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anzufangen war. Die Türken jedoch, als sie das Anrücken erfuhren, ergriffen noch rechtzeitig die Flucht. Im Lager fand man abermals Wein, welcher ebenfalls ausgetrunken wurde, und nun waren alle Bande der Ordnung gelöst. Beim Rückmarsch gedeihen sie aneinander, Zank und Rauferei dauerte bis in's Kloster, wo eine völlige Meuterei auszubrechen drohte. J)a Hess Abt Kolweis 200 Mann der zurückgebliebenen Besatzung aufmarschiren, mit gespanntem Hahn auf die Trunkenbolde anschlagen, und erklärte, wenn sie nicht sogleich die Waffen ablegen würden, unter sie feuern zu lassen. Dies wirkte; die ärgsten Schreier und Tumultuanten wurden verhaftet, welche dann den andern Tag nach ausgeschlafener Trunkenheit um Verzeihung !>;>ten, worauf sie der Abt begnadigte.

Am 17. August wurde bei einem Ausfall ein Türke erschossen. Beim Ausfall am 18. flüchtete der Feind sogleich und liess 20 Stück Vieh im Stich, auch würden 16 Pferde erbeulet. Beim weiteren Vorrücken über Traisen wurde der Feind beim Abkochen überrascht, wobei plötzlich zwei churbayerische Officiere mit 5 Dragonern erschienen, die, von Melk auf Recognoscirung gesendet, das Schiessen hörten, sogleich den Feind attakirten und zu dessen Vertreibung kräftigst mitwirkten, wobei mehrere Türken blieben, deren schöne und reiche Waffen in's Kloster gebracht wurden. Die beiden Officiere mit ihren Leuten wurden im Kloster aufgenommen.

Am 19. August brachten Kundschafter die Nachricht, dass einige Hundert Türken in den Eschenauer Bergen lagerten. Der Abt bestimmte 200 Mann zum Überfall und übergab das Commando den beiden Officieren, welche mit vieler Klugheit anrückten, dann das Lager mit Blitzesschnelle überfielen, wodurch der Feind in Unordnung gedeih und die Flucht ergriff, grösstenteils aber in die Traisen gesprengt wurde. Jedoch formirte er sich wieder und griff unter furchtbarem Geschrei dreimal an, wurde aber immer mit einem mörderischen Feuer empfangen und zurückgeschlagen, wobei sich bei 30 Türken auf eine Höhe flüchteten, wo sie von den nachsetzenden Bauern überwunden und hinabgeworfen wurden. 150 Türken blieben todt, 120 Pferde und viele Waffen wurden erbeutet, und über 100 gefangene Christen befreit.

Mit grossem Jubel wurde das Commando bei der Rückkehr in's Kloster empfangen. Die bayerischen Officiere, denen man die ganze Beute zuerkannte, nahmen nur einige Pferde und ein Andenken des Prälaten, rücklen auch schon den andern Tag zum Regimente ein.

Dies war der rühmliche Schluss der kriegerischen Aclion, denn von jetzl an liess sich kein Türke mehr in der Gegend sehen.

Am 22. August erschien ein Regiment Polen, welches vom Klosler bis 6. September verpflegt wurde, aber trotzdem in den Häusern viel Nachsehens hielt, daher man froh war, als es abrückte.

Bald darauf kam die frohe Kunde von dem Entsätze Wiens und der Klucht des türkischen Heeres.

Abt Kolweis hielt hierauf einen feierlichen Dank-Gottesdienst, wobei die eroberten Fahnen in der Josephscapelle aufgestellt wurden.

Die ganze Zeil waren über tausend Mann und auch sonst viele Flüchtlinge vom Kloster verpflegt worden, und zwar täglich zweimal mit Speise und Wein. Alle Anordnungen gingen vom Abte aus und waren vom vollkommensten Erfolge gekrönt. Das Kloster halte zwei Stürme abgeschlagen, viele Ausfälle unternommen, mehrere schöne Gefechte geliefert, Fahnen und viele Waffen erobert, bei tausend gefangene Christen bei reit und dem Feinde den Durchzug nach Steiermark verwehrt, weshalb man es in jener Zeit den Eckstein nannte, an dem sich die Türken den Kopf zerschellten.

Alles Verdienst gebührt dem ruhmvollen Abt Matthäus Kolweis. welcher noch 12 Jahre seine herrlichen Thaten überlebte. Er starb am 9. Februar 1695 und wurde in der Kirche des Klosters begraben, welches noch heutzutage im Besitze seines lebensgrossen Bildes, trefflich in Öl gemall, sich befindet.

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Beiträge zur Geschichte des österreichischen Heerwesens.

Die Heeres-Verpflegung am Schlüsse des 18. Jahrhunderts.

(Schluss ').

III. Sicherstellung des Erfordernisses an Naturalien durch Landes

lieferungen.

* i

Die Bedürfnisse für die Armee an Brodfrüchten und Pourage wurden seit 1782 durch Lieferungen vom Lande gedeckt, eine Massregel, die durch die Errichtung der unterthänigen Contributions-Schütthöden leicht durchführbar war und eine weit billigere Verpflegung verschaffte, als der gegenwärtig übliche Ankauf dieser Bedürfnisse. Die erwähnten Schüttböden wurden als ein sicheres Mittel angesehen, der Theuerung und dem Mangel zu entgehen, und deren Errichtung vorzüglich in Böhmen, Mähren und Schlesien schon im Jahre 1779 angeordnet. In denselben sollte von den Besitzern der Rusticalgüter ein Dritttheil des jährlichen Samenbedarfs von den 4 Hauptkörnergattungen: Waitzen, Roggen, Gerste und Hafer aufgeschüttet, mit dieser Hinterlegung durch 3 Jahre fortgefahren und auf diese Weise der ganze Saatbedarf, als ein Fond für ewige Zeiten, zusammengebracht werden.

Diese Aufschüttung, welche die Kräfte vieler Grundeigenthümer überstieg, wurde später (1793) auf den 20. Theil des jährlichen Bedürfnisses an Samenkorn herabgesetzt, und in kornarmen Gegenden dem Grundbesitzer (1799) gestattet, einen Geldbetrag zusammen zu bringen, wovon in wohlfeilen Jahren der Naturalvorrath beigeschafft werden sollte.

Nachträglich wurde auch den emphyteutischen Grundbesitzern gegen Schüttung einer Anzahl Körner ein Antheil an den zusammengebrachten Vorräthen zugestanden, insoferne die Hechte der Rusticalisten dadurch in keiner Weise geschmälert oder beeinträchtigt würden. Die Dominical-Grundbesitzer blieben aber für alle Fälle davon ausgeschlossen (1835).

Zur Aufbewahrung der Körner mussten auf den Staatsgütern die durch die Auflassung der Maierhöfe leer gewordenen Getreideböden, auf Privatherrschaften ein Theil des obrigkeitlichen Schüttbodens mit eigener Sperre, oder nach Umständen alte Schlösser, gesperrte Kirchen und Klöster etc. verwendet und ohne viele Kosten zugerichtet werden. Die Unterthanen sollten nach und nach, wie es ihre Vermögensumstände gestatteten, den Bau eigener ContributionsSchüttböden bewerkstelligen (Verordnung 1789 u. 1829); bis dahin müssten im Nothfalle die erforderlichen Behältnisse gegen einen billigen Zins gemiethet werden. Die Unterhaltungskosten waren nach der Verordnung vom Jahre 1789 jedenfalls von den Unterthanen zu bestreiten.

Die Verwaltung der Contributions-Schüttböden war unter die Aufsicht der Staatsbehörden gestellt, unmittelbar aber den politischen Obrigkeiten übertragen, welche für die Sicherheit und Erhaltung der Vorräthe zu haften und jährlich Rechnung darüber zu legen hatten. Auch die unterthänigen Contribuenten wurden

') Siehe den frühern Theil im 4. Band des Jahrganges 1867. Seite 341. Österr. militär. Zeitschrift. 1868. (3. Bd.) 28

dazu berufen, Jemanden aus ihrer Mitte zu wählen, der die Mitsperre zu führen und bei allen Natural-Empfängen und Ausgaben zu interveniren hatte, um sich sowohl von der Qualität des Getreides, als von der Richtigkeit des Masses zu überzeugen.'

Der Zweck der Anstalt bestand nun darin, den Unterthanen in allen Nothfällen einen Zufluchtsort zu sichern, wo sie entweder das erforderliche Samenkorn zur Bestellung ihrer Saaten, oder ihren Bedarf zum Unterhalte gegen Rückersatz aus der Ernte als Vorschuss erhalten konnten. Ausserdem sollte der aufgebrachte Körnerfond als ein Mittel gegen übermässige Theuerung und Mangel dienen, weil in solchen Fällen das erforderliche Quantum Getreide aus den Speichern entnommen, zu Markte gebracht, und dadurch einer weiteren Steigerung der Preise am wirksamsten begegnet werden könnte.

Wenn der ganzjährige Samenbedarf auf dem Schüttboden in Natura vorhanden war, musste der sich zeigende Überschuss veräussert, und das gelöste Geld durch Ankauf von Staats-Obligationen ode> sonst zinsbar gemacht werden (Verordnungen vom Jahre 1834 u. 1838).

Da in der österreichischen Monarchie mehr Getreide geerntet wird, als überhaupt von der Bevölkerung consumirt werden kann, folglich bei mittelmässigen Ernten Überfluss an Getreide vorhanden ist, da ferner die Aussaat für ein Jahr stets als Ersparniss aufgespeichert war, die Aussaat aber in der Regel den 20. Theil der Ernte ausmacht, so waren schon diese Vorräthe hinreichend, die Verpflegung von wenigstens einer Million Soldaten auf ein volles Jahr mit Cerealien zu sichern.

Die Armeeverpflegung konnte demnach bei einer solchen Einrichtung auf eine möglichst wohlfeile Weise bewerkstelligt werden, weil es in der Befugniss der Regierung lag, bei der Aufstellung einer Armee oder in Zeiten der Noth überhaupt jene Mittel in Anwendung zu bringen, die geeignet schienen, um auf eine wohlfeile Art sich den nöthigen Bedarf an Naturalien zu verschaffen.

In solchen Fällen wurden zu verschiedenen Zeiten auch verschiedene Mittel in Anwendung gebracht, ohne dass diesfalls eine bestimmte Benehmungsweise für die Zukunft vorgeschrieben worden wäre. Gewöhnlich suchte man in solchen Fällen durch Erhöhung des Ausgangszolles oder durch wirkliche Ausfuhrverbote die inländischen Vorräthe für die einheimische Verzehrung zu bewahren und die Einfuhr aus dem Auslande durch Herabsetzung oder gänzliche Aufhebung des Einfuhrzolles zu begünstigen.

In äussersten Nothfällen ist man sogar dazu geschritten, die Getreideböden durch kreisämtliche Commissäre untersuchen zu lassen, oder den Getreidebesitzem Fassionen über ihre Getreide-Vorräthe abzufordern und ihnen die Verpflichtung aufzuerlegen, bei Strafe der Confiscation, ihr Getreide, mit Ausnahme dessen, was zu ihrem eigenen Bedarfe nothwendig war, bis zur nächsten Ernte zu verkaufen, wobei zu Zeiten auch die Körnerpreise gesetzlich bestimmt wurden, z. B. in den Jahren 1569, 1758, 1768 und 1808,

Die Einrichtung der vorerwähnten Contributions-Schüttböden stand im innigsten Zusammenhang mit dem ehemals bestandenen Unterthansverbande. Nach der Aufhebung des letzteren mit dem Patente vom 7. Sept. 1848 sah sich die Staatsverwaltung veranlasst, im Jahre 1849, welches die allgemeine Stimme als ein Emtejahr von ausgezeichneter Fruchtbarkeit bezeichnete, auf die Notwendigkeit der Aufsammlung von Vorräthen in den einzelnen Gemeinden durch Anlegung von Getreide-Sparspeichern (Gemeinde - Schüttkästen) aufmerksam zu machen. Diesem Erlasse wurde die Abbildung eines verbesserten Getreidespeichers nach den Grundsätzen Sinclair's und eine Baukosten-Berechnung beigegeben, aus welcher hervorgeht, dass ein solcher Thurmkasten, welcher 1400 Metzen Getreide zu fassen im Stande ist, nicht höher als auf 1000 fl., oder ungefähr 43 kr. C. M. per Motzen zu stehen kommt. Es wurden sämmt

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liehe Landwirthschaftsvereine aufgefordert,. den Gemeinden ihres Bereiches die Wohltbätigkeit der Getreidemagazinirung eindringlichst vorzustellen und in jeder Weise ein Unternehmen zu unterstützen, dessen gemeinnützige Folgen keines Commentars bedürfen.

Es seheint aber, dass dieser Rath wenig Anklang gefunden habe, da sonst der Hungersnoth, welche im Jahre 1862 in der Tiefebene Ungarns in Folge der Sommerdürre entstand, auf eine minder kostspielige jWeise hätte abgeholfen werden können.

Mit der Aufhebung des Unterthansverbandes wurde auch die Sicherstellung der Armeeverpflegung durch die Landeslieferung, welche sich bis teum Jahre 1813 erhalten hatte, fallen gelassen, und diese durch die kostspieligere Beschaffung mittels des Ankaufes ersetzt.

i% Über die Vortheile der Landeslieferungen, über die Art und Weise, wie

der Zuschub zur Armee einzuleiten, und deren Subsistenz auf eine möglichst ^billige Art zu sichern sei, macht eine Denkschrift vom Jahre 1808 eingehende Erwägungen und Betrachtungen, die wir hier folgen lassen. - ■ Nach dem Verpflegsstand der Armee ist das jährliche Erforderniss folgendes:

4,009.000 Metzen Korn, 8,500.000 „ Hafer, ! ., . , 3,017.000 Ctr. Heu.

Das Memorial enthält die Beantwortung folgender Fragen: .1. Kann und soll der Bedarf- für eine operirende Armee in Magazinen gesammelt, und hiedurch die Versicherung der Subsistenz auf längere Zeit erreicht werden'? oder ist es vorteilhafter diese Vorräthe, — dann in wie weit? — beim Land zurück zu belassen, und auf welche Art sind solche von daher zu beziehen?

Die Grenzen Österreichs gegen Italien und gegen Deutschland sind meistens offen und gewähren für Anlegung grosser Magazine keine feste Sicherheit. Bei zeitweisen Einfällen des Feindes sind solche Magazine zu sehr der Verwüstung ausgesetzt, sie kommen daher nicht einmal den eigenen Unterthanen zur Bestreitung der feindlichen Requisitionen zu Gute, ausser wenn die Länder solche dem Feind um schweres Geld ablösen.

Macht die Armee eine rasche Bewegung, so werden solche Magazine entblösst; auch ist es nicht möglich, grosse Vorräthe gleich in die neue Operations-Gegend zu überführen. Wird dabei noch angenommen, dass solche "Vorräthe zum Theil aus den Ländern, wohin die Armee hinüber rückt, oder überhaupt aus der Gegend, wo sich die Armee versammelt, zusammengebracht werden, wobei diese Gregenden durch Transportirungen mitgenommen, von den eigenen Vorräthen entblösst werden, und überdies Theuerung hervorgerufen wird, so mehren sich die Nachtheile.

Alle diese bei Operationen an ausgedehnten Grenzen gewöhnlichen Ereignisse machen daher die Vorsichtsmassregel nothwendig, hinter der Armee auf 6—8 Meilen nicht mehr als einen halbmonatlichen — weiter rückwärts in den auf 11—20 Meilen zu etablirenden Magazinen blos für einen weitern einmonatlichen, in den daran stossenden Provinzen auf eine Entfernung von 25—30 Meilen wieder für einen einmonatlichen, endlich in den über 36 Meilen rückwärtigen Magazinen auf 6 Wochen oder IVa Monate, im Ganzen also höchstens auf 4 Monate für den grossen Armee-Bedarf in den Magazinen den Vorrath zu unterhalten.

Zur successiven Ergänzung der Armee - Consumtion muss der Vorrath in den Scheunen der Producenten gesichert sein und in verhältnissmässigen Raten an die Armee abgeführt werden.

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