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Katharina IL zu treten bestimmt sah (Folgen des Teschner Friedens), und in natürlicher Consequenz der daraus entspringenden Verpflichtungen an dem Kriege Anlheil nehmen müssen.

Von dem grossen Kaiser in Person und seinem treueslen Freunde Lacy geführt, nahm derselbe keinen günstigen Forlgang: er war unglücklich für die österreichische Armee, namentlich aber hatte der linke Flügel derselben, das kroatische Armeecorps, fortwährend Unfälle erlitten.

Man sah sich bald gezwungen, der öffentlichen Meinung, welche im Heere, wie im Volke laut nachdem Liebling Laudon rief, Rechnung zu tragen und diesen berühmten Feldherrn, welchem man beim Beginne des Krieges kein Commando gegeben hatte, an die Spitze des croaüschen Corps zu stellen ').

Von diesem Momente an änderte sich die Sachlage. Schon die blosse Nachricht von der Abberufung des geliebten Generals von seinem Landgute zu Hadcrsdorl hob den Muth der Armee derart, dass der provisorische Commandant inCroatien General De Vins, diese Stimmung benützend, eine glückliche Offensive zu ergreifen im Stande war.

Laudon, der sich unumschränkte Vollmacht ausgebeten hatte, die ihm auch bewilligt wurde, begab sich am 13. August von Wien zum Heere; seinen Reisewagen umringte die halbe Bevölkerung Wien's und rief ihm ein tausendfältiges Lebehoch zu. Der Kaiser, um ihm einen Beweis seiner Achtung zu geben, befahl, aus seinen eigenen Ställen und Vorrälhen bei Hofe Wagen, Pferde, Feldgerälh, Weine, Küchencinrichlung, kurz Alles, was Laudon zum Gebrauche nölhig hätte, herzugeben.

Mit Jauchzen empfingen den Soldalenvater am 18. August seine Truppen, und am nächsten Tage schon schlug er mit ihnen den Feind. Rasch ging es nun auf Dubicza, Brcbir und Novi los, die Städte fielen, und unter fortwährenden Siegen beschloss er den Feldzug des Jahres.

Im nächstfolgenden Feldzug, 1789, den der Kaiser, seiner Schwäche wegen, nicht mehr mitmachen konnte, erhielt zum Befremden der ganzen Welt Hadik das Commando der Hauptarmee, und Laudon ging abermals zum croatisch-slavonischen Heere.

Hier nun ist es am Orte, eines schönen Charakterzuges des Letzteren zu erwähnen, dem der Neid eine unbekannte Sache war, und in dessen Leben die Bescheidenheit eine der hervorragendsten Rollen spielt.

]) Als der Türkenkrieg ausbrach, erhielt Laudon kein Commando; der ganz vom Kriegsgeiste und Vaterlandsliebe beseelte 72jährige Feldherr fuhr allsogleich nach Hofe und trug dem Kaiser selbst seine Dienste mit den Worten an: „E. M. haben zwar gute Generäle, ich aber noch Leibeskräfte, vielleicht könnte auch ich in diesem Kriege zu etwas nützlich sein. Ich biete E. M. meine Dienste mit aller Devotion an." Der Kaiser klopfte ihm mit seiner gewöhnlichen Vertraulichkeit auf die Achsel und gab freundlich zur Antwort: „Mein lieber Laudon, Sie haben schon das Ihrige gethan, Sie sind schon gebrechlich, gemessen Sie lieber Ihre Tage in Ruhe." — „Sobitte ich E. M., erwiderte Laudon, wenigstens meinen Neffen hei der Armee anzustellen: er ist jung und frisch und soll im Feldo was lernen und erfahren." „Mit viol Vorgnügon", replicirte Josef, „ich ernenne ihn zu meinem Adjutanten."

Wir hatten früher bemerkt, wie die Erwartungen Aller getäuscht wurden, als nicht Laudon sondern Hadik den Oberbefehl erhielt. Es war zwar auch dieser General in der Armee hochgefeiert, dennoch trauerte man im Volke wie im Heere, dass der „Soldatenvaler" nicht an die Spitze des letzteren gerufen ward; nur e i n Mann freute sich über Hadik's Ernennung, und dieser war — Laudon selbst.

Josef II. hatte vor dem Feldzuge schon den Wunsch geäussert — und wir werden diesen noch Einmal später in seinen Briefen vernehmlich ausgedrückt finden — auf Belgrads Wällen, auf welche damals die Blicke von ganz Europa, wie vor wenigen Wochen, — freilich nach ganz anderer und verabscheuungswürdiger That — gerichtet waren, den kaiserlichen Adler gepflanzt zu sehen. Er trug daher dem Feldmarschall Hadik auf, den Plan zur Belagerung dieser wichtigen Festung zu entwerfen und seine Vorschläge auch Laudon zur Beurtheilung mitzutheilen.

Beide sollten sodann ihre Meinung dem Kaiser vorlegen. Laudon prüfte seines Freundes Ansichten mit reiflicher Überlegung und antwortete sodann dem Kaiser: „wie H a d i k s vortrefflicher Plan den Reichthum von seinen militärischen Kenntnissen erprobe und beweisen werde — was Hall i k nur aus Mangel an Gelegenheit noch nicht zu thun vermochte — welch' grossen Feldherrn Österreich in diesem Helden besitze. Weit entfernt, an diesem Plane etwas zu ändern, halle er ihn für den zweckmässigsten, um das vorgesteckte Ziel schnell zu erreichen. Mit froher Zuversicht sehe er einem der glorreichsten Feldzüge entgegen, und er erbitte sich von seinem Monarchen die Ehre, unter einem so erfahrenen Feldherrn wie Hadik zu dienen und den Vorlrab des Heeres fuhren zu dürfen." Fürwahr! ein schöneres Zeugniss konnte Hadik nie ausgestellt werden; ebenso wie es für diesen ehrenhaft lautet, ehrt es seinen bescheidenen Aussteller, den ebenbürtigsten Gegner eines Friedrich des Grossen.

Während L a u d o n im neuen Feldzugsjahre beschäftigt war, TürkischGradiska zu belagern, das auch am 10. Juli fiel, erkrankte H.ad ik, und Josef übertrug mit einem Handbillet vom 1. August jenem das oberste Commando über alle österreichischen Armeen.

Das Handbillet lautete auf folgende, für den Berufenen ehrenvolle Weise: „Ich befehle Ihnen nicht, mein lieber Feldmarschall Laudon, das Commando meiner Truppen zu übernehmen, aber ich ersuche Sie, es zum Besten des Staates und aus Liebe für Mich zu übernehmen. Josef."

Irgend eine Perrücke wagte es, dem Kaiser bei dieser Gelegenheil Vorstellungen ob Laudons neuem Kriegssyslem zu machen und seinen Kriegsplan zu tadeln. Josef aber erwiderte ernst: „Lasst den alten Mann nur machen, der wird uns Nichts verderben. Schimmerle ihm vollends die Leuchte der Jugend, so hätte das kaiserliche Heer gewiss keinen trefflicheren Feldherrn als ihn. Sagte doch selbst der grosse Friedrich zu mir: Mit diesem General können Sie einmal die sieben Thürme erschüttern."

Auch an denFeldzeugmeistcr Colloredo richtete Josef unterm 6. Au

l*

gusl aus Laxenburg ein Schreiben, worin er diesem miüheill, dass er Laudon Hadik's Plan zur Unternehmung; auf Belgrad übersandt, dem er „im übrigen Alles seinem Gutbefinden anheim gestellt". Interessant sind die im selben Schreiben erwähnten Aufschlüsse über seine eigene Gesundheit: „Da Mir bewusst ist" — so lauten des unvergesslichen Fürsten Worte — „dass Ihre Freundschaft für Mich Antheil an Meinen Gesundheits-Umständen nimmt, so gebe Ich Ihnen zu wissen, das Ich mich seit einiger Zeit von Tag zu Tag besser befinde, auch schon etwas an Kräften zugenommen habe, doch hat Mich der Husten noch nicht ganz verlassen, wogegen Ich aber die Eselsmilch zu nehmen angefangen habe; im übrigen habe Ich schon seit 3 Wochen weder Schmerzen in der Seite, noch den mindesten Anfall von Fieber mehr gehabt."

Laudon, der das Handbillet seines Kaisers bei der Armee zwar bekannt machen Hess, war Anfangs schmerzlich berührt, denselben wiederholt brieflich um die Zurücknahme seines Willens aus Gesundheitsrücksichten bitten zu müssen. So schreibt der greise Feldherr aus Alt-Gradiska am 5. August: „Euer Majestät werden aus meinem vom 1. d. meine pflichtschuldige Bereitwilligkeit, Allerhöchst Ihren Befehl zu vollziehen, zugleich aber auch die missliche Lage meiner eigenen Gesundheit bereits zu ersehen geruht haben; wie sehr es mich also bei meinem für E. M. Dienst noch nie gesunkenen und erkalteten Eifer schmerzt, lässt sich zwar fühlen aber nicht ausdrücken, wenn ich jetzt bemüssigt bin, E. M. allerunterthänigst zu melden, wie mein Zustand sich seither durch die zunehmenden Brustschmerzen und eines bis zum Ersticken verstärkten Hustens auch meine noch nie ganz gesammelten Kräfle so sehr wieder zuriickgesetzthat, dassich mich kaum aufdenFüssen erhallen kann und dadurch völlig ausser Stande mich befinde, das mir so allergnädigst zugedachte Commando von der Hauptarmee zu übernehmen. Ich muss vielmehr zu meiner eigenen grössten Betrübniss Euer Majestät bitten, mir gnädigst zu erlauben, dass ich wegen der so höchst benöthigten Kur mich zurückbegeben darf, und da ich so geschwächt bin, dass ich mit keinem Geschäfte mich befassen kann, so habe ich auch das Commando über die in Marsch nach Syrmien gesetzten Truppen bereits dem FML. Mitrovsky übergeben, und weise unter einem, im Falle der FM. Hadik die Armee schon verlassen haben sollte, den FZM. Grafen Colloredo dahin an, dass er seine Berichte unmittelbar an E. M. einzusenden habe.

„Ich für meine Person gedenke inzwischen nach Neu-Gradiska abzugehen, um E. M. allerhöchste Befehle zu erwarten und mittlerweile meine Kräfte wenigstens insoweit herzustellen, dass ich meine weitere Reise anzutreten vermögend bin."

Am 8. d. M. schrieb er nochmals an Josef, bat wiederholt, ihn seiner

„elenden Gesundheitsumstände" wegen vom Armee-Commando zu entheben,

.und meinte, dass es bekannt sein müsse, wie krank und entkräftet er von

Wien abgereist sei. Der Kaiser, welcher ihm auf sein erstes Schreiben vom

1. August geantwortet, will aber in diesem Schreiben Nichts von Laudons Zurücktritt wissen, so dass dieser zum Schlüsse des obigen Briefes, da ihm mittlerweile Josefs Antwort durch einen Stabscadeten überbracht worden war, sich gezwungen sah, „dem Befehle in devotester Ehrerbietung" nachzukommen und „sich ganz zu sacrificiren, weil es einmal so sein solle." „Ich werde daher auch nach aller Möglichkeit mich auf die Reise begeben, dem ohnerachtet aber weiss ich es doch voraus, weil ich es gar zu sehr fühle und empfinde, dass diese Anstrengung mich unterwegs ganz niederwerfen und wo nicht gar aufreiben, doch wenigstens zwingen würde, E. M. aufs Neue zu bitten, dass ich mich zurückbegeben darf."

„Nachdem der FZM. Rouvroy bereits Alles dasjenige vollzogen hat, was E. M. in Ansehung der Belagerungs-Artillerie befohlen haben, so geht solcher morgen zur Hauplarmee ab."

Der Kaiser war über den Inhalt der eben angeführten Briefe nicht wenig besorgt und unangenehm berührt, denn er schrieb an Colloredo, welchem er die Copien der Briefe Laudon's zusandte, dass ihn dieselben äusserst betroffen hätten und ihm sehr unangenehm wären; er meint, wenn es schon nicht anders mit der Gesundheit Laudon's werde, so würde dieses wichtige Commando in seine (C o 11 o r e d o's) Hände übergehen. Schliesslich erwähnte er, dass er „mit Sehnsucht Nachrichten von der Armee und der Gesundheil Laudon's entgegensieht." Colloredo dankt unter dem 14. August aus Weisskirchen dem Kaiser für die ihm gnädigst zugedachte Würde, weist sie aber bescheiden zurück, da er „nie ein Armeecorps commandirt und seil vielen Jahren sich nur mit dem Dienste der Artillerie beschäftigt habe;" dass ihm „die Erfahrung und Kennlniss mangle, die Unternehmung auf Belgrad schon gar Alles übersteige, was er sich zutrauen könnte, und hoffe, dass Laudon's GesundheitsVerhältnisse sich derart gestalten würden, dass dem Kaiser die unangenehme Verlegenheit erspart bleibe." — Wie sehr diesem das Wohl seines theuern Feldherrn am Herzen liegt, davon geben uns die nachstehenden zwei Schreiben des edlen Monarchen an Laudon beredtes Zeuguiss.

„Laxenburg, 10. August 1789. Lieber Feldmarschall Laudon! Ich lasse Sie selbst beurlheilen, welche Empfindung mir Ihr Schreiben vom 5. dieses, welches ich soeben empfangen habe, verursacht hat. In dem Augenblicke, als unter Ihrer Anführung die wichtigste Unternehmung für die Monarchie und für die Entscheidung des Krieges ausgeführt werden sollte, melden Sie mir Ihre Unpässlichkeii und lassen Mir gar keine HofTnung einsehen, dass selbe bald zu heben sei. Ich bin darüber äusserst betrübt und verlegen und weiss Ihnen Nichts anders zu sagen, als dass Sie Ihre Gesundheil bestens pflegen, um sich sobald nur möglich wieder herzustellen und zur Armee verfügen zu können.

„Eben als Ich dieses schon geschrieben halle, tritt der Cadel mit Ihrem weitern Schreiben bei Mir ein, welches Mir eben so viel Erkenntlichkeit für die Aufopferung, die Sie Mir von Ihrer Gesundheit machen wollen, einflösst, als billigeBesorgniss verursacht, dass die Reise, welche Sie, ohnerachtet Ihrer Unpässlichkeit, dennoch unternehmen wollen, Ihrer Gesundheit noch mehr schädlich sein dürfte, Ich wünsche aber von Herzen und erwarte von der Güte Gotles, dass sich solche, gegen Ihre eigene Hoffnung, solchergestalt bessern wird, dass Sie dieses wichtige Werk auszuführen im Stande sein werden."

Und in einem zweiten Briefe von ebendaselbst am 18. d. M.: „Aus Gelegenheit der Rückkehr des Hauptmanns Jokubitschke vom Generalstabe nach Semlin, benützte Ich diese ersten Augenblicke, eben nach einer heute an Mir vorgenommenen schmerzlichen Operation, der Schneidung einer Fistel, um Ihnen zu erkennen zu geben, wie sehr Ich schon seit mehreren Tagen in billiger Besorgniss über die weitern Nachrichten von Ihrer Gesundheit stehe, da Ihre letzteren aus Gradiska so schreckbar lauteten, und Ich seitdem Nichts weiter davon vernommen habe. Inzwischen erfahre Ich eben heute, dass Sie vermulhlich am 14. in Semlin werden eingetroffen sein, welches Mich hoffen macht, dass Sie seitdem etwas besser geworden sind. Ich bitte Sie recht sehr, Ihre Gesundheit äusserst zu schonen und Ihren Diensteifer in etwas zu massigen, bis Sie wieder vollkommen hergestellt sein werden." An einer anderen Stelle meint Josef: „Ich schreibe Ihnen Nichts vor, nur ist die Eroberung von Belgrad der einzig wesentliche Streich, der den Türken in dieser Campagne zugefügt werden kann; verfehlen wir diesen, so haben wir Nichts gerichtet, und ist keine Möglichkeil, zu künftigem Winter einen Frieden zu verschaffen." Der Kaiser entwickelt ferner einige Ansichten über die vorzunehmenden Truppenbewegungen, und wie es vorteilhaft wäre, den Türken bei Mehadia eine Schlappe anzuhängen. „Alles dieses," schliesut er, „überlasse ich jedoch vollkommen Ihrer tiefen Einsicht. Ich wünsche wohl recht sehnlich, bald gute Nachrichten von Ihrer Gesundheit zu erhalten. Ich Meines Orts bin wieder genölhigt, wenigstens auf 3 Wochen das Bett zu hüten, welches Mir noch beschwerlicher als alle Schmerzen fällt, so empfindlich diese auch seien."

Wie rührend lauten nicht des menschenfreundlichsten Kaisers Besorgnisse um Laud on's Gesundheit, und wir sehen, dass Belgrads Fall sein ganzes Augenmerk gefesselt hält.

Ehe wir von diesem sprechen, sei es uns gestattet, einige Andeutungen über die Festung selbst, diese einstige Hauptvormauer der Moslims, nunmehr blosser Vorposten des Orients, zu geben, die man nicht nennen kann, ohne der tleldenlhaten zu gedenken, welche in ihrer Eroberung und Verlheidigung bereits der grosse Hunyady, Capistran, Suleyman der Grosse, Max i m i 1 i a n Emmanuel von Bayern, S l a r h e m b e r g und Prinz Eugen, der edle Ritter, vollführt halten.

Ob an dem Orte, wo das heulige Belgrad steht, das Taurunum der Römer sich befunden, überlassen wir Alterthumskundigeren zur Entscheidung'), Es ist eine ebenso zweifelhafte Sache, als derjenige unbekannt ist, welcher diese Stadt erbaut, erweitert und befestigt und ihr den Namen Belgrad gegeben hat.

') Plinius beschreibt die Laje des Ortes derart, dass man kaum zweifeln kann, es sei jener das heutige Belgrad. (Mist, nat. III. 2.1).

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