bereich seines Wirkungskreises zog. Obschon dadurch seine Geschäfte sich häuften, so widmete er dessen ungeachtet seine Thätigkeit auch weiterhin Albrecht. Auf dem Reichstage von Nürnberg, woselbst der neugekrönte König umgeben von den drei Erzkanzlern seines Reiches, feierlich Hof hielt, die weltlichen Kurfürsten: Brandenburg als Kämmerer, Sachsen als Marschalk, der Pfalzgraf als Truchsess ihre Aemter persönlich verwalteten und der König von Böhmen gekrönt den Becher überreichte, war auch Heinrich von Klingenberg zugegen, nahm an allen Geschäften Antheil. Welches Ansehen er genoss, beweist die Anecdote, die an diese Begebenheit anknüpft. Bei der Hoftafel sei Heinrich unmittelbar unterhalb des Königes gesessen und wäre von den Kurfürstenwohl den weltlichen, da der Mainzer ausdrücklich ausgenommen wird bedient worden. 2 Dass Albrecht eine so gefährliche Auszeichnung seinem Günstling nie zugedacht, bedarf erst keines Beweises. Aber genug, dass man so etwas ersinnen konnte, beweist hinlänglich, dass dieser in grossem Ansehen bei Mit- und Nachwelt stand. Nach dem Nürnberger Reichstage zog Albrecht in die oberen Lande, wohin ihn der Bischof von Constanz geleitete. Sowohl als Zeuge, als auch als Intervenient fungirt er in den zahlreichen Urkunden Albrechts, dessen Minister um uns eines modernen Wortes zu bedienen er gewesen. Wir übergehen die Theilnahme Heinrichs bei der Wahl des Bischofs Friedrich von Strassburg und gehen zu jener Thätigkeit über, die gleich wichtig für Albrechts Stellung, als für die Entwickelung der Reichsverhältnisse war.

König Philipp IV. von Frankreich hatte im flandrischen Kriege die Grenzen des deutschen Reiches überschritten; dafür

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Es wird ihm als ein Zeichen von Bescheidenheit angerechnet, dass er sich nur Gubernator und nicht Abbas nennt. Vgl. Urkunde 16. Juni 1303 bei Neugart a. a. O. S. 676.

2 Manlius Chron. Const, a. a. O. 751.

Genugthuung zu verlangen, ward von König Albrecht der Bischof Heinrich von Constanz mit seinem Bruder dem Ritter Ulrich von Klingenberg nach Frankreich abgeordnet.1 Philipp zeigte sich auf die Kunde von Albrechts Sieg gesonnen, den Antrag des neuen Königs, mit dem französischen Herrscherhause ein Verwandtschaftsbündniss einzugehen, bereitwilligst entgegenzunehmen, und hatte auch zu endlicher Verabredung Zeit und Ort für den Zusammentritt der Bevollmächtigten bezeichnet. 2 Da sandte Albrecht nun abermals die beiden Brüder ab und gesellte zu ihnen den Hofcanzler Eberhard von Stein, dem das Königssiegel mitgegeben wurde. Die Verabredungen fanden statt, der Tag von Toul folgte nach. Wir wissen, wie jener Tag zu dem Zerwürfnisse Albrechts mit den 3 geistlichen Kurfürsten, aber zugleich auch zur Verlobung Rudolfs des ältesten Sohnes mit der französischen Königstochter Blanka führte; und wir können mit Recht aus der Anwesenheit des Constanzer Bischofes und seiner Gebrüder, welche die Vertragsurkunden mitbesiegeln, schliessen, dass der treue Rathgeber auch diesmal Albrecht in der gewohnten Weise zur Seite gestanden.

Wie er dem Könige in treuer Anhänglichkeit diente, so folgte er ihm zu Hof und zu Feld. So ist er, um nur noch einige Daten anzuführen, am 18. October 1298 im Lager im Sundgau, am 17. October 1300 zu Mainz, und vom 13. December 1303 bis 22. Jänner 1304 in Wien nachweisbar.

Hierauf zog er sich nach Constanz zurück und beschränkte sich auf die Verwaltung seines Bisthums, 3 dem er aber nur mehr etwas über zwei Jahre vorstand. In den ersten Tagen des Septembers 1306 erkrankte er, und starb am 12. September, nachdem ihm am 22. September des Vorjahres seine Mutter Wilburgis vorangegangen war.

1 Reimchronik c. 694.

2 Archiv für Kunde österreich. Geschichtsquellen II. p. 276: apud novum Castrum die XV. instantis mensis Septembris.

3 Wir haben uns die politische Thätigkeit Klingenbergs zu charakterisiren zur Aufgabe gestellt, und müssen deshalb die letzten Lebensjahre Klingenbergs übergehen.

Kalendar. Necrologium Const. Böhmer font. IV 134 II: id sept. venerabilis pater H(einricus) de Klingenberg natus ep. Const. 1306. Archiv. Bd. XLVIII. II. Hälfte.

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Wenn wir von allen Conjecturen über die Bedeutung und Stellung Heinrichs von Klingenberg absehen, so ergeben schon die angeführten Daten, dass Klingenberg sowohl eine derartige Stellung einnahm, als auch die Kenntnisse besass, welche eine genaue Geschichte des Hauses Habsburg erheischten. Zu einer solchen Arbeit war er also geschaffen.

Nun könnte man mit Recht den Einwurf machen: wie kann ein Mann mit derartigen Kenntnissen im Besitze so vorzüglicher Quellen, bestrebt durch eine genealogische Geschichte das Haus Habsburg zu verherrlichen an das Märchen von der römischen Abkunft glauben, oder wohl gar eine solche Fabel erdichten? Und doch wurde seinem Werke der Ursprung dieser Nachricht zugewiesen. So gerecht dieser Einwand auch scheinen mag, so ist er dennoch ganz und gar nichtig, wenn wir Zeit und Verhältnisse noch einmal kurz ins Auge fassen. Denken wir nur an die häufigen Vorstellungen der Gesandten Ottokars an den Papst, als sei Rudolf ein armer Graf, und endlich an jenen Brief des böhmischen Königs selbst, in welchem er dem Papste gegenüber in Hochmuth über die Wahl Rudolfs sich auslässt: Principes Alemannie, quibus potestas est caesaris eligendi concorditer in quendam Comitem minus ydoneum ... . euidenter vota direxerunt . . . . Imperium, a quo mundus contremuit universus nunc illis contigit personis quas fame recondit obscuritas, quae virium destituuntur potentia penuriose gravantur sarcina paupertatis. Und wir sehen, dass eine gewisse Verachtung des Hauses von Seiten der Gegner um sich griff, nicht zum Frommen des königlichen Ansehens. Wenn wir also diese officiellen Aeusserungen über Rudolfs Wahl erwägen, so müssen wir es nicht nur begreiflich, sondern auch gerechtfertigt finden, dass nun die Partei der Habsburger ihrerseits alle Mittel aufbot, um den von ihr erhobenen König aufrecht zu erhalten, seinen Namen zu verherrlichen und seine Macht zu stärken. Als Antwort auf die Herabsetzung ging aus Rudolfs Canzlei die Geschichte des Hauses Habsburg hervor; als Antwort auf die Verspottung des armen Geschlechtes wurden die Stammsagen in die Welt gesandt und deshalb die Abkunft von den Römern erfunden und verbreitet. Allerdings gehörte ein intelligenter

1 Dolliner. Cod. epist. S. 16--18.

Mann dazu, um diesen Zweck zu erreichen, ein Mann, der mit den Waffen der Wissenschaft jenen Angriffen Widerstand leisten konnte. War nicht dieser Mann Heinrich von Klingenberg, war er nicht zugleich der anhänglichste Freund des Hauses Habsburg, und widmete er nicht gerne seine Kräfte dieser Aufgabe? Die Acten standen ihm zu Gebote, und die Fähigkeit besass er, die Aufgabe zu lösen. Er hat sie gelöst.

Nun noch einige Worte über die Form des Werkes. Um den genealogischen Auseinandersetzungen Leben und Gestalt zu geben, mochte er dort, wo eine Erzählung einzuschieben kaum möglich war, die rhythmische Form gewählt haben. Auch dazu war er befähigt. Denn mag es nun mit seinen Dichtungen sich so oder anders verhalten, dass er sich mit dieser Kunst beschäftigt, ist erwiesen, und lateinische Verse werden einem gut gesinnten Dichter um so weniger ferne stehen, als es gerade damals gebräuchlich war, Chroniken mit rhythmischen. Stellen zu schmücken, weshalb so manche Chronik geradezu versificirt wurde.

So wären auch diese Zweifel gehoben und es ist vielleicht erlaubt noch eine nicht ganz unbedeutende Thatsache zu erwähnen, welche ebenfalls für die Abfassung der verlorengegangenen Chronik durch Heinrich von Klingenberg spräche. Aus unserer biographischen Skizze ersieht man, dass er in den ersten Jahren der Regierung Rudolfs ganz und gar im Hintergrunde ist. Wenn nun Heinrich von Klingenberg schon mit der Gründung der Canzlei in dieselbe eingetreten, und gleich in der ersten Zeit darin thätig gewesen war, so ist damit in vollem Einklang, dass er bereits in dem ersten Jahrzehnte des Königthums Rudolfs an die Abfassung eines Werkes herantrat, welches einerseits eine derartige Stellung, wie die seine vorausgesetzt, anderseits die Tendenz vertrat, dass das Haus Habsburg einzig würdig wäre, den alten Kaisergeschlechtern zu folgen. Aber es mag auch umgekehrt dieses Werk wiederum dazu beigetragen haben, Heinrich in seiner Laufbahn wesentlich zu fördern. Daher seine anfängliche Zurückgezogenheit und hernach seine hervorragende Stellung. So ist dieser Umstand zugleich ein Grund, die Annahme, dass der Eingang der fraglichen Chronik um diese Zeit abgefasst worden wäre, zu erhärten.

Fassen wir noch einmal alle Momente zusammen, die unverkennbare Uebereinstimmung so verschiedenartiger Quellen

in einem Berichte, die eigenthümliche Entstehung dieser Chroniken, die erhaltenen Ueberreste alter Aufzeichnungen, die dazu gehörige Zeitbestimmung, die bestimmten Angaben späterer Forscher und die entgegenstehenden Einwürfe, so werden wir in der Voraussetzung, dass die historia comitum Habsburgensium des Heinrich von Klingenberg wirklich existirt habe, keine blosse Hypothese sehen können, wenn wir auch nur um Weniges an das Gesuchte heran gerückt sind.

Hiermit beschliessen wir diese Bemerkungen über eine Quelle der Geschichte des Hauses Habsburg, die bis auf König Rudolf und seine Regierung reichte, die, wenn auch jetzt nur in allgemeinen Umrissen charakterisirt, dennoch für die Kritik von nicht unerheblichem Werthe ist, und eine praktische Bedeutung erhält, sobald neues Material in ähnlicher Verwendung dem angestrebten Ziele uns näher bringt.

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