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Wir glauben, diese Unternehmungen theilen sich: 1. In Unterneh mungen, die man früher unter'dem Namen des Parteigänger-Kriege: zusammenfasste; 2. in den strategischen Sicherheits- und Kund sc hafter dienst.

'ad 1. Die Parteigänger haben den Rücken und die Flanken dei Gegners, insbesondere wenn derselbe sich am Rückzuge befindet, zum Ziele Ihre grösste Leistung wird in der Vernichtung von Munitions-Cplonnen um in 'dei'Zerstörung von wichtigen Communlcationeri, die der Feind bei seinen Rückzuge benutzen muss oder benutzen will, bestehen.

Aber auch in dem Falle, als die eigene Armee geschlagen worder wäre, wird der Rücken und die Flanke" aes Gegners, der nun auf langet Operalionslinie in 'feindliches Gebiet tritt, ein weites Feld erfolgreichet Thätigkeit für die Parteigänger bieten.

Sie müssen die Pulsader des Landsturmes werden und, indem sie alle Nachschübe und die wichtigsten Cbmmunicalionen, die Eisenbahnen, bedrohen. den Feind zu grossen Delachlrungen zwingen und zeitweilig den Verkehr unterbrechen. Solche Delachlrungen verschlingen oft ganze Armeen, — so 1809,'1812 und 1870.

Der Dienst, welchen solche Parteigänger in jeder Kriegslage leisten können, ist ein so grosser, dass man nicht leicht zu viele solcher Abtheilungen forniiren und entsenden kann. Die Zerstörung der Commünicatiqnen ist nun einer ihrer wichtigsten Dienste, und unter diesen nehmen naturgemäss die Eisenbahnen den ersten Rang ein.

Die organischen Bestimmungen betonen daher insbesondere die Zerstörung der Eisenbahnen.

Das ist nun leicht gesagt, aber nicht so leicht ausgeführt.

Mit dem Aufreisseri einiger Schienen, und mehr könnten die CavalleriePionniere mit einlachen Werkzeugen und ohne besondere Vorbildung doch nicht leisten, ist sehr wenig gethan.

Zur Nachtzeil verkehrt man aul bedrohten Bahnlinien gewöhnlich nicht, und das ist allerdings für den Andern schon ein grosser Vortheil, den man den Parteigängern und dem Landsturm danken inuss.

Bei Tage sieht man die Unterbrechung von ferne; eine Entgleisung wird wohl nicht vorkommen: man ist zu vorsichtig, und die Unterbrechung ist binnen wenigen Stunden wieder fahrbar gemacht, da jeder Zug das nölhige Materiale hiezu mitnehmen kann und soll.

Auch werden die Strecken von den Etappen - Commanden und den Feldeisenbahn-Abiheilungen unablässig begangen, und die kleinern Schäden bei'Zeiten reparirt. Man müss daher (rachlen, grössere Zerstörungen, welche den Betrieb auf Wochen einzustellen zwingen, anzurichten, und dies kann nur" durch Zerstörung grösserer Kunstbauten: als Brücken, Viaducte,Tunnels, erreicht werden. Der von den Franzosen gesprengte Tunnel bei Nanteuil ist heute noch nicht fahrbar, und waren die Preussen gezwungen, mit grossein Zeilaufwande eine provisorische Bahn zu bauen, welche denselben umgiengDie von den Franctireurs zerstörte Eisenbahnbrücke bei A/lenay war erst Dach 12lägiger Arbeit, wieder hergesjtej/jt. Das yiei'e Sjchjene.iiaiifreissen bewirkte kaum eine nennenswe, rlhe Entgleisung.

Eine grosse Zerstörung ist nun keine leichte Sache und. mit geringen Mitteln schwer oder gar nicht ausführbar. Zudem ist auch die gegebene Zeit sehr kurz: kommen, zerstören und wiedej- gehen, — inuss das Werk eines Augenblickes sein!

Hier hilft nur das Sprengen, und das Dynamit bietet Gelegenheit, mit veaig Stoff viel zu zerstören. Die zu „weit ausgreifenden Expeditionen" bestimmten Cavallerie-Abtheilungen müssen daher Dynamit bei sieb haben, will man nicht eine halbe Massregel, in deren Resultaten man sich täuscht, —will man nicht, statt einen energischen Sprung zu thun, beim Anlauf stehen bleiben, — kurz, will man etwas „Ganzes" leisten.

ad 2. Die zum strategischen Sicherheitsdienst entsendeten Cavallerie-Körper haben eine ebenso wichtige als schwierige Aufgabe, nämlich: Die eigene Flanke der Armee, insbesondere während der Vorwärtsbewegung, zu sichern, indem sie das Terrain auf viele Meilen bin aufklären, Landsturin- oder sonstige Abtheilungen zersprengen und alle Communicationen, welche den Feind in die Flanke der eigenen Armee führen, von dieser aber voraussichtlich nicht benutzt werden, oder welche !ar den Gegner wichtige Transversal-Linien bilden, zerstören.

Die Occupation des feindlichen Gebietes durch die Cavallerie-AblheiItngen soll, womöglich, bis zu einer Vertheidigungslinie reichen, deren Coimnunicationen sie zerstören. Befinden sich Eisenbahn-Knotenpunkte oder wichtige Transversal-Bahnen auf' der andern Seite der Vertheidigungslinie, »sollen, wo möglich, auch diese zerstört werden.

Als die preussischen Heerestheile, welche zur Deckung der Cernirung ^on Paris nach Süden dirigirt würden, Orleans in ihren Besitz nahmen, sandten sie sofort eine Cavaller'ie-Diyision nach dem 10 Meilen entfernten Eisenbahnknotenpunkt Vierzon bei Bourgies (siehe Tafel 6, Februarheft i. 1), um denselben zu besetzen und eventuell Zerstörungen anzurichten und "iamit die wichtige Trahsversal-Linie Lyon-Tour s-L e M a n s und die Linie Bourges-Orleans zu unterbinden. Während des ganzen Vormarsches der Preüssen gegen Paris wurde in der linken Flanke, auf viele Meilen von der Marschiinic der Erstem entfernt, die preussische Cavallerie gesehen, und von dieser die wichtige Transversal-Bahn Belfort-Langres-Paris be,i Trpyes zerstört.

Als Man teuffei von Paris aus d^em bedrängten AjVe,/d^er, zu,, Hilfe eilte, Hess er den in seiner rechten_ Flanke, liegenden Knotenpunkt, Dqle durch Cavallerie besetzen und die Eisenbahn zerstören.

Es war,eine der ersten Unternehniun^jen se,itens derP^eussenJaiEeldzuge 187Jp, die französische^isenbahnlinie,Forhaph-H^ger|^u,.durchCa.Yflille,i;ie zerstören zu lassen, welcher man des Sprengens kundige Bergleute mitgab.

Den Franzosen wäre es gewiss nicht schwerer geworden, noch bevor die Badenser gerüstet waren, eine Cavallerie- Abtheilung nächtlicherweile über den Rhein zu senden, um die Rheinbahn zu zerstören.

Im Feldzug 1859 wurde von den Österreichern ein Cavallerie-Detachement am rechten Po-Ufer gegen die Bahnlinie Genua-Alessandria gesendet, welche, hätte sie Sprengmittel gehabt, um eine der vielen Kunstbauten gründlich zu zerstören, der eigenen Armee grosse Dienste geleistet haben würde, indem der Aufmarsch der Franzosen dadurch sehr erschwert worden wäre.

Die vielen Beispiele aus dem amerikanischen Krieg, wo kühne Reiterführer weit hinter dem Rücken der feindlichen Armee ausgedehnte Zerstörungen anrichteten, übergehen wir, weil dieselben als bekannt vorauszusetzen sind. Es ist nach diesem kein Zweifel, dass die Cavallerie bei ihren weit ausgreifenden Unternehmungen im Zerstören von Communicationen, insbesondere von Eisenbahnen, wichtige Dienste leisten wird, welche aber nur dann auch nachhaltig sein werden, wenn man schwierig henustellende Kunstbauten zerstört, und, um bei unserm Thema zu bleiben, wenn man auch diese Abtheilungen dem entsprechend ausrüstet.

Ausrüstung.

Wir beginnen mit dem wichtigsten Material: mit dem Dynamit, weil, wenn die Frage über dessen Beigabe gelöst ist, alles Andere leicht beantwortet wird. Dynamit ist nach dem Vorigen unbedingt für die Unternehmungen der Cavallerie nothwendig, und wir glauben, dass sich diese Überzeugung in massgebenden Kreisen bereits Bahn gebrochen hat. So deuten wir nämlich die von Seite der Genie-Waffe vor cavalleristischen Grössen ausgeführten Versuche zur Sprengung von Eisenbahnschienen mit kleinen DynamilLadungen, bei welchen sich herausstellte, dass man mit 1'/, Pfund Dynamit zwei Schienen an ihrem Zusammenstoss sammt der Laschenverbindung und dem Schweller zerstören und so eine momentane Unterbrechung des Betriebes erzielen kann. Eine nachhaltige Wirkung wird sich natürlich von der Zerstörung einiger Schienen-Paare Niemand versprechen, und wäre zu dem angeführten Zweck das Dynamit, so schätzenswerlh es auch hiebei ist, und so interessant die erwähnten Versuche waren, immerhin am leichtesten zu entbehren.

Das Zerstören der Schienen wird fast ebenso rasch und, was immerhin beachtenswerlh erscheint, jedenfalls geheimnissvoller bewirkt, wenn man mit schweren Schlägeln die Schraubenköple abschlägt, nachdem sie mit Slahlmeisseln angekerbt wurden, und man dann die Schienen sammt Schwellen aus der Bettung reisst, erstere wegschleppt, letztere zersägt oder verbrenntAuf diese Art wurden 1866 von der Genie-Truppe lange Strecken aufgegleist. Die Arbeit mit der Brechstange ist viel schwieriger. Für diese kleine Aufgabe halten wir also das Dynamit sehr schätzenswerth, zur Zerstörung von Kunstbauten aber für unersetzbar und unerlässlich. Hiczu gehört aber eine ziemlich grosse Quantität. Eine Gitterbrücke stärkster Gattung (Stadelauer-Brücke bei Wien) verlangt mindestens 4 Cenlner. Gelingt dem Streif-Commando nur eine solche Sprengung, so hat es seine Aulgabe erfüllt; mehr von einer Abiheilung zu verlangen, die sich, unbekümmert um den eigenen Rückzug, mitten unter die Feinde wagt, wäre unbescheiden und sanguinisch. Will man mehr thun, so darf hiezu die Müsse nicht fehlen, und in diesem Falle werden stets Genie-Truppen zur Hand sein, welche die Cavallerie-Pionniere der Mühe überheben.

Auf welche Weise soll nun das Dynamit fortgebracht werden? Zu den grossen Streifungen werden wohl kaum die Cavallerie-Abtheilungen der Truppen - Divisionen oder Corps, ausser es wäre eines derselben ganz selbständig, verwendet werden. Man wird die selbständigen CavallerieMvisionen oder eigens zusammengestellte Abtheilungen hiemit beauftragen. Die Cavallerie-Divisionen werden zum strategischen Sicherheitsdienst verwendet; sie eilen der Armee voraus und begleiten sie zur Seite.

Die Parteigänger wieder bedrohen den Rücken und die Flanke des Feindes. Es sollen daher auch nur die selbständigen Cavallerie-Divisionen und die aus selben zu bildenden Parteigänger-Abtheilungen mit Dynamit ausgerüstet werden, und wir würden jede dieser Abtheilungen mit der vorangeführten Quantität von 4 Centnern versehen. Es wurde von einer Seite vorgeschlagen, die Pionnier-Züge selbst mit Dynamit-Patronen auszurüsten, und zwar jedem Manne, der auch sonst noch Werkzeuge zu tragen hätte, je eine l1/,pfundige Patrone anzuhängen. Dieser Vorschlag konnte indessen nicht ernst gemeint sein. Die Pionniere müssen wie die andern Reiter in's Gefecht, zur Attake, und da würde man Knall auf Knall der durch feindliche Geschosse oder Hiebe, ja noch vor dem Gefecht, auf dem Marsche, im Biwak, durch den Sturz vom Pferde, durch den Hultritt, durch Unvorsichtigkeit zur Explosion gebrachten Dynamit-Patronen hören:

Der Pionnierzug wäre eine Beute der eigenen Waffe und den Seinigen geiürchteler als der Feind.

Zu den mit Dynamit ausgerüsteten, bei der mobilen Armee eingelheilten 52 Genie- und 25 Pionnier-Compagnien, zu den 26 Dynamit-Wagen der Corps-Munitions-Parks und des Armee-Schanzzeugparks, also zusammen 103 durch die Dynamit-Ausrüstung gefährdeten Punkten kämen noch jene, welche durch 41 Cavallerie-Pionnier-Züge unsicher gemacht werden.

Wir glauben also, dass das Dynamit nicht vom Manne getragen werden, und dass man nicht jeden Pionnier-Zug damit ausrüsten soll.

Es bleibt nun die Wahl zwischen der Verladung auf Fuhrwerken oder der Packung auf Traglhieren, und halten wir die letztere Methode für praktischer.

Die Cavallerie, welche im Rücken des Feindes oder in dessen Flanke agiren soll, muss über Stock und Stein, durch Wälder und auf Schleichwegen an's Ziel zu gelangen suchen; sie muss Flüsse durchschwimmen, Sch|uchten durchreiten etc.; ein Wagen wäre dabei höchst hinderlich; das Tragthier folgt der Cavallerie überall hin.

Wie würden also jeder Cavallerie- Division wenigstens 4 Tragthiere mit Sprengmunition beigeben, deren Ausrüstung genügen soll, um eine Eisenbalmbrücke stärkster Gattung zu spreugen. Zum Sprengen gehört aber auch die K-enntniss des Sprengens, welche die genaue Bekanntschaft mit dem Spreng- und Zündmittel, dann der Brücken-Gonslruction involvirt. Dies ist nun die allerschwierigste Sache des Genie-Felddiensles: es gehören hieiu Kenntnisse, die nur durch ausgedehnte fachliche Studien und fortgesetzte praktische Übung erlaugt werden können. Der Reitejr-Officier gibt seiner Ausbildung, seinen Gedanken eine nalurgemäss andere Richtung; er würde sich dafür bedanken, wenn man von ihm die, Kennlniss der chemischen und physjkEdischen Eigenschaften des Dynamit und der Züiwknitlel, die GonstructiQU, der Gitter-, Kasten-, Blechträger-, Röhren- und Kettenbrücken etc., wie sie alle heissen mögen, verlangen würde. Mit einem. Worte, das „Sprengen" ist nicht seine Sache; man muss daher wieder zu der von I ML. Baron Edelshcim 1866 gemachten Einführung zurückgreifen und jed^r CayallerierDivision einen GenierOfficier und drei Geoie-Unterofficiere beigeben, welche nicht nur die. Brücken zer.störeu, also das Sprengen vornehmen, soo^ern auch den ganzen technischen Dknst bei der GavaliorieDivision leiten könnten.

Die technischen Kräfte einer Cavallerie-Division von 4 Regimentern würden demnach bestehen aus:

1 Genie-Hauptmann und 3 Genie - Unterofficieren; 4 Pionniarzügen ä 1 Subaltern-Officier, 1 Führer, 2 Corporale, 32 Reiter; dann die 24 X 5 = 120 Escadrons-Pionniere; zusammen 5 Officiere, 15 Unlerofficiere, 248 Reiter; 4Tragthiere mil2Traglhier-Führern, — eine Kralt, mit der sich eben unter Voraussetzung einer tüchtigen Leitung auch ganz Tüchtiges leisten liesse. Nach Belieben kann unter dem Commando des Genie-Hauptmannes aus den ,4 Pionnierzügen zu Avant- und Arriercgarden, dann für besondere Unternehmungen eine Pionnier-Escadron zusammengestellt werden, und wir hätten die reitenden russischen Sappeure in erneuerter und verbesserter Auflage.

Die Ausrüstung würden wir folgendermassen zusammenstellen: a) Die E s c a d r o n s - P i o n n i e r e sollen laut der organischen, Bestimmungen die Werkzeuge für 2 Zimmerleute und 3 Erdarbeiter erhalten. Dieselben hätten somit zu tragen, und zwar:

1 Mann (Nr. 1) 1 Waldhacke samrat Futteral .
1 Handhacke „ „

1 Schnürslrick

1 Schanzzeug-Traggurte . .

Zusammen

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