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Das Aufgebot im Juli 1870.

Nach dieser kurzen Darstellung der schweizerischen Heeres-Ein tungen im Frieden und der Vertheidigungsanstalten des Landes schr wir zur Betrachtung, in welcher Art das Aufgebot im Juli 1870 durchge wurde, – insbesondere ob und inwiefern die bestehenden Einrichtungen hiebei bewährten. Dem Aufgebot wurde bereitwilligst entsprochen, wodurch es mö wurde, dass die ersten Truppen schon am 16. Juli Nachts in den gesicherten Rheinüberganges wegen so wichtigen Basel eintrafen. Am 19. Juli standen die aufgebotenen fünf Divisionen mit Ausn einer Brigade aus dem entlegenen Tessin in den nachfolgenden Versamml räumen: 1. Division, Hauptquartier Basel, besetzte Baselstadt und Basellan 2. Division, Hauptquartier Biel, in dem Dreiecke zwischen N Solothurn und Delsberg. 7. Division, Hauptquartier Frauenfeld, auf der Linie Brugg-Fraue gegen den Rhein, später im Frickthal und von Rheinfelden bis Laulen In zweiter Linie standen die 6. und 9. Division, mit dem Hauptqu in Bern, resp. Luzern. Der Verpflegsstand der aufgebotenen Truppen betrug 37.423 M 3436 Pferde mit 66 Geschützen. Am 20. Juli schlug der neugewählte Oberbefehlshaber, Oberst He sein Hauptquartier in Olten auf. Chef des Generalstabes wurde Oberstl vicini von Basel, General-Adjutant Oberst Philippin von Neuenburg. Die erste Massregel, welche der Oberbefehlshaber verfügte, wa engere Concentrirung der Armee, besonders gegen Basel zu. Es ges dies in der Weise, dass in den Tagen vom 27.–29. Juli die 1. Division etwas enger um Basel sich zusammenzog, die 7. Division mit dem H quartier Rheinfelden bis an das rechte Ufer der Ergolz vorgeschoben w Bei der 2. und 6. Division fand keine Veränderung Statt. Von der 9. Div wurde nach Heranziehung der Tessiner Truppen eine Brigade nach So hausen detachirt, während die beiden andern um Baden und Brugg verbli Nach Bezug der engeren Concentrirung wurden alle nicht im W dienst befindlichen Truppen fleissig mit Exerciren, mit der Wiederhe aller Dienstzweige, inclusive Marsch-Übungen und Sicherheitsdienst beschi und auch im Zielschiessen mit dem Gewehr geübt. Die Batterien hielten falls Schiess-Übungen ab. Die Einübung der Dienstzweige schritt jedoch nicht in dem Masse dass vor Entlassung der Truppen in die Heimat noch Manöver in Brigade und Division mit vereinigten Waffen vorgenommen werden kon denn mittlerweile hatten die Operationen der Kriegführenden sich entschl und wurde bereits so entfernt von der Schweizer Grenze gekämpft, dass Bundesrath am 17. August die Entlassung der Truppen beschliessen ko nachdem schon früher die durch den Grenzdienst am meisten in Ansp genommenen Divisionen 1 und 2 durch jene 7 und 6 abgelöst worden w Den vom Generalstabe erlassenen Verfügungen entsprechend trafen Truppen in den Tagen vom 19.–24. August (an letzterem Tage die Tes Truppen) wieder sämmtlich in der Heimat ein. Die Grenzbesetzung best n da an zuerst ein Scharfschützen-Bataillon in Basel, später, und zwar dem Zeitpunkte an, als der Kampf um den Besitz des Ober-Elsass in esicht stand, bis zum Jahresschluss eine Brigade im Pruntrut'schen.

Über die bei diesem Anlass zu Tage getretenen Licht- und Schattenen des eigenen Heerwesens äussert sich der Bundesrath sehr freimüthig. egrüsst die Raschheit der Aufstellung als ein gewichtiges Zeugniss für eidgenössische Milizsystem und die Vorbildung in Friedenszeiten; ebenso erfreuliche Thatsache, dass das Vorhandensein einer Anzahl höherer r sich gezeigt, die sich durch Kenntnisse und Charakter auszeichnen. Der Bundesrath anerkennt die Mannszucht und die gute Haltung der en und spricht den wesentlichsten Antheil an der gelungenen Durchuns der Ausstellung der umsichtigen und trefflichen Leitung des Generals ZU. Nichtsdestoweniger verkennt der Bundesrath andererseits durchaus die Menge von Lücken, welche im schweizerischen Heerwesen durch zlen Ereignisse aufgedeckt wurden; dieselben geben Anlass zu ernsten znissen, und müsse an deren Beseitigung mit aller Entschlossenheit greifend gearbeitet werden. Beim Aufgebote selbst haben die cantonalen Behörden, obschon sie für Absendung ihrer Truppen in die Sammelplätze der Divisionen an keine bunden waren, weit mehr auf die Raschheit der Truppensendung, als le Organisation und Ausrüstung der Truppen Nachdruck gelegt. Die davon war eine ungeahnte Friction, welche sich im Anfang durch den uernden Nachschub an Personen und Material kundgab: beim Aufe aller Truppen hätte solche Friction höchst lähmend auf die Schlageit der Armee einwirken müssen. Auch zeigte sich bei den Führern der taktischen Einheiten sowohl, als bei den höheren Truppenführern, eine bedenkliche Rathlosigkeit in auf die Wahl der Mittel, um das Fehlende zu ergänzen und sofort den igen Dienstgang herzustellen. Bezüglich der taktischen Ausbildung und Haltung der Truppen machte sich namentlich bei der Infanterie ein so r Unterschied zwischen einzelnen taktischen Einheiten geltend, dass os auf grosse Mängel in der militärischen Erziehung in einigen Cantonen össen werden musste. Nicht nur fehlte es bei vielen Bataillonen seitens Vicers-Corps an genauer und rigoroser Aufsicht in allen Theilen des es, an der Erkenntniss der Verantwortlichkeit, welche jeder Einzelne an der Handhabung der strengsten Disciplin, welche allein Gewähr für indung grosser Schwierigkeiten bietet; sondern es machte sich sehr ich ein auffälliger Mangel an positivem Wissen, sowie an militärischer idung geltend. Bei der Mannschaft von Bataillonen mehrerer Cantone es zudem auch an der elementaren Ausbildung. Hier kann nur durch besseren militärischen Unterricht, ertheilt durch ein besseres Instruc*Personal, und durch Vermehrung der bisherigen Instructionszeit geen werden. In gleicher Weise macht sich der Mangel an Instruction im Allgemeinen , rühmliche Ausnahmen abgerechnet, selbst beim Generalstab geltend. * hier die Erscheinung einer oft nur oberflächlichen Dienstkenntniss, die

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bei grösseren Unternehmungen zu Schwierigkeiten mannigfacher Arth Anlass geben müssen. Es muss zugegeben werden, dass bei Vielen Grund einzig darin liegt, dass den Betreffenden allzuwenig Gelegenheit Ubung geboten wird. Auch bei der Armee-Verwaltung haben sich erhebliche Übelst kundgegeben, welche einestheils einem veralteten Reglement und ungenü den organisatorischen Einrichtungen, andererseits dem Mangel an Ausbil der Commissariats-Officiere zugeschrieben werden müssen. Dagegen war die Verpflegung der Truppen eine gute zu nennen, alle Sorge getroffen, die Truppen auch auf längere Zeit zu verpflegen. Weiters erwähnt der Bundesrath noch, dass die Verhältnisse darg haben, wie die Cantone zwar fast durchschnittlich wohl die nöthigen m riellen Hilfsmittel zur Ausrüstung der Contingente für Auszug und Res besitzen, dass es aber an der Ausrüstung für Überzählige und Landv vielerorts (oder richtiger gesagt durchgehends) fehle. Der Bundesrath hat bereits Massregeln ergriffen, um diesem Ubels: mit aller Energie abzuhelfen. Da die Sorge für die Waffen dem Bundeob so ordnete der Bundesrath an, dass über die bestellten 80.000 Rep gewehre weitere 10.000 Stück angeschafft werden, was gestatten Auszug und Reserve mit Repetirgewehren, dann die Landwehr mit dem gleiche Munition wie das Repetirgewehr führenden, einschüssigen Hin ladgewehr zu bewaffnen. Die Gesammtkosten der ausserordentlichen Massregeln zur wah der Neutralität, deren Rechnung noch nicht abgeschlossen ist, glaubt Bundesrath mit 8 Millionen Francs beziffern zu müssen. Dem hiemit besprochenen Berichte des schweizerischen Bundesra an die Bundesversammlung ist noch ein Bericht des Obergenerals der gestellten Truppen über die Vollziehung des ihm gewordenen Auftrages gegeben. Unter dem Eindrucke des eben Erlebten geschrieben, geht di Bericht mit einschneidender Schärfe den im schweizerischen Heerwesen h schenden Mängeln zu Leibe, welche beinahe ausnahmslos in der den tonen trotz aller Anstrengungen des Bundesräths noch lange nicht abge genen Autonomie in cantonalen Militärangelegenheiten zu suchen ist. thäte vielleicht Unrecht, wollte man auf Grund des vorliegenden Beric über das Milizwesen ein Verdammungsurtheil fällen; wohl aber liegt es nahe, ein Verdammungsurtheil gegen die Decentralisirung des militäri Wesens, wie solche in der Schweiz bisher besteht, zu schleudern. G ist, dass die Truppen jedes Cantons ein ganz anderes Gepräge, abh von hundert und hundert Einflüssen, besitzen, und dass es vorderha der Schweiz kaum ein Mittel gibt, sich von der Tüchtigkeit der Tr die Überzeugung zu verschaffen, ausser wenn es zu spät ist, – das hei Ernstfall selbst. Mit Umgehung der Einleitung, in welcher General Herzog den s bekannten historischen Verlauf der Aufstellung schildert, schreiten wir so den Beobachtungen, welche er während seines Commando's gemacht, und wie er hinzusetzt, zu prüfen und zu berücksichtigen von einigem N sein dürfte.

Vor Allem spricht der General die Ansicht aus, dass das Heilmittel Schäden in der Eindämmung der cantonalen Machtbefugnisse und in graer Überwachung der Cantone liegt, denn – sagt der General – es sind stände zu Tage getreten, deren gänzliche Beseitigung man seit Jahren erkstelligt wähnte. Über gar Vieles hat nicht nur das grosse Publikum Illusionen gemacht, sondern selbst gar viele Persönlichkeiten, die der e näher standen; und wenn glücklicherweise der grössere Theil der lone seinen Verpflichtungen nachgekommen, so gab es andererseits auch ere, welche in unbegreiflicher Nachlässigkeit zurückgeblieben, und vollen 20 Jahren dem Gesetz über Militärorganisation vom 8. Mai 1850 nicht zu entsprechen im Stande waren. Besonders wird das Mangelhafte er materiellen Ausrüstung gerügt. Wenn auch, wie erwähnt, die Mehrzahl Cantone den allgemeinen Anforderungen entspricht, so fehlt noch immer Wieles, um von einem wirklich schlagfertigen Heere sprechen zu können. Wenn schon eine Erhöhung der Dienstzeit wegen der grossen Opfer ld und Zeit nicht thunlich ist, so muss wenigstens in materieller Hindas Möglichste geleistet werden, um hinter stehenden Heeren nicht zurückzustehen, als dies die Verhältnisse unmittelbar mit sich n. Der General kommt übrigens zu dem Schlusse, dass lets besser sein wird, eine an Mannschaftszahl etwas wächere, da gegen qualitativ tüchtigere Armee zu been, als es gegenwärtig der Fall ist, wo gar Manches auf dem Papier was in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist. Mit der Landwehr sieht es in manchen Cantonen ganz bedenklich aus; ist die Mannschaft vorhanden, doch fehlen Officiere und Unterofficiere; ung und Waffen sind äusserst mangelhaft. Kurz, viele dieser Bataillone # Stunde nicht fähig, den Platz in der Ordre de bataille einzunehmen, en dieselbe anweist. Einen grossen Übelstand bildet auch die mangelhafte Untersuchung der chaft auf persönliche Gebrechen, wodurch Tausende der Armee einebt werden, welche anderwärts vom Dienste ausgeschlossen würden. Mit Bezug auf die Organisation bedauert der General die Armuth der eiz an Cavallerie (etwas über 2%) und die geringe Dotirung mit Feldützen (23 per 1000 Mann Auszug und Reserve). Damit wenigstens die Divisionen besser bedacht seien, wird die Erhöhung Zahl der Batterien auf vier per Division beantragt. Der General wünscht ferner, dass die bisher selbständigen Schützen-Comen in Schützen-Bataillone zu drei bis vier Compagnien zusammengezogen en, – eine Massregel, welche schon als Bundesraths-Antrag der BunWersammlung vorgelegt und mittlerweile auch genehmigt wurde. Zur Infanterie übergehend, wünscht der General die Centralisation der erie-Instruction, da der Abstand der Bataillone untereinander in jeder scht zu augenscheinlich ist. Wenn auch die Mehrzahl der Bataillone in einer Verfassung sich befand, .. allen dabei Betheiligten zur Ehre gereichte, so gab es doch wieder che, deren Zustand das Herz des Vaterlandsfreundes mit Trauer erfüllte, deren taktische Brauchbarkeit auf niedrigster Stufe stand. Mit Truppen er Art gegen den Feind zu marschiren, wäre ein Wagniss eigener Art,

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Auch die Sorgfalt für die Erhaltung der Waffen und Munition lie: bei der grossen Mehrzahl der Bataillone sehr viel wünschen.

Überhaupt war die Friction in dem ganzen Mechanismus der Arm eine ganz unglaubliche, obwohl nur fünf unvollständige Divisionen auf d Beine gebracht wurden.

Eine Verstärkung der Compagnien auf wenigstens 120-130 Geweh wäre wünschenswerth.

Die Scharfschützen haben sich als Elitetruppe bewährt; ihre Bewaffnur (Peabody) ist vorzüglich.

Auch die Cavallerie (dieselbe wurde mittlerweile mit Repetir-Karabine respective Repetirpistole bewaffnet), das Genie und die Artillerie stehen i Allgemeinen auf der Höhe ihrer Aufgabe. Nur die Batterie 21 des Canton Tessin hat sich durch ihre schlechte Verfassung die namentliche Erwähnut des Generals zugezogen, was sonst keinem Truppenkörper geschah.

Über den Generalstab, zu welchem auch der Commandostab der Dis sionen und Brigaden gehört, wird ein sehr günstiges Urtheil gefällt, und zugleic hervorgehoben, dass die jetzige Organisation vollkommen entsprochen ha daher die angestrebte Theilung des Generalstabes in speciellen Generalsta Commandostab und Adjutantur nicht erforderlich ist. Die richtige Verwer dung jedes Einzelnen an der passenden Stelle ist die Hauptsache.

Nicht so gut ergeht es dem Kriegscommissariat, obwohl sich die Vol würfe des Generals weniger gegen die ausübenden Mitglieder des Corp als vorzugsweise gegen die leitenden Personen und gegen die herrschende Anschauungen über dieses Capitel des Heerwesens zurückführen lassen.

Der Gesundheitsdienst war in verlässlichen Händen; es kamen vor 9.610 Krankheitsfälle mit 17.825 Pflegetagen; unter den Kranken befande sich 22.9 Percent Fusskranke, ein Beweis, in welch' ungehörigem Zustan das Schuhwerk bei vielen Militärs sich befand.

Im Veterinärstab ist mit einigen Officieren aufzuräumen; der Pferde verlust betrug ein Percent des Bestandes.

Bezüglich des Justizwesens sagt der General, dass das Institut der Milität Jury als ein vollkommen verfehltes sich erwiesen hat. Je nach der Laune de Jury wird in dem gleichen Falle das eine Mal alle Strenge, das andere Mi eine kaum erklärbare Nachsicht ausgeübt; obendrein ist das Verfahren höchs umständlich und im Felde bei Truppenbewegungen gar nicht ausführbar.

Der General schliesst mit einer Betrachtung über das Instructions wesen der Schweiz und findet es durchwegs ungenügend. Er schlägt vor den Mann des Auszugs und der Reserve im ersten Jahre 14, dann alljährlicl 8 Tage Wiederholungscurs und jenem der Landwehr wenigstens alle zwe Jahre einen Dienst von 8 Tagen durchmachen zu lassen.

Jede Division soll alle zwei Jahre während acht Tagen zu einer Übung mit vereinigten Waffen unter Zuzug der gesammten Stäbe aufgeboten werden und es hätte das Commando und die Inspection der Brigaden und Divisionen stels durch jene Officiere zu erfolgen, welche zur Führung dieser Truppen: körper im Felde bestimmt sind.

Die näheren Verhältnisse der aufgestellten Schweizer Armee, inclusive ihrer Anstalten, sowie deren Ordre de bataille und Dislocation sind in der beigefügten Tabelle dargestellt.

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