Abbildungen der Seite
PDF
EPUB
[graphic]
[ocr errors]
[graphic][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed]
[graphic]

Strategische Betrachtungen über den Feldzug des Jahres 1866 in Italien.

Von

Ludwig von Cornaro,
Oberst, Generalstabs-Officier.

Über die italienische Kräfte-Gruppirung bei Beginn des Krieges.

Die zum Kriege gegen Österreich bestimmten italienischen Streitkräfte, elche bereits mit Ende Mai ihre Kriegs-Organisation erhalten hatten, nähern sich ihrem Aufmarschraume im Beginn des Monats Juni, sich successive erdichtend, und bildeten um jene Zeit drei Gruppen, u. z.: 1. Die Hauptkraft, das 1., 2. und 3. Corps, 12 Infanterie-Divisionen, Linien-Cavallerie-Division und 3 Brigaden Corps-Cavallerie, zusammen in 16 Bataillons, 41 Compagnien, 60 Escadrons, 47 Batterien, 120.000 Mann lanterie, 7200 Reiter, 282 Geschütze, in der Lombardie. 2. Das selbständige 4. Armee-Corps unter Cialdini, zwischen Bologna nd Ferrara, 8 Infanterie-Divisionen, 2 Cavallerie-Brigaden, zusammen 0.000 Mann Infanterie, 3600 Reiter, 168 Geschütze. 3. Das Freiwilligen-Armee-Corps unter Garibaldi, in der Bildung beriffen, im Chiese-Thal, in Judicarien, in der Val Camonica, Valtellina und bei rescia und im Anmarsche aus Süd-Italien, 32.000 Mann. Die doppelte Fronte des von den Österreichern besetzten Gebietes in ber-Italien – einerseits der Mincio, anderseits der Po, – die Richtung des lztgenannten Flusslaufes, sowie dessen Mächtigkeit,– Umstände, welche eine cheidung des oberitalienischen Kriegsschauplatzes bewirken, mithin die perationen der 1. und 2. Gruppe isoliren mussten, wiesen jeder derselben ine selbständige Aufgabe zu, die erst im Verfolge der Operationen zu einem inklängigen Handeln gedeihen konnten. Die Hauptkraft, unter des Königs persönlichem Befehl, sollte den Stoss egen die Hauptfront des Gegners, das Festungs-Viereck, – die secundäre raft, Cialdini, gegen die Po- und untere Etsch-Front führen. Die Wirksamkeit der 3. Gruppe endlich war ausschliesslich gegen yrol und die durch dieses Land laufende Verbindung der Österreicher erichtet.

*) Aus des Herrn Verfassers Vorträgen über Strategie, gehalten an der k. Kriegsschule. D. R.

doerr militär. Zeitschrift 1871. (2. Bd.) 13

Um die aus der Kraft-Gruppirung hervorgehende Absicht der Italiener, bezüglich die Absicht, welche diese Anordnung der Streitkräfte in's Leben rief, einer Kritik zu unterziehen, ist es nothwendig, die strategischen Verhältnisse des Kriegsschauplatzes in Kürze zu überblicken.

Die Angriffsironte der Österreicher reichte vom Stilfser Joch bis zum adriatischen Meere; der erste Theil derselben, bis zur Nordspitze des Garda. Sees,' bot nur vier, von einander durch hohe Gebirge geschiedene Strassen zum Angriff, welche überdies durch und in ein Land führen, welches nach der Eigenthümlichkeit des Bodens den grossen Krieg sozusagen ausschliesst

Es soll also hier, wo es sich um die Betrachlung der Bewegung und des Kamples zahlreicher Heeresmassen handelt, nur von dem zweiten, sūdlicheren Theile der bemerkten Angriffstront die Rede sein.

Ein von Westen aus der Lombardie geführler Angriff führt an die Mincio-Fronle. Diese, kaum fünf Meilen breit, wird einerseits durch Mantua, anderseils durch Peschiera gestützt.

Die geringe Bedeutung des Mincio als Flusslinie jedoch, sowie die geringe Gefahr, welche Manlua bei seiner excentrischen Lage und der voraussichtlich schwachen Besatzung äussern konnte (eine Annahme, zu welcher die Italiener vermöge der ihnen bekannten geringen Mittel der Österreicher in Italien das Recht hatten), gestaltete den hier in erster Linie zu bewältigenden Widerstand zu keinem erheblichen.

In zweiter Linie musste aber der Angriff an der Etsch vorerst zum Siehen kommen. Die Bedeutung dieses Flusses erzeugle schon eine namhafte Abschnillbildung, die Lage des grossen Offensivplaizes Verona aber eine gelährliche Flankenwirkung gegen eine Operation, welche die Absicht gehabl hätte, diesen Platz durch einen Flussübergang zwischen Verona und Legnago zu umgehen.

Ein Angriff in dieser Richtung traf zwar die Front des Feindes, fand aber dabei verhällnissmässig geringe Bodenschwierigkeiten, betral zwischen Mincio und Etsch einen Landstrich, der den Bewegungen wie der Gefechtsthätigkeit grosser Heeresmassen gleich günstig ist, erreichte die Front des Gegners auf der kürzesten Linie, und behielt die bezügliche Operation durch die directe Verbindung mit der mittleren Po-Basis Piacenza - PizzighelloneCremona nicht allein gut basirt, sondern auch im Unglücksfalle eine günstige Aufstellung à cheval des Po, sowohl um einer Offensive der Österreicher mit Vortheil zu begegnen, als auch die Deckung des eigenen Landes unter günsligeren Verhältnissen durchzuführen, als dies aus der excentrischen Lage in der Gegend von Bologna, zunächst des unlern Po möglich gewesen wäre. Ein grosser Vortheil darf nicht übersehen werden: man war nämlich im Stande, in dem Besitz der wichtigen Po-Linie zu bleiben, – ein Vortheil, der selbst eine namhafte Überlegenheit des Gegners ausgeglichen hälte.

Die zweile mögliche Richtung des Angriffes war die von Süden, auf Bologna basirt.

Die Vortheile, welche sich einer Operation in dieser Richlung auf den

« ZurückWeiter »