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Herwartstein in der Zeit, als Rudolf die Ruhestörer unterworfen hat, oder wird er im folgenden Jahre an den Papst Nicolaus IV. gesandt wegen der Bestimmung der Zeit zum Empfang der Kaiserkrone, so sind nun diese kurzen Angaben genügend, um zu ersehen, nicht nur welches Vertrauen der König ihm schenkte, sondern wie sehr er auch in den Angelegenheiten des Reiches an Einfluss gewann. In derselben Zeit erscheint er als Probst von Xanten.

Er begleitete hierauf Rudolf auf den Tag zu Erfurt, woselbst er auch den Verhandlungen beiwohnte. Nicht aus Zufall ist er hier thätig, sondern als oberster Schreiber. Als solcher nimmt er an den politischen Vorgängen den regsten Antheil und beeinflusst sie auch. Hat Rudolf's Regierung in dieser Zeit ihren Höhestand erreicht, dann hat Heinrich von Klingenberg sich auch Verdienste darum erworben; jedenfalls hat er sich als ein politischer, gewandter Staatsmann gezeigt. So war in ihm dem kurfürstlichen Regimente ein gefährlicher Gegner erwachsen. Das erkannte der Erzbischof Gerhard von Mainz, der Vertreter der neueren politischen Strömung in Deutschland und feindete daher den Rivalen an. Nicht persönliche Disharmonie, sondern Principienstreit erklärt die Spannung dieser beiden Männer. Bestand auch, so lange Rudolf lebte, zwischen diesen beiden Männern ein persönlicher Verkehr, wie ihn der Tag von Erfurt voraussetzt, so betrachteten sie dennoch einander argwöhnisch in Worten und Thaten. Als daher Gerhard nach Rudolfs Tode an die Wahl eines Königs schritt, als ihm bei der Neuwahl vor allem darum zu thun war, die Würde und Machtstellung in der von ihm angestrebten Weise zu begründen, so war damit im Zusammenhang das Streben, den Mann von der Regierung auszuschliessen, dessen Tendenzen den seinen ganz und gar zuwiderliefen. Deshalb liess er den neuen König urkundlich geloben, weder den bisherigen Canzler Heinrich von Klingenberg noch den Ritter Ulrich von Hanau zu seinen Räthen oder überhaupt zu seinem Hofgesinde anzunehmen, noch sie zu begünstigen, vielmehr gegen sie dem Erzbischofe erforderlichen Beistand zu leisten.2 Heinrich von Klingenberg war damals Propst von Aachen und gerade an

1 Raynald annal. eccles. 1289 n. 46. 47.

2 Böhmer Reg. Ad. 17 und 18 am 7. Juli 1272.

demselben Tage, an welchem König Adolf, dem Mainzer Erzbischofe dieses Angelöbniss machen musste, Zeuge des Königs für Aachen. Diese Stellung, welche Klingenberg der neuen Regierung und dem Könige Adolf gegenüber einnahm, war aber keineswegs derart, dass diesem jede weitere Einflussnahme auf die Verhältnisse seiner Heimat entzogen gewesen wäre. Es konnten sich die Bestrebungen des neuen Regimentes nicht auch über jene Localverhältnisse erstrecken, welche der königlichen Regierung nicht unmittelbar unterstanden. Hier war für Klingenberg freilich ein beschränktes aber dennoch ein hinreichendes Feld, um für seine Ideen, für die Interessen des von ihm hochgehaltenen Hauses Habsburg unaufhörlich arbeiten und förderlich wirken zu können. Und wenn sich hier Heinrich von Klingenberg mit König Adolf begegnete, wenn dieser dann den Rath jenes befolgte, so gibt dies ebensowenig Anlass zum Verwundern, als dass Adolf ihn nach dem Tode des Constanzer Bischofs Rudolf von Habsburg an dieses Hochstift beförderte, welche Wahl sogar der Erzbischof von Mainz billigte, der ihn selbst consecrirte. Dies alles erklärt sich leicht aus den Verhältnissen der oberen Lande, und aus der Stellung, die Heinrich von Klingenberg in Constanz einnahm.

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Ueber die Wahl Heinrichs zum Bischof von Constanz ist uns keine urkundlich beglaubigte Nachricht erhalten. Es lässt sich daher nicht sicher stellen, ob die Nachricht, welche einige Constanzer Schriftsteller bringen, dass er in Zwiespalt gewählt worden, sein Rivale aber Friedrich Graf von Zollern Domherr zu Augsburg nach wenigen Monaten zurückgetreten sei, Glauben verdient oder nicht. 3

Jedenfalls wurde diese Doppelwahl nicht lange aufrecht erhalten: Heinrich von Klingenberg war bereits vor August 1293 consecrirt, denn am 6 August urkundet er schon zu Zürch als dei gratia Constantiensis episcopus.1 Dass seine Wahl einstimmig zu Zürch Anklang fand, geht aus einem Liede Hadlaubs hervor, das jedenfalls seinem Gehalte und Tone nach

1 Böhmer Acta. Imp. 488.

2 Kopp. Gesch. d. eidgenöss. Bünde. II a. 102 n. 3 u. 103 n. 1.

3 Neugart a. a. O. S. 479 meint, dass Friedrich von Zollern, da er nie dem Domherincollegium zu Constanz angehörte, in der Minorität geblieben sei. 4 Vgl. Neugart ibid.

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wohl kurz nach der Wahl abgefasst sein muss; es preist eben Heinrich von Klingenberg in Verbindung mit dem Lobe der Herren, welche ihn erwählt haben.

Die hier zu citirende Stelle lautet:

Wol uns, daz der Klingenberger vürste ie wart!

die rehten vart

die vuoren si

Dien ze herren walten: er kan wise unt wort

der sinne hort

der wont im bi

Sin helfe, sin rat, sin kunst sint endelich

des wisen habten sin ze herren ger

des heizet er

bischof Heinrich

Besonders ist hier sein Sinn für Kunst hervorgehoben und in der That lässt sich derselbe nicht läugnen, wie er denn eben einem Mäcenatengeschlechte entstammte. 2

Die oben erwähnte Erneuerung der Cantorei und Scholasterei am grossen Münster zu Zürch im Jahre 1273 war, wenn nicht unseres Heinrich's Werk, so das Werk seines Vetters, jenes Heinrichs von Klingenberg, der schon in den sechziger Jahren des 13. Jahrhunderts Propst zu Zürch war.

Aber nicht nur sein Sinn für Kunst und Wissenschaften, sondern auch die vorzügliche Verwaltung seines Amtes wird hervorgehoben und dies mit Recht. Es würde uns aber zu weit führen, wollten wir die einzelnen Momente hervorheben, und das urkundliche Material in dieser Hinsicht ausbeuten. 3

1 Hagen, Minnesänger II, 280, 13 vgl. IV. 625.

2 Insbesondere ist aber sein Verhältniss zur Dichtkunst Anlass einer Controverse geworden. Adelung, Lassberg und Andere waren der Meinung, in Klingenberg jenen Sänger zu entdecken, dessen Lieder unter dem Namen der Kanzler in der Maness'schen Liedersammlung stehen. Dem trat aber v. der Hagen mit nicht zu unterschätzenden Gründen entgegen, welche die frühere Annahme entkräftigten. Ob nun die Stelle Hadlaubs,er kan wise unt wort auf deutsche Liederdichtung zu beziehen sei oder ob wir dahinter auch einen Dichter in lateinischer Sprache vermuthen dürfen, muss ich Berechtigtern zu entscheiden überlassen. Hat aber Heinrich von Klingenberg Minnelieder gedichtet, dann müssen wir sie als verloren betrachten.

3 Neugart a. a. O. S. 480. f hat das Wichtigste recht gut zusammengestellt.

'

Dagegen ist für unsere Zwecke die politische Laufbahn dieses Mannes viel wichtiger. Freilich finden wir seine Thätigkeit die drei ersten Jahre auf die Angelegenheiten des Bisthums beschränkt; aber als die Lage im Reiche kritischer zu werden anfing, als die habsburgische Partei vom Neuen Hoffnungen hegen durfte, da finden wir ihn auch wieder vollends beschäftigt für das Haus, dem er seine ganze Thätigkeit widmete. Im Jahre 1296 ist er in Albrecht's Umgebung nachweisbar. Er urkundet am 28. October in Wien. Es war die Zeit des Kampfes mit Salzburg. Um dieselbe Zeit aber hatte sich auch der Abt von St. Gallen nach Wien begeben, um eine Sühne mit dem Herzoge Albrecht einzugehen, welcher Versuch vergeblich war. Ob nun Klingenberg als Intervenient nach Wien kam, ist wohl zweifelhaft, aber soviel steht sicher, dass er jedenfalls aus politischen Rücksichten sein Bisthum verlassen hatte. Und nun scheint er die thätige Seele aller jener Tage und Conferenzen geworden zu sein, welche die Erhebung Albrechts bezweckten. Im Frühjahre des nächsten Jahres zog er nach Prag, um eben die Versammlung der Kurfürsten an dem Krönungstage des jungen Wenzeslaus für seine Pläne zu benützen. Am 2. Juni 1276 empfing Wenzeslaus aus den Händen Gerhards die böhmische Krone. Unter den Anwesenden war auch Heinrich von Klingenberg. Missstimmung herrschte über Adolf's Regiment bei allen Kurfürsten vor. Ja mit Recht können wir vermuthen, dass die Versammlung zu einer offenen Action geneigt gewesen war. Aber wenn überhaupt die Reichsngelegenheiten zur Sprache kamen, so war es für die Sache Albrechts vom grössten Interesse, wenn die Bemühungen dieses Fürsten um die Nachfolge Unterstützung fanden. Es ist nicht Zufall, dass die Bischöfe von Constanz und Basel bei der Prager Versammlung zugegen waren, es ist nicht Zufall, dass diese beiden Stützen der habsburgischen Partei nach der Vertagung der Versammlung noch in diesen Gegenden verblieben; sondern wie die Lage Adolfs von Tag zu Tag eine schlimmere wurde, als der Tag von Kaden offenkundig erwies, dass Adolf

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1 In seiner Abwesenheit sollten, der von ihm erlassenen Bestimmung zu Folge, die Magister und Domherrn Walter von Scafhusa der Scholast und Konrad Pfefferhart die Verwaltung des Bisthums übernehmen. Vgl. Neugart a. a. O. 481.

von der kurfürstlichen Regierung aufgegeben wäre, dass eine Anklage des Königs im Sinne der Kurfürsten läge, und dass man, wenn Adolf sich zu keiner Verständigung herbeilassen würde, zum offenen Angriff übergehen wollte: da war es nun äusserst wichtig, dass Albrechts Lage, welche durch die Verbindung Adolfs mit Konrad von Salzburg zu dieser Zeit äusserst gefährdet war, zur Sache derKurfürsten gemacht würde. Eine solche Aufgabe zu lösen musste für Heinrich von Klingenberg eine wichtigere Pflicht erscheinen, als sein Bisthum zu verwalten. Deshalb zog er zu der Kurfürsten - Versammlung nach Prag, deshalb erschien er auch nachher in Wien, als sich die Fürten in glänzender Weise bei dem Herzoge Albrecht am 9. Februar 1298 einfanden, um die Massregeln für den nöthigen Kriegszug zu berathen, zugleich aber um sich sicher zu stellen, gegen alle Eventualitäten. Alle Chronisten schweigen darüber, wann und durch wen diese, jedenfalls nicht zufällige Zusammenkunft so vieler Fürsten einberufen oder doch wenigstens verabredet ward. Wer aber den Entwicklungsgang Klingenbergs mit offenen Augen verfolgt, der wird wohl keinen Zweifel darüber hegen, dass seine Anwesenheit bei der Prager Versammlung und sein längerer Aufenthalt in Böhmen mit der Wiener Versammlung im Zusammenhange ständen. Wenn er auch nicht officiell die Einladung zur Versammlung ergehen liess, was begreiflicher Weise nicht möglich war, so war es doch lediglich seinen und des Basler Bischofs Bemühungen zu danken, das zu Wien die Fürsten in der wünschenswerthen Anzahl erschienen. Nach Schluss dieser Versammlung ging er nach Zürch, um die Bürger dem Herzoge zu gewinnen. '

Als nun die Entscheidung erfolgte, als Albrecht die Krone nur im Kampfe mit seinem Gegner Adolf erringen konnte, da hielt sich der wackere Mann ebensowenig vom Schlachtfelde fern, wie früher von den diplomatischen Umtrieben. In Bregenz stiess er zu ihm und führte ihm 300 Helme zu. Und nachdem durch die Schacht am Hasenbühl der Kampf um das Reich entschieden war, finden wir ihn ununterbrochen in der nächsten Umgebung des Königs, dem er gleichsam die Wege zu ebnen sucht und ihn so zu sagen in die Regierung im Reiche einführt. Ueberall hin geleitet er den neuen König, bei allen Anlässen ist

1 Neugart a. a. O. S 482.

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