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a) Für die Organisation.

b) Für die Construction.

c) Für die Verwendung.

Ad a) Hieraus folgt ohne weitere Untersuchung, dass die MilrailleusenBatterien in der Hand eines höheren, einen grösseren Überblick über die Gelechtslage besitzenden Commandanten stehen müssen, dieselben somit, wenn vier Mitrailleusen per Division eingetheilt werden, der directen Disposition des Divisionärs verbleiben müssten. Hat man per Division zwei oder drei derlei Batterien, so würden selbe den Brigadieren, respective diesen und dem Divisionär direcl unterstellt werden.

Den Regimentern zu zweien zugetheilt, sind sie Kugelspritzen im vulgärsten Sinne des Wortes, kein Factor, mit dem der Commandant rechnen iann, überhaupt kein taktischer Factor.

Die Punkte für ihre richtige Verwendung, die Punkte, wo man sie dien durch andere Waffen gar nicht oder nicht genügend ersetzen kann, finden sich nicht im Bereiche eines Bataillons — sie müssen im Bereiche der Armee-Division gesucht werden. Die Formation in eigenen Körpern und die Unterstellung unter die Artillerie ') ist dann ganz selbstverständlich.

Ad b) Bezüglich der Construction heben wir hier nur die „Bewejnngsfähigkeit" und die „Sicherstellung gegen feindliche Einwirkung" hervor.

Die erslere verlangt, dass es möglich sei, die Mitrailleuse auch ohne erst „abprotzen und absitzen" zu müssen, zu verwenden, somit dass die aufgesessene Bedienung das mit der Protze verbundene Geschütz laden, richten und abfeuern könne, was technisch nicht schwer ausführbar scheint *).

Die Sicherheil gegen feindliche Geschosswirkung kann, da die Mitrailleusen im feindlichen Artilleriefeuer nicht verwendet werden sollen , nur bezüglich des Infanteriefeuers aufgefasst werden. Der Milrailleusen-Batlerie ist der feindliche Plänkler ebenso gefährlich wie der Kanonen-Batterie, aber bei ersterer sind die Verluste an Bedienungs-Mannschaft, wie aus ihrer Verwendung resultirt, noch schwerer wiegend, die Treffsicherheit noch mehr von der Ruhe und Kaltblütigkeit des Vormeisters abhängig.

Es erscheint daher sehr nothwendig, ähnlich der Visirblende bei den Festungsgeschülzen. eine gewehrkugelsichere Slahlblende von zwei Linien Wcke zwischen den beiden Rädern, respective Achskästchen einzusetzen, um die sitzend agirende Bedienungs-Mannschaft beinahe unverletzlich zu machen und auch die Pferde verhällnissmässig besser zu decken. Die ganze Vorrichtung wiegt 15—20 Pfund1), ein Gewicht, welches man wohl noch mit in Kauf nehmen kann.

') Bei den Franzosen hat jede Armee-Division eine Batterie zu vier Mitraillnuen, bei den Russen ebenfalls, und stehen selbe bei beiden Mächten, sowie in Engl&nd unter der Artillerie.

*) Die „Militärischen Blätter" erwähnen im Decemberhefte der grossen Verluste, »elehe unsere Artillerie 1866 durch das Gewehrfeuer eben im Momente des AufP'otMM stets erlitten habe.

Ad c) Der Verwendung wurde schon früher gedacht. Einen Einfluss könnten die Mitrailleusen übrigens auch auf die Kanonen-Artillerie ausüben, indem man die 4pfündigen Fuss-Batlerien durch die viel wirksamem 8pfündigen Batterien ersetzen könnte, da für jene Fälle, in welchen die erhöhte Manövrirfähigkeit der 4pfündigen gegen die 8pfündigen Batterien als entscheidend in's Gewicht fallen würde, die Mitrailleusen - Batterien aushellen könnten.

Die Mitrailleusen im Festungskriege.

Im Festungskriege spielt der Kartätschschuss ebenso wie das Infanterie-Massenfeuer in verschiedenen Momenten eine grosse Rolle, folgerichtig muss daher für die Mitrailleusen auch hier ein weites Feld der Anwendbarkeit erstehen.

a) In der Vertheidigung.

Die wichtigste Aufgabe wird den Mitrailleusen zu Theil werden, wenn man von denselben verlangt, provisorische oder fortificatorisch schwache Werke, endlich kleine Forts, welche wenig Raum zur Aufstellung der Verteidiger haben, „sturmfrei" zumachen, —eine Aufgabe, welcher sie durch ihr gedecktes Massenfeuer leicht genügen können.

Sie werden aber auch dazu dienen, fortificatorisch starke Werke „sturmfrei" zu erhalten, d. h. für den Fall, als durch die BelagerungsArtillerie die Verlheidigungsgeschütze des Werkes zerstört wären, der Aufenthalt einer hinreichend starken Infanterie-Besatzung aber zu verlustreich sein würde, somit die passive Stärke, der mangelnden activen Vertheidigung wegen, zur Abwehr eines Sturmes nicht genügend erscheint, dieses Missverhältniss auszugleichen. Einige, in gedeckten Unterständen reservirle Mitrailleusen, welche im Momente des ungedeckten Vorgehens des Angreifers rasch auffahren, werden jeden Sturm vereiteln, eventuell auch den Durchbruch zwischen zwei zum Schweigen gebrachten Forts eines Lagerplatzes bekämpfen können.

Die Mitrailleuse wäre auch ein wirksames Flankengeschülz; gegen die Aufstellung in Koffers, von welchen aus sie gegen das Vorfeld nicht wirken könnten, müsste ich mich jedoch, wenn nicht eine sehr grosse Zahl derselben zu Gebote stünde, unbedingt aussprechen, weil dieselben vom Walle herab eine viel bessere Verwendung finden würden. Übrigens müsste der feindliche Grabenübergang stets mit Kanonen beschossen werden, weil der Sappeur gegen die Mitrailleusen sich sehr leicht decken kann.

') Nach Versuchen, welche beim Genie-Comite' im vorigen Jahre ausgeführt wurden, zeigten sich die zwei Linien dicken Stahlplatten der Firma „Braun's Söhne" in Vöcklabruck gegen Gewehrkugeln genügend widerstandsfähig. Dia englischen Mitrailleusen haben eine solche Visirblende.

Die zweite Aufgabe der Mitrailleusen wäre jene, das Vorgehen mit legender Sappe unmöglich zu machen. Es ist Regel, dass zur Nachtzeit der gedeckte Weg mit einer dichten Reihe von Schützen besetzt werde, welche, das Gewehr zum Nachlschuss einrichtend, die ganze Nacht hindurch das Vorfeld unaufhörlich rasant bestreichen, um jede ungedeckt vorgehende ArbeiterColonne zum Umkehren zu bewegen oder Unordnungen zu erzeugen.

Diesen Dienst leisten die Mitrailleusen viel besser: man kann sie richtiger zumNachtschuss einrichten, die Flugbahn ist eine rasantere, die Tragweite eaiejr&sere, der Munitionsverschwendung jedenfalls leichter vorzubeugen als bei Infanterielinien, und ist das durch Beleuchtungsmittel markirle Ziel auch leichter zu erfassen.

Ist ihre Aufstellung im gedeckten Weg endlich gefährdet, so werden sie, wie bei detachirten Forts gleich Anfangs, vom Walle aus derselben Absicht entsprechen, schliesslich auch der fliegenden Verbauung der verlassenen Aussen werke vorbeugen.

Der dritte Moment für die Wirksamkeit der Mitrailleusen endlich ist die Vertheidigung der Breschen.

Zu diesem Behufe würden dieselben in einem Abschnitt oder in einige Hundert Sehritte hinter der Bresche befindlichen Häusern aufgestellt, genau auf den Kamm der Bresche oder in das Innere des breschirten Werkes gerichtet, um die sich ungedeckt zeigenden Slurm-Colonnen zurückzuwerfen.

Bezüglich der Zahl der zur Artillerie-Dotation einer Festung gehörigen Mitrailleusen kann man, abgesehen von jenen, welche die Besatzungstruppen besitzen, im Minimum annehmen:

1. Gegen den gewaltsamen Angriff: für jeden ausspringenden Winkel in Front und Flanke eines fortificatorisch nicht sturmfreien Werkes je eine.

2. Gegen den regelmässigen Angriff: gegen jede Annäherung je eine, somit für die Vorwerke eines Lagerplatzes im Allgemeinen neun Stück; für die Ilauptumfassung je drei Stück; für die Breschen, als Reserve, dann für grosse Ausfälle etwa vierStück. Zusammen: für einen in allen Theilen sturmfreien Lagerplatz sechzehn, für einen Depötplatz sieben Stück Mitrailleusen. Ein Mehr kann nur zum grossen Vorlheile gereichen.

i) Beim Angriff.

Der Angreifer wird die Mitrailleusen sowohl in den Befestigungen, welche gegen grosse Ausfälle und gegen Entsatzversuche errichtet sind, als rach in den Laufgräben an Stelle der bis nun üblichen Bank-Batterien, hauptsächlich an den Flügeln des Angriffes, in den Flügel-Redouten und Haken mit grossem Vorlheile verwenden.

Bei Angriffen auf Lagerplätze, welche eine Armee in sich bergen, werden die grossen Ausfälle durch massenhafte Anwendung von Mitrailleusen "el von ihrer Gefährlichkeit verlieren, ja vielleicht nur diese allein sind imstande, das Vorschreiten der Arbeiten bis zumGlacis überhaupt zu ermögliehen '). Sie werden gestatten, die, grossen Verlusten und steten moralischen Aufregungen ausgesetzteLaufgrabenwachemöglichst schwach halten zukönnen.

Insbesondere wenn die Ausfallswege des Belagerten bestimmt vorgeschrieben sind, können die Mitrailleusen jeden offensiven Vorstoss grösserer Massen vereiteln, wenn die Distanz, die Schussrichtung genau bekannt und bei genau horizontal gelegter Bettung die Elevation richtig bestimmt ist, man übrigens auch durch einige Proben sich eingeschossen hat.

Es müssle durch Versuche dargethan werden, ob die Mitrailleusen nicht auch sehr geeignet wären, das Geschütz- und auch das Gewehrfeuer der Festung zu bekämpfen: das erstere, indem man zeitweise gegen die Geschülzscharten, insbesondere jene der gedeckten Geschützstände, der Drehthürme wegen der Brikolschüsse, dann der Scharten, hinter welchen Geschütze auf niedern (Batterie-) Laffetten stehen, unvermuthet einen Geschosshagel richtet; das letztere, indem man über die mit Schützen besetzte Kammlinie einen solchen hinwegfegen lässt, besonders wenn die Möglichkeit vorliegt, eine andere Linie im Rücken zu treffen.

Es müsste ferner durch Versuche constatirt werden, und dies schiene mir sehr wichtig, ob sich nicht der indirecte Schuss der Mitrailleusen behufs Enülirung der Wallgänge und des gedeckten Weges sehr verwerthen liesse.

Der Einfallswinkel der Geschosse wird auf die Distanz von 900 Schritten gewiss 5—6 Grade betragen. Streicht das Geschoss knapp über die Kammlinie der einen 7'/, Fuss hohen Face hinweg, so ist man auf dem Wallgang der andern zu enfllirenden Face bis auf einen Raum von wenigen Klaftern nicht mehr sicher. Der Wallgang einer Face von 50—100 Klafter ist dann wohl sehr gefährdet. Selbst die 4 —6 Schuh über die Kammlinie streichenden Geschosse können noch treffen. Die Wirkung des indirecten Schusses kommt natürlich nicht auf Rechnung der Feuerschnelligkeit, sondern der Schusspräcision und der ein sicheres Zielen erlaubenden Stabilität des Geschützes').

Wie dem immer sei, soviel ist gewiss, dass die Mitrailleusen, eben weil sie „Soldaten ersetzende Kriegsmaschinen" sind, von ausserordentlichem Einfluss auf die Wehrhaftigkeit eines Staates sein müssen, und dass man nicht leicht deren zu viel haben kann.

Wir haben in Österreich mit den Mitrailleusen viel und lange versucht: möge man nun, da die Frage einmal endgiltig entschieden ist, mit der Aufstellung der Milrailleusen-Batlerien.mit jener Energie vorgehen, welche uns in so überraschend kurzer Zeit in den Besitz eines vorzüglichen Gewehrsystems gebracht hat. B r u n n e r.

') Ich verweise hier auf meinen im Jahre 1866 in dieser Zeitschrift erschienenen Aufsatz über „Angriff und Vertheidigung fester Plätze nach dem heutigen Standpunkt der Kriegskunst", wo ich Anlass nahm, der ersten Mitrailleusen „der Requa-Batterien der Amerikaner, und, eventuell als Ersatz derselben, des massenhaften Gebrauches der Kartätsch-Raketen zu erwähnen. •

*) Die Russen haben sich bekanntlich auf Anregung Todtleben's bei Sebastopol auf den indirecten Qewehrschuss eingerichtet.

Die neuen Explosivstoffe.

Von

Isldor- Trauzl,

Oberlieutenant der k. k. Genie-Waffo.
(Mit einer Tafel Nr. 4.)

I. Einleitung.

Die Erfindung des Schwarzpulvers hat der Menschenkraft, besonders wo letztere auf Zerstörung gerichtet ist, einen mächtigen Bundesgenossen gegeben. Ein Pfund guten Schiesspulvers enthält die Arbeitskraft von etwa 250.000 Fuss-Pfunden, d. h. eine Arbeit, welche der Hebung eines Gewichtes von 250.000 Pfunden auf l Fuss Höhe entspricht. Eine Dampfmaschine von l Pferdekraft müsste gegen 10 Minuten arbeiten, um die gleiche Leistung hervorzubringen. Diese bedeutende Arbeilsmenge, welche l Pfund Pulver zu liefern vermag, ist in dem relativ kleinen Räume von etwa 30 KubikZollen eingeschlossen, und ein Funke, veranlasst durch den Druck eines Fingers, genügt, um sie in einem Momente zur vollen Entfaltung zu bringen.

Aber selbst diese gewaltige Leistungsfähigkeit des Schwarzpulvers genügt jetzt nicht mehr, um alle Forderungen des Kriegstechnikers, insbesondere jene des Militäringenieurs, an ein Explosivmiltel zu erfüllen. Die Arbeitseoncentration, welche man durch das Schwarzpulver erreichen kann, ist eine n geringe, das Magazin gleichsam, dessen man bedarf, um eine bestimmte Arbeilsmenge anzuhäufen, ein zu grosses, überdies die Zeit, welche dieses Sprengmittel zu voller Entwickelung seiner Kraft bedarf — wenn auch meist rwr wenige Tausendstel einer Secunde zählend — noch immer eine zu beum alle Aufgaben, welche die Kriegskunst heute Explosivstoffen

erfüllen zu können.

Eine klare Kenntniss der verschiedenen Zwecke, welche Explosivstoffe K erreichen haben, und der allgemeinsten Gesetze, denen die Wirkung splodirender Substanzen unterliegt, überzeugt von der Nothwendigkeit, dem ^chwarzpulver einen kralligeren, rascher wirkenden Genossen an die Seite n «teilen.

Explosivmittel dienen nur zur Zerstörung, zur Zertrümmerung fester Missen. Selbst wo sie als unersetzbare Hülfsarbeiter im Dienste der Industrie «dreien, wirken sie nur durch Massenzertheilung. Alle Versuche, die Pulverkrafl als Motor zum Betrieb von Maschinen zu verwenden, sind bis jetzt gescheitert. Die Kostspieligkeit dieser Kraft — sie kömmt wenigstens fünfzig

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