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„Kampf von Schiff gegen Schiff, wild durcheinander, wo man Freund vom Feind kaum zu unterscheiden, vielweniger denn die Flotte mittels Signalen zu commandiren vermag. – Alles Erfahrungen der Schlacht von Lissa. Mein Gott, werden die Theoretiker sagen, soll man also die Flotte zerstreut wie eine Heerde Schafe führen und sie so ins Gefecht treiben? O nein, wir geben euch Einiges zu, und zwar: 1. Geschlossene Marsch-Ordnungen, die jedoch so einfach als möglich sowohl ihren Zweck, den Zusammenstoss der Schiffe während der Fahrt zu verhindern, als auch die Bedingung erfüllen, mit der ganzen Macht so viel als möglich gleichzeitig auf dem Kampfplatz zu erscheinen. 2. Geben wir eine Angriffs-Ordnung zu, aber nur eine einzige, und das ist die Frontlinie !); denn die Keil-Ordnung, welche die Franzosen mit dem Titel „Ordre du Choc“ beehren, ist bei dem parallelen Curse aller Schiffe nichts Anderes als eine Frontlinie mit zurückgeschobenen Flügeln, welche gegen die reine Frontlinie den Nachtheil hat, dass die Schiffe nicht gleichzeitig, sondern successive zur Action gelangen. Der Feind, denselben Principien huldigend, muss auch in Front- und nie in Schlachtlinie") entgegen manövriren, um nicht seine einst stärkste, jetzt aber verwundbarste Stelle d. i. die Breitseite, dem ersten Anpralle zu bieten. Nur insoweit geben wir eine gewisse combinirte Ordnung zu; aber, einmal engagirt, wird sich jede Ordnung von selbst lösen. Und wenn wir noch von einer Combination sprechen, so wäre es höchstens diese, dass sich je zwei Schiffe dazu verbinden, gemeinschaftlich ein feindliches Schiff zu rennen, weil die Bewegungen, die es macht, um dem Stosse des einen auszuweichen, für das andere zum Stosse günstig sein können; dies sei aber nur so nebenbei erwähnt, ohne Zusammenhang mit den hier entwickelten Ansichten, eine blosse Licentia poetica! Und die Artillerie! werden wieder die Theoretiker rufen, – zu was ist denn die da? Bei Lissa z. B. hätte sie füglich auch zu Hause gelassen werden können. Sie war blos die Musik zu diesem heitern Waffentanze, denn wir haben weder auf unserer, noch auf des Feindes Seite irgend einen namhaften Erfolg derselben zu verzeichnen; so unzureichend und wirkungslos hat sie sich damals gegen Panzerschiffe erwiesen; und sclbst die heutige moderne Artillerie kann künftighin wohl auch partielle Erfolge erzielen; aber nie wird sie mehr wie einstens den Erfolg, d. i. den Sieg entscheiden. Diese Aufgabe bleibt der Ramme")! Die schönen Cotillon-Figuren und Contre-Tänze, welche die Franzosen und mit ihnen alle Theoretiker ihre Schiffe ausführen lehren, sind unnütze Zeit- und Geldverschwendung, überflüssige Plage für Stab und Mannschaft; während z. B. die Engländer, die wir allen Anzeichen

') Entspricht vollkommen dem in der Land-Armee gebräuchlichen Frontmarsche.

*) Wie die Italiener bei Liaaa, d. , wo Schiff hinter Schiff im sogenannten Gänsemarsch (in der Seesprache Contre Marach genannt) einher fährt und dadurch seine beiden Breitseiten frei zur Artilleratiaohen Action behält.

*) Ramme oder Sporn ist der am Voraohiffo unter dem Wasser vorspringende eiserne Keil, zum Einrennen bestimmt,

nach zu den Praktikern rechnen zu dürfen glauben, sich darauf beschränken, bei ihren Übungsgeschwadern die See- und sonstigen Eigenschaften ihrer Panzerschiffe zu erproben und Stab und Mannschaft mit denselben vertraut zu machen. Die Italiener mögen bei Lissa sonstiges Malheur genug, und wir Glück gehabt haben, aber ihre Niederlage war nicht den im Processe Persano's angeführten Gründen zuzuschreiben. Ihr hauptsächliches Unglück war: Sie waren eben nur Theoretiker"). Dieses zeigt: 1. ihre Aufstellung in Schlachtlinie, in der Meinung, dass wir uns in einen Artilleriekampf einlassen würden; 2. dass sie bei unserem Anrücken in Front, resp. Keil-Ordnung, die Intentionen unseres Admirals nicht gleich erriethen; 3. dass sie, nach der theoretischen Methode ängstlich nach Signalen vom Admiral-Schiffe spähend*), bei dem herbeigeführten Pèle-mèle, nicht gewohnt nach eigener Initiative zu handeln, ganz rath- und thatlos, wie das gehetzte Wild, hin und her schossen; 4. dass sie mit der Idee des Stosses sich ganz und gar nicht vertraut gemacht, denn sonst hätte es ihnen, oder wenigstens dem famosen, eigens zu diesem Zwecke erbauten Affondatore gelingen müssen, zum wenigsten ein armes Holzschiff niederzurennen. Während unsere Commandanten von Haus aus auf den eintretenden Pèle-méle vorbereitet, also durch denselben nicht wie die Italiener überrascht, angewiesen waren, nach eigener Inspiration und Initiative zu handeln. Die Schlacht von Lissa hat also die Voraussetzung der Praktiker vollkommen bestätigt und gezeigt, dass die Gefechtsart des Stosses auch auf ganze Flotten anwendbar sei. Es war ein Sieg der Praxis über die Theorie. Und wie wir diesen Aufsatz mit einem Citate begonnen, so wollen wir ihn auch mit einem solchen beschliessen, und zwar: „Grau, theurer Freund, ist alle Theorie, Grün des Lebens gold'ner Baum.“

II. Küstenbefestigungen gegen Panzerschiffe.

Anschliessend an das eben Erwähnte, wollen wir einen weitern, für die Seekriegsführung nicht minder interessanten Gegenstand der kritisch wissenschaftlichen Discussion unterziehen, weil wir auch hier, trotz der gemachten Erfahrungen, so divergirenden Ansichten begegnen, die näher zu beleuchten, mehr als ein allgemeines Interesse bieten dürfte.

Wir wollen hier den Kampf von Schiffen gegen Küstenbefestigungen, deren die Geschichte von der frühesten bis auf die jetzige Zeit so viele ver

*) Admiral Persano in seiner Vertheidigungsschrift „I fatti di Lissa“ beruft sich auf eine Taktik des Admirals Bouttakow und des Admirals Bouet-Villaumez.

*) Von vielen italienischen Schiffen, die von der Überschiffung des Admirals Persano auf den Affondatore nichts wussten, im Re d'Italia gesucht.

zeichnet, betrachten und den Stoff in drei Perioden theilen: 1. die der Seg schiffahrt; 2. die der Holzdampfschiffe, und 3. die der Panzerschiffe, wollen uns jedoch, dem Zwecke dieses Aufsatzes entsprechend, nur mit d letztern ausführlich beschäftigen.

Zur Zeit der Segelschifffahrt gehörte der Angriff gegen Küstenbefes gungen zu den schwierigsten und riscanlesten Aufgaben für Schiffe.

Abgesehen von dem Umstande, dass es vor Allem eines günstig Windes bedurfte, um sich den Befestigungen bis auf Schussdistanz nähern können, war man gezwungen, unter dem Feuer derselben zu ankern, w eine derartige Action damals nur vor Anker ausführbar war. Die Schil konnten daher nicht nur mit Kugeln und Granaten, sondern auch mit glühe den Geschossen und selbst mit Bomben erfolgreich beschossen werden, u besonders hoch gelegene Forts waren wegen der nur geringen Elevatid welche den Geschützen an Bord aus den gedeckten Batterien gegeben we den konnte, der Schrecken der Flollen.

Und daher kam es, dass oft nur wenige, ja selbst nur einzelne Geschül am Lande ganzen Flotten wirksamen Widerstand zu leisten im Stan waren, wie z. B. bei Ekernförde eine halbe Feld-Batterie das stolze Linie schiff „Christian VIII.“ in die Luft zu sprengen und die Fregatte „Gefion“ zi Übergabe zu zwingen vermochte; obzwar wir auch viele erfolgreiche Action der Schiffe, z. B. die Einnahme Kopenhagen's, Lissabon's, Jean d'Acre's eli verzeichnen können.

In der Periode, als der Dampf als Schiffsmolor austrat, ergieng es de Schiffen, trotzdem sie sich jetzt beliebig dem Lande nähern oder entferne und den Kampf selbst in der Bewegung fortführen konnten, und trotz viel anderer Vortheile gegen früher, doch nicht viel besser, und ausser einige wenigen Fällen, wie z. B. die Bewältigung der Leuchtthurm-Balterie von Ancor durch die piemontesische Holz-Fregalle ,Maria Adelaide“ unter Persan blieb die Überlegenheit der Küstenbefestigungen gegen Schifte noch immi dieselbe, wie die Belagerung Sebastopol's und Gaëta's am Besten beweist.

Auch hierin hat die Einführung der Panzerschiffe eine gewaltige Un wälzung bewirkt. Den Franzosen gebührt diesmal die Ehre der Erfindun und Initiative.

Als sich während des Krimkrieges die vereinigten französisch-engli schen Flotten erfolglos an der Bewältigung Sebastopol's belheiligten, wurde auf Anordnung des Kaisers Napoleon in den französischen Arsenalen für schwimmende Batterien versuchsweise mit 37, Zoll dicken Eisenplatten ge panzert, also die ersten Panzerschiffe der Welt erbaut, und drei davon, di „Tonnante“, „Devastation“ und die „Lave“ 1) dem Operations-Geschwader in schwarzen Meere zugetheilt.

Bei der Beschiessung Kinburn's im October 1855, welche nach drei

) Dieselben, die auch im 1869er Feldzuge dem französischen Operations Geschwader im adriatischen Meere zugetheilt waren.

stündigem Gefechte mit der Einnahme dieses Platzes endete, kamen sie das erstemal in Anwendung und haben sich so wirkungsvoll und widerstandsfähig") bewiesen, dass die Franzosen, durch dieses Experiment allein die ganze künftige Wichtigkeit der eisenbepanzerten Schiffe einsehend, gleich mit dem Baue von Panzerschiffen im grössern Massstabe begannen. Den Engländern ergieng es hier merkwürdiger Weise ebenso, wie uns im schleswig-holsteinischen Kriege mit den preussischen Zündnadel-Gewehren. 0bzwar sie Zeugen dieses merkwürdigen Erfolges waren, so entgieng ihnen derselbe entweder vollkommen, oder sie legten ihm keinen speciellen Werth bei, und die Engländer zögerten noch lange, nachdem selbst kleinere Seemächte, wie z. B. Österreich, den Bau der Panzerschiffe adoptirt hatten, diesem Beispiele zu folgen. Erst als der amerikanische Krieg die Wichtigkeit der Panzerschiffe im Ganzen und Grossen bewies, war es ihnen, nachdem sie den groben Irrthum eingesehen, bei ihren so reichlichen materiellen Hilfsmitteln nicht nur möglich, ohne alle bösen Folgen das Versäumte in kürzester Zeit nachzuholen, sondern alle andern Nationen bald weit zu überflügeln. Der amerikanische Krieg jedoch war es, der ausser den vielen andern speciellen Vortheilen der Panzerschiffe besonders deren Verwendbarkeit zum Kample gegen Landbesestigungen auf die glänzendste Weise darthat. Wir wollen uns nicht in eine detaillirte Auseinandersetzung der allgemein bekannten vielen Kämpfe, welche in diesem Kriege zwischen Schiffen und Landbefestigungen vorfielen, einlassen, sondern nur aus denselben die uns hier speciell interessirende Thatsache der Angriffs- und Widerstandsähigkeit der Einen und der Andern näher betrachten. Wir wollen deshalb nur im Allgemeinen bemerken, dass die vielen mächtigen, so genial angelegten, mit den schwersten Geschützen bestückten und damals für uneinnehmbar gehaltenen Befestigungswerke der Conföderirten nach und nach alle dem einseitigen oder auch mit der Landarmee combinirten Angriffe der unionistischen Panzerschiffe erlagen, was wohl eben nicht für ihre grosse Widerstandsfähigkeit zeugt. Auch die neue Taktik: befestigte Plätze zu forciren, wie sie Admiral Porter bei Vicksburg inaugurirt, und Admiral Farragut bei New-Orleans und Mobile so glänzend effectuirte, fällt ebenfalls nur zum Nachtheile der Landbefestigungen aus. Die Journale äusserten sich damals über diese kühne That wie folgt: Die Taktik des nordamerikanischen Commodore Farragut, steinerne Batterien und Citadellen mit Kartätschen anzugreifen und zu passiren, die er bei Mobile mit Erfolg angewendet, erregt Aufsehen und Besorgniss in England!

*) Die Schussweite betrug 1500 Schritte, und die Russen schossen aus 24- und 32Pfündern mit Vollkugeln und Granaten. Die „Tonnante“ erhielt 66, die „Devastation“ 64 Kugeln, die „Lave“ dagegen wurde nur 17mal getroffen. Die russischen Kugeln hinterliessen auf den Eisenplatten nur schwache Eindrücke, ohne eine einzige derselben zu lockern oder zu zerstören.

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Bedarf es eines glänzenderen Beweises für die grosse Angriffsfähigkeit der Panzerschiffe? Und um auch noch ein Beispiel für deren ebenso grosse Widerstandsfähigkeit zu geben, wollen wir das Nachfolgende wählen, u. z.:

Bei der Belagerung Charleston's gerieth die nordamerikanische PanzerFregatte „New-Ironsides“ im Kreuzungspunkte des Feuers dreier mächtigen Forts auf eine Sandbank und blieb, der eingetretenen Ebbe halber, auf derselben fest sitzen.

Während dieser Zeit wurde sie aus mehr als hundert der schwersten Geschütze (10- und 12-Zöller) so eindringlich beschossen, dass es im wahrsten Sinne des Wortes Kugeln auf sie regnete, und nach Aussage der darauf eingeschifften Officiere das Getöse der an ihre Eisenseiten anschlagenden Geschosse das eigene Commando übertönte und es ihnen so wie in einem Dampfhammerwerke zu Muthe war. Als nach mehreren Stunden das Schiff mit eintretender Fluth wieder flott wurde, hatte es nicht nur gar keinen Schaden erlitten und nur wenige Mann, durch zufällig in die Stückpforten getroffene Schüsse, verloren, sondern es hatte während der Zeit des Sitzens in das seiner Breitseite gegenüberliegende Fort Bresche geschossen und nahm dann noch weitern thätigen Antheil an der Bewältigung dieser mächtigen Festungswerke.

Welches Holzschiff, ja welches Festungswerk, fragen wir, hätte einem solchen höllischen Feuer durch so viele Stunden ohne seinen sichern Untergang widerstanden? Es ist daher gewiss keine zufällige, sondern nur auf der eminenten Widerstandsfähigkeit der Panzerschiffe basirende Erscheinung, dass während des ganzen amerikanischen und auch im jetzigen paraguitischen Kriege, überhaupt seit der Existenz der Panzerschiffe, wir nicht einen einzigen Fall zu verzeichnen haben, dass es Landbefestigungen geiungen wäre, ein Panzerschiff zu Grunde zu richten; dies gelang nur durch unterseeische Minen oder Torpedos und andere Schiffshindernisse. So z. B. verloren die Nordamerikaner durch Torpedos die Schiffe: „Patapsco“, „Housatonic“, „Jonguil“, „Harvest - Moon“ und „Commodore Jones“ vor Charleston; „Tecumseh“, „Milwaukie“, „Osage“, „Randolph“, „Sciota“, „Ida“, „Althea“ in der Mobilebai: „Kairo“ im Yazooflusse; „Baron de Kalb“ bei Vicksburg; „Otsego“ und „Barley“ im Roanockflusse bei Jamesville; „Maple Leaf“ in der Nähe von Jacksonville an der Küste von Florida. Den Conföderirten wurde nur das Widderschiff „Albemarle“ an der Mündung des Roanockflusses durch ein unionistisches Torpedoboot in die Luft gesprengt. Auch sollen im gegenwärtigen Kriege mit Paraguay zwei brasilianische Panzerschiffe durch Torpedos zerstört worden sein. Der Unterwasserkrieg hat seinen abenteuerlichen Charakter ganz verloren und sich jetzt zu einer regelrechten Waffe ausgebildet, so dass England, Frankreich und Russland schon eigene Torpedo-Corps besitzen. England, diesen sprechenden Thatsachen Rechnung tragend, hat jetzt

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