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sprengende Ladung aufgesetzt, oder, wenn dies möglich, in die Ladung eingesteckt. Die Explosion der Kapsel verursacht durch das Feuer der in ihr endenden Zündleilung, bringt die Zündpatrone, und diese dann jede damit zusammenhängende Ladung momentan zur Explosion.

Diese Explosion erfolgt durch die ganze Masse mit solcher Rapidilät. dass Ladungen von sehr bedeutender Länge, praktisch genommen, in einem Momente detoniren. Diese Eigenschaft ist von hoher Wichtigkeit, wo e> nöthig wird, verschiedene Ladungen gleichzeitig zur Explosion zu bringen. Man hat dann nur nöthig, alle Ladungen durch dünne, mit Dynamit gefüllte Schläuche oder Röhren zu verbinden. Die Explosion einer Ladung ruft dann die gleichzeitige Explosion aller mit ihr auf die angegebene Weise verbundenen Ladungen hervor *).

In ganz ähnlicher Weise werden auch andere Nitroglycerinpulver und Schiesswolle zur Explosion gebracht. Für Schiesswolle werden beispielsweise die zum Steinsprengen bestimmten Palronen von der Fabrik in England in Cylindern von s/4—2 Zoll Durchmesser und 1—3 Zoll Länge geliefert. Diese Cylinder haben eine durchlaufende, mit der Aussenseite concenlrische Höhlung t7(Fig. 2) von etwa 2 Linien Durchmesser, welche zur Aufnahme des Zünders bestimmt ist. Aussen sind diese kleinen Patronen mit einem dünnen Pergamentpapier umklebt. Zur direclen Hervorrufung der Explosion dienen konische Kapseln K, welche im untersten Theile mit einem starken Knallsatze und über diesem mit einer kleinen Ladung lein verlheiller Schiesswolle gefüllt sind.

In diese Kapsel wird eine Zündschnur Z eingeführt, die Kapsel an die Schnur festgekneift und dann in die innere Höhlung einer kleinen Schiesswollpatrone fest eingesteckt (Fig. 2). Die so adjustirte Zündpatrone wird aul Ladung aufgesetzt, und dann, wie bei Dynamit angegeben, die Explosion der Ladung bewirk».

Bei Anwendung von Schiesswolle für militärische Zwecke ist es angezeigt, für die Zündpatronen ebenfalls meine Zündmischung zu nehmen, da Schiesswolle unter ungünstigen Verhältnissen selbst mit 1 Gramm Knallquecksilber nicht mehr mit Sicherheit explodirt.

Nach diesen kurzen Bemerkungen will ich nun die Wirkungen des Dynamits gegen verschiedene Objecte durch eine Reihe von Beispielen klar machen.

Die Objecte von Holz, deren Zerstörung im Felde durch Sprengung bewirkt werden soll, sind gewöhnlich Palissadirungen (Tambourirungen), hölzerne Brückenjoche und Träger. Fast in allen Fällen wird diese Zerstörung durch frei aussen an den Objecten angebrachte Ladungen geschehen müssen.

Fig. 3, 4, 5, 6 geben die Resultate einiger hieher gehörenden Versuche.

') Ich habe in dieser Weise 10—1£ Ladungen in gleicher Weise zur Explosion gebracht.

Fig. 3C zeigt die Bresche, welche eine der früher erwähnten Sprengböehsen, also eine Ladung L von 7 Pfund Dynamit, welche frei an den Fuss einer Palissadirung aus 13zölligem Rundholz niedergelegt wurde, erzeugt hat. Fi;. 4,; gibt die Wirkung einer Ladung von 71/, Pfund comprimirter Schiesswolle, welche in einer Blechbüchse von 3'/, Zoll Durchmesser und 2 Fuss Länge eingeschlossen war.

Fig. 5C stellt die Wirkung einer Ladung von 28 Pfund Dynamit dar, in an einander gereihten Sprengbüchsen am Fusse einer Tambourirung, bestehend aus 13zölligen Tambour- und 9zölligen Spitzpalissaden, frei niedergelegt. Die Tambourirung wurde nahezu in der ganzen Länge der Ladung wie wegganäht, die abgebrochenen Stämme grösslenlheils gesplittert und 10—20 Klafter weit geschleudert Die Sprengbüchsen wurden blos einfach an eininder geslossen, und nur eine derselben direct zur Explosion gebracht.

In ähnlich leichter Weise wie die Zerstörung der stärksten Tambourirnngen geschieht jene starker Holzjoche und Brückenträger.

Fig. 6C zeigt die Wirkung von zwei frei hängenden Ladungen S S (Fig. 6») aus je 20 Pfund Dynamit gegen eine aus 6 starken Stämmen bestehende Jochgruppe. Die Sprengung geschah auf dem Lande. Gegen in Wasser stehende Pilotengruppen, wenn die Ladungen auch nur theilweise in das Wasser versenkt sind, ist die Wirkung eine noch bedeutendere, und werden durch zwei Ladungen von je 20 Pfund Gruppen von 5—8 Piloten io solchem Falle vollkommen abgebrochen.

Will man die Joche nicht zerstören und sich blos mit dem Durchschlagen der Träger begnügen, so ist Letzteres mit den gewöhnlichen Sprengbüchsen leicht auszuführen, wie es der in Fig. 7 dargestellte Versuch zeigt. We Ladung L, 12 Pfund Dynamit in 3zölliger Röhre, ist frei aussen an dem »ns vier, 10 und 12 Zoll starken Pfosten gebildeten Träger angehängt. Der rechte Theil von Fig. 7» und 7j zeigt die Wirkung. Der Träger wurde in seiner ganzen Höhe förmlich durchgeschnitten.

Aus den angegebenen Versuchen kann man schliessen, dass der Gewalt des Dynamits alle vorkommenden Holzconstruclionen nur geringen Widerstand leisten können. Aber auch die stärksten eisernen Construclionen können fast mit derselben Leichtigkeit und Sicherheit wie schwache Holzobjecle zerschmettert werden. Die folgenden zwei Versuche mögen ein Bild bievon geben.

Ein Gusseisenblock von 19 Zoll Höhe, 26 Zoll Durchmesser und 10 '.entner Gewicht mit zwei Durchbohrungen von je 1 Zoll Durchmesser Fig. 8«») wurde durch eine Ladung von 16 Loth Dynamit, welche unverdämmt (beiderseits offen) in nur eines der Bohrlöcher eingefüllt wurde, oaeh einer durch beide Bohrlöcher gehenden Ebene in zwei grosse und in eine Reihe kleinerer Stücke zerrissen (Fig. 8C), und hiebei die grossen, gegen 5 Centner schweren Stücke etwa 10 Schritte von einander geschleudert.

Interessanter und wichtiger ist der folgende Versuch. Ein Schmiedeisenlräger von dem in Fig. 9a gezeichneten Profile, einen Theil der Gurtungen eines der stärksten Brückenträger ') repräsenlirend , -wurde horizonla liegend beiderseits eingemauert. An diesem Träger wurden nun sowoh in einer senkrechten Linie als horizontal Dynamilladungen von 3 Zoll Durch' messer, also den Sprengbüchsen entsprechend, angebracht. Die gesammU Ladung war etwa 25 Pfund. Die überraschende Wirkung dieser geringet Ladung zeigt Fig. 96. Die verticale Wand des Trägers wurde vollkommer durchgebrochen und mehrere Schuhe weit wie schwaches Papier durch gerissen und aufgerollt. Die starken Winkeleisen wurden kurz abgeschlagen das unlere Gurtungsblech durchgerissen und stark nach abwärts gebogen

Dieser Versuch zeigt in überzeugender Weise, dass es möglich ist, mil relativ geringen Mengen Dynamit die stärksten Eisenbrücken in einfache! und rascher Weise zu zerstören.

Es lässt sich nach diesen Resultaten a priori schliessen, dass auch gemauerte Objecle bis zu bedeutender Stärke derselben der Gewalt des neuen Explosivmitlejs nicht widerstehen werden, wie eine Reihe von Versucher dies auch direct bewiesen hat.

Gute alle Ziegelmauern von l Fuss 6 Zoll bis 3 Fuss 6 Zoll Stärke werden durch in cubischen Blechkästen frei an die Mauer angelegte Ladungen von 2 Pfund bis 45 Pfund Dynamit vollkommen durchgeschlagen. 43 Pfund Dynamit erzeugen in solcher Weise in einer 3 Fuss 6 Zoll starken Mauer eine Öffnung von etwa 6 Fuss Breite und gleicher Höhe.

Mil den Sprengbüchsen der Genietruppen bei einfacher Legung derselben lassen sich in Mauern bis zu 2 Fuss 3 Zoll Stärke Breschen erzeugen. Fig. 9 zeigt die Wirkung zweier solcher aneinander slossenden, frei amFusse einer 18 Zoll starken Mauer niedergeleglen Büchsen mit zusammen 14 Pfund Ladung.

Mit derselben Leichtigkeit wie frei stehende Mauern können Brückengewölbe durch frei aufgelegte Ladungen durchgeschlagen werden. 12 Pfund Dynamit, frei auf ein Tonnengewölbe von 2 Fuss Stärke aufgelegt, brechen dies vollständig in einem Umkreise von 2—3 Fuss durch.

Das Durchschlagen selbst starker freistehender Mauern, die Demolirung von Brücken- und Casemallengewölben lässt sieh also ebenfalls leicht mit frei angelegten Dynamilladungen durchführen.

Aus all den angeführten Versuchen und zahlreichen anderen, welche das k. k. Reichskriegsminislerium während der letzten zwei Jahre durchführen liess, ergibt sich nun, dass das Dynamit vollkommen geeignet ist, alle jene Aufgaben zu lösen, wo die Zerstörung von Objecten mit freiliegenden Ladungen bewirkt werden m u s s.

Aber auch dort, wo Bohrlochsladungen zur Anwendung kommen müssen, so bei allen Arbeilen in Fels, wie Durchbrechen von Einschnitten, Stollen, Schachtabteufen u. s. f., leistet es in den meisten Fällen weitaus bessere Dienste als das Schwarzpulver. In sehr sprödem und festem Gesteine beispielsweise können die Arbeiten mit Dynamit meist doppelt so rasch ,!■ mit Schwarzpulver aasgeführt werden, und die Kosten derselben betragen cünur 50 Percenl derjenigen bei Anwendung gewöhnlichen Pulvers.

*) Dieselben Dimensionen wie Gurtungsthoile der Stadelauer Donaubrücke.

Mit den angeführten Verwendungen des Dynamits und guter Nitro?iycerinpulver, sowie der comprimirlen Schiesswolle, ist aber deren Brauchbarkeit im Kriege nicht abgeschlossen.

Mehrere Versuche, unter Anderem ein kürzlich vom technischen Mililär-Comile ausgeführter, machen es in hohem Grade wahrscheinlich, dass es möglich sein wird, Geschosse, insbesondere Savartinen, mit solchen ExptoaTstofTen gefüllt, zu werfen, ohne eine vorzeitige Explosion befürchten zu aussen. Sollte sich diese Hoffnung realisiren, so würde das letzte Stadium des Belagerungskrieges eine gründliche Umwälzung erfahren. Es ist durch viele Versuche bewiesen, dass man mit ziemlicher Sicherheit aus Erdmörsemauf 4—500 Schritte Entfernung Geschosse von 6—10 Centner Gewicht schleudern könne. Man erwäge nun denEinfluss der Wirkung von Geschossen mit 4—6 Centnern Dynamit Ladung, entsprechend einer in festem Einschlösse befindlichen Pulvermenge von 40—60 Centnern, wenn diese auf die erwähnte Entfernung in angegriffene Forts oder Festungsfronten geworfen werden. In dem Willen des Angreifers läge es dann, in jedem Augenblicke in dem vertheidigten Werke die Wirkung der Explosion eines ziemlich bedeutenden Pulvermagazins hervorzurufen. Die stärksten Geschützslände und Mannschafts-Unterslände könnten wie weggefegt werden, starke Grabenkoffer und selbst die Escarpe mauern der engen Gräben, welche die meisten neuen Werke auszeichnen, durch glücklichen Wurf zum Einsturz gebracht werden. Gewiss kann man annehmen, dass die moralische Wirkung solcher Explosionen eine so bedeutende wäre, dass die Behauptung der betroffenen Werke dadurch allein schon schwer möglich gemacht würde. Das langwierigste, zeit- und menschenraubendste Stadium des Belagerungskrieges könnte dadurch fast vollständig beseitigt, die Minen- und Grabenvertheidigung von Werken nahezu vollständig paralysirt werden.

Heute wird dies Alles noch Vielen als reines Phantasiebild, jeder reellen Grundlage entbehrend, erscheinen. Tiefer blickende, mit dem Fortschritt der Technik vollkommen vertraute Militärs werden aber anders denken und mit mir die Nothwendigkeit erkennen, dem hier Angedeuteten »rundliche Aufmerksamkeit zu schenken. Überraschungen in dieser Richtung könnten sehr bedenklich werden.

Noch auf einem andern Gebiete wird die Einführung starker und sehr brisanter Explosivstoffe von grossem Einflüsse sein, nämlich im Torpedowesen. Bei festliegender Seemine erlaubt ein starkes Sprengmittel die Beherrschung grosser Wirkungssphären, und ein gleichzeitig sehr brisanter Explosivstoff macht dabei ziemlich unabhängig von der Wassertiefe. Für Angrißslorpedos wird die Möglichkeit, eine grosse Kraft in verhällnissmässig kleinem Räume zu concentriren, eine Reihe günstiger Veränderungen er lauben'). Einer der bedenklichsten Funkle in der Verteidigung mit Torpedo endlich , die Möglichkeit der Ersäufung der Mine durch eindringende Wasser, die aber auch bei allen gegenwärtig in praktischer Verwenduni befindlichen Nilroglycerinpulvern, sowie bei comprimirter Schiesswolle vor banden ist, wird durch Pulver aus Schiesswolle und Nitroglycerin vollstän dig zu beseitigen sein.

Man sieht also, dass obwohl Dank der Energie, mit der Seitens de Kriegsministeriums und seiner technischen Comite's in den letzten Jahrei die Entwicklung der Sprengtechnik gefördert wurde, ein tüchtiger Schrit nach vorwärts geschehen ist, aber noch immer viel zu thun übrig bleibl um die Kraft der neuen Sprengstoffe ganz zu verwerthen. Davon vietleieh ein andermal mehr.

') Fast alle neueren Torpedo-Entwürfe, wie Write's Torpedo in Nordwnerilu Horsley's Ottertorpedo etc., sind auf Ladung mit Dynamit, — die officiellen engli sehen Torpedo-Versuche auf Ladung mit comprimirter Schiesswolle basirt.

Anmerkung der Redaction.

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Durch ein Versehen wurde in den zu obigem Aufsätze gehörenden Plane statt der Figuren der im Texte angegebenen Sprengung eines Schmiedeeisenträgers, die dem Artikel fremde Fig. 10 aufgenommen. Da eine Rectifikation des Planes nicht mehr möglich war, so lassen wir hier die fehlenden Figuren folgen:

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