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Der I. Armee, Steinmetz: von Coblenz über Saarlouis durch Trier'sche.

Der II. Armee, Prinz Friedrich Carl: von Mainz über KaiserslauU durch den westlichen Theil der bayerischen Uheinpfalz.

Der III. Armee, Kronprinz von Preussen: von Speyer über Lan< durch den östlichen Theil der bayerischen Rheinpfalz.

Ob dieser Offensivplan gleich vom Hause aus gefasst wurde, und nicht vielmehr dem strategischen Aufmarsche an der starken Rheinli zwischen Coblenz und Mainz der Gedanke zu Grunde lag, in der Defens so lange auszuharren, bis die Entscheidung über den Anschluss der ilriiisrliHi Sireilkräfte an die norddeutsche Bundesarmee gefallen und französische Stossrichtung offenkundig geworden, soll vorläufig unerörl bleiben.

Bewegungen der Armeen und Beginn der Kriegs-Operationen.

Am 24. Juli führten das französische 2., 3., 4., 5. und Garde-Cor dann die 3. Reserve-Cavallerie-Division, welche provisorisch unter t Oberbefehl des Marschalls Baznine inzwischen gestellt worden waren, nai stehende Bewegungen aus:

Das 3. Armee - Corps marschirte von Metz nach Boulay, besd Bouzonville und unterhielt die Verbindung mit dem 2. und 4. Corps.

Die Garde rückte von Nancy gegen Metz ab und etablirle am 25. Corpsquartier daselbst.

Das 5. Armee-Corps marschirte mit zwei seiner Divisionen von Bit nach Saargemünd. Die bisher unter dns Commando des Marschalls "i Mahon gestellte 3. Division des Corps ruckte von Hagenau nach Bilsch und es sollte Hagenau von der 2. Division des 1. Corps gleich nach ih Aufstellung occupirl werden. Das 2. und 4. Armee-Corps blieben in ih Siellungen bei St. Avold und Thionville.

Die vorsiehenden Positionen behielten die Corps bis 30. Juli diesem Tage rückten aber behufs einer Operation gegen Saarbrücken:

Das 2. Armee-Corps nach Beningen,
„3. „ „ St. Avold,

„4. „ „ Boulay.

Das letztere Corps mussle seine Verpflegsgelder und Ambulanzeif Thionville zurücklassen, weil es keine Bespannungen hatte. Das 5. Arm Corps blieb in den Stellungen bei Saargemünd und Bilsch.

Die 3. Reserve-Cavallerie-Division sollte von Ponl-a-mousson ni Faulquemont marschiren, konnte jedoch diese Vorwärtsbewegung nicht ai führen, weil sie noch nicht organisirt war.

Das Garde-Corps blieb in Metz.

Die in Soissons stehende Division des 6. Armee-Corps sliess in Chalons iura Corps.

Die 2. Reserve-Cavallerie-Division rückte von Luneville nach Brumalh ab, um sich mit dem 1. Armee-Corps zu vereinigen.

Nach Ausführung dieser Dispositionen erhielt Marschall Bazaine die Ordre, die Saar am 2. August zu überschreiten und von Saarbrücken Besitz ru ergreifen. In einem Kriegsrathe regelte dann der Marschall mit den Cooimandanten des ihm unmittelbar unterstellten 2. und 5. Armee-Corps, dam» dem Artillerie- und Genie-Chef der Armee die Details der Unternehmung.

Hiernach sollte die am 2. August in'sWerk zu setzende Angriffs-Operation auf Saarbrücken unter Commando Bazaine's vom 2. Corps des Generals Frossard allein ausgeführt und von vier Divisionen des 3. Corps, dann der lhvision Lorencez des 4. Corps in zweiter Linie unterstützt weiden. Das 3. und 5. Corps waren bestimmt, durch Flankcnoperationen zu wirken, indem das eine durch das Thal der Lauter, welches die Preussen seil 48 Stunden !ifM?lzl hielten, das andere nach Forcirung der Saar bei Saargemünd am rwhten Uler des Flusses gegen das AngrifFs-Object vordringen sollte1).

Am 1. August besetzte das 2. Corps des Generals Frossard mit der 1 Division Bataille die zwei Kilometer nördlich von Forbach rechts der Sirasse von Saarbrücken liegenden Höhen von Spichern, mit der 3. Diviaoo Laveaucoupet das Plateau von (Hingen und mit der 1. Division Verge &n Ort Forbach; die übrigen Corps behielten die Stellungen vom 30. Juli Abends.

Der Angriff auf das vom preussischen 40. Infanlerie-Regimente und 3 Escadrons des 7. Uhlanen-Regiments (7. Armeecorps) occupirle Saarbrücken wurde am 2. August in Gegenwart des Kaisers und des kaiserlichen Prinzen von den beiden Divisionen Bataille und Laveaucoupet unternommen. Die Preussen räumten den Ort nach lebhaftem Widerslande und bewirkten Jen Rückzug trotz der grossen Übermacht in Ordnung gegen Pülllingen, wo rfe die Nacht biwakirten. Ihr Verlust belief sich auf 75 Mann, derjenige 4er Franzosen aul mindestens eben soviel.

Nach der Affaire von Saarbrücken wurde im französischen ArmeeHauptquartiere eine offensive Recognoscirung gegen Saarlouis beschlossen, and deren auf den 3. August festgesetzte Ausführung dem mittlerweile bei ßouzonville concentrirlen 4. Corps Ladmirault übertragen. Da indess Nachrichten von Thionville eingiengen , dass 40.000 Preussen sich im Anmärsche von Trier an die Saar befänden, so nahm man von der Action Umgang.

Während die obigen Bewegungen im Centrum und auf dem linken Flügel der französis«hen Armee-Aufstellung an der Saar-Mosel stattfanden, beendigte der rechte Flügel am Rhein die Formation seiner Armeecorps.

') Der Lauterbach vereinigt sich mit dem Rossel-Fluss bei Geisslautern südlich von Völkingen an der Saar.

Osten. nillUr. Zeitschrift 1871. (1. Bd.) 17

Am 25. Juli stand das 1. Armeecorps Mac Mahon mit der 1. Division Ducrot vorwärts von Wörlh, mit der 2. Division Douay bei Ungenau, mit der 3. und 4. Division Raoul und Lartigue bei Sirassburg; die Cavallerie-Division Duhesme, vor der Fronte der Corpsaulstellung vertheilt, lagerte mit der Brigade Sepleuil bei Sultz und mit der Brigade Nansouly bei Seltz und deckte durch Vorposten den ganzen Raum zwischen den Vogesen und dem Rhein; die Cürassier-Brigade Michel blieb in Reserve.

Diese Aufstellung behielt das 1. Corps bis 2. August. An diesem Tage schob es aber die 2. Division Douay von Hagenau gegen Weissenburg, welche die Stadt mit einem Bataillon und den südostlich derselben liegenden Geissberg mit 12 Bataillons und 3 Batterien, worunter 1 Mitrailleusen-Batterie, besetzte.

Am 1. August war auch vom 7. Armee-Corps Douay die 1. Division ConseilDumesnil nach Colmar verlegt worden, und die 2. Division Liebert befand sich auf dem Marsche von Beifort nach Mühlhausen. Beide Corps hatten am 3. August den Befehl erhallen, sich in Unter-Elsass zu concentriren, als aniässig einer von süddeulschen Truppen beabsichtigten Offensive von Lörrach auf Hünningen diese Anordnung dahin abgeändert ward, die zwei Divisionen des 7. Corps am Oberrhein bei Mühlhausen zu vereinigen, das 1. Corps aber bis an die Lauter vorrücken und hier zwischen Hagenau und Weissenburg Stellung nehmen zu lassen.

Inzwischen hatte die preussische Armee-Oberleitung die deutschen Heeresmassen an den Grenzen Frankreichs versammelt. Ende Juli standen nämlich: Das Hauptquartier der I. Armee in Trier, das 7. Armee-Corp* zwischen Trier und Saarburg, das 8. Armee-Corps zwischen Merzig und Saarlouis, die Cavallerie-Division Hartmann zwischen Lebach und Wadern, die Cavallerie-Division Groeben auf dem Marsche.

Das Hauptquartier der II. Armee in Alzey, das 3. Armee-Corps bei Homburg, das 4. Armee-Corps bei Pirmasenz, das 10. Armee-Corps bei Alzey, das 12. Armee-, dann das Garde-Corps bei Mainz, die CavallerieDivision Rheinbaben zwischen Neunkirchen und Zweibrücken, die CavallerieDivision Mecklenburg aul dem Marsche.

Das Hauptquartier der III. Armee in Speyer, das 5. Armee-Corps bei Mannheim und Landau, das 6. Armee-Corps auf dem Marsche, das 11. ArmeeCorps bei Landau, die beiden bayerischen Armee-Corps bei Bornheim und Speyer, die Württemberger und Badenser bei Graben und Bruchsal, die Cavallerie-Division Prinz Albrechi Vater bei Bornheim, die Cavallerie-Division Stollberg auf dem Marsche.

In diesen Stellungen blieben die drei Armeen am 1. und 2. August stehen; nur die rückwärtigen Corps marschirten vorwärts, um sich an die in erster Linie stehenden anzuschliessen. Das 1., 2. und 9. Armee-Corps waren noch in Preussen und Norddeutschland zurückgeblieben.

Der Angriff der Franzosen am 2. August aul Saarbrücken halte indess folgende Armee-Bewegungen hervorgerufen:

Am 3. wurde das grosse Hauptquartier des Königs von Preussen nach Mainz verlegt. Die I. Armee kam mit dem Hauptquartier und dem 7. ArmeeCorps nach Merzig, mit dem 8. Armee-Corps nach Saarlouis, mit der Cavallerie-Division Harlmann nach Lebach; die Cavallerie-Division Groeben blieb auf dem Marsche. Die II. Armee elablirle das Hauptquartier in Kirchheim, das 3. Armee-Corps blieb in Homburg, das 4. Armee-Corps in Pirmasfmz, das

10. Armee-Corps kam nach Kirchheim, das 12. Armee-Corps nach Wörrstadt, das Garde-Corps blieb bei Mainz, die Cavallerie-Division Rheinbaben concenlrirte sich bei Neunkirchen, die Cavallerie-Division Mecklenburg debarkirte bei Neustadt a. d. Haar dt. Von der III. Armee wurde das Hauptquartier in Landau etablirt, das 5. Armee-Corps gelangte nach Billigheim, das

11. Armee-Corps nach Rohrbach, das 6. Armee-Corps war auf dem Marsche, das halbe 2. bayerische Armee-Corps (Division ßolhmer) kam nach Bergzabern, die zweite Hälfte desselben Corps (Division Wallher) verblieb bei Borbeim, das 1. bayerische Armee-Corps rückte nach Germersheim, das combinirte 13. Armee-Corps (Würltemberger und Badenser), überschritt den Rhein bei Maxau, die 4. Cavallerie-Division Prinz Albrecht Vater verblieb bei Borheim, die 2. Cavallerie-Division Stollberg war auf dem Marsche ').

Am 3. August Abends standen also der in der grossen Kriegsorganisation begriffenen, 160.000 Mann starken französischen Armee, die erst nach Vereinigung des 6. Corps Canrobert mit Bazaine und des 7. Corps bouay mit Mac Mahon 225.000 Mann erreicht haben würde, folgende deutsche >lreitkräfte gegenüber: An der Saar die erste Armee Steinmetz (2 Corps, 1 Cavallerie-Division), 50 Bataillons, 40 Escadrons, 180 Geschütze oder >8.00O Mann streitbar. Zwischen der Saar und dem Rhein von Saarbrücken über Homburg, Kaiserslautern bis Mainz echelonnirl die II. Armee Prinz Friedrich Carl (5 Armee-Corps und 2 Cavallerie-DiVisionen), 142 Bataillons, 136 Escadrons, 456 Geschütze oder 162.000 Mann streitbar. An der Lauter zwischen Weissenburg und Germersheim die III. Armee Kronprinz von Preussen (5 Armee-Corps und 1 Cavallerie-Division), 141 Bataillons, 108 Escadrons, 480 Geschütze oder 158.000 Mann streitbar.

Die Gesammtstärke der deutschen Heere belief sich demnach in erster Unie auf 333 Bataillons, 284 Escadrons, 1116 Geschütze oder 376.000 Comtattants. In zweiter Linie rückten noch 4 Armee-Corps (1., 2., 6., 9.) und 2Cavallerie-DiVisionen (2., 3.) mit 98 Bataillons, 76 Escadrons, 351 Geschützen oder 110.000 Mann streitbar nach.

Sowie die Franzosen einen diplomatischen Überfall auf die Preussen ausführten, indem sie plötzlich den Krieg declarirten, so setzten die Preussen einen strategischen Überfall in Scene, indem sie rasch ihre gewalligen Massen an die Grenzen Frankreichs warfen und dessen Streitkräfte völlig erdrückten. Bei dem zwischen den kriegführenden Mächten von allem Anfang obwaltenden Missverhältniss der Zahl konnte von strategischen Combinalionen und Operationen nicht die Rede sein, und es entziehen sich demzufolge auch die Thäligkeit der Kriegs-Oberleilungen und die Leistungen der Armeen und ihrer Theile jeder eingehenden kritischen Beurtheilung. Jener Theil, welcher fast über die dreifache Übermacht verfügte, durfte sich gegen den andern Alles erlauben.

') Siehe den officiellen preussischen Bericht über das Gefecht bei Weissen^% am 4. August, welcher die Aufstellung der Corps Ton der III. Armee »in 5- Abduls enthalt.

Die Franzosen besassen niemals ein besonderes Verständniss lür Kriegsorganisationen, wie dies die Feldzüge in der Krim und Mexico beweisen, wo indem einen Falle 30.000 Mann bei Gallipoli landeten, um Russland zu bekriegen, und in dem andern 5000 Mann bei Veracruz ausgeschifft wurden, um Mexico zu erobern. Im Jahre 1859 kam den Franzosen die sich in die Länge ziehende diplomatische Action (vom 1. Januar bis Ende April), dann das wenig freundschaftliche Verhältniss der grossen Mächte Europa's gegen Österreich zu Gute, sonst wäre der Krieg schon damals in eine Katastrophe für Frankreich ausgelaufen.

Ist es nicht auffällig, dass der Kriegsminister Leboeuf wenige Wochen vor der Kriegserklärung vor den gesetzgebenden Körper mit dem Antrage treten konnte, das Juhres-Recruten-Contingent für 1870 von 100.000 auf 90.000 Mann zu reduciren?

(Fortsetzung im n&chüten Hefte. J

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