Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

Über Lagerforts und verschanzte Lager.

Vorschläge zur Erbauung derselben; hiezu erforderliche

Geldmittel.

Über Reichs-Befestigung ').

(Hiezu Tafel 18.)

Leitender Gedanke.

Es wird nicht beabsichtigt, mit diesem Aufsatze erst die Nolhwendigkeit einer Reichsbefestigung für Österreich zu beweisen; — über dieselbe herrscht wohl längst kein Zweifel mehr.

Dass aber eine Reichsbefestigung lür Österreich nothwendiger ist •als für jeden andern Staat Europas, und deshalb zur rechten Zeit grössere Anstrengungen hiefür gemacht werden müssen, lässt sich einfach durch Hinweisung auf die ungünstige geographische Lage des Kaiserstaates in der Mitte Europas beweisen.

Einen zweiten Staat, wie Österreich, der von Norden und Süden, Osten oder Westen her so leicht bedroht werden kann, gibt es in der Welt nicht; fast, auf allen Seiten wird Österreich durch Staaten ersten Ranges oder doch von solchen begrenzt, welche von einem oder dem andern Grossstaate abhängig sind.

Wie also die Lage Österreichs keinen Vergleich zulässt, ebenso wenig kann auch die Reichsbefestigung oder Nichtbel'estigung eines andern Staates für Österreich mustergültig sein.

Die Geschichte hat auch den Reweis geliefert, dass kaum ein Staat so schwere Kämpfe zu bestehen halle wie gerade Österreich; — insbesondere liefern die letzten hundert Jahre Reispiele genug.

l) Kenner werden zugestehen, dass dieser Entwurf nicht die Arbeit weniger Wochen sein kann, — umsoweniger, wenn man erwägt, dass der Verfasser durch dienstliche Arbeiten oft lange Zeit von diesem Gegenstande abgezogen wurde.

Wenn daher in diesem Aufsätze Ansichten ausgesprochen werden, welche mit mehreren in der letzten Zeit ausgesprocheneu und bekannt gewordenen übereinstimmen, so beweist dies blos, dass der Verfasser mit den seinen nicht allein steht, was immerhin angenehm ist. Vollendet war dieser Aufsatz jedoch schon im November 1867. Nachdem aber gerade in diesem Monate die Frage der Reichsbefestigung bei Gelegenheit der Budget-Iierathnrjg zur Sprache kam, und der Verfasser vollkommen zu würdigen weiss, welche Opfer zu diesem Zwecke vom Staate gebracht werden müssen, so halt er es für zeitgemäss, diesen Entwurf zu veröffentlichen, um auf diesem Wege zur glücklichen Lösung dieser Aufgabe nach Kräften beizutragen.

r r ,

[graphic]

Und dennoch sieht man kaum erst die Anfänge einer Reichsbefestigung!

So gross auch die militärische Kraft Österreichs ist, so zeigte sie sich doch nie genügend, weil von den Gegnern fast immer überlegene Kräfte gegen Österreich in's Feld geführt werden konnten. — Zuerst war es das Aufgebot der Streitkräfte Frankreichs durch das Mittel der Conscriplion, später die allgemeine "Wehrpflicht Preussens, welche dem österreichischen Heeresaufgebote überlegen waren; — immer aber spielte auch das sehr mangelhafte Communicalionswesen, und dies bis auf die Gegenwart, eine sehr wichtige Rolle.

Die Verbesserung der Heerescrgänzungs-Methode allein ist daher nicht im Stande, das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen, da die andern Mächte darin auch nicht zurückgeblieben sind.

Wollte man aber das Communications-Wesen plötzlich auf gleiche Höhe mit jenem der westlichen Nachbarn bringen, so dürften die Mittel hiezu wohl unerschwinglich sein; überdies bedarf die Ausführung eines so grossen Unternehmens auch eine angemessen lange Zeit.

Ohne sich deshalb auf das politische Feld begeben und Combinationen für die Zukunft machen zu müssen, kann man somit kühn die dringende Notwendigkeit einer Reichsbefestigung behaupten.

Wollte man jedoch forüficatorische Projecte und Bauten, wie sie in andern Ländern bestehen, welche entweder nur einen kleinen Theil der Grenzen zu schützen haben, oder welche so glücklich sind, mehr Geld zu besitzen, für Österreich adoptiren, — dann freilich würde auch eine Reichsbefestigung für Österreich, dessen Finanzen keine solche Anspannung erlauben, kaum ausführbar scheinen.

Österreichs For tificationen müssen daher, so vorzüglich auch die Entwürfe und Bauten in andern Ländern sein mögen, den österreichischen Finanzen angepasst werden, — und du diese Kunst gewiss zu den schwierigsten gehört, so ist es auch natürlich, dass dieses Problem nicht so schnell gelöst werden konnte.

Forscht man ohne Vorurlheil nach, was besser sei: im Frieden Nichts zu bauen, dagegen bei Ausbruch eines Krieges Millionen für kostspielige passagere "Werke auszugeben, so findet man, dass jedes dieser beiden Mittel zu den extremen gehört, welche vermieden werden müssen.

Das Richtige liegt wie gewöhnlich in der Mitte, d. h. man baue im Frieden mit j enen Mitteln, diee in Krieg für passager e Fortificationen absolut fordern würde, — solide "Werke im permanenten Style, passe diese Werke diesen Mitteln an, vollende aber auch das Unternehmen in wenigen Jahren, wenn man Erfolge erleben will.

Es fällt wohl Niemanden ein, den Bau einer Eisenbahn, und sollte sie auch hundert Millionen in Anspruch nehmen, in 200 Jahresraten einzuteilen; man will bei Zeiten Gewinn vom Anlagscapitale ziehen, und je länger ein solcher Bau dauern würde, desto grösser wäre die Gefahr, durch andere Unternehmungen überflügeil zu werden.

Ebenso wird auch die schnellere Vollendung einer Reichsbefestigung dem Staate sichereren materiellen Gewinn bringen.

Demnach kann man sagen, dass gleichwie die Schlagfertigkeit des Heeres, ebenso auch die Reichsbetestigung für die Sicherheit des Staates als ein Bestandtheil der "Wehrkraft anzusehen sei, und dass erst die Vollendung beider Theile ein richtiges Ganze geben könne.

Jede Befestigung soll es möglich machen, einer bedeutend stärkeren feindlichen Streitkraft mit Erfolg entgegentreten zu können; dass dieser Zweck durch passagere FortificatioTien nicht in dem Grade erreicht werden kann wie durch Bauten im permanenten Style, ist bekannt. Um die geringere Leistungsfähigkeit der ersteren auszugleichen, ist man daher gezwungen, eine im passageren Style erbaute Festung auch bedeutend stärker zu besetzen.

Zu den Erbauungskosten dieser passag er en Werke müssen daher, will man die wahre Ziffer finden, auch noch die Erhaltungskoslenjenes Mehrbedarfes an Besätzungstruppen hinzugeschlagen werden, welche durch die geri ngere Leistungsfähigkeit der Werke bedingt ist.

Der Nachtheil, dem man sich durch den Bau von passageren Werken bei Ausbruch eines Krieges aussetzt, ist daher ein dreifacher:

1. besitzen die Werke nicht die wünschenswerthe Widerstandsfähigkeit;

2. werden der operirenden Armee mehr Truppen entzogen, und

3. verfallen passager erbaute Werke in kurzer Zeit, — und der Staat müsste trotz bereits verausgabter Millionen bei einem abermals ausbrechenden Kriege wieder von Neuem zu bauen anlangen.

Dass ein solcher Vorgang sehr kostspielig ist und davon abgerathen werden muss, ist wohl einleuchtend.

Es kann behauptet werden, dass ein im passageren Style erbautes verschanztes Lager beinahe eben so viel kosten wird als ein im permanenten Style ausgeführtes, dessen Werke ohne Vernachlässigung der an sie zu stellenden Anforderungen möglichst einfach gehalten sind.

Es geht dies schon aus dem Umstände hervor, dass passager erbaute Werke, eben ihrer geringeren Widerstandsfähigkeit wegen, viel näher an einander gerückt werden müssen als permanente, und dass somit nicht nur die Zahl der Werke grösser ist, sondern dass auch eine grössere Anzahl Werke von geringerer Widerstandsfähigkeit auch eine grössere Besatzung nothwendig macht; überdies ist es bekannt, dass bei Ausbruch eines Krieges die Erzeugungspreise bedeutend steigen.

Soll nun der Entwurf eitles permanenten Werkes geliefert werden, dessen Erbauungskoslen eine gewisse Grenze, welche sich aus Vergleichungen nach dem bereits Gesagten ergibt, nicht überschreiten dürfen, so kann man dabei allerdings mehrere Wege einschlagen und verschiedener Ansicht sein; doch von den Grundregeln der Forlification wird man nicht abweichen dürfen; diese sind:

1. Einfachheit,

2. Stärke, und

3. möglichst geringe Erbauungskosten.

Entwurf eines Lagerforts.

Der Wall.

Vorbetrachtungen.

Bevor wir zu dessen Beschreibung übergehen, erscheint es vortheilhalt, den Standpunkt klar zu machen, von welchem aus der Gegenstand betrachtet wird, und einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Fortiflcation seit Einführung der gezogenen Geschütze zu werfen.

Letzteres ist deshalb nothwendig, weil seil jener Zeit fast eben so viel Wege zur Lösung der Aufgabe eingeschlagen wurden, als Vorschläge darüber zum Vorschein kamen.

Für kein Project scheint man jedoch bisher Lust gezeigt zu habensich endgiltig zu entscheiden; darunter ist jedoch nicht etwa die unveränderte Aufnahme eines Entwurfes zu verstehen, sondern die leitende Idee, welche demselben zu Grunde liegt und welche die Art und Weise des Angriffes und der Vertheidigung beherrscht.

Dass die zu grosse Kostspieligkeil ein Haupthinderniss für die meisten Entwürfe bildet, ist ohnehin allgemein bekannt.

Einige Vorschläge haben die Lagerforls, wie sie zur Zeit ihrer höchsten Entwicklung, kurz vor Einführung der gezogenen Geschütze bestanden haben, zur Grundlage ihrer Entwürfe genommen.

Man ist nun der Ansicht, dass Diejenigen, welche die damals als vollkommen richtig anerkannten Anordnungen bei Erbauung von Lagerforls möglichst beizubehalten irachleten, auf dem richtigsten Wege vorschritten, — Jene aber, welche Ausserordentliches schaffen wollten, auch Unausführbares geliefert haben.

Als man sich daran machte, nach den in Jüllich, Rolhneusiedel, Verona . u. s. w. gemachten Erfahrungen Verbesserungen vorzuschlagen, wurde man nur über den einen Punkt allseits einig, dass das Mauerwerk, weil es durch den Bogenschuss aus grösserer Entfernung selbst dann in Bresche gelegt werden konnte, wenn es auch den Blicken des Angreifers entzogen war, — besser zu decken sei.

Diese Deckung wurde hauptsächlich dadurch erreicht, dass man den Graben schmäler machte und die Sturmfreiheit in die Contrescarpe verlesrte.

Wie tief man mit dem Cordon der Escarpen zugehen habe, wurde somit im Allgemeinen festgeselzt; doch ist es klar, dass auf Anhöhen, denen keine solchen gegenüber liegen, ein anderes Verhältniss Platz greift, wie in der Ebene.

Dies ist aber auch Alles, worüber alle Ansichten sich einigten; es war auch das am leichtesten Ausführbare und vorderhand Nothwendigste.

Alles Andere ist noch offene Frage, und wird das Meiste, des Kostenpunktes wegen, es auch bleiben. Der Hauptsache nach besieht der Rest der vorgeschlagenen Verstärkungen in gepanzerten Wallgeschütz - Casematten, eisernen Drehthürmen in den Schulterpunklen der Werke oder auf dem Verdecke der Reduits, Anlage grosser Reduits mit oder ohne Deckwal!, oder von Werken mit Wallgeschntz-Caseinatten, jedoch ohne Reduits.

Ausserdem kann man noch die mehrere Etagen hohen gepanzerten Drehthürme und auch die Thurmforts aus Stein und Erde erwähnen.

Es soll hier keine Kritik irgend eines Projectes geschrieben werden; aber zur Feststellung des Standpunktes, von dem aus man eine Sache betrachtet, ist es nothwendig, dass die Vorschläge Anderer beleuchtet werden und man Gründe angebe, warum man es nicht auch so machen will.

Wir sehen nun, dass fast alle Vorschläge die Geschütze durch Scharten feuern lassen; diese aber sind meistens Minimalscharten in Panzerwänden.

Ein Panzer, welcher stark genug wäre, um den schwersten Projectilen zu widerstehen, und doch so billig zu stehen käme, dass man ihn zur Deckung für Tausende von Positions-Geschützen verwerthen könnte, soll aber trotz mehrjährigen Suchens erst noch gefunden werden.

Wallgeschütz-Casernatten ohne Panzer oder ähnliche Constructionen, welche das Mauerwerk zeigen, werden jedoch wohl von Niemanden als Verbesserungen angesehen werden können.

Wallgeschütz-Casernatten vertheuern aber den Bau ausserordentlich.

Der Beweis ist nicht schwer herzustellen.

Nach einer Elementarregel der Fortilication haben Scharten in Erdbrustwehren derart weit von einander abzustehen, dass die Stärke des zwischenliegenden Merlons an der äussern Brustwehrböschung gleich sei der für nothwendig erachteten Brustwehrdicke.

Da man nun heutzutage die Brustwehrdicke in permanenten Werken mit vier Klafter annimmt, so müsste der zwischen den Scharten gelegene Erdkörper an der äussern Bruslwehrböschung ebensoviel messen.

Die Folge davon ist, dass höchstens von 8 zu 8 Klafter Geschütze unter Wallgeschütz-Casernatten placirt werden könnten. Wollte man nun 30 Geschütze auf solche Weise decken, so wären 30 X 8 = 240 Klafter Tracelänge für das Werk nothwendig, —- eine riesige Ausdehnung.

Das Feuer der Infanterie und solcher Geschütze, welche nur zeitweise über Bank zu wirken hätten, ist aber hiebei noch gar nicht berücksichtigt; vernachlässigt kann es nicht werden, man muss also jedenfalls noch etwas den 240 Klaftern hinzufügen, und die kleine Festung mit ungefähr 300 Klafter Tracelänge, d. i. 750 Schritt, ist fertig.

[ocr errors]
« ZurückWeiter »