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Man begann wohl mit der Ausführung und bestellle 80.000 Stück, allein die Angelegenheit gerieth anlässig der vielerlei neuen Erfindungen im Gebiete der Waffentechnik bald ins Stocken, und schon im Jahre 1865 wurde eine Commission berufen, um die zur Zeit bekannten Hinterladsysleme zu prüfen und diesfalls ein Gutachten abzugeben. Ein Preis von 20.000 Francs für das beste Hinterladgewehrsystem wurde ausgeschrieben.

Die Commission beendete im Jahre 1866 die ihr gewordene Aufgabe und beantragte: 1. Dass alle vorhandenen Gewehre kleinen Kalibers nach dem vom Professor Amsler verbesserten System Milbank umgewandelt werden sollen, und 2. dass für Neubewaffnung das Henry-Winchester Gewehr anzunehmen sei.

Der Bundesrath, durch die Bundesversammlung am 20. December 1866 diesfalls ermächtigt, genehmigte im Jahre 1867 den ersten dieser Anträge, – ja er dehnte die beantragte Umänderung auch auf alle Gewehre grossen Kalibers aus. Der zweite Antrag wurde dahin modificirt, dass zur Neubebeschaffung das von Vetterli verbesserte Henry-Winchester Repelirgewehr gewählt werde.

In der Zwischenzeit hatte man aber mit Rücksicht auf den kriegerischen Zeitlauf sich entschlossen, die Scharfschützen ohne Verzug mit Hinterladern zu versehen, und zu diesem Ende 15.000 Peabodygewehre bestellt, welche im Jahre 1867 abgeliefert wurden.

Den Schluss der Bewaffnungsfrage bildete die im December 1870 erfolgte Einführung der Repetirpistole, respective des Repetir - Karabiners, ebenfalls nach Vetterli's System, für die Berittenen.

Die Debatten in der Bundesversammlung, welche im Laufe des Monats Jänner 1871 stattfanden, ergeben, dass die Schweiz dermalen einen Besland von 146.000 Hinterladern und 35.000 Vorderladern verschiedener Systeme und Kaliber besitze.

Von den Vetterli-Gewehren sind 90.000 Stück bestellt, im Augenblicke aber wenig mehr als ein Drittel wirklich abgeliefert. .

Selbst nach den günstigsten Berechnungen wird die Schweiz Ende des ersten Halbjahres 1871, Alles in Allem genommen, nur 180.000 Gewehre besitzen. Es besteht die Absicht, diesen Stand innerhalb der nächsten drei Jahre auf 300.000 Stück zu erhöhen.

Schlägt man von den 180.000 Gewehren 23.000 Vetterli ab, welche erst Ende Juni abzuliefern sind, so hat die Schweiz jetzt 157.000 Hinterlader; davon sind 107.000 kleinen und 50.000 grossen Kalibers. Unter den 107.000 sind 15.000 Peabody, 8000 Henry-Winchester, 40 000 Amsler, und der Rest mit 44.000 dürften Vetterli sein.

Dermalige Bewaffnung der Schweizer Truppen mit Feuergewehren.

Der Infanterie-Auszug ist mit dem kleinkalibrigen Hinterladungsgewehr Amsler-Milbank und theilweise mit Vetterli bewaffnet.

Die Reserve hat das grosskalibrige Hinterladungsgewehr Amsler-Milbank,
die Landwehr das gezogene Vorderladgewehr (Jägergewehr),
Scharfschützen haben Peabody,
die Beriltenen der Artillerie die Repetirpistole,

Cavallerie: Wachtmeister, Corporale und Soldaten der Dragoner den Repetir-Karabiner, alle Andern die Repetir-Pistole.

Geschütze.

Die schweizerische Artillerie führt folgende gezogene Rohre:

8 Centimeter gezogene Feld- und 10

1

, Gebirgskanonen. Die 8 Centimeter Kanonenrohre sind aus Bronce gegossen und Vorderlader, das 10 Centimeter Kanonenrohr besteht aus geschmiedetem Gussstahl und ist Hinterlader. Bei der Feld-Artillerie stehen eiserne Blocklaffelten mit hölzernen Rädern und hölzerne Protzen in Verwendung.

Die Gebirgslaffette ist aus Holz erzeugt.

Zu jedem Feldgeschütze gehört ein Batterie-Munitionswagen (Caisson) mit Protze.

Der bei der Batterie mitgeführte Munitionsvorrath beträgt per Geschütz bei der 8 Centimeter Feldkanone . . . . . . . . . 144 Schuss 9 10 1

. . . . . . . . . 128 m

Befehl und Administration des Bundesheeres.

Die Bundesversammlung erlässt die auf das Wehrwesen bezüglichen Gesetze, wählt im Falle eines Ausgebots den Oberbefehlshaber, dann den Chef des Generalstabes und bestimmt die Zahl der aufzubietenden Truppen, sowie deren Entlassung.

Im Frieden übt der Bundesrath den Oberbefehl über das Gesammtwehrwesen aus.

Das eidgenössische Militär-Departement bringt die bezüglichen Verfügungen des Bundes zur Verlautbarung; dasselbe steht mit den obersten Militärbehörden sämmtlicher Cantone in directem Verkehre und überwacht deren militärische Anordnungen, den gesammten Unterricht und die Ausbildung der Truppen, ihren personellen Bestand, das Kriegsmaterial so wie dessen Anschaffung und Ergänzung, endlich die gesammten VertheidigungsEinrichtungen etc. durch dazu bezeichnete Officiere und Militärbeamte.

Unmittelbar unter dem Militär-Departement stehen: • Der Adjunct des Militär - Departements für das Personelle, zugleich Ober-Instructor der Infanterie; die Inspectoren der Infanterie; der Inspector des Genies; der Inspector der Artillerie; der Oberst der Cavallerie; der Oberst der Scharfschützen; der Ober-Auditor; der Ober-Kriegscommissär ; der Ober-Feldarzt.

Commando und Stäbe. Zur Leitung und Verwaltung der Armee ist der eidgenössische Stab berufen; derselbe zerfällt in sechs Abtheilungen:

Der Generalstab, der Geniestab, der Artillerieslab, der Justizstab, der Commissariatsstab und der Gesundheitsstab.

Die zu diesen Stäben zählenden Individuen haben alle Officiersrang.

Dem Generalstabe, sowie dem Genie- und Artilleriestabe werden die Truppen-Commandanten, dann die Inspectoren und Oberste der einzelnen Waffen entnommen.

Die eidgenössischen Oberste sind Generalofficiere der Armee. Sie commandiren die Divisionen und Brigaden.

Der von der Bundesversammlung gewählte Oberbefehlshaber ist für seine Handlungen nur der Bundesversammlung verantwortlich.

Der Unterricht der Armee.

Er zerfällt in zwei Theile: In den Unterricht, welcher den Cantonen obliegl, und in denjenigen, welchen der Bund auf Rechnung des Gesammtstaates innerhalb bestimmter Grenzen ertheilen lässt. 1 Die Cantone besorgen den Unterricht der Infanterie gänzlich und den Yorunterricht der Recruten der Specialwaffen. Der Unterricht der Infanterie theilt sich in den Recrutenunterricht für die angehenden Wehrmänner und in den Wiederholungscurs für die bereits eingetheilte Mannschaft.

Dem Bunde obliegt die Besorgung des Recrutenunterrichts und des Wiederholungscurses der Specialwaffen (Genie, Artillerie, Cavallerie und Scharfschützen), sowie die nöthige Vorkehrung bezüglich des besondern höheren Militärunterrichtes.

Für den besonderen Militärunterricht bestehen folgende, in jährlich wiederkehrenden Perioden zusammengestellte Schulen :

1. Der Curs von Officieren des eidgenössischen Stabes;
2. die Central-Militärschule;
3. die Artillerie-Cadresschule;
4. die Artillerie-Instructorenschule ;
5. der Curs für Officiere des Artillerie-Slabes;
6. der specielle Train-Curs für Artillerie-Officiere;
7. der pyrotechnische Curs für Park -Artillerie;
8. der specielle Curs für Cavallerie-Officiere;

9. die Cavallerie-Unterofficiersschule ;
10. die Infanterie-Instructionsschule;
11. die Infanterie-Officiers-Aspirantenschule;
12. der Büchsenmacher-Curs;
13. die Schule für die Infanterie-Zimmerleu te ;
14. der Telegraphen-Curs;
15. der Commissariats-Officiers-Curs;

16. die Sanitäts-Curse, — endlich die von Fall zu Fall verfüglen Truppenzusammenzüge.

Der Recrutenunterricht dauert bei der Genie- und Artillerie-Waffe 40, bei der Cavallerie 60, bei den Scharfschützen und Jägern 35, bei den Füsilieren 28 Tage. Der Wiederholungsunterricht bei der Genie- und Artillerie-Waffe Ehrlich 10, bei der Cavallerie und den Scharfschützen 6, bei der Infanterie wenigstens 3 Tage.

Der gesammte Unterricht der Armee wird geleitet: Bei den SpecialAbtheilungen durch die Chels derselben; bei der Infanterie durch die Inspectoren und den eidgenössischen Oberinstructor der Infanterie.

Kriegsverwaltung und Rechtspflege. Diese sind durch besondere Gesetze und Reglements geordnet un unterliegen der beständigen Überwachung des eidgenössischen Militär-Depa tements im Frieden und des jeweiligen Oberbefehlshabers im Kriege. In jede Canton besteht als verwaltende Militärbehörde ein Canton-Kriegscommissaria welches innerhalb des Cantons bezüglich aller personellen und materielle Bedürfnisse im Sinne der bestehenden Gesetze und der speciellen höhere Verfügungen Vorkehrung trifft. Diese Verfügungen werden im Frieden va der Administration des Bundesrathes, respective von dem, einen Theil diese Administration bildenden Mililär - Departement erlassen. Im Kriege wir nach den Bestimmungen und im Namen des Oberbefehlshabers die gesammt Kriegsverwaltung von dem Ober-Kriegscommissär, das Sanitätswesen ron Ober-Feldarzt, endlich die Rechtspflege vom Ober-Auditor geleitet.

Kosten des schweizerischen Heerwesens im Frieden.

Im Frieden stehen beim Militär-Departement, dann bei der Militärverwaltung und Instruction im Ganzen bei 140 Individuen ununterbroches in Verwendung. Das Friedens - Ausgabebudget der Heeresverwaltung pre 1871 beträgt 2,538.600 Francs, von welchen

21.600 auf das Militär-Departement,
128.800 auf die übrige Militärverwaltung,
210.300 für die Instructoren,
1,734.100 für die Unlerrichtscurse,
257.600 für das Kriegsmaterial,
81.000 für die Militär-Anstalten und Festungswerke,
53.400 für das Stabsbureau entfallen.

Übergang vom Friedens- auf den Kriegsstand. Sobald der Bundesrath das Truppenaufgebot verfügt, wird vom Militär-Departement sogleich an die Cantonal - Behörden der Befehl zur Marschbereitschaft der verschiedenen Truppenkörper ausgefertigt, gleichzeitig aber die bezügliche Verlautbarung in den Amtsblättern erlassen. Dieser Weisung Folge leistend werden in den Central-Sammelorlen unverweilt die taktischen Einheiten, soweit selbe aufgeboten, gebildet. Diese Formation kann als durchschnittlich in 5 Tagen durchgeführt angenommen werden, da das Land klein ist und vorzügliche Communicationsmitlel besitzt, jeder Mann aber ununterbrochen Kenntniss davon hat, welchem Truppenkörper er angehört, daher auch, ob das Aufgebot auf ihn Bezug nehme.

Montur, Manns- und Pferderüstung, Fuhrwerke, Geschütze, Hand- und Feuerwaffen, endlich Munition werden aus den Cantonal-Bundes-Zeugämtern den aufgebotenen Truppen verabfolgt. Das Material wird bei den gedachlen Vorrathsanstalten schon im Frieden abtheilungsweise geordnet aufbewahrt.

Die Hauptschwierigkeit jeder Mobilisirung des Schweizer Heeres bleibt die Beschaffung der Pferde. Bei dem ausserordentlichen Mangel an zum Dienste geeigneten Pferden reicht die gesetzlich geordnete Requisition von Pferden und Maulthieren nicht aus, um im Lande die nöthige Zahl aufzubringen, daher stets zum Ankauf im Auslande geschritten werden muss.

Gleichzeitig mit Erlassung des Aufgebotes wird vom Militär-Deparment der Verpflegs- und der Sanitätsdienst organisirt. Der Verpflegsdienst sorgt vor Allem für Einrichtung der Central-Vers-Depots als Verpflegs-Basis. Als Norm wurde festgestellt, dass die Verpflegung auf zwei Tage von Truppen getragen, respective mitgeführt wird, auf weitere zwei Tage er bei der Hand-Proviant-Colonne der Divisionen sich befinden müsse. Diese letzteren Colonnen, bestehend aus je 80 Wagen mit 354 Mann, Reit- und 320 Zugpferden, führen je 1500 Centner Proviant und Tage. Die Divisions-Colonne ist in sieben Abtheilungen gegliedert, um ohne sind detachirten Theilen der Division beigegeben werden zu können. Die Vorräthe der Hand-Proviant-Colonnen werden nach Disposition 0ber-Kriegs-Commissariats von den Magazins-Colonnen, die der letzteren dem Central-Verpflegs-Depôt ergänzt. In Bezug auf den Sanitätsdienst werden Localien für die Centralermittelt, deren Einrichtung vorbereitet, alle nöthigen Spitalsbedürfund ärztlichen Instrumente beschafft. Dem Aufgebot folgt in der Regel unmittelbar die Ausfertigung der hbefehle; dieselben bestimmen nebst weiteren Details genau, nach hem Orte der aufgebotene Truppenkörper abzurücken, welche Route nehmen, an welchem Tage er am Bestimmungsorte einzutreffen, endlich welchem Brigade- oder Divisions-Commandanten er sich zu melden hat. Mit dem Aufgebot übernimmt der General die Armee, und es überen alle bisher vom Militär-Departement Namens des Bundes ausgeübten lverhältnisse auf den Obergeneral. Das eidgenössische Militär-Departement besorgt die Regelung des erganges der civilen Verhältnisse in die Kriegsregion, sowie die Zuleitung Kräfte des Landes zum Heere. Mit der Kriegserklärung sind alle cantonalen und eidgenössischen inistrativen Civil- und Militär-Behörden, mit Ausnahme der Bundessammlung und des Bundesrathes, dem Befehle des Generals unterworfen. Gleichzeitig mit diesen Vorbereitungen sind alle vorhandenen Verpflegsthe im Lande aufzunehmen und zu diesem Zwecke Commissariatsere abzusenden. Eben solche gehen auch an die offen stehenden Hauptplätze des Auslandes ab. Der Einkauf von Lebensmitteln und rge wird sofort eingeleitet und zur Einrichtung der mobilen und stabilen pflegs-Anstalten geschritten.

Befestigungen.

Festungen im eigentlichen Sinne bestehen nicht. Die vorhandenen Werke chränken sich auf Thalsperren bei Luciensteig, St. Maurice, Bellinzona, in Gondo. Es existiren allerdings Pläne, die Vertheidigungsfähigkeit des Landes zweckmässig angelegte Befestigungen zu erhöhen, doch gelangten oben nicht zur Ausführung

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