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An den General Ladmirault, Commandanten des 4. Corps in SL Barbe:

„Nach einer hier eingegangenen Nachricht concenlrirt sich der Feind auf unserem linken Flügel und soll denselben heute Abends oder Morgen Früh mit bedeutenden Streitkräften angreifen. Sie werden die weiteren Befehle von dem in Faulquemont stehenden und die Verbindung mit dem General Frossard herzustellen suchenden Marschall Bazaine erhalten. Lassen Sie das Terrain auf weite Entfernungen von Ihrer Aufslellungsfronle aufklären. Das Garde-Corps steht in Reserve hinter dem 4. Corps des Marschall* Bazaine. Im Falle eines Angriffes auf Ihre Truppen wollen Sie besonders die Artillerie verwenden, von welcher Waffe der Feind einen umfassenden und ausgiebigen Gebrauch macht. Bewachen Sie hauptsächlich die Richtun; von Vry."

An den Marschall Mac Mahon:

„Der Feind besetzte Saaralbe und scheint sich auf Nancy zu dirigiren. wo er in fünf Tagen eintreffen kann; es wäre demnach wünschenswertli, wenn Sie ihm in der Besetzung dieser Stadt zuvorkommen möchten, was allerdings durch Forcirung der Märsche ausführbar wäre. In Nancy erwarten Sie neue Instructionen."

An den General Failly:

„Der Befehl, dass Ihr Corps nach Nancy zu marschiren hat, bleibt in Kraft. Nur dann wäre es Ihnen gestaltet, über diesen Punkt hinauszurücken, wenn Sie sich gezwungen sehen würden, gegen überlegene Kräfte kämpfen zu müssen, und der Feind Sie in der Occupation des bezeichneten Objectes überholen sollte. In diesem Falle könnten Sie den Marsch ununterbrochen fortsetzen und die Richtung nach links, z. B. auf Langres, einschlagen. Hievon wäre jedoch der Kaiser über Paris zu benachrichtigen , da er gedenkt, Ihr Corps von Nancy nach Metz zu berufen, oder aber dessen Rückzug gegen Chälons oder Paris anzuordnen."

Unter Einem gab der Kaiser der öffentlichen Meinung des Landes und Heeres, welche die bisher an der Spitze der Armeeleitung gestandenen Personen der Unfähigkeit angeklagt hatte, die entsprechende Genugthuung, indem er die Demission des Major-General Marschall Leboeuf und die dessen Stellvertreters, General Lebrun, annahm. Die Bildung zweier von einander unabhängigen, jeder gemeinsamen Oberleitung entbehrenden Armeen wurde in der That decretirt. Die Armee von Metz, über welche bisher der Marschali Bazaine provisorisch das Commando führte, und die aus dem 2.. 3. und 4. Armee-Corps, dann der 1. und 3. Reserve-Cavallerie-Division zusammengesetzt war, wurde demselben definitiv übertragen, während die aus dem 1., 5. und 7. Corps, dann der 2. Reserve-Cavallerie-Division formirte Armee des Westens — nachher Armee von Chälons — den Marschall Mac Mahon zum Obercommandanten erhielt. Über das Garde-Corps behielt sich der Kaiser auch fortan das Verfügungsrechl vor. General Maneque wurde zum Generalslabs-Chef der Armee von Metz, General Decaen zum Commandanten des 3. Corps (bisher Bazaine), General Trochu zum Commandanten des 12. Corps in Chälons, und General Vinoy zum Commandanten des 13. Corps in Paris ernannt.

Die Armee und die Nation nahmen diese Personal-Veränderungen in den höheren Sphären der operativen Streitmacht mit unendlicher Befriedigung entgegen. Marschall Bazaine hatte in Mexiko Beweise bedeutender militärischer Befähigung gegeben , und Marschall Mac Mahon besass den Ruf eines energischen und tapferen Soldaten. Weder der Eine noch der Andere hatte zwar bisher die Gelegenheit gehabt, sich an der Spitze von grossen Armeen zu erproben, aber man hielt allgemein dafür, dass Beide auf der Höhe der ihnen anvertrauten schwierigen Aufgabe stünden.

In der Eröffnungssitzung des gesetzgebenden Körpers am 9. August fiel das Cabinet Olli vier, und es wurde an dessen Stelle ein sogenanntes „Ministerium der Nationalvertheidigung" unter der Präsidentschaft des Marschalls Palikao eingesetzt. Die folgenden Sitzungen füllten Debatten über die zur Verstärkung der Wehrkraft eingebrachten Anträge aus.

Nach der Vorlage des stellvertretenden Kriegsininisters, General Dejean, sollte die Verstärkung des Heeres bewirkt werden: durch die MarineTruppen, durch die vierten Bataillone der Feld-Regimenter (Marsch-Bataillone), die durch Einstellung von Mannschaften der zweiten Portion (Reservisten) und Mobilgardisten auf 900 Köpfe gebracht werden sollten, durch Mobilisirung der Gendarmerie und durch Aufstellung der Mobilgarde und Errichtung von Freischützen-Corps (Franctireurs). Hierbei waren alle unverheirateten und kinderlos verwitweten Bürger zwischen 25 und 35 Jahren, so weit sie nicht zur Mobilgarde gehörten, der Armee zu incorporiren, die Annahme von Freiwilligen jeden Allers bis zu 45 Jahren auf Kriegsdauer zu begünstigen, die Erhöhung des Militär-Credits von 500 auf 1000 Millionen Francs etc. zu bewilligen. Alle diese und andere Gesetzentwürfe erhielten ohne Widerspruch von der Kammer die Genehmigung. Nur der Antrag Keratry's, dass der Marschall Leboeuf von einer Commission des gesetzgebenden Körpers zur Verantwortung gezogen werden solle, wurde mit grosser Majorität, worunter auch Mitglieder der Opposition, abgelehnt.

General Dejean berechnete, dass die Durchführung der von ihm vorgeschlagenen Verstärkungsmassregeln 600.000 Mann für die Armee, und wenn man die sesshafle Nationalgarde mit in Calcül ziehe, mehr als zwei Millionen Streiter ergeben würde.

Am 9. August wurde auch mittels Decretes über die 1. Militär-Division Paris, die 3. Lille, die 4. Chälons, die 7. Strassburg und die zur 8. Division Mfon gehörigen Departements Cote d'or, Saone et Loire und Rhone der Kriegszustand verhängt.

Die deutschen Heere überschritten am 9. August auch im Centrum und auf dem rechten Flügel in Massen die Grenze und brachen in Frankreich ein. We Ordre de bataille der Streitkräfte erfuhr die endgiltige Feststellung durch Wntheilung der 1. Cavallerie-Division (bisher befand sich blos die 3. Cavallerie-Division bei der I. Armee), dann des am heutigen Tage von Coblenz über Bingerbrück, Kreuznach, Birkenfeld und Neunkirchen auf der Nahebahn mit einer Division bei Saarbrücken eingetroffenen 1. Corps des Generals Manteuffel bei der I. Armee Steinmetz.

Die zahlreiche, an den Teten der Armeen marschirende Reiterei deckte die Vorrückung, maskirle durch einen dichten Vorhang die Bewegungen der verschiedenen Colonnen und stand in beständigem Contact mit den auf dem Rückzuge befindlichen feindlichen Corps.

In der Regel marschirten je eine Cavallerie-Division, dann zwei Infanterie-Corps, letzlere eng aufgeschlossen, auf einer Strasse derart hintereinander, dass sie bei einem Engagement mit zur Action gelangen konnten. Jedem solchen Colonnenslaflel folgte auf einen Tagmarsch ein drittes Armee-Corps als Reserve nach. Dabei scheint die nachstehende Zusammenstellung der Colonnenstaffeln stattgefunden zu haben und folgende Marschordnung beobachtet worden zu sein:

1. Rechter Colonnenstaffel. I. Armee Steinmetz: 1. Cavallerie-Division Hartmann, 7. Armee-Corps Zastrow, I. Corps Manteuffel, 8. Corps Goeben auf der Strasse Saarbrücken, St. Avold, Fouligny, Courcelles-Chaussy.

2. Mittlerer Colonnenstaffel. II. Armee Prinz Friedrich Carl: 6. Cavallerie-Division Mecklenburg, 3. Armee-Corps Alvensleben IL, 9. Corps Mannstein, 12. (sächsisches) Corps Kronprinz von Sachsen auf der Strasse Saargemünd-Barst und St. Avold-Faulquemont, Vatimonl, Solgne, Cheminot, Pont-ä-mousson.

3. Linker Colonnenstaffel. II. Armee Prinz Friedrich Carl: 5. Cavallerie-Division Rheinbaben, 10. Armee-Corps Voigts-Rhetz, 4. Corps Alvensleben I.. Garde-Corps Prinz von Württemberg auf der Strasse Saargemünd, Puttelange, Gross-Tenquin, Baronville, Nomeny, Dieulouard.

4. Allgemeine Armee-Reserve: 2. Armee-Corps Fransecky von der It. Armee auf der Strasse St. Avold, Faulquemont, Han-sur-Nied, Buchy, Pont-ä-mousson.

Unmittelbar an der Mosel erlitt die vorstehende Marschordnung in Folge der Schlacht bei Borny und des Abmarsches der französischen Armee von Metz gegen Verdun einige Modificationen, wie die späteren Ereignisse zeigen werden

Die III. Armee des Kronprinzen von Preussen, welcher keine opera tionsfähige Streitmacht gegenüberstand, vor der blos die Trümmer eines ge schlagenen Heeres zurückwichen, und die das von vielen festen Punkten ver theidigte Vogesen-Gebirge zu überschreiten hatte, behielt eine von der all gemeinen abweichende Marschformation.

Am 9. August wurde das grosse königliche Hauptquartier nach Saarbrücken verlegt, und die Armee-Abtheilungen führten folgende OperationsBewegungen aus:

III. Armee (linker Flügel):

Das Hauptquartier kam nach Obermottern;
die 4. Cavallerie-Division kam nach Ingweiler;

das 5. Armee-Corps kam nach Obermotlern;

das halbe 6. Armee-Corps (11. Division) kam nach Buschweiler;

das halbe 6. Armee-Corps (12. Division) kam nach Dossenheim;

das 11. Armee-Corps kam nach Dossenheim;

das 1. bayerische Armee-Corps kam nach Philippsburg;

das 2. bayerische Armee-Corps kam nach Rothbach;

die württembergische Division kam nach Wimmenau und Lichtenberg. Diese Feste wurde vom 1. und 3. Jäger-Bataillon, zwei Compagnien des Infanterie-Regiments Nr. 2 und einer Feld-Artillerie-Abtheilung eingeschlossen und bombardirt, dagegen ward Lützelstein von der Besatzung verlassen gefunden;

die badensische Division blieb bei Hagenau;

die 2. Cavallerie-Division blieb bei Hagenau.

II. Armee (Centrum):

Das Hauptquartier blieb in Blieskastel;

die 5. Cavallerie-Division rückte nach Puttelange;

das 10. Armee-Corps rückte nach Saargemünd;

das 4. Armee-Corps rückte nach Neunkirchen;

das Garde-Corps rückte nach Habkirchen;

die 6. Cavallerie-Division rückte nach Woustwiller;

das 3. Armee-Corps rückte nach Ebering;

das halbe 9. Armee-Corps rückte nach Forbach;

das halbe 9. Armee-Corps (25. Div.) wurde bei Homburg auswaggonirl;

das 12. Armee-Corps rückte nach Habkirchen;

das 2. Armee-Corps befand sich auf dem Marsche.

I. Armee (rechter Flügel).

Das Hauptquartier wurde in Forbach etablirt; die 1. Cavallerie-Division marschirte nach Longeville; das 7. Armee-Corps gelangte nach St. Avold; das 8. Armee-Corps gelangle nach St. Avold; das 1. Armee-Corps debarkirte bei Saarbrücken; die 3. Cavallerie-Division gelangle nach Saarlouis. Am 10. August setzten die französischen Sireilkräfte ihre rückgängige Bewegung gegen die Mosel fort, und zwar kam von der

West-Armee — Marschall Mac Mahon:

das 1. Corps mit der 1. Division Conseil-Dusmesnil vom 7. Corps und der 2. Reserve-Cavallerie-Division Bonnemains nach Luneville;

das 5. Corps nach Luneville;

das 7. Corps blieb mit den beiden Divisionen Liebert und Dumont, dann der Cavallerie-Brigade Cambriel bei Beifort und Lyon;

das 1. und 5. Corps erhielten den Befehl, ihre Vereinigung mit der Armee von Metz zu bewirken, wenn dies die Nähe des Feindes noch zulässig mache.

Armee von Metz — Marschall Bazaine.

Das 2. Corps kam nach Mercy-les-Metz in das verschanzte Lager, um sich hier zu retabliren;

die 1. Reservc-Cavallerie-Division kam mit drei Chasseurs-Regimentera auf die Insel Chambiere.

Die übrigen Abiheilungen des Heeres wurden vom Marschall Bazaine an der französischen Nied zum Halten befohlen, und es bezog das 3. Corps eine Stellung zwischen Courcelles-Chaussy und Pange, ä cheval der Strasse von Metz-St. Avold; das 4. Corps nahm Position zwischen Glatigny und les Etangs aul beiden Seiten der Strasse von Saarlouis-Melz, rechts an das 3. Corps anschliessend.

Das Garde-Corps bezog eine Reserve-Stellung zwischen Maizery and Silly hinter dem 4. Corps, ebenfalls beiderseits der Chaussee von Metz-St Avold.

Das 6. Corps befand sich auf dem Bahntransport von Chälons nach Metz.

Die von den drei Corps an der französischen Nied besetzte Position war in Anbetracht der Terraingestaltung im Ganzen fest und vortheilhali; sie schien aber wegen der sie umgebenden, Überraschungen und Umgehungen begünstigenden Waldungen in dem Masse gefährlich, dass sich der Höchstcommandirende veranlasst fand, dieselbe zu räumen und am nächsten Tage eine Defensiv-Stellung vorwärts der Forts Queleu und St. Julien des verschanzten Lagers von Metz — zwischen der Seilte und der Mosel — beziehen zu lassen.

Der neue Obergeneral der Armee von Metz war darauf bedacht, die um diesen grossen Waffenplatz concentrirten Streitmassen ausser durch das 1., 5. und 6. Corps noch durch die Marine-Infanterie-Division verstärken zu lassen, zu welchem Zwecke an den Kriegsminister das Ansuchen gestellt wurde, der Überführung des 6. Corps von Chälons unmittelbar jene der letztgenannten Abtheilung folgen zu lassen.

Im Hauptquartier zu Metz gieng an diesem Tage die Nachricht von dem Eintreffen des 1. Corps Manteuffel und dessen Eintheilung bei der preussischen I. Armee Steinmetz ein. Über die Pläne und Absichten des Feindes wurde aber in Erfahrung gebracht, dass jener auf 3 Corps und 2 Cavallerie-Divisionen augmentirte Heerestheil die Bestimmung hätte, Metz an der Süd- und Ostseite zu beobachten, während die 7 Corps starke II. und die ö'/j Corps starke III. Armee des Prinzen Friedrich Carl und des Kronprinzen von Preussen die Mosel südlich des verschanzten Lagers überschreiten würden. Die Eclaireurs der II. Armee wurden in Remilly signalisirt, und deren Vorgehen auf Pont-ä-mousson gemeldet.

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