Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

im ursprünglichen Text des Johannes Victoriensis, sondern sie ist ein späterer Zusatz. Sie ist selbst ein Theil des Capitels: De Rudolfo Rege Romanorum, welches auch in kurzem Auszuge Rudolfs Abenteuer mit dem Priester ') enthält. Die Weissagung bei dem Anonymus ist weitläufiger, und weicht auch sachlich wesentlich von der Version des Matthias von Neuburg ab, so dass sich diese beiden fast gleichzeitigen 2) Angaben zu einander verhalten, wie Ueberarbeitungen derselben Grundlage.

Was die Capiteln 3-6 anbelangt, so kann man aus der Haltung derselben und aus dem Zusammenhang mit der Geschichte · Rudolfs von Habsburg folgern, dass der Autor diese summarischen Berichte nur um Rudolf von Habsburg willen aufgenommen. Für die einzelnen Verhältnisse zeigt er ein sehr geringes Interesse, indem ihn nur die anecdotenhaften Züge fesseln. Aber zweifelsohne scheint Matthias nur die Rechtmässigkeit der Erhebung des Hauses Habsburg durch ein derartiges Resumé über die Vergangenheit zu beabsichtigen, welches Motiv freilich mehr vorausgesetzt ist, als es sich angedeutet findet. Dabei geht er entweder durchaus von den Vorstellungen seiner Zeit aus, oder erfolgt hier seiner Quelle, die er in seiner ihm eigenthümlichen Weise ausgenützt hat. Für das erstere wären die Stellung und die Sympathien Strassburgs massgebend, für das letztere hingegen die Form, in welcher jener rechtshistorische Gedanke ausgeführt ist. Von den Ungenauigkeiten und Unrichtigkeiten im Einzelnen

mag

hier abgesehen sein.

Wenn Cap. 11, 12, 17, 18, 22, 24, 36, 47 weit ausführlichere Nachrichten über die inneren Zustände und Einrichtungen der Stadt Basel liefern, als die einheimischen und gleichzeitigen Aufzeichnungen der Basler und Colmarer Mönche, so hat

curiae aestimant, cum non sum. Quadam vice cum isti non cessarent sibi Regales honores impendere, accessit ille, eos secrete ipsos super hoc arguendo. Isti secrete sibi revelaverunt, dicentes: Videmus vos Imperatori succedere in dominio suo; sed consulimus, ut de curia hac recedatis, ne ipse Imperator in vobis hoc cognoscat vel relatione alicuius vel ex arte

ista, in qua satis per se sapere cognoscitur. 1 Diese Anekdote findet sich zum ersten Male in Hagens Chronik. Pez.

S. S. I. 1084. 2 Ueber das Zeitalter der Zusätze kann uns erst eine kritische Ausgabe des

Johannes von Vietring belehren.

bereits Studer S. XXXVIII die Vermuthung ausgesprochen, dass Matthias wahrscheinlich schon Schreiber Barthold's von Buchegg's in' der Zeit gewesen wäre, als dieser als Landcomthur für Elsass und Schwaben in Basel sich zumeist aufhielt, und dass er nun in dieser Zeit wahrscheinlich im Anschluss an die frühere Arbeit eines Basler Chronisten seine Aufzeichnungen begonnen. Jedenfalls sind hier Spuren älterer Quellen, vielleicht hie und da sogar Ueberreste urkundlichen Materials nicht zu verkennen '). Cap. 9, in welchem Dinge vermischt werden, die Graf Hartmann den älteren von Kyburg † 27. Nov. 1264 betreffen, mit solchen, die sich auf seinen Neffen den jüngeren Grafen Hartmann, der schon 3. Sept. starb, beziehen 2) führt uns in die Reihe von Nachrichten über das Haus Kyburg ). Hier können wir mit Recht zweierlei Quellen vermuthen, die eine, und daraus schöpft Matthias in seinen älteren Partien, ist verwandt mit der Quelle, welche ihn für die Geschichte des Hauses Habsburg gedient; die andere war für ihn die Stellung zu dem Hause der Grafen von Buchegg. Daher erklärt sich aber auch die Lücke in seinen Nachrichten. Während er der Kyburgs zu Rudolfs Zeiten mehrmals erwähnt, geschieht dieser erst wieder um das Jahr 1322 Erwähnung, so dass wir von dem Sohne des Eberhard von Habsburg Kyburg nichts erfahren.

Eigenthümlich ist das Verhältniss der einzelnen Nachrichten, die Rudolf von Habsburg selbst angehen. Hie und da finden wir wohl Anklänge an frühere Aufzeichnungen: so Cap. 16 und 18 an die Colmarer Chronik, Stellen in den Cap. 22, 23 und Cap. 27 an Ellenhards Chronik ). Doch ist bei den

1 Wenigstens sind so manche seiner Aufzeichnungen nur urkundlich nach

weisbar, wie insbesondere für Cap. 22 Belegstellen gerade durch Urkunden

geliefert werden. 2 Studer S. 7. 3 Vgl. Cap. 22, Cap. 4+ etc. 4 Zu Cap. 16 vgl. Chronicon Colmariense Böhmer fontes II, S 58, wo einige

Ausdrücke und Wendungen sich vollständig decken. Zu Cap. 18 Chronicon colm. ibid. S. 69, Zu Cap. 2:(Anfang) vgl. Gottfried von Ensmingen ibid. B. F. II, 117, Dagegen nennt Matthias den Vater des Heinrich von Isni einen faber, während die Colmarer Chronik den Bischof von einem pistor abstammen lässt, aber den Vater des Bischof von Toul einen faber nennt. Hier liegt eine Verwechslung von Seite des Matthias zu Grunde. Zu Cap. 23 (Belagerung von Peterlingen) ibid. S. 117, Cap. 27 vgl. Gottfried von Ensiningen ibid. 131 f. 11. dgl.

zu

bestehenden Differenzen nirgends an eine Entlehnung durch Matthias denken. Zahlreicher sind aber die Belegstellen, die sich aus den Basler, Colmarer und 'Strassburger Aufzeichnungen zu Matthias Nachrichten liefern lassen ?). Vielfach sind wir genöthigt auch weiter liegende Quellen zur Beglaubigung heranzuziehen, so die Reimchronik des steierischen Ottokar, den Mönch von Fürstenfeld und Johann von Victring, diese für die Reichsgeschichte; für Localverhältnisse die Casus Monasterii St. Galli des Kuchimeister, die Berner Annalen, Johann von Winterthur etc. 2) Die Art und Weise, in der sich die gemeinsamen Nachrichten decken, gibt uns über zweierlei Aufschluss. Erstens geht daraus mit Evidenz hervor, dass Matthias Vorlagen gehabt, die, sei es mittelbar durch Excerpte, sei es unmittelbar, ihm den nothwendigen Stoff lieferten, für Excerpte spricht insbesondere die Art der Aneinanderfügung – zweitens das Moment der Verknüpfung. Die vergleichende Analyse ergibt das oben erwähnte Resultat. Er hat eben kein bestimmtes System, sondern er ordnet das gegebene Material, wie es ihm am besten erscheint 3). Daher erklärt die schon oben erwähnte eigenthüm

1

Einige Stellen sollen dies deutlich zeigen; Angelegenheiten, die sich auf Basel beziehen finden zumeist in den Basler und Colmarer Annalen oder in der Colmarer Chronik ihre Bestätigung; Matthias von Neuburg S. 10 heist es: Ipsi (cives Nuwenburgenses) vero de auxilio episcopi opidum Bladoltzheim predicti Ruodolli item turrim in Othmarsheim destruxerunt. Annal. col. ad an. 1268 Episcopus Basiliensis expugnavit Hertinberg et Bladolzheim, que tunc erant comitis Rudolfi ann. Col ad. an 1272 Castrum Othmarsheim cives Nuwenburgenses igne penitus deleverunt. S. 13 Hartmannus postea prope Rinouwe in Reno submersus Basilea cum matre predicta et adhuc uno filio parvulo in choro maioris ecclesie sunt sepulti. Annales Colm. ad ann. 1282 Filius Rudolfi regis landgravius Alsatie submersus fuit in Rheno prope Rinaugiam et sepultus fuit in Basilea quatuor episcopis et hominibus multis cum humana gloria copiosa vgl. Dazu die Beschreibung des Begräbnisses der Königin Anna. Annal. Col. ad ann. 1281 und Chron. Colm 64 und ad ann. 1276 Carolus Rudolfi Regis filius, natus festo Salentini hoc anno sepultus in medio chori ecclesie Basiliensis. Aehnlich gestaltet sich das Verhältniss zu den Strassburger

Quellen. 2 vgl. z. B. was Matthias Cap. 21. von dem Geschlechte der Wallsee sagt,

mit dem, was sich auf dieses bei Joh. Victoriensis S. 317 bezieht. 3 Dass bei einer solchen ganz willkürlichen Stoffvertheilung so manche Män

gel sich einschleichen, liegt ganz nahe; insbesondere aber sind Verwechslungen und ungerechtfertigte Verknüpfungen ganz verschiedener Begeben

[ocr errors][ocr errors]

liche Vernachlässigung einer chronologischen Anordnung, der gegenüber an einer von Moment oder Stoff gebotenen festgehalten wird '), so dass wir bisweilen locale Gruppen ausscheiden können.

Diese Resultate sind aber weit wichtiger in ihrer Anwendung auf Matthias selbst. Wir haben nämlich eine lange Reihe von Stellen und Nachrichten, für welche uns einzig nur Matthias Bürge ist. Die Feststellung durch das urkundliche Material ist bei dem bestehenden Stand der Publicationen auf sehr wenige Fälle beschränkt 2). So haben wir nur die Alternative entweder

heiten bei einer derartigen Arbeitsweise ganz und gar erklärlich. Sie finden sich auch zahlreich vor. Ein auffallendes Beispiel einer eigenthümlichen Verwechslung liefert Cap. 21. De maximo dolo et fraude quod rex Ruodolfus unquam fecit. Da sind die Thathsachen ganz unrichtig combinirt, denn der Bericht von der listigen, ja meuchlerischen Hinrichtung des Grafen Yvan ist in dieser Verbindung unmöglich. Der Aufstand des Grafen Yvan fällt in das Jahr 1289 und wurde durch Albrecht, Rudolfs Sohn, niedergeschlagen, nahm aber einen ganz anderen Ausgang (vgl. Cont. Vindob. ad ann. 1289). Dagegen wissen wir (Reimchronik p. 207), dass König Ladislaus von Ungarn den Grafen Heinrich von Güssing und dessen Sohn Yvan, um sie unschädlich zu machen, verfolgen liess, dass infolgedessen Heinrich erschlagen, Yvan aber vertrieben wurde, ferner, dass zwischen diesem und dem Herrn von Güns, der Albrecht so viel zu schaffen machte, schon in der Cont. Vindobenensis (Pertz SS. XI. 715) eine Verwechslung stattfand; daher ist zu folgern, dass die Verwechslung der Persönlichkeiten auch eine Uebertragung der Sage zur Folge hatte. Ob nun diese von Matthias geschehen, oder ob er sie schon vorgefunden und nur nachgeschrieben, miissen wir dahin gestellt sein lassen. Jedenfalls ist die ganze Geschichte, wie auch die übrigen Theile dieses Capitels österreichischen Ursprunges und da hat der ferne Matthias in seinem Streben alle mögliche Begebenheiten und Thatsachen auf Rudolf zu übertragen, nach Ort und Zeit verschiedene Thatsachen confundirt. (regem et Austriam infestans, heisst es nun, hat Graf Yvan Oesterreich durch mehrere Einfälle geschädigt; jedoch niemals Rudolf, wohl aber dem Könige Ladislaus. Ebenso verhält es sich mit Heinrich von Guessing, aber auch er hatte

mit Rudolf nichts zu schaffen.) 1 Cap. 23 Studer S. 22. Rex quoque opidum Beaterlingen situm versus

Lausannum obsedit, idque et oppidum de manibus comitis Sabaudie eruens ad regnum retraxit. Convenerant autem papa Gregorius decimus et rex Lausanne multa tractantes etc. . . So wird ein Factum des Jahres 1283 und des Jahres 1276 in einem Zuge erzählt, welche beide aber wiederum zeigen wie er genau über die Ereignisse unterrichtet gewesen; vgl., was den

ersten Fall anbelangt, Mon. Germ. IV. 441. 2 So mit Hilfe der Basler Documente (ed. Trouillart einige Namen u. That

sachen, z. B. zu Cap. 22. ob Goldenfels, Schlossberg, vgl. Trouillart II. 396,

[ocr errors]

vorauszusetzen, dass ihn hier mündliche Tradition mit genügendem Stoff versehen, oder anzunehmen, dass auch für diese Angabe Vorlagen mittelbar oder unmittelbar seinem Werke zu Gute gekommen sind. Für das Erste spräche wohl die Haltung des Werkes, die häufig weniger Eindruck der Geschichte, als den einer Sammlung populärer Histörchen macht'), und gerade der grösste Theil dessen, was wir nicht durch Belegstellen erhärten können, ist anekdotenhaften Charakters: so Cap. 8, 9, 13, 14, 19, 21, Theile von 22, 24, 25, 26, 28.

Aber diese Capiteln enthalten wieder so genane Berichte, dass sie jedenfalls mehr als blosse Reception allgemein bekannter Vorfälle sind. Besonders sind hier hervorzuheben die eingestreuten genealogischen Notizen. Cap. 8. Habuit autem comes de Kuissaberg 2), sororem ipsius Ruodolfi, quo defuncto eadem soror dominus de Ochsenstein data est in uxorem, ex qua dominus de Ochsenstein et de Strassberg post modum prodiere. In demselben Abschnitte ist die Erzählung von der Ueberlistung des Abtes von St. Gallen und von der Bestrafung der ungenügsamen Soldaten in Ensensheim enthalten. Cap. 13. berichtet über die Reise des Erzbischof Werner nach Rom. und dem Geleite des Grafen Rudolf, welches die Ursache der Wahl geworden sei, dann die Wahlverhandlungen selbst. Die Reise Werner's fand im Jahre 1260 statt, Rudolf von Habsburg, der damals noch auf Seite Walters von Geroldseck stand, konnte leicht von Strassburg aus dem Bischof das Geleite geben. Die Thätigkeit des Mainzer Erzbischofes Werner von Eppstein für die einheitliche Wahl eines römischen Königs ist dann hier in den Hauptzügen, wenn

[ocr errors][merged small]

1

457, 148,) wobei wir auch hie und da zur Feststellung von Ungenauig-
keiten gelangen; oder aus der allgemeinen Geschichte, Controle der Ge-
sandtschaften, Friedensschliisse etc.
Vgl. Hegel. Die deutschen Städte Chron. VIII, S. 60. Hier sei be-
merkt, dass mir die Dissertation Hanneke’s de M. Alberti Argentinensis
chronico (Diss. inaug. Regimonti Pr. 1866) trotz längerer Bemühungen
nicht zugänglich war, ich musste daher von dessen Resultaten gänzlich

absehen.
2 Von dem sonst ganz und gar nicht die Rede ist. Clementia die Schwester

Rudolfs war in erster Ehe an Emerich von Strassberg, in zweiter an Otto von Ochsenstein vermählt. Strassberg u. Kuisaberg ist dasselbe Geschlecht; vgl. gegenüber der bestimmten Angabe des Matthias, die ganz unbestimmten Notizen in Col. ann, ad ann. 1281 und Chron. Colm. Böhmer Fontes II. 44.

« ZurückWeiter »