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Ohne uns in die näheren Details über die verschiedenen Formationen, wie Richtungen, Front- und Colonnenmärsche, Entwicklungen etc. einzulassen, übergehen wir nunmehr zum Feuergefecht.

3. Bataillonsfeuer bei einer compagnieweisen Aufstellung. - In einem Gefechte eröffnen die Compagnie-Commandanten des ersten Treffens das Feuer nach ihrem eigenen Gutdünken, doch mit Einhaltung der für die Compagnien vorgeschriebenen Normen; ebenso hängt das Einstellen des Feuers von ihnen ab. Erfolgt ein Cavallerie-Angriff, so wird das Feuer in derselben Weise und auf dieselbe Dislanz eröffnet, wie dies bei einer einzelnen Compagnie festgestellt wurde. Hiebei wird vorzugsweise beobachtet, dass die Compagnien des zweiten Treffens, sowie die SchützenCompagnien an dem Zurückweisen des feindlichen Cavallerie - Angriffes theilnehmen. Sobald das Signal: der erste Theil des Grenadiermarsches“ gegeben wird, beginnt das Carréteuer. Erfolgl aber das Signal „Alarm“, so marschiren die Compagnien aus den Carré's in entwickelte Linien aut und eröffnen das Salvenfeuer.

d) Die zerstreute Fechtart. – 1. Allgemeine Bestimmungen. Zur Auflösung in die Plänklerkette können bestimmt werden: die SchülzenCompagnie oder Theile derselben; ebenso Theile einer Linien - Compagnie, oder eine ganze, sowie mehrere Linien-Compagnien.

Ist nur eine Compagnie in die Kette aufgelöst, so obliegt die Leitung derselben dem Compagnie - Commandanten; sind aber deren mehrere aufgelöst, so übernimmt die Leitung über die Plänklerkette der zweite StabsOfficier beim Bataillon.

Sobald die Schützen-Compagnie, welche in der Zugs-Colonne hinter der Mille des entwickelten Bataillons steht, zur Plänklerkette bestimmt wird, rückt sie in ihrer Formation gerade vor, fällt in Doppelreihen ab und formirt nach dem Durchbrechen abermals die Zugs - Colonne vor der Milte des Bataillons, bis das Signal , A uflösen“ erfolgt.

Steht das Balaillon aber in der Colonne, so begibt sich die SchützenCompagnie reihenweise entweder auf einer oder auf beiden Seiten der Colonne an die Tèle derselben. Wird aber irgend eine Linien-Compagnie zur Auflósung in die Plänklerkelle beordert, so verbleiben die anderen Compagnien in

der innehabenden Aufstellung insolange, bis der Bataillons - Commandant weitere Anordnungen trifft. Der Bataillons - Commandant kann übrigens auch Halbzüge von einigen oder von allen Linien-Compagnien zur Auflösung in die Plänklerketle beordern, wenn das Bataillon in der compagnieweisen GefechtsAufstellung steht.

Wird eine Verstärkung der Plänklerkette als nothwendig erachtel, so rücken die zum betreffenden Zug gehörigen anderen Halbzüge vor.

Bei der zerstreuten Fechtart ist, wie bereits erwähnt, hervorzuheben, dass die Plänkler beim Cavallerie-Angriff keine Klumpen formiren, sondern sich auf das gegebene Signal beim nächsten Officier oder Unterofficier in Eine Linie ralliren urd das Frontalleuer eröffnen.

e) Der Bajonnel-Angriff. -- Ein in compagnieweiser Ausstellung befindliches Bataillon kann den Angriff entweder mit allen Compagnien gleichzeitig oder nur mit einigen derselben unternehmen, während die anderen Compagnien das Salvenfeuer gegen den Feind eröffnen.

Steht das Bataillon mit allen vier Linien-Compagnien in Einem Treffen, 80 führen auf das gegebene Signal die Compagnie-Commandanten ihre Compagnien zum Angriff vor, ohne Rücksicht auf das Einhalten der Richlung nach den für den Angriff einer Compagnie bestehenden Normen.

Steht das Balaillon compagnieweise in zwei Treffen aulgestellt, so kann der Bajonnelangriff in folgender Weise ausgeführt werden: Auf das gegebene Signal setzen sich die Compagnien beider Treffen nach vorwärts in Bewegung. Im offenen Terrain entwickeln sich die Compagnien des ersten Treffens gleich beim Beginn der Bewegung. Sobald der Balaillons. Commandant es für nothwendig erachtet, beordert er das erste Treffen zum Siehen und zum Eröffnen des Salvenfeuers. Die Compagnien des zweiten Treffens setzen ihre Bewegung fort, trachten die im Feuern begriffenen Compagnien des ersten Treffens zu umgehen und führen den Bajonnel-Angriff aus, während die feuernden Compagnien das Feuer insolange fortsetzen, als der Feind durch die angreifenden Compagnien nicht maskirt sein wird.

Der Bajonnet-Angriff in einer Bataillons-Colonne erfolgt nach den für eine Compagnie gegebenen Normen; hiebei schreibt das Reglement vor: 1. Steht vor dem Bataillon eine Plänklerketle, so schliesst sie sich der Bataillons-Colonne an beiden Flanken an und stürmt mit. Nach dem Signal „Abschlagen“ bleibt das Bataillon stehen, die Plänklerkette aber setzt ihre Bewegung fort und eröffnet ein wohlgenährtes Feuer. 2. War vor dem Bataillon keine Plänklerkelte aufgelöst, so wird vor dem Bajonnet-Angriffe auch keine vorgeschickt; sobald aber das Signal , Abschlagen“, erfolgt und das Bataillon stehen bleibt, begibt sich die ganze Schützen-Compagnie im Laufschrilte nach vorwärls , löst sich in Plänkler auf und beginnt ein heftiges Feuer.

Steht das Bataillon in entwickelter Linie, und unterhält es ein Frontalfeuer gegen einen anrückenden Feind, so gibt es, sobald der Gegner auf 50 Schritte sich genähert hat, die letzte Salve und wirft sich auf das Commando ,Hurrah“ ihm entgegen; nur die Schützen-Compagnie bleibt stehen, um nöthigenfalls die Flanken zu decken oder für den Fall eines Rückzuges als Reserve zu dienen.

had, die letzte Saschützen-Comen Fall ein

Technische Notizen.

Das englische 35 Tonnen - Geschütz.

(Mit drei Holzschnitten.) In einem Vortrage, den Capitän Stoney, Assistent in der königl. Geschütz giesserei zu Woolwich, im März des Vorjahres in der Royal United Service Institution über den Fortschritt in der Fabrication schwerer Geschütze hielt, erwähnte derselbe, dass die Entwürfe zur Construction von 700Pfündern mit 35 Tonnen Gewicht, von 800Pfündern mit 40 Tonnen und von 1000Pfündern mit 50 Tonnen Rohrgewicht fertig seien, und dass nach den bei den leichteren Geschützen (7., 8., 9., 10. und 12zölligen) erhaltenen Resultaten, ein günstige Erfolg auch für die genannten Monstregeschütze in jeder Beziehung zu er warten sei.

Die Beendigung des ersten 700Pfünders und die damit Anfangs dieses Jahres durchgeführten Versuche haben die oben ausgesprochene Erwartung in Bezug auf dieses eine Geschütz gerechtfertigt.

Das 35 Tonnen-Geschütz ist ein gezogenes Vorderladungsgeschütz, construirt nach dem Princip von Fraser). Das Geschütz hat 16 Fuss 3 Zoll äussere, 13 Fuss 6:5 Zoll Seelenlänge. Caliber ist 11.6 Zoll, äusserer Durchmesser an der Mündung 1 Fuss 9 Zoll, am Bodenstück 4 Fuss 8 Zoll. Es ist

1) Das Constructions-Princip Fraser's ist eine Fortbildung der bekannten Armstrong'schen Geschütz-Construction und unterscheidet sich von dieser bauptsächlich dadurch, dass die Anzahl der Theile, aus denen das Geschütz zusammen. gesetzt wird, bei Fraser bedeutend geringer ist als bei Armstrong, wodurch, ohne der Festigkeit des Geschützes zu schaden, eine bedeutende Arbeitsersparniss erzielt wird. Fig. 1 und 2 zeigen durch die in ihnen angegebenen einzelnen Theile die Differenzen in den erwähnten Constructions-Principien bei dem Szölligen Geschütz (250Pfünder). Innere Röhre Stahl, die andern Theile Schmiedeisen.

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mit 9 Zügen von der gewöhnlichen Form in allen Woolwich-Geschützen ) versehen, welche einen Progressivdrall von 0 bis zu einer Umdrehung auf 40 Caliber besitzen. Zugtiefe ist 0.2 Zoll, also der innere Durchmesser von Zug zu Zug genau 12 Zoll. Die Ladung ist noch nicht fest bestimmt, wird aber wahrscheinlich 120 Pfund Pebble-Pulver betragen. Geschossgewicht ist 700 Pfund, Gewicht der Sprengladung des Hohlgeschosses 38 Pfund. Am 13. Jänner d. J. wurde unter Leitung von Capitän Stoney dieses Geschütz der ersten Probe unterzogen. Die Geschoss-Geschwindigkeiten wurden durch Capitän Noble mit dem Apparate von Narvez-Lewis gemessen. Der Versuch begann mit einer Ladung von 75 Pfund Pebble-Pulver und einem 700pfündigen Vollgeschosse. Am 18. Jänner wurde der Versuch fortgesetzt, und bis auf die Ladung von 130 Pfund übergegangen. Das Resultat war ein vollkommen günstiges, indem das Geschütz nicht die geringste Spur einer Überanstrengung des Metalles in irgend einem Theile des Rohres zeigte. Als Geschoss-Geschwindigkeiten für das 700pfündige Projectil ergaben sich: Bei Ladung von 75 Pfunden 1160 englische Fuss à Secunde - 100 , 1250

1303 120

1370 , 130

1348 die Maximal-Geschwindigkeit war also 1370 Fuss bei 120 Pfund Ladung, und scheint eine weitere Steigerung dieser Ladung daher zwecklos. Diese Maximalgeschwindigkeit genügt, um die Seiten des Herkules auf 1000 Yards Entfernung in der Wasserlinie durchzuschlagen, und zum vollkommenen Durchdringen des Panzerschiffes König Wilhelm auf mehr als das Doppelte der erwähnten Distanz.

Auf Grundlage der Erfahrungen mit anderen schweren Geschützen ergeben sich als Stärken von Schmiedeisenplatten, welche von dem Geschosse bei oben angegebener Austrittsgeschwindigkeit von 1370 Fuss durchgeschlagen werden können, auf eine Entfernung von:

an der Mündung . . . . . . . . . . . 14 Zoll Plattenstärke 100 Yards . . . . . . . . . . . . 13:8 a

m 1000 . . . . . . . . . . . . . 12.9

. . . . . . . . . . . . . 12:0 Die wirkliche Gewalt des neuen Geschützes wird sich bei den demnächst durcbzuführenden Versuchen in Shoeburyness zeigen.

Zehn dieser Geschütze sollen sogleich in Angriff genommen werden. Sie sind zunächst zur Armirung dreier schweren Monitors, welche eben im Baue sind, bestimmt. Jeder dieser Monitors wird in zwei Thürmen je zwei dieser schweren Geschütze tragen, die auf Thurmlaffctten nach Capitän Scotts Princip montirt werden sollen. Mehrere dieser Laffetten sind in Woolwich in Arbeit und sollen im Laufe des Frühjahres fertig werden.

2000

1) Das Zugsystem des Woolwich-Geschützes ist das sogenannte französische System (Fig. 3). Die Führung der Geschosse geschieht durch Warzen.

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Mit der Einführung dieser Geschütze wird der erste Schritt zu sirung der Wünsche einer starken Partei der englischen Marine gethan, die gegenwärtige Armirung der Flotte als weitaus ungenügend erklärt 1 die Monitors wenigstens 50tons Geschütze, d. h. Tausendpfünder fordert

Das schwerste Geschütz, welches bis jetzt in der englischen gebraucht wird, ist das 25 Tonnengeschütz (600Pfünder, 12 Zoll Caliber auch davon sind erst 5 Stück zur See (eines am Hotspur, vier am Mo und die gewöhnliche Bewaffnung der Thurmschiffe ist das 18 Tonnen-G (300Pfünder, 10 Zoll Caliber).

Schöne Summen wird bei Einführung der Geschütze schwersten die Armirung kosten. Ein 700Pfünder dürfte bereits auf etwa 100 Sierling pr. Tonne Rohrgewicht kommen, beim 1000Pfünder wird sich die beträchtlich steigern ?).

) Ironclads, fresent and future. (Journ. of the Royal United Service Inse

) Nähere Details über die Construction der schweren englischen Go im „The Progress of our heavy ordnance etc. by Capitain Stoney, Jomo the R. U. Service Institution 1870".

Notizen.

Über die englisohe Armee. Die Voranschläge für die Armee si lich ausgegeben worden. Die veranschlagten Ausgaben belaufen sich auf 2.88 St. mehr, als die des vorigen Jahres. Die reitende Artillerie soll um sechs verstärkt werden, 20 Garnison-Batterien werden in Feld-Batterien umgestaltet übrigen Garnison-Batterien verstärkt. Das Artillerie-Depôt wird vermehrt. Sd 3815 Mann Zuwachs dem Artillerie-Corps überwiesen, und der Formationsplay den nöthigen Befehlen ausgegeben worden. Die nenen Cavallerie-Regimenter auf die ganze Kriegsstärke gebracht, jedes Regiment wird aus vier Schwadro stehen. Das Ingenieur-Corps wird vermehrt und ein Corps für den Telegraph hinzugefügt. Alle Bataillone der Infanterie der Garde und 23 Bataillone I werden auf die Zahl von 850, die übrigen auf 600 Mann gebracht. Das Inten Corps wird um drei Compagnien vermehrt, das Hospital-Corps wird ebenfa nehrt. Das Ceylon-Schützen-Corps wird um zwei Compagnien reducirt, du Zurückziehung der Truppen von Labuan, wo sie durch eine Polizeimacht werden sollen.

Aus Russland. Das Budget des Kriegsministeriums betrug, ungerecht ausserordentlichen Ausgaben, welche durch die Militär-Organisation und den von neuen Hinterladern verursacht wurden, im Jahre 1866 1187 Millionen, im 1867 1223/, Millionen, im Jahre 1868 135 Millionen, im Jahre 1869 140/, Mil im Jahre 1870 144/Millionen, im Jahre 1871 154 Millionen Silber-Rubel russische Militärbudget ist also in den letzten sechs Jahren von 11837. Mil Silber-Rubel auf 154 Millionen Silber-Rubel, mithin um die bedeutende Summ 35'/ Millionen Silber-Rubel erhöht worden.

Bei einigen in Petersburg garnisonirenden Regimentern werden unter L. von Intendantur-Beamten Versuche mit der Erbswurst gemacht, um die Anwen keit derselben als Speise für die russischen Truppen zu erproben. Diese ruse Erbswurst hat ein Wurstmacher nach vier verschiedenen Recepten angefertigt er im Verein mit der Haupt-Intendanz-Verwaltung entworfen. Diese Recepte men schon aus dem September 1870, als von der preussischen Erbswurst noch Rede war; Herr Bytschkow nimmt keine Kräuter in die Wurst; die leichte Ver lichkeit derselben hängt von einer besonderen Zubereitung des Erbsenmehles ab, den übrigen Bestandtheilen der Wurst beigemischt wird. Auf einen Soldaten wen täglich 14. Pfund Wurst verabreicht und die Verpflegung desselben kommt de auf 10 Kopecken täglich zu stehen. Der Versuch soll ein durchaus befriedigend Resultat ergeben haben.

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