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auch gegen Beide seine Vertheidigungsmassregeln in Siebenbürgen treffen, um allen Eventualitäten gewachsen zu sein.

Welche Vortheile in einem solchen Kriegsfalle die Beschaffenheil Siebenbürgen's seinem Vertheidiger bietet, die Lage des Letzteren gegenüber einem umlassenden Angriffe, seine Aufgabe und Beziehung zu den übrigen Streitkräften, welche Österreich zur Bekämpfung seiner Gegner aufzustellen gezwungen ist, — dies anzudeuten, soll hier versucht, und eine kurze Würdigung der auf der beigelegten, den Charakter des Landes im Grossen wiedergebenden Übersichts-Skizze ersichtlich gemachten militärisch wichtigen natürlichen Linien vorausgeschickt werden.

Die Gewässer Siebenbürgen's gehören ausschliesslich dem Stromnetze der Donau an, der sie theils unmittelbar, theils mittelbar beträchtliche Wassermassen in nahezu parallelen, von Ost gegen West laufenden Rinnsalen zuführen; die Maros, die Szamos und der Alt sind die bedeutendsten. Alle drei frieren im Winter fest zu, schwellen zur Zeit der Schneeschmelze schnell zu-bedrohlicher Höhe an und sind im Hochsommer auch in ihrem unteren Laufe an einigen Stellen, die einem häufigen, nach jedem anhaltenden Regen eintretenden Wechsel unterworfen sind, zu durchfurten. Ihre Beschaffung findet nur zur Zeit der Hochwässer durch Salz-Plätlen Statt; sie ist unverlässlich, daher im Kriege von gar keinem Werthe.

Die Maros gewinnt erst, nachdem sie die der Ostgrenze parallel streichende Gebirgskette in einem engen, schluchtenarligen Thale durch brochen hat, eine militärische Bedeutung. Ihre Breite und Tiefe erreichen zunächst der Weslgrenze, der sie im schnellen Laufe und vielfach gewundenen Bette zueilt, nahe an 200 Schritte, respective 5 — 6 Fuss. Die Sohle ihres im Allgemeinen engen , sich nur an wenigen Stellen auf 5—6000 Schritte erweiternden Thaies ist von vielen todten Flussarmen und nassen Wiesengründen durchzogen, die bei jedem eintretenden Hochwasser überschwemmt werden und im Vereine mit dem vorherrschend lehmigen Boden die Bewegung von Truppen ausserhalb der wenigen vorhandenen Kunslslrassen in hohem Grade erschweren. Die Ausläufer der meistens steilen, von zahlreichen Bächen zerrissenen und bewaldeten Gebirge treten an vielen Orten bis hart an den Fluss und begünstigen den Übergang von einem auf das andere Ufer. — im oberen Laufe vorzugsweise vom linken auf das rechte, weiter abwärts in umgekehrter Richtung.

Die stabilen Übergänge beschränken sich unterhalb Maros-Vasarhely auf die beiden Eisenbahnbrücken bei Branyicska und Maros-Porto und die bei letzterem Orte bestehende Chausseebrücke. Zahlreiche Überluhren vermitteln an vielen anderen Stellen den Verkehr, und im Hochsommer gestatten einige Furten und im oberen Laufe einzelne Wehre die Übersetzung des Flusses.

Unter den zahlreichen Zuflüssen der Maros bilden die beiden Kokelflüsse, weniger ihrer Wassermassen, als der von vielen todten und versumpfte Araen durchzogenen Thalsohle wegen, besonders im Frühjahre und nach liKerem Regen bedeutende Bewegungshindernisse.

Eine Benützung der Maros als Vertheidigungslinie lässt «cd nur Front gegen Süden in der Strecke Maros -VasärhelyAranyosmü ndung und Carlsburg-De va denken. Die erstgenannte Flnssslrecke lehnt sich beiderseits an hohe, besonders in der Richtung von SÄd nach Nord und umgekehrt schwer gangbare Gebirge und bildet im Vereine mit den vorliegenden Wasserläufen der beiden Kokelflüsse und den nur von wenigen brauchbaren Communicationen durchzogenen Höhenrücken ursben ihnen eine Reihenfolge von Bewegungshindernissen, bei deren Überwindung das Vorrücken des Gegners sich wesentlich verzögert.

Die günstigsten Verhältnisse ergeben sich daraus für den Vertheidiger, *o lange der Angreifer noch in jenen Defileen mit einzelnen Colonnen verwickelt ist, die vereinzelt zu schlagen um so eher gelingen kann, als der Mangel an Transversal-Communicationen im Gebirge die schnelle Unterstützung der bedrohten Abtheilung ausserordentlich erschwert. Weit ungünstiger gehalten sich aber die Verhältnisse für den Vertheidiger, sobald der Gegner die Maros selbst erreicht, da die Beschaffenheit des Hinterlandes weder die parallele Verschiebung der Streitkräfte, noch deren schnelle Concentrirung aifden jeweilig gefährdeten Punkten gestattet. Diese Nachtheile würden bei der flankirenden Flussverlheidigung aus einem bei Maros-Vasärhely erbauten doppelten Brückenkopfe weniger empfindlich werden.

In derselben Weise lässt sich auch nur eine Verteidigung der unteren Maros denken, wenn sie sich auf gesicherte Übergänge bei Carlsburg und Deva stützt, von wo aus jede Vorrückung des Gepers von Hermannsladt her durch Flankenangriffe gehindert werden kann. Eine Verschiebung der Streitkräfte des Vertheidigers hinter der Maros würde auf der einzigen, durch das Erzgebirge führenden brauchbaren Strasse ober Abrudbänya Tage erfordern und Hesse nur dann einen Erfolg hoffen, *enn der Gegner sich ausschliesslich in den Angriff der beiden genannten Brückenköpfe verbissen hätte. Ohne einen gesicherten Flussübergang hat die Estung Carlsburg für sich, trotz ihrer Lage, nur den Werlh eines Depötptitzes, den der Gegner, geschützt durch die Maros, mit geringen Kräften bedachten kann. .

Die Szamos, in ihrem oberen Laufe fast überall durchwatbar, hat wiDees abwärts eine Breite von 100 Schritten, eine Tiefe von 4—5 Fuss 5*1 fliessl mit geringer Geschwindigkeit durch ein von steilen, schwer gangsten Höhen begrenztes, höchstens 3—4000 Schritte breites Thal der Grenze a, welcher sie, stellenweise zwischen Felsen eingeengt, bis Sibö folgt. Die «rage Brücke bei Dees und mehrere Fähren bilden die Übergangsmittel.

Durch die Thäler der grossen und kleinen Szamos kommen die besten Communicationen aus dem Norden und Nordosten des Landes; sie vereinigen sich in Dees. Von hier aus ergeben sich auch für den Vertheidiger die Sonstigsten Chancen, um den in einem oder beiden Thälern ä cheval der

Wasserläufe vorrückenden Gegner in seinen einzelnen Theilen mit Übermac anzufallen. Ein Brückenkopf bei De es würde diesen Bewegungen d Verlheidigers eine sichere Basis geben.

Der Allfluss durchläult nach seinem Durchbruche östlich Fognr mit mittlerer Geschwindigkeit ein im Norden von steilen Hängen, südlich v den kurzen Rideaux des plaleauartig ablaufenden Grenzgebirges eingeengt Thal, welches im Rolhenthurm-Passe zum Felsen-Defilee wird. Die schms Sohle ist stellenweise versumpft und wird zur Zeit der Hochwässer von de 100-150 Schritte breiten, 5—8 Fuss liefen Fluss häufig überflulheL N bei Fogaras, Voila und Freck bestehen Brücken , in den übrigen Streck einige Überfuhren, und zup Zeit des niedrigsten Wasserstandes kann der Flii an einzelnen Stellen, die nach jedem Hochwasser wechseln, mühsam durc watet werden. Aus der Beschaffenheit der Thalbegleitungen ergibt sich v selbst, dass die taktisch günstigsten Übergänge jene vom rechten aul d linke Ufer sind.

Der Allfluss begleitet von Fogaras abwärts die kürzeste Verbindung linie zwischen Kronstadt und Hermannsladl und durchschneidet selbe l Freck. In der ganzen Strecke begünstigen die dominirenden Elöhen des recht Ufers seine Vertheidigung, die, auf gesicherte Übergänge gesiüt die Vorrückung des Gegners auf der genannten Linie durch Angrifle a seine Flanke oder Front, oder auch gleichzeitig auf beide, wesentlich zu k einflussen vermag. Die einzigen brauchbaren Strassen übersetzen den FIu bei F o g a r a s, V o i l a und Freck; letztere Punkte sind daher auch jer deren Festhaltung durch Brückenköpfe geboten wäre.

Siebenbürgen bildet einen von Mittel-und Hochgebirgen umschlos nen Kessel, dessen Inneres von Mittelgebirgen, Berg-und Hügelland erlüllli Im Grossen genommen, dachen sämmtliche Gebirge, wenn auch von einzeln höheren Partien unterbrochen, gegen jenen Raum ab, welcher durch ( Vereinigung des Aranyos mit der Maros markirl ist, und aus diesem bild die gegen Nord und West laufenden Thäler der Maros und Szamos die natü liehen Abflusslinien der sich hier ansammelnden Gewässer. Nur der Altflu hat statt in der Richtung über Hermannstadl den Durchbrach zur Maros suchen, den kürzeren aber beschwerlicheren durch das südliche Grer gebirge direct zur Donau gewählt.

Nach Lage und Charakter zerfällt das Terrain in: Grenzgebirg i nnere Gebirge und Flussthäler mit ihren beckenartigi Erweiterungen.

Das südliche Grenzgebirge ragt als hohes, zerrissenes Alp« und Hochgebirge mit seinen höchsten Felsspilzen bis fast in die Regionen d ewigen Schnees, fällt als sleile Wand, von der sich flache und von viel Torrenlen zerrissene Plateaux ablösen, gegen den Allfluss ab und sinkt n im Altdurchbruche und jenem des Bodzaflusses bis zur Höhe unter 3000 Fu terab. Die Thäler sind vorherrschend enge und, wie die Rücken, dicht bewaldet; die Gangbarkeit der letzteren wird durch zahlreiche, zu den AlpenTfiden führende Saum- und Fusswege erleichtert, auf deren Benützung jedoch ist nur im Hochsommer zu rechnen ist. An den steilen Hängen mühsam zu ersteigen, machen starke Regen und die schon im November beginnenden sichtigen Schneefälle sie fast unpracticabel.

Der fahrbaren Übergänge gibt es wenige, und unter diesen bildet nur jener über den Tömöser Pass auf der Prädiaistrasse (Chaussee) auch ia seiner Fortsetzung auf romanischem Gebiete eine für Militärzwecke jederzeit brauchbare Communicalion. Die anderen sind: Fahr-, respeclive Reitweg durch den Vulkan-Pass; Chaussee (bis Kiineni), dann schlechter Fahrweg durch den Rothenthurm-Pass; Chaussee und Reitweg durch den T Ö r zlarjer Pass; Karrenweg durch den BodzaerBerg-, endlich Fahr- und Re;lweg durch den Bodzaer Thalpass.

Das östliche Grenzgebirge fällt als hohes Mittel- und in einzelnen Theilen als Alpen- und Hochgebirge gegen die Thalkessel der All und Maros wandartig ab und trägt auf seinem meist bewaldeten, von vielen Schluehten zerrissenen Rücken einzelne bis nahe an 7000 Fuss aufsteigende Spitzen. Der Lehmboden der engen Thalsohlen erschwert zur Regenzeit die Benützung der vorhandenen, nicht erhaltenen Communication wesentlich, während die zu solcher Zeit reissenden Gebirgsbäche den Verkehr manchesmal -eradezu gefährlich machen.

Die Chaussee durch den Ojtosz-Pass wird in Romänien zur Landfctrasse, jene durch den Gyimes- und Tölgyes-Pass, sowie der erhaltene Fahrweg durch den Bikas-Pass, zum schlechten Feldwege. Durch den Borgo- und Rodna-Pass zieht eine Chaussee, respective Landstrasse aber Pojana-Stampi oder Kirlibaba in die Bukowina.

Das nördliche Grenzgebirge gleicht seinem Charakter nach dem Vorigen, von dem es auch durch keinen bemerkenswerthen Einschnitt geschieden ist. Wenig gangbarer, dichter Wald bildet vorzugsweise seine Bedeckung; nur zunächst der felsigen, über 7000 Fuss hohen Spitzen macht er stellenweise der Hutweide Platz.

Die wichtigste Communicalion bildet die von Magyar-Lapos nach Szigeth führende, jenseits der Grenze zur Chaussee werdende Landslrasse, in welche auch die von Dees ausgehende Chaussee einmündet, die anderseits ?f?en Szalhmar zieht.

Das westliche Grenzgebirge zerfällt in einzelne, durch die Thäler der Maros und Koros gesonderte Gruppen, deren bedeutendste südlich und nördlich der Maros dem hohen Mittel- und Alpengebirge angehören, während die nordwestliche, als niedriges Mittelgebirge, nur in wenigen Theilen die Höhe von 1800 Fuss übersteigt.

Unter den vielen dieses Gebirge überselzenden und durchziehenden Communicationen sind, nebst den beiden Eisenbahnen Carlsburg-Arad und Klausenburg-Grosswardein und den beiden in derselben Richtung führenden Chausseen, noch folgende bemerkenswert: Die Landstrassen von Dees Valaszut, Klausenburg, Banffy-Hunyad und Csucsa, welche sich alle i Szilagyi-Somlyö vereinigen; ferner jene von Thorda, Carlsburg und Danach Bräd, endlich die Chaussee von Dobra und die Landstrasse von Hatsze durch das eiserne Thor nach Lugos.

Unter allen Grenzgebirgen ist jenes im Nordwesten desLandesda zugänglichste, bewohnteste und cultivirtesle, während die übrigen aller jene Bedingungen entbehren, welche der Krieg im Allgemeinen fordert. Sie sin Durchzugsländer, deren Mangel an Unterkünften und Subsistenzmitleli an Lager und Entwicklungsräumen weder den Aufenthalt noch das Gefect grösserer Heereslheile zulässl. Die wenigen, für die Bewegung der letztere überhaupt brauchbaren Communicationen werden während des strengen un langdauernden Winters durch Schneelalle oft vollkommen für jeden Verkeh gesperrt, und ausserhalb derselben ist es fast unmöglich, selbst die zahlreichen nur während des Sommers gangbaren Saum- und Fusswege ohne die Unter Stützung landeskundiger Bewohner benützen zu können.

Die Grenzgebirge gestatten daher nur die Verwendung kleinerer Trup pen-Abtheilungen, welche um so wirksamer aufzutreten vermögen, wenn ihnei die Bevölkerung zur Seite steht und thäligen Antheil am Kriege nimmt. Ffii die Anlage von Befestigungen auf den Haupt-Communicationen finden siel wohl überall geeignete Punkte, aber fast nirgends lässt sich mit einem einzige! Werke der massgebende Zweck erreichen.

Als Vertheidigungslinien haben vorzüglich das östliche und süd liehe, die Monarchie gegen das Ausland abschliessenden Grenzgebirge ein grosse Bedeutung, die aber unter Umständen auch dem nördlichen und west liehen Grenzgebirge zufallen kann. Die gegenseitige Unterstützung der auf dei wenigen Übergängen vorrückenden Heerestheile ist, des gänzlichen Mangel! an Querverbindungen wegen, geradezu unmöglich, und aus der beträchtlichei Breite dieser Gebirge ergibt sich von selbst, dass jede, in dieDefileen desselbei sich vertiefende Colonne für eine geraume Zeit nur auf ihre eigenen Kraft angewiesen bleibt. Kleinere Abtheilungen finden fast überall die günstigste! Gelegenheiten, selbst bedeutend überlegene Massen längere Zeit aufzuhallen und hiebei würden sie an p e r m a n e n t e n auf den wichtigsten Vorrückungs linien angelegten Befestigungen sehr werthvolle Stützpunkte finden. Du aufgebotene Bevölkerung Hesse sich besonders hier mit Vortheil verwenden sowohl zur Sicherung der eigenen Flanken gegen die fast immer möglich' Umgehung durch Infanterie, als auch dazu, dass selbe dem zum Steher gebrachten Gegner alle jene Chicanen bereitet, die ihm aus Flanken- nnd Rückenangrifien, Bedrohung seiner Nachschübe u. dgl. erwachsen.

Mit Rücksicht auf die defensive oder offensive Absicht, bei weichet diese Gebirge von Einfluss werden können, gestalten sich die Verhältnisse im Osten und Süden in beiden Beziehungen für Österreich sehr günstig, «n^em das Grenzgebirge an Unwegsamkeit und Rauheit zunimmt, je mehr es sich dem Innern der Monarchie zuwendet und der Offensive dort die meisten Vor

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