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Zweite geheim be Instruction für den hoch und Wohlgeboren Ihro kays. Mayt. geheimben Rath, Camerer Und Obristen Stallmeister Ferdinandt Bonaventura Grafen v. Harrach, Rittern des guldenen Fliess, alss

extraordinari Bottschafftern in Spanien.

1° Ist Ihme, alss einem fürnehmen kays. hierzue am besten qualificirten Ministro die schwehre Sach wegen d. Spanischen Monarchi mit der Catholischen Maiestät deren Ministerio denen Magnaten, oder Grandes, Und spanischen Ständten zu tractiren allergnädigst anvertrauet, Wie es die coniuncturen zuelassen werden, Und Er, Graff v. Harrach seiner beywohnenden prudentz, Und dexteritet nach mit vorgehender allergnädigster ratification möglich zu sein befinden wirdt.

2° Solle derselbe contestiren, dass man der Catholischen Maiestät Eheliche leibs Erben ad succedendum in Regno von Gott herzlich wünsche, Weilen aber, obschon dem allerhöchsten alles möglich darzue schlechte Hoffnung, Unterdessen in allen Zeitungen, ia in gantz Europa erscholl wie starkh Frankhreich die Spanische monarchiam an Sich zu bringen Und wass für der apparentz nach plausible, in re ipsa aber auf des Ertzhausses, Und d. Monarchi Untergang ziehlende conditiones es offerire, so wären Ihre kays. Mayt. für das

30 der Catholischen Majestaet, Undt dem könl. hoff zu gemüeth zuführen veranlasset worden, dass wan Gott kheine königl. leibs Erben schickhet, Ihro kays. May. Und dero von Gott vorhandenen männlichen descendentes die Monarchia jure sanguinis gebühre: dan der nechste Stam seye Philippus primus, von welchen auf der oesterreichischen seithen Ferdinandus primus, Carolus Archidux Ferdinandus secundus Ferdinandus Tertius Ihro kayl. Mayt. Und dero zwey durchleuchtigste Söhne Josephus Römischer König Und Carolus Ertzherzog: auff der spanischen linea collaterali aber Carolus quintus, Philippus secundus, Philippus tertius, Philippus quartus, Und Ihr Mayt. der ietzige König Carolus Sich deriviren.

4° Khan auch einen grosssen behelff machen, dass, daferne man ad collaterales gallicos, Und auf den Weibsstammen reflectiren wolte, der Duc d'Borgonia, Und der duc Berri Umb einen

grad remotiores seint, dan der römische König Und der Ertzherzog Carl, aldieweilen oestereichischer seithen den ersten gradum Ferdinand primus, den anderten Carolus archidux, den driten Ferdinandus secundus, den vierten Ferdinandus tertius. den fünfften Ihre kayl. Mayt., den Sechsten der Römische König, Und der Ertzherzog Carolus: Ex altera parte aber den ersten grad Carolus quintus, den anderten Philippus secundus, den driten Philippus 3. den vierten Philippi quarti soror anna regina galliae des ietzigen Königs in Frank hreich Muetter: den fünfften Maria Teresia regina galliae der ietzigen catholischen May. Schwester: den Sechsten d. Dauphin, Und den sibenten der Hertzog v. Borgonia und der Berri constituiren.

59 bezeugen es die französ. Historien selbst Und zwar der gramand lib 1" dass, alss des Philippi quarti Schwester Anna dem Ludovico XIII. vermählt, Selbe suo, et omnium successorum nomine der Spanischen succession renuncyrt habe. Ein gleiches wirdt auch bey denen zur Zeit des gemachten Pyrenaysch Fridens Anno 1659 wegen der Mariae Teresiae Infantin in Spanien nachmals Königin in Frankbreich besonders geschlossenen Heyrath tractaten begriffen sein werden.

6° Nicht zu finden, dass iemahlen eine Eltere Tochter oder die von derselben hergestammte d. lineae masculinae vorgangen, Und die succession in der Spanisch. monarchi, oder oesterreichischen Königreichen, Und provintzien Unterbrochen hette. Die linea masculina a Philippo primo, oder pulchro sey nicht erloschen herentgegen

7° der französ. per reginas herabgestiegenen lineae die verzücht, Und pro Austria militirende pacta gentilitia in weeg stunden. Dergleichen noch von Anno 1617 inter Philippum Zum et archiducem Ferdinandum wegen d. oesterreich Königreich, Und länder in Spanien genuegsamb vorhanden sein werden.

89 Können auch praeter allegatas aut similes rationes iuridicas, politicae, die Catholische Mayt. Und dass Ministerium zu bewegen gebraucht werden, dass nemblichen alle antenati grossse Sorg pro conservanda inclyta domo getragen, wie die von weyl. Kayser Matthia confirmirte pacta gentilitia de A° 1617 melden, Auss allen renunciationen, so die an Frankhreich vermählte Infantinen hinterlassen, Und auss dem testamento Philippi quarti, darinnen Ihre kays. May. substituirt sein ab

zunemen.

9. Wurde auss jetzt gemelten principys geschritten, wan Spanien der französischen macht unterworffen werden solte. Die potentz des Ertzhausses gemindt, der respect, den bisshero alle potentaten gegen denselben getragen, verlohren Undt die Römische Cron selbst auf Frank hreich devolvirt zu werden in gefahr gesezt, zumahlen die mächtigere des Römischen Reichs Sich vor Frankhreich biegen, Und alzuschwehrer beherschung mit ganz Spanien unterworffen müesten, neben welchen

10° Noch weiter die harte Und unverträgliche Regierung d. frantzosen vorzustellen: wie glickhseelig der Adel und Inwohner in Spanien, Und Unter den österreichischen gebiett, Gott Lob, stehe, wie miserabil, erschöpfft, Und Unterdrückht aber derselbe in Franckhreichs Dienstbarkheit seuffze. Wie das parlament Und Ministerium gleichsamb cassirt khaum ein Und andern ex nobilioribus in der Regierung gebraucht, indictiones, Und Unerzwingliche anlagen ad solius regis nutum gemacht, die Underthanen ohne werbung in den Khrieg geschafft, Und weith schlimmer, alss Sclaven tractirt werden. Wie ganz Spanien nicht allein ein gleiches Joch zu gewarten hette, sondern auch in manifestum periculum einer Monarchiae accessoriae oder provints sich devolvirte, auch eo ipso talis wäre, wan der Duc de Borgonia mit todt abgehen Und der Berri zu der französ. regirung kommen solte. Unter einen österreich. Regenten bleibe das Ministerium bey seiner authoritet Und habe kheine Veränderung sondern eine in lauter pietät hergebrachte Regirung Von Franckhreich uber Vorhergehende vicissitudines zu gewarthen.

11° Alle, die in Spanien geherschet, haben solchen greuel, ni fieret accessoria Galliae höchst rühmlich praecavirt: beede nationes seint antipateticae; nimiam praepotentiam der Frantzossen zu verhüeten, Und die Spanische Monarchiam von dem iugo gallico zu beschützen, seye in einem mit Chur Brandenburg auffgerichten Recess, Und in dem foedere mit Holland wegen des jetzigen Khriegs (darzue auch Engeland gestosssen) in eventum stipulirt, womit auch alle Reichs Kreisse perpetuum militem habituri einstimmen würden, Zuforderst weilen die offerta wid. Portugal Und Holland publicirt Und Spanien immer mehr einigen ruehstandt zu gewarthen hette. Der Päbstliche Stuehl seine Lehensherrligkeit bey Neapel Und Sicilien Ihr Mayt. der Kayser bey Mayland beobachten, Engeland Und Holland in

a

Indien auf d. Spanische greiffen, also immerwehrendes blueth vergiesssen continuiren würde. Solte auch

12o Portugal und Holland darmit über ein Hauffen geworffen werden, wäre nicht Spanien, sondern Franckhreich in so weith versterkht, und müeste die Spanische Monarchia post mortem ducis Berri, da disse zwey länder dem duci de Borgonia accresscirten, in securiori iugo ad placitum Gallorum sich einspannen lassen.

13° Da der Bottschaffter, dass man auff den Chur Printzen in Bayern inclinire, penetrirte, wäre es eben so wohl contra dispositionem ante natorum regum Hispaniarum, contra solemnem renunciationem der Churfürstin Mariae Antoniae hochseeligisten andenckhens, Und alle Rechten, welche, so lang Philippo primo die linea masculina vorhanden, dem weiblichen geschlecht, oder die dadurch anverwandte ad sceptra et coronas nicht kommen lasssen. Das Churhauss Bayern auch zu schwach die Monarchiam Hispanicam zu manuteniren, dan fahls der Chur Printz ad hanc coronam gelangte, wäre es eben so wohl, alss ob man zugleich ganz Spanien mit allen Provintzen den König in Frankhreich einräumete.

14° Ob das werkh gleich bei der Catholischen Maiestät, durch die Königin, oder per commissarium schrüfft od. mündtlich anzubringen, hat der Bottschaffter die coniuncturen, wie anfangs gemeldet, zu beobachten, Und ist solches, wie es rathsam Undt es thuenlich zu sein befinden wirdt, anheimb gestellet, der solle auch

15° Die französische etwa Unter der Aschen verborgen ligende,

oder aussgebrochene faction eusssersten Vermögen nach, zu dissipiren econtra für Ihre kays. Mayt. eine zu machen trachten, zu solchem ende auch in nahmen erst allenhöchstgedachter kay. Mayt. Gnaden, Und Dienste zu versprechen, od. denen guethgesinnten würkhliche regalia ausszutheillen, macht, Und Vollk hommen gewaldt haben. Nicht weniger

160 Wan eine Volckhshülff begehrt werden mögte den Spanischen Hoff derselben versichern.

Ingleichen

17° Erbiethen Sich Ihre kays. Mayt. wan einer von dero durchlauchtigsten descendentz secundum jura sanguinis (wider welche zuhandlen eine grossse Verandtwortung nach sich ziehen würde) nach Spanien begehrt wird, zu bestreitung der hoffstadt

Jährlichen eben so wohl eine ergäbige summam geldes hinein zu remittiren.

Schliessslichen, weilen die Posten durch Franckhreich vielen gefehrligkheiten Unterworffen, Solle der Graff v. Harrach selbe per alias vias herąuss dirigiren, Und durch aigene Courier schickhen, derentwegen auch die erforderliche ritt oder raissgeld hiemit verwilliget sein.

Datum Wienn Unter Ihrer kays. May. allgnädigster Signatur, Undt secret Insigl. D. 30. Januar 1697.

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