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Der Krieg 1870—71.

(Fortietnmg).

Offensive der deutschen Armee. — Treffen bei Weissenburg, Wörth und Spicberen. — Rückzug der Franzosen nach Chälons und Metz.

Am 4. August wurde die Division Douay vonTheilen der preussischen II. Armee (2. bayerisches, 5. und 11. Armee-Corps) bei Weissenburg übertuen und übel zugerichtet. Nicht allein dem Divisions-, sondern auch dem Jorps-Commandanten waren ganz bestimmte Nachrichten über die massenlaften Ansammlungen feindlicher Streitkräfte an der Queich im Laufe des . und 3. zugekommen, und dennoch enthielt der dem General Douay erlheilte Mehl die stricte "Weisung, ein Treffen unter allen Umständen zu liefern, ie Division verlor bei 2200 Mann und ein Geschütz, der preussisch-deutsche Wust belief sich dagegen auf 1000 bis 1400 Mann, darunter 76 Officiere. Das Königs-Grenadier-Regiment Nr. 7 vom 5. Corps hatte allein 10 Officiere »dt und 12 verwundet, unter den Letzteren seine sämmtlichen Stabs-Olficiere.) Nach dem Gefechte bezogen die deutschen Streitkräfte am südlichen 'fer der Lauter Biwaks, und zwar:

Das 2. bayerische Armee-Corps bei Oberhofen und Steinselz, das . bei Langenkandel, das 5. Armee-Corps bei Riedselz, das 11. bei IngolsPim, das 13. (württembergische und badische Divisionen) bei Neuweiler ind Selz. Die 4. Cavallerie-Division kam nach Weissenburg und Altenstadt. >as Armee-Hauptquartier wurde in Nieder-Otterbach etablirt.

Marschall Mac Mahon concentrirle indess seine übrigen 4 Divisionen 3 Infanterie-, 1 Cavallerie-) vorwärts Reichshofen und gab der ihm eventuell untergeordneten 1. Division Dumesnil vom 7. Corps, welche am 4. August »on Colmar nach Mühlhausen im Marsch begriffen war, die Ordre, sich einzuwaggoniren und über Hagenau zu seinem Corps zu slossen.

Die Niederlage bei Weissenburg konnte nicht ohne Rückwirkung auf üe Ordre de bataille der französischen Armee bleiben. Mittels Tagsbefehls wurde das Commando des 2., 3. und 4. Armee-Corps dem Marschall Bazaine, jenes des 1., 5. und 7. dem Marschall Mac Mahon, jedoch nur auf die Dauer der in Aussicht genommenen Operationen übertragen. In Folge dessen erhielt der bei Bitsch stehende General Failly aus dem Hauptquartier Reichshofen am 5. Abends telegraphisch die Weisung, mit dem 5. Corps sich so schnell als möglich an das 1. und 7. Corps anzuschliessen.

Diese unverhoffte Vermehrung seiner Macht bestärkte den Marschall noch mehr in dem Entschlüsse, mit den verfügbaren und bisher intact gebliebenen 3 Infanterie- und 2 Cavallerie-Divisionen der von Weissenburg über

Österr. mllitir. Zeittchrift. 1871. (2. Bd.) 1

Momente, als die Niederlage der Franzosen entschieden und allgemein war, und trug so wesentlich zur Deckung des Rückzuges bei.

Die Trümmer der Armee Mac Mahon's sammelten sich am 7. bei Saverne, marschirten die Nacht vom 8. hindurch und erreichten an diesem Tage Saarburg.

General Failly erfuhr am 6. Abends den unglücklichen Ausgang der Schlacht von Wörth oder Froschweiler, wie sie von den Franzosen genannt wird, machte dann mit dem 5. Corps einen Nachtmarsch, traf am 7., da der Train schon Tags zuvor nach Saargemünd instradirt und die Bagagen in Bitsch zurückgelassen worden waren, bei Petite Pierre oder Lützelstein, am 8. bei Lixheim ein.

Das 7. Corps Douay war am 6. August, nach Abtretung der 1. Division Conseil Dumesnil an Mac Mahon, blos mit der Division Liebert (die Division Dumont blieb als Besatzung in Lyon) und einer Cavallerie-Brigade von Beifort in Mühlhausen angelangt und zog sich von hier auf die Nachricht von dem Missgeschicke von Wörth am 7. gegen Beifort zurück. Am 8. stand das Corps wieder bei diesem Waffen platze, um dessen Vertheidigungsarbeiten zu vervollständigen und besonders den Bau der drei neuangelegten Aussenforts Barres, Grandes Perches und Pelites Perches zu Ende zu führen.

Die III. Armee des Kronprinzen von Preussen biwakirle in der Nacht vom 6. aul den 7. August auf dem Höhenplateau von Froschweiler, und zwar: Das 5. Armee-Corps bei Froschweiler, das 11. bei Elsasshausen, Wörth und Eberbach;

das 1. und 2. bayerische Armee-Corps bei Wörlh;

die württembergische Division (13. Armee-Corps Werder) bei Eberbach, Elsasshausen und Reichshofen;

die badische Division wurde zur Deckung der linken Flanke der III. Armee gegen Hagenau detachirt und lagerte bei Gunstelt und Surburg;

die 4. Cavallerie-Division bei Schönenburg;

das 6. Armee-Corps sammelte sich bei Speyer und Bornheim;

die 2. Cavallerie-Division traf bei Mannheim ein.

In diesen Stellungen blieb die III. Armee auch am 7. August. Nur rückte die badische Division gegen Hagenau vor;

die 4. Cavallerie-Division kam nach Merzweiler;

die 2. Cavallerie-Division nach Landau;

das 6. Armee-Corps nach Sulz und Weissenburg.

Von der französischen Armee des Marschalls Bazaine standen am 5. August:

Das 2. Corps Frossard zwischen Spicheren und Saarbrücken;

das 3. Corps Bazaine (nunmehr vom General Decaen befehligt) bei St. Avold, Marienthal, Saargemünd und Puttelange;

das 4. Corps Ladmirault bei Boulay;

das Garde-Corps Bourbaki bei Courcelles.

Erst an jenem Tage fasste die Oberleitung der Kriegsoperationen die Möglichkeit in's Auge, dass die beiden französischen Armeen auf die Festungen Strasburg und Metz geworfen werden könnten, und begann mit deren VerIheidigungs-Inslandselzung sich zu beschäftigen. Man berief dringend einige 4. Bataillone, Depot- und Douaniers-Abiheilungen zu Besatzungsdiensten nach Metz und beschleunigte die Aufstellung der mobilen Nationalgarde. Am 13. Juli war dieselbe bereits im Bereiche des 1., 2. und 3. Armeebezirkes zu den Waffen berufen worden, aber am 5. August oder über 3 Wochen darnach merkte man von ihrer Organisation auch nicht das Mindeste.

In den deutschen Rheinfestungen war dagegen die artilleristische Sicherheits-Armirung bereits am 20. Juli vollendet, und die fortificatorische gegen den 3. August bis auf einige Details der Vollendung nahe geführt.

Am 6. August oder an dem Tage, an welchem der linke preussische Flügel (III. Armee) den Sieg bei Wörth über den französischen rechten Flügel (Armee des Marschalls Mac Mahon) erkämpfte, errang auch das Centrum (Theile der II. Armee) und der rechte Flügel (I. Armee) einen bedeutenden Sieg über das zum Centrum der französischen Rhein-Armee gehörige 2. Corps des Generals Frossard.

Die deutsche I. Armee des Generals Steinmetz bewirkte, wie bereits bemerkt, ihren strategischen Aufmarsch zwischen Trier und Saarlouis und schob sich dann über Lehbach durch den Köllerthaler Wald an die mittlere Saar, um auf der Strasse Saarbrücken-Metz vorzugehen ').

Die II. Armee des Prinzen Friedrich Carl echelonirte sich in dem Maasse, als ihre Corps mit der Eisenbahn anlangten, längs des Schienenweges und der grossen Heerstrasse Mainz-Alzey-Winnweiler-KaiserslauternHomburg-Neunkirchen.

Am 5. August Abends blieb das königliche Hauptquartier in Mainz;

das Hauptquartier der I. Armee kam nach Lehbach;

das halbe 7. Armee-Corps (13. Division) nach Schwarzenholz;

das halbe 7. Armee-Corps (14. Division) nach Eyweiler;

das 8. Armee-Corps nach Landsweiler und Lehbach;

das Hauptquartier der II. Armee kam nach Kaiserslautern;

das 3. Armee-Corps nach Neunkirchen, Oltweiler und St. Ingbert;

das 4. Armee-Corps nach Blieskastel und Zweibrücken;

das 10. Armee-Corps nach Landsluhl;

das 12. Armee-Corps nach Enkenbach;

das Garde-Corps nach Alzey;

das halbe 9. Armee-Corps (18. Division) nach Kaiserslautern;

') Die von uns im Märzhefte pag. 18 auseinandergesetzte Aufstellung der preusaischen Armee Ende Juni bedarf einer Berichtigung. Von der I. Arme« Steinmet« bewirkte das 8. Armee-Corps, dessen 3 Infanterie-Regimenter Nr. 40, 69 und 70, dann das Ublanen-Begiment Nr. 7 und das Huszaren-Regiment Nr. 9 vor dem Kriegsansbruche die Garnisonen von Trier, Saarlouis und Saarbrücken bildeten, seine Concentrirung über Cöln und Trier bei Saarlouis und trat mit dem 7. Armee-Corps in Verbindung, welches über Coblenz und Bingerbriick mit der Nahebahn bis Birkenfeld befördert wurde und von hier bis Lehbach zu Fuss marschirte.

die 5. Cavallerie-Division Rheinbaben nach Neunkirchen;

die 1. und 6. Cavallerie-Division Hartmann und Mecklenburg kamen nach Landstuhl und Homburg;

die 3. Cavallerie-Division Groeben wurde in Birkenfeld auswaggonirt').

Nach den allgemeinen Dispositionen für die deutschen Armeen sollten am Morgen des 6. August von der I. Armee die 14. Division Kamecke des 7. Armee-Corps Guichenbach erreichen und ihre Vorposten gegen Saarbrücken und Luisenlhal vorschieben, die 13. Division Glümer desselben Corps aber bis Pütllingen vorgehen, und ihre Avantgarde bis Vöcklingen und Rockershausen an die Saar vortreiben. Die Corps-Artillerie halte der 14. Division bis Hausweiler zu folgen, das 8. Armee-Corps mit der 15. Division Weltzien bei Holz, mit der 16. Division Barnekow bei Fischbach einzutreffen.

Das 3. Corps der II. Armee sollte mit der zugetheilten 5. CavallerieDivision Rheinbaben den Ort St. Johann besetzen, und die 5. Division Stülpnagel eine Stunde nördlich dieser Stadt bei Sulzbach biwakiren, die 6. Division Buddenbrock aber Cantonnements in Neunkirchen beziehen.

Die französischen Corps der Armee Bazaine's behielten am 6. August die Tags zuvor innegehabten Stellungen. Nur General Frossard hatte, sowie er von der Massenbewegung der preussischen Streitkräfte die Kunde erhielt, mit seinem Corps eine Gefechtsslellung auf den Höhen von Sliring und Spicheren bezogen, in der er um 11 Uhr angegriffen wurde.

Im Verlaufe des bis in die Abenddämmerung sich hinziehenden Kampfes brachten die Preussen nach und nach 4 Infanterie-Divisionen und 1 Cavallerie-Division oder bei 60.000 Mann mit 186 Geschützen in die Schlachtlinie, während die Franzosen in 3 Infanterie-Divisionen, 1 Cavallerie-Division vom 2. Corps, dann der demselben zur Hilfe herbeigeeilten Dragoner-Brigade Manbranches vom 3. Corps etwa 25.000 Mann mit 96 Geschützen im Gefecht gehabt haben dürften, von denen einige Bataillons den Ort Forbach gegen die über Püttlingen, Völklingen, Ludweiler und Rossein in Flanke und Rücken der französischen Position bei Spicheren vorgedrungene preussische 13. Division Glümer (7. Corps) vertheidigten.

Die beiderseitigen Verluste waren enorm. Die Preussen, welche eine formidable Position zu stürmen hatten, verloren bei 6000 Mann, die Franzosen gegen 5000 Mann. Das ganze Lagergeräthe der französischen 1. und

') Für den Trappen-Transport der I. Armee, so weit derselbe mit der Bshn stattfand, scheinen Cöln nnd Coblenz die Übergangspunkte gewesen zu sein. Von hier worden die Truppen nach Bingerbrlick und Ton da auf der Nahebahn weiter befördert. Dieselbe Linie benutzten einige Corps der II. Armee, während andere Abtheilungen auf der rechtsrheinischen Bahn bis in die Gegend von Castel (Mainz) transportirt wurden und von hier aus zu Fuss weiter marschirten. Der Haupt-Übergangspunkt für die II. Armee und die beiden preussischen Armee-Corps (5., *>•) der III. Armee war indessen Mainz, von wo erstere über Ludwigshafen und Neustadt, in der Richtung auf Kaiserslautern, letztere von Neustadt auf Landau befördert wurden. Die süddeutschen Armee-Corps überschritten den Rhein bei Mannheim-Ludw'f?9hafen. Die Cavallerie setzte von Bingerbrück resp. Mainz oder Ludwigshafen »°* vielfach ihre Vorwärtsbewegung zu Fuss fort

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