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Die Befestigung der Schlachtfelder und die technischen

Truppen.

Als noch dem letzten Kriege 1866 die Mächte sahen, dass der Ausgan« eines Kampfes mit. ungleichen Waffen nimmermehr zweifelhaft sein könne, und selbst der grösste Heroismus vergebens kämpfte gegen einen Feind, der Einer Kugel des Gegners — deren fünf entgegenzuschicken vermag, da erscholl allerseits der Ruf nach gleichen Waffen, und der Hinterluder wurde zum einzig berechtigten Gewehre. Aber nicht nur Gleichkommen, — „Übertreffen" wurde die Parole, und so entsfanden alltäglich neue Erzeugnisse zum Tödlen en gros.

Die meisten Mächte sehen nun, nach langem Zweifel, mit Befriedigung auf das von ihnen adoptirle Gewehrsystem: im Allgemeinen ist ja das Eine so gut wie das Andere, — und nun kommt man folgerichtig zu dem Bestreben, die Bedingungen der Wirkung eigenerseits günstig zu stellen und gleichzeitig dem Feinde die Ausbeute der Vortheile zum mindesten sehr schwierig zu machen, — ein Bestreben, welches zum Schlüsse doch in der Absicht gipfelt: der feindlichen Wirkung sich zu entziehen, den Gegner aber bloszustellen, oder in üusserster Consequenz: „Treffen und nicht getroffen werden."

Ist einmal die Gewehrfrage zum Abschlüsse gebracht, so wird sofort „Deckung suchen und Deckung schaffen" die Parole des Tages werden.

Deckung vor den feindlichen Geschossen kann aber der Feldsoldat im Allgemeinen nur durch das Terrain im weiteren Sinne erreichen; das Terrain kann einen grossen, die Armee umschliessenden Panzer bilden, welcher die gefährlichen Kugeln verschlingt: es kann durch seine Bedeckung dem Einzelnen einen schützenden Schirm bieten.

Damit erkannte man wohl nichts Neues, — es gibt kein taktisches Lehrbuch und keinen Lehrer der Taktik, welche nicht immer wieder auf die Bedeutung des Terrains in der zweifachen Beziehung des Deckens der Truppen und als Stützen zur Durchführung einer kräftigen Defensive' zurückkommen; allein auch das Zündnadelgewehr hatte durch seine Erfofge in Schleswig auf dessen Erscheinen vorbereitet, — und ebensowenig wie letztere wurde je die Wichtigkeit des Terrains bis in die letzten Consequenzen gewürdigt.

Die verbesserten Feuerwaffen haben nur diese Wichtigkeit erhöht; man kann hinfort nicht mehr dessen ernsterer Würdigung sich entschlagen.

Entspricht aber auch das Terrain stets den Wünschen des Taktikers, bringt es nicht oft sogar bedeutende Nachtheile?

Dörfer gäben gute Stützpunkte, wenn die Umfassung geschlossen wäre, wenn die Häuser feuersicher, einige derselben, von solider Bauart, zu Reduil< geeignet sein würden, wenn Bäume und Zäune, Schoppen und Planken den Ausschuss nicht hinderten.

Eine das Angriffsterrain überhöhende Kuppe gäbe eine vortreffliche

ÖMerr. miluilr. Zeitschrift. 1868. (3 IM.) -1

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Artillerieposilion, — allein vielleicht führt kein bequemer Weg auf selbe; der feindwärls gekehrte, cbnvexe Abhang kann nicht bestrichen werden; feindliche Plänkler, welche den Sturmcolonnen vorausgehen, finden im Vorterrain durch hohes Getreide, Bäume und Bodenwellen Deckung, aus welcher sie die, in ihren vielen Menschen und Pferden ein vortreffliches Zielobjecl bietende Batterie — gerade im entscheidendsten Momente durch grosse Verluste zum Schweigen bringen können.

Die Infanterie-Massen, wie sollten sie in einer Verteidigungsstellung, vielleicht als Besatzung eines sehr wichtigen Punktes, einer Brücke, einer Kuppe etc. im verheerenden Artillerie-Feuer ohne bedeutenden physischen und moralischen Verlust aushalten und nun — vielleicht gar in der Minderzahl — dem umfassenden Angriff der Tausende von Kugeln gegen das Angriffsziel sendenden feindlichen Infanterie widerstehen?

Kann aber nicht der Verlust des einen wichtigen Punktes das Aufgeben anderer zur unmittelbaren Folge haben, und dadurch, dass einige Bataillons nicht Stand zu halten vermochten, das Gefecht eine üble Wendung nehmen?

Wenige Minuten längeren Widerstandes, und die Unterstützungen wären rechtzeitig angelangt, — nun aber haben sie bereits siegreiche Truppen und das Terrain gegen sich; mit keinem Fusse mehr in der verlornen Position, wird die Wiedereroberung des Punktes, den man nie hätte verlieren sollen, problematisch, jedenfalls aber mit grossen Verlusten verbunden sein.

Gewiss anders hätten sich aber die Dinge gestaltet, wenn die Batterie hinter einem deckenden Erdaufwurf, die Infanterie in Schützengraben und hinter Brustwehren, crenelirten Mauern, verhauten Waldrändern oder in verrammelten Ortschaften bis zum Anlangen der Sturmcolonnen in Festigkeit ausgeharrt und nun, bis zum Kopfe gedeckt, den Angreifer, selbem durch die kleinere Trefffläche physisch, und durch die dadurch bedingten geringeren Verluste auch in moralischer Beziehung vielfach überlegen, mit Schnellfeuer empfangen hätte.

Wie ferner, wenn das Vorrücken der feindlichen Sturmcolonnen durcii vorgebgte Verhaue, durch abgegrabene Strassen, zerstörte Brücken im entscheidenden Feuerbereich verzögert, wenn demselben durch Lichten des Angriffsterrains jede Deckung entzogen worden wäre?

Wie endlich, wenn der Feind, nachdem die ersten leichten Deckungen der Plänkler überwunden, die Hindernisse aus dem Wege geräumt, nach grossen Verlusten körperlich und moralisch abgespannt, vermuthend oder unvermulhet auf eine geschlossene Schanze mit Graben, Hindernissen und eine bis dahin intocte Besatzung stössl, welche zu einem Angriff zwingt, der ohne zeitraubende Vorbereitungen, ohne specielle gute Disposition mit Aussicht auf Erfolg nicht unternommen werden kann: Vorbereitungen, die, im Salvenfeuer der gedeckten Besatzung durchgeführt, dem Angreifer grosse Verluste verursachen, die von vorne Zurückgedrängten der Verfolgung entziehen, den äusseren Reserven aber die schönsten Chancen zum Entsätze geben.

Die unscheinbaren Schützengräben hatten die eigenen Verluste auf n Minimum reducirt, den moralischen Werlh der Truppen erhalten, dem einde Zeit und Kräfte geraubt; —die geschlossene Schanze, das in Vertheiigungssland gesetzte Dorf aber die Krad seines Angriffes gänzlich gerochen.

Letztere sind daher die Angelpunkte, um welche sich stets jener Defenv-Kampf dreht, der schliesslich zur erfolgreichen Offensive führt.

Die Erwägung des Vorerwähnten, die Erfahrung, dass die meisten Ortchkeiten, welche der unterstützenden Hilfe der Technik entbehrten, im ersten anlaufe genommen und, sodann wiedererobert, nochmals verloren wurden, ührte direct zu dem Schlüsse: dass die Vor theile des Terrains für ien Vertheidiger erst dann entscheidend werden, wenn an demselben die nöthige Correctur vorgenommen, dasselbe den momentanen speciellen Bedürfnissen entsprechend hergerichtet wurde, wenn also Dörfer und Wälder in Verlheidigungsstand gesetzt, wenn Deckungen für Infanterie und Geschütze erbaut und die beherrschenden, den Kampf stützenden Punkte durch Schanzen gekrönt, dem Feinde durch Lichtung des Vorfeldes erwünschte Deckungen entzogen, kurz die Mittel der Feldbefestigungskunst in ausgedehntester Weise zur Anwendung gebracht wurden.

Nicht minder einflussreich stehen jene technischen Thätigkeiten, die durch Erbauung von Brücken und Wegen die eigene Manövrirfähigkeit vermehren, die Mängel der Gangbarkeit heben, respective durch Zerstörungen an den Communicationen das Vorrücken des Feindes, dessen Manövriren, somit den Sieg erschweren, die Ausbeutung des letzlern durch Verfolgung aber unmöglich machen.

Dies wurde theilweise auch zu allen Zeilen anerkannt. Cäsar glänzt durch Alesia; Römer, Teutonen und Markomanen verschanzten allnächtlich ihre Lager; Mon tecuccoli, Tu renne und Eugen verschmähten es nie, die Leiber ihrer Soldaten zu decken; Wallenstein halle sein Nürnberg, Friedrich II. sein Bunzelwitz, Wellington seine Torres vedras; Napoleon dankt den Sieg bei Dresden zweien schwachen Schanzen einige Brustwehren und zwei verrammelte Dörfer reltelen ihn bei Aspern vor völliger Vernichtung. Erzherzog Carl baute bei Caldiero Schanzen und Verhaue; Radetzky's Sieg vor den Thoren Verona's wäre ohne den in Verlheidigungsstand gesetzten Ort St. Lucia nicht möglich, in der,Schiachl bei Custozza 1848 dagegen die Vereinigung mit den Corps Sonnaz hergestellt gewesen, wenn nicht Valeggio in der kürzesten Zeit zu hartnäckiger Verteidigung hergerichtet worden wäre.

War nun in vergangenen Zeiten die Wichtigkeil der technischen Vorbereitung des Schlachtfeldes anerkannt, verschmähte man es nicht, Tage lang zu arbeilen, um im entscheidenden Momente die nur in kleinerer Zahl träge und in unbestimmten Bahnen einschlagenden Kugeln unwirksam zu machen, legte man damals, wo die Zeit noch nicht so viel galt, Werth darauf, den Unterstützungen und Reserven für ihr späteres, entscheidendes Auftreten die Wege zu bahnen, — um wie viel mehr muss heute der Werlh der Kriegstechnik zunehmen, wie unerlässlich muss die Schaffung von Deckungen werden, wo schon das blosse Geschwirre der in den kürzesten Zeilräumen zu Tausenden in sicherer Bahn einschlagenden Geschosse an moralischem Effect den physischen der allen Muskete übersteigt, wo jedes Geschützprojectil durch die Explosion seine Gefährlichkeit verhundertfacht?

Heute, wo die Zeit so viel gilt und der Sieg an gewonnenen Minuten hängt, muss nicht jeder feste Punkt der Stellung, welcher dem Feinde Autenlhalt bereitet, muss nicht Alles, [was uns Zeit gewinnen lässt, — Schanzen und Strassen — ganz unberechenbare Wichtigkeit gewinnen?

An die erste entscheidende Schlacht knüpft sich aber wohl in Zukunft meistens der Erlolg des ganzen Feldzuges, weil der moralische Werth kurz dienender Soldaten rasch zerstört ist, um so rascher je grösser die momentanen Verluste waren; darum muss hauptsächlich schon in der ersten Schlacht Alles zusammenhelfen, um den Sieg zu erkämpfen, die Verluste zu verringern, und unter den Mitteln hiezu ist die Feldtechnik wahrlich nichl das geringste.

Nicht nur vor Verlusten aber bewahrt, nicht nur die Defensive stärkt sie, sondern auch als zahlersetzender Factor zur Kräftigung und Ermöglichuns der Offensive tritt die Feldtechnik auf.

Eine Schanze, von 200 Mann besetzt, ist einem Bataillon im freien Feld mehr als equivalent; ein Verhau von 50 Mann in wenigen Stundengemacht, verstärkt die Zahl der Verlheidiger vielleicht um das 5fache; eine Sprengtonne verrichtet die von vielen Menschen, selbst in stundenlanger Thätigkeit auf dem Schlachlfelde kaum durchführbare Arbeit in einer Sekunde.

Rechnet man per Schritt einer unverschanzten Stellung 8—10 Mann, so sind — Lehrbücher und Erfahrungen stimmen hierin überein — auf den Schritt einer befestigten Stellung nur 5—6 Mann zu rechnen, d. h. nahezu die Hälfte der Armee wird zur Offensive disponible: mit 3 gegen 5 kann man eine Schlacht schlagen.

DieArbeit, welche lOOOMann in 5 — 6 Stunden in derStellung einer Armee-Division verrichten, ist der Vers tä r kung um 6—8000 Mann, d. h. einer Brigade gleichzusetzen; jeder arbeitende Mann vermehrt seinen Werth so oft mal, als er Stunden in Thätigkeit war!

Darin zeigl sich nun auf das Evidenteste der Werth tüchtiger technischer Truppen, aber auch die Nothwendigkeit, sie, zur 4. Waffe machend, stets und immer in engster Verbindung mit den andern Waffengattungen zu benutzen, sie mit dem Begriffe „Terrain" zu identificiren.

Wo Truppen kämpfen oder des Kampfes gewärtig sind, sei es in der Stellung, am Marsche, im Biwak oder in der Vorpostenlinie, müssen technische Truppen durch Anwendung ihrer Kunst den Sieg erringen helfen.

Es fragt sich nun aber, sind die eben ausgesprochenen Wünsche, mit Rücksicht auf den ungemein raschen Verlauf der kriegerischen Begebenheiten, auch zurealisiren, und welche sind die Mittel hiezu?

Die im Kriege auszuführenden technischen Arbeiten bestehen, u. z. auf dem Schlachll'elde: a) in Verlheidigungs-Instandselzungen von Örtlichkeiten, Verhauen von Wäldern etc., b) in der Herstellung von Deckungsgräben von schwachemProfile für Schützen, von stärkeren für geschlossene Infanterie und Batterien, — erstere blos gegen Gewehr, letztere auch gegen Geschützfeuer; <•) in Erbauung geschlossener Schanzen mit vorgelegten Hindernissen; d) im Herstellen von Colonnenwegen und Brücken, Lichten des Vorfeldes und Zerstören der feindlichen Communicalionen; endlich e) in der Unterstützung der Sturmcolonnen durch Aufräumung der ihre Bewegung verzögernden Hindernisse, durch Überwältigung hölzerner und steinerner Schutzwehren des Feindes, als Mauern, Palissaden, Thore durch die Kraft des Pulvers in Form von Minen.

Ausserhalb des Schlachtfeldes besieht'die technische Thäligkeit hauptsächlich in der Herstellung oder Zerstörung von Strassen, Brücken, Eisenbahnen, in Lagereinrichtungen etc., woran sich endlich das Signalwesen und die optische Telegraphie mit stets zunehmender Wichtigkeit reiht.

Die zur Verstärkung eines in defensiver Absicht bezogenen Schlachtfeldes gegebene Zeit aber ist gewöhnlich ein Nachmittag, die Nacht, einige Stunden vor und während der Schlacht selbst, d.i.bei einer sogenannten rangirlenDefensiv-Schlacht bei 18 Stunden, von denen etwa 10 zu wirklicher Arbeit verwendet werden können. Aber selbst bei Gefechten, die nicht längere Zeit vorausgesehen und direct nicht beabsichtigt wurden, steht immer die Zeil, welche zur Abwickelung des Einleitungsgefechles vergeht, d. i. 2^—3 Stunden, zur Verstärkung der Hauptlinie und noch mehr zur Schaffung einer Rückzugslinie zur Verfügung. Ja selbst die Zeit, welche von der Eroberung irgend eines Tcrrainlheiles bis zur versuchten Wiedereroberung seitens der Reserve des Gegners verstreicht, ist nicht zu klein, um von tüchtigen technischen Truppen zu Verstärkungsarbeiten, zum Festsetzen und Einnisten benutzt zu werden.

Es kann nämlich vollendet werden:

Ein Jägergraben von 3 Mann Infanterie per Klafter in 40, von Genietruppen in 20 Minuten, d. i. eine Deckung für 100 Schulzen von 10 Mann in 10 Stunden. Eine geschützprojectilsiehere Deckung für geschlossene Infanterie, 4 Glieder tief, in 3 Stunden von 3 Mann per Klafter, d. h. 1 Mann schafft in 3 Stunden geschützprojectilsiehere Deckung für 4, in 10—11 Stunden für 12 Mann. Eine Batterie-Deckung kann in 2—3 Stunden, eine Schanze für 2 Compagnien mit Hindernissen amGlacis binnen 8 Stunden durch 6—800 Mann erbaut werden. Ist die gegebene Zeil grösser, dann kann man mit weniger Arbeitern das Auslangen treffen, sowie auch bei ausschliesslicher Verwendung von Genie-Truppen die Zahl der Arbeiter um '/, bis '/, vermindert werden kann.

Zumnolhdürftigen Verhauen eines Waldrandes, zur Verthcidigungs-Instandselzung einer Ortschaft reichen 3 — 4 Stunden und ein Mann per 5 Schritt Umfang hin.

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