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Taktische Notizen über die russische Infanterie.

(Mit Tier Skitzen.)

1. Die Compagnie.

a) Rangirung. — Die Infanterie- und die Schützen-Compagnien rangiren stets vom rechten gegen den linken Flügel in zwei Glieder.

Jede Compagnie formirt am Kriegsslande 84 Rotten, welche sich in zwei Züge, die Züge aber in Halbzüge ä 21 Rotten theilen. Die weitere Unterabiheilung der Halbzüge erfolgt in je zwei Sectionen in gerade and ungerade Rotten, dann in Kettenglieder.

In der entwickelten Linie rangiren die Halbzügc vom rechten gegen den linken Flügel. Die Zugs- und Halbzugs-Commandanten stehen auf dem rechten Flügel ihrer Abiheilungen im ersten Gliede. Hinter jedem Zugs- und Halbzugs-Commandanten steht ein Unterofficier im zweiten Gliede mit der Bestimmung, denselben am Flügel zu ersetzen, sobald er als Commandant vor seine Abtheilung tritt. Die übrigen Unterofficiere sind hinter dem zweiten Gliede, auf zwei Schritte entfernt, vertheilL

5) Colonnen. — Es gibt geöffnete und geschlossene Compagnie-Colonnen.

Die geöffneten Colonnen sind Zugs-, Halbzugs- oder Sections-Colonnen auf die volle Distanz der betreffenden Abiheilungsbreite, in welche die Compagnie gebrochen wird.

Die Abtheilungen der geschlossenen Colonnen haben dagegen nnr eine Zugs- oder Halbzugsbreite.

Ausserdem kann die Compagnie in einer Reihen- oder Doppel-ReihenColonne in Bewegung gesetzt werden.

Bei der Formirung der geöffneten Zugs- und der HalbzugsColonne treten die Zugs-, beziehungsweise im zweiten Falle auch die Halbzugs-Commandanten vor die Mitte ihrer Abtheilungen auf 6 bis 8 Schritte. Wird aber eine Colonne aus Sectionen formirt, so bleiben sämmtliche Officiere in der Front; die Unterofficiere aber nehmen die an den Flügeln der Sectionen ihnen angewiesenen Plätze ein.

Da die geöffneten Colonnen höchstens bei Defilirungen angewendet werden, so versinnlichen diese kurzen Andeutungen zur Genüge ihre Formation.

Bei geschlossenen Zugs- und Halbzugs-Colonnen bleiben die Commandanten bei ihren Abtheilungen in der Front, und es treten nur die Flügel-Unterofficiere am betreffenden Flügel, wo sich keine Officiere befinden, in das erste Glied.

Die Distanz zwischen den Abtheilungen beträgt fünf Schritte.

Das Compagnie-Carre hat eine doppelte Gestalt, je nachdem es aus einer Zugs- oder einer Halbzugs-Colonne formirt wird. Bei einem aus derZugs-Colonne gebildeten Carre besteht die vordere Seite aus dem an der Tete, die hintere Seite aber aus dem an der Queue befindlichen Zug. Die Flanken werden durch je zwei Flügelrotten der beiden Züge gebildet. In dieser Formation sind die Carreseiten nur zwei Mann hoch.

Aus der Halbzugs-Colonne formiren die beiden vorderen Halbzüge die vordere Seite; der in der Colonne stehende dritte Halbzug bildet durch das Rechts- und Linkseinschwenken mit Sectionen die rechte und linke Seile, während der vierte Halbzug die rückwärtige Seite des Compagnie-Carres formirt.

Bei dieser Formation des Compagnie-Carres ist die vordere Seite vier, alle andern sind zwei Mann hoch.

Wäre bei der Formation einer Halbzugs-Colonne ein Halbzug in Plänkler aufgelöst, so besteht auch die vordere Seile nur aus einem Halbzuge, ist somit nur zwei Mann hoch. Sollten aber zwei Halbzüge sich in der Plänklerkette befinden, so wird das Carre von den andern zwei Halbzügen in analoger Weise gebildet, wie bei einer Zugs-Colonne durch das Einschwenken von je zwei Flügelrotten von beiden Flügeln. Steht endlich ein Halbzug in geschlossener Ordnung allein für sich da, so ändert derselbe seine Formation nicht, sondern empfängt die feindliche Cavallerie in seiner innehabenden Formation. Das Carrefeuer beginnt, wenn die feindliche Cavallerie auf 250 bis 300 Schritte sich genähert hat.

Zur zerstreuten Fechtarl einer Compagnic gehört erstens die Plänklerkette. Jedes Kettenglied besteht aus zwei Rotten oder vier Mann, worunter ein erfahrener, altgedienter Soldat den Kettenführer abgibt Die Entfernung der Kettenglieder richtet sich nach der von ihnen zu verteidigenden Strecke, welche stets durch den betreffenden Commandanten bestimmt wird. Diese Entfernung unter den Kettengliedern darf jedoch niemals 40 Schritte übersteigen. Hinter jede Plänklerketle wird die an der Queue der Colonne stehende Abtheilung als Reserve, in geschlossener Ordnung formirt, beordert.

Beim Salvenfeuer feuern beide Glieder zugleich.

Unternimmt die Compagnie in entwickelter Linie einen Bajonnetangriff, so rückt sie bis auf 100 Schritte im Schritt vor. Hierauf wird Sturm geschlagen und geblasen. Nach Hinterlegung von 50 Schritten wird das Bajonoet gefällt, und auf 30 Schritte H u r r a h! commandirt, worauf die Leute die Gewehre in die Balance nehmen und unter fortwährendem Rufen Hurrah! im Laufschritte sich an den Feind werfen. Die für die Compagnie massgebenden Vorschriften bezüglich der zerstreuten Fechtarl, des Salvenfeuers und des Bajonnetangriffes gelten auch für das Bataillon.

2. Das Bataillon.

A) Allgemeine Aufstellung. — Sümmtliche Compagnien eines Bataillons rangiren in der vorerwähnten Unterabiheilung vom rechten gegen den linken Flügel.

Jede Compagnie und jedes Bataillon haben einen „Jalonneur". Dies sind Unterclficiere mit einem Fähnlein, dessen Stange in den Gewehrlauf eingesteckt wird, um bei Aufmärschen und Rallirungen die Aufstellungslinie zu markiren.

a) Aufstellung eines Bataillons in entwickelter Linie. — Die vier Linien-Compagnien eines Bataillons stellen sich in der entwickelten Linie nach der Reihenfolge ihrer Nummern mit einem Schritt Intervall auf. Die Schützen-Compagnie hingegen nimmt ihre Aufstellung in der geschlossenen Zugs-Colonne auf 50 Schrille entfernt, hinler der Mitte des Bataillons.

Sämmtliche Chargen behalten die ihnen in der Compagnie-Eintheilung angewiesenen Plätze. Folgende Figur zeigt die Aufstellung eines Bataillons, fünf Compagnien in entwickelter Linie.

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b) Bataillons-Colonnen. — 1. Die geschlossenen DoppelMgS- und die Zugs-Colonnen, rechts oder links formirt, entsprechen unseren Bataillons - Colonnen mit der Abiheilungsbreite einer Compagnie oder Halb-Compagnie.

Im ersteren Falle stehen fünf, im letzteren aber zehn Abtheilungen hinter einander mit Inbegriff der Schützen - Compagnie, welche stets an die Queue kommt Die Distanz zwischen den Colonnen-Abtheilungen beträgt fünf Schritte.

Das Öffnen der Colonnen erfolgt stets auf die Breite der betreffenden Abtheilungen.

2. Die geschlossenen Doppelzugs- und Zugs-Colonnen aus der Mitte. Bei dieser Colonnen-Formation brechen in Züge, beziehungsweise in Halbzüge: die beiden rechtsstehenden Linien-Compagnien nach links, die linksstehenden nach rechts.

Bei der Doppelzugs-Colonne schliesst sich die Schützen - Compagnie in entwickelter Front an die rückwärtigen Abtheilungen auf fünf Schritte an, während sie bei der Zugs-Colonne aus der Mitte sich in der rechtsformirten Zugs-Colonne anschliesst

3. Ausserdem haben die Russen eine Doppelreihen-Colonne aus der Mitte, welche eine Breite von acht Mann, ohne Chargen, erhält Bei dieser Colonnen - Formation bricht die Schützen - Compagnie in eine Colonne mit Sectionen und schliesst sich der Queue an.

Diese Colonnen-Formation entspricht den bei uns eingeführten „Compagnien in gleicher Höhe".

Der Angriffs- oder Sturm - Colonne werden wir weiter unten eine Aufmerksamkeit schenken.

c) Compagnieweise Gefechtsaufstellung eines Bataillons. — 1. Die compagnieweise Aufstellung eines Bataillons erfolgt in einem oder zwei Treffen, wobei die Bestimmung der Zahl der in jedes Treffen kommenden Compagnien vom Bataillons-Commandanlen abhängt. Folgende Figur zeigt die normale Gefechls-Aufstellung eines Infanterie-Bataillons.

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Normalmässig ist festgesetzt: Wenn im ersten Treffen zwei Compagnien stehen, so hat deren Intervall- Minimum eine Länge für drei Züge (Halb-Compagnien) zu betragen; stehen im ersten Treffen drei Compagnien, so besteht das Intervall zwischen denselben aus mindestens einer Zugsbreite. Endlich stehen in einem Treffen alle vier Linien-Compagnien, so beträgt das Intervall mindestens einen Schritt, wie dies für die entwickelte Linie eines Bataillons festgesetzt wurde.

An diesen Intervallen wird übrigens nicht festgehalten. Terrain, Verhältnisse, überhaupt die zur Vertheidigung oder zum Angriff zugewiesene Strecke sind hiebei in erster Linie massgebend.

Was das zweite Treffen bei der compagnieweisen Gefechtsaufstellung eines Bataillons anbelangt, so beträgt die Treffendistanz normalmassig 150 Schritte. Stehen zwei Compagnien im zweiten Treffen, so zeigt deren Aufstellung die Figur. Befindet sich jedoch im zweiten Treffen nur eine Compagnie, so nimmt sie ihre Aufstellung hinter der rechten FlügelCompagnie des ersten Treffens. Die Schützen-Compagnie stellt sich hinter die Mitte und auf 50 Schritte hinter das zweite Treffen.

In der compagnieweisen Gefechtsaufslellung nehmen die Compagnien des ersten Treffens im offenen Terrain und im Bereiche des feindlichen Feuers die entwickelte, im gedeckten Terrain aber die Zugs- oder HalbzugsFormation an. Ausserhalb des Schussbereiches stehen die Compagnien des ersten Treffens in Zugs- oder Halbzugs - Colonnen. Die Compagnien des rweiten Treffens stehen in Zugs-Colonnen, ausgenommen jene Fälle , wo die Deckung durch die Formirung der Halbzugs-Colonne besser erreicht wird.

2. Das Carre. Dass Carre's gegen den Angriff der feindlichen Cavallerie formirt werden, ist bekannt Das russische Exercir-Reglement aber kennt nur Compagnie-Carre's, welche nach dem Ermessen des BataillonsCommandanten verschiedene Aufstellungen nehmen. Folgende drei Figuren versinnlichen die Formation und Aufstellung derselben.

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