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Eine Unterredung zwischen englischen und preussischen Artillerie -Offlcieren vor Verdun 1870.

Nachdem dio Herren über verschiedene militärische Sachen gesprochen hatten, kamen sie auf eine eingehendere Besprechung ihrer Specialwaffe zurück, und die preussischen Officiere konnten nicht genug die englischen Artilleristen. Beschirrungen und Bespannungen, überhaupt das ganze Material der englischen Artillerie, mit Ausnahme der Geschütze, loben.

Preusse: „Warum wollen sie aber einen Rückschritt in der ArtillerieWissenschaft machen und wieder zu den Vorderlad-Geschützen zurückkehren':1*

Die englischen Artillerie-Oficiere machten auf diese Frage hin auf einige Vorzüge dieses Geschützes gegenüber ihrem Hintcrladungs-Systeme aufmerksam und erhielten folgende Erwiderung:

„Zugegeben; aber gerade dies ist der grosse Fehler, welchen sie im Begriffe, stehen zu machen. Sie gehen hiebei von der Prämisse aus, dass es einzig und allein eine Wahl zwischen dem „Armstrong-Hinterlad - System" und dem „Vorderlad-System" gebe, während wir gerade dieses Hinterlad-System wegen der Complicirtheit der Maschine für viel zu empfindlich und daher am Wenigsten für den Feldgebrauch geeignet halten."

„Wir haben es zu wiederholten Malen sehr gewissenhaft bei Berlin probirt und kommen immer wieder zu derselben Ansicht."

„Das Armstrong'sche Hinterlad-System ist aber doch nicht das Einzige in der Welt. Sehen sie unsere Krupp'schen Geschütze an! Könnten sie negiren, dass es etwas Einfacheres und Praktischeres als diesen Verschlussmodus geben kann? Sie können alle möglichen Zerstörungsproben mit diesem Apparat machen und werden dann einsehen, dass es beinahe unmöglich ist, ihn zu verderben.'

Das Gespräch wandte sich hierauf auf die Zeitzünder, welche die englischen Officiere nicht sehr in Schutz nehmen konnten.

Die Preussen sagten hierüber Folgendes:

„Sie sind nicht zu brauchen und schlimmer als nur „unbrauchbar1, weil durch ihre Unsicherheit das Vertrauen der Artilleristen erschüttert wird. In den letzten Schlachten gebrauchten sie die Franzosen sehr viel, und von fünf Projectilen, welche solche Zünder hatten, explodirten vier, ohne die erwartete Wirkung zu haben; unsere Leute beachteten sie daher bald nicht mehr, und der moralische Eindruck des französischen Artilleriefcuers sank in kurzer Zeit. Die Franzosen fangen auch schon an, sie weniger zu verwenden. Wir für unseren Theil wollen Nichts damit zu thun haben. Wir beschränken uns allein auf unsere Percussionszünder."

Darauf fragt der Engländer:

„Durch was ersetzen sie aber den Effect eines Shrapnels?"

Der Preusse antwortet:

„Jedenfalls ist es Schade, dass wir ihn nicht haben können, und wir können seine Wirkung nur dadurch ersetzen, dass wir die Projectile vor dem Ziele aufschlagen lassen. Immerhin ziehen wir diesen einen Nachtheil dem grossen Gesaramtnachtheil aller Shrapnels vor, dass nämlich bei dem Gebrauche dieser Munitionsgattung '/» unseres Feuers ohne jedwedes Resultat sein würde."

1

Der Engländer fragt:

„Angenommen, es würden neuere Erfindungen den Zeitzünder derartig verbessern, dass die damit versehenen Projectile, wenn aus einem VorderladGeschiitz gefeuert, ebenso verlasslich wirken als Ihr PcrcussionszUnder; würden Sie dann noch gegen die Adoptirung des Vorderladers sein?"

Der Preusse antwortet:

„In diesem Falle würden allerdings einige unserer Bedenken fallen, und wir würden uns wenigstens geneigt zeigen, die Frage wieder aufzunehmen. Wir glsaben aber, dass wir durch diese theilweise Zustimmung, gegenüber unserer früheren Abneigung gegen jeden Vorderlader, nicht zu weit gegangen sind; denn unsere wissenschaftlichen Männer suchen schon seit einer Reihe von Jahren eine solche Zünderconstruction zu erfinden, wie Sie dieselbe wünschen; sie stehen aber noch immer dort, wo sie bereits im ersten Jahre standen, und ich muss Ihnen unverhohlen sagen, dass sie, meines Erachtens nach, auch nie einen verläßlichen Zeitzünder zu Stande bringen werden. So wäre denn auch die Frage, ob Vorder- oder Hinterlader? von unserer Seite einstweilen gelöst, und ich kann cur noch beifügen, dass auch hier ein Loth „Thatsache" einen Centner „Theorie" aaf wiegt"

Nach dieser Unterredung machten die englischen Artillerie-Officiere die Beschiessung von Verdun mit, wo auch französische Vorderlader verwendet »iirden, da den Preussen anfänglich ein schwereres Kaliber fehlte. Die englischen Artillerie-Officiere kamen, nachdem sie der Beschiessung beigewohnt, zu folgender Ansicht:

„Wir müssen zugeben, das3 unser noch schwankendes Urtheil in der Frage, ob Vorder- oder Hinterlader? jetzt endgiltig fixirt wurde, und wir müssen tan Hinterlader den ihm gebührenden Vorzug einräumen. Unterredungen, welche *ir früher über diesen Punkt bei Sedan und anderen Orten hatten, namentlich aber was wir hier und bei Metz gehört und gesehen haben, brachten die Überreogung zur Reife, den Hinterlader mit gutem Gewissen dem Vorderlader bedingungslos vorziehen zu dürfen."

Diese Abhandlung schliesst mit den Worten, dass der englischen Regierung nur anempfohlen werden kann, bevor sie einen zu raschen Entschluss in fer Sichtung fasst, nochmals Proben vorzunehmen, da doch das Urtheil von so wissenschaftlich und praktisch gebildeten Officieren, was unbestreitbar die preassischen Artillerie-Officiere seien, nicht so, mir Nichts dir Nichts, übersehen »erden könne, — dazu eingerechnet ihre Erfahrungen während des letzten Feldwges. Ihr Urtheil über diese Frage stünde jetzt fest, und der Verfasser geht »gar so weit, zu behaupten, dass er lieber mit einer Batterie Hinterlader, von «clcher durch Zufälligkeiten einige Geschütze unbrauchbar seien, einen Feldzug "eiter fortsetzen würde, als mit einer Batterie noch intacter Vorderlader.

Heinrich Cerrini von Monte Varchi,

k. k. Kämmerer und k. k. Feldmarschall-Lieutenant.

Nekrolog.

Cerrini war am 23. November 1801 zu Görlitz in der Ober-Lausitz geboret und stammt aus einer uralten toscanischen Familie. Cerrini's Vater fiel al sächsischer Oberstlieutenant am 13. April 1807 bei Danzig im Kampfe gege die Franzosen auf dem Felde der Ehre.

Dessen Sohn Heinrich Cerrini wurde im Cadetenhause zu Dresden erzöge und trat, ausgestattet mit vorzüglichen Zeugnissen über seine vollendeten Studien auf den Wunsch seiner in Osterreich lebenden Verwandten am 11. Jänner 181! als Cadet in das k. k. Pionnier-Corps. Am 1. Jänner 1821 wurde er zun Fähnrich in dem Infanterie-Regimente Grossherzog von ToscanaNr. 7 beförder und leistete — während des Sommers 1822 bei der im Piemontesischen weilen den Generalquartiermeisterstabs-Abtheilung zugetheilt — sehr nützliche Dienst«

1823 wählte ihn der hochwissenschaftlich gebildete und spätere Leite der Geschäfte des Generalstabes General-Major Graf Rothkirch, dazumal Bri gadier in Klagenfurt, zum Brigade-Adjutanten und Cerrini avancirte am 1. Mir 1824 zum Unterlieutenant beim Infanterie-Regiment Baron Wacquant.

Als General-Major Graf Rothkirch im Jahre 1829 nach Pressburg üb« setzt ward, wurde Cerrini dem Generalquartiermeisterstabe zugetheilt und b« der Militär-Mappirung in Krain verwendet.

Am 23. Februar 1831 ward er zum Oberlieutenant im General quartiermeisterstabe ernannt.

Cerrini begleitete im Jahre 1832 den Generalen Grafen Clam-Martiniu in diplomatischer Mission nach Berlin und kam nach erfolgter Rückkehr nach Wien in das Militär-Departement des Hofkriegsrathes.

Hier wurde er am 1. Juli 1833 zum Capitän im Infanterie-Regiment« Prinz Wasa Nr. 60 und am 1. März 1834 zum wirklichen Hauptmann beim Infanterie-Regimente Erzherzog Carl Nr. 3 befördert. Zwei Monate später erhielt er die ihn hochehrende Anstellung als Erzieher des Erzherzogs Alexander, Sohn des Erzherzogs-Palatinus von Ungarn.

Leider erlag der kräftige, reichbegabte Knabe am 12. November 1837 der Friesel-Krankheit. Cerrini wurde mit der kaiserlichen Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung auggezeichnet und vermöge Haudbillet in das Regiment Herzog von Wellington Nr. 42 cingetheilt, woselbst er als rangsältester Hauptmann gleich ein Bataillone-Cominando übernahm.

Am 15. September 1840 wurde Cerrini zum Major im Infanterie-Begiinente Prinz Emil von Hessen Nr. 54 befördert. Er erhielt das beim Festungsbau von Comorn commandirte 3. Bataillon und blieb daselbst durch sechs Jahre, bis ihm 1846 das Comtnando des aus den Regimentern Prinz Emil, Erzherzog Rainer und Wocher gebildete Grenadier-Bataillon zufiel, welches in Prag garnisonirte.

Während des mehrjährigen Aufenthaltes in Comorn fand Cerrini hinlängliche Müsse, sich wieder mit kriegswissenschaftlichen Arbeiten zu befassen. E« erschienen von ihm in der österreichisch-militärischen Zeitschrift: „Die Belagerung von Olmütz», „Die Schlacht bei Hochkirch 1758", „Der Feldzug 1759' tad mehrere kleinere Aufsätze, von welchen besonders jener über „Feldübungen snd Feldmanövers" allgemeinen Beifall fand.

Im Verlaufe des Aufstandes zu Prag im Juni 1848 erstürmte Cerrini mit «inen Grenadieren acht Barricaden in der Zeltergasse und war es ihm geglückt, danh Besetzung des Kinskischen Palais und der Theinkirche, eine die Altstadt [«herrschende Position zu gewinnen. Fürst Windischgrätz beschloss hierauf die Alt- and Neustadt zu räumen und eine dominirende Position auf dem Hradschin n beziehen.

Nach Bewältigung des Aufstandes übertrug der Fürst dem Major Cerrini da Platz -Commando auf dem Hradschin und die Bewachung der vielen Gebogenen. Cerrini fand trotzdem noch immer Zeit, in öffentlichen Blättern die Ereignisse zu schildern und die geheimen Zwecke der Umsturzpartei an's Tageslicht zu ziehen, wofür er den vollen Beifall aller rechtlich Gesinnten erntete. Fürst Windischgrätz beehrte ihn zudem mit seinem besonderen Vertrauen.

An die Stelle des bei Sommacampagna gefallenen Sunstenau zum Oberstlieatenant im Regimente befördert, erhielt Cerrini den Befehl, nach Bovigo abzugehen, wo er bald das Regiments-Commando übernahm. Für sein tapferes w\ aasgezeichnetes Benehmen zu Prag wurde Cerrini mit dem Ritterkreuze des Leopold-Ordens belohnt. Einige Monate später wurde er zum Obersten im Regiment« ernannt.

In dieser Eigenschaft wirkte er rühmlich in den Gefechten, welche im Frühjahr 1849 zwischen dem Po und der Etsch im Venetianischen stattfanden, « erhielt bald das Commando einer Brigade, mit der er Brondolo blokirte und & unteren Po-Übergänge beobachtete.

Kurze Zeit darauf mit seiner Brigade dem Oberbefehl des Generals Grafen Coronini untergeordnet, wurde ihm das Commando der Vorposten übertragen. Ai aber später General Graf Coronini an das kaiserliche Hoflager abberufen nrd, wurde Cerrini das Commando über das BelagerungB-Corps von Brondolo öwtragen. Feldzeugmeister Graf Thurn, Cerrini's letzter Commandant bei der Belagerung von Venedig, hatte ihm ein höchst rühmliches Zeugniss über seine Tapferkeit und umsichtige Thätigkeit ausgestellt und wurde er hiefür mit dem Militär-Verdienstkreuze ausgezeichnet.

Im Juli linden wir Cerrini in Udine, wo er das Militär-Commando über die Provinzen Friaul und Belluno führte. Kurze Zeit hernach rückte er mit «inem Regimente ab. Am 12. Juli wurde er zum General-Major und Brigadier in Ungarn befördert.

Der Grossherzog von Hessen verlieh Cerrini bei dessen Scheiden aus dem Regimente das Commandeurkreuz I. Classe des grossherzoglich-hessischen PhilippsOrdena. Ebenso erhielt er 1853 im Lager von Olmütz den russischen StanislausOrden I. Classe.

Im Laufe des Jahres 1854 finden wir Cerrini mit seiner Brigade anfänglich in Wien, dann im Sommer 1854 in Siebenbürgen, später bei Stanislau und Anfangs November desselben Jahres in Kaschau. Ende Juli 1855 befand sich Lerrini als Brigadier in Graz; 1857 erhielt er die k. k. Kämmererswürde, rückte "n Mai wieder nach Wien und später mit seiner Brigade nach Padua.

Am 27. Juni 1858 wurde er zum Feldmarschall-Lieutenant und Festungs-Commandanten von Arad ernannt. 1859 erfolgte dessen Pensionirung »nd erwählte er Graz zu seinem Aufenthalte.

Cerrini war zweimal glücklich verheiratet, zuerst von 1833 bis 1854 tM Baronesse Bartenstein, dann von 1855 bis zu seinem Tode mit der Gräfin Bertha Thurn -Valle Sassina, seit 1858 Sternkreuzordens-Dame. Zu Graz lebte er im stillen Familienglück zehn volle Jahre. In Gesellschaften und engeren ureigen war er durch seine Bildung, umfassende Kenntnisse, heitere Laune und

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